Was läuft in den Schulen falsch?

  • Würde mal gerne das Thema aus dem GRV Thread rübernehmen, weil ich das ganz spannend und diskussionswürdig finde.


    Meine Meinung zum Problem hatte ich ja schon genannt...viele Kinder sind auf der falschen Schule und mangelnde Deutschkenntnisse machen es vielen Kindern unnötig schwer. Ein oft übersehener Aspekt ist auch, dass wir nicht nur am unteren Ende der Leistungsfähigkeit ein Problem haben. Da die letzten Jahre die Anforderungen immer weiter sinken, haben wir auch immer mehr unterforderte Kinder in den Schulen.

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    Allgemein Live Expertengespräch am 05.11.2026

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  • "Der frühere Chef des Lehrerverbands hat das deutsche Bildungssystem scharf kritisiert. Besonders problematisch sieht Josef Kraus den „Gymnasial- und Akademisierungswahn“. In einem Gespräch mit dem „Münchner Merkur“ warnte Kraus davor, dass viele Kinder für das Gymnasium „eigentlich nicht geeignet“ seien. „Die Gymnasien sind die neuen Hauptschulen“, sagte der langjährige Lehrerfunktionär."

    Kraus kritisiert außerdem ein sinkendes Leistungsniveau: „Die Ansprüche sind stark gesunken. Mit den guten Noten wird ihnen vorgegaukelt, dass sie mehr drauf hätten, als sie es wirklich haben. Zeugnisse sind damit zum Teil ungedeckte Schecks.“ Kinder seien häufig überfordert mit der Schulwahl und orientierten sich stattdessen am Freundeskreis, sagt Kraus.

    Quelle

  • Der Punkt der Sprachkenntnisse bei Einschulung war schonmal gerne ein Auslöser, in rechte Schubladen gesteckt zu werden. Aktuell ist es ein stark u.a. von der SPD besetztes Thema, die das in mehreren (allen?) Landtagen in irgendeiner Form platziert hat. Für mich ein richtiger, eigentlich selbstverständlicher Ansatz.

    Aber der einzige Punkt ist es sicher nicht. Da ist die Frage, wieviel Pädagogik man schon im Kindergarten mitgeben will (und v.a. auch: kann), ob es wirklich sinnvoll ist mit Fremdsprachen in der Grundschule zu beginnen, Fachkräftemangel bei Lehrkräften und wie man darauf reagiert, auch das Thema Infrastruktur an sich spielt da rein. In meinem Bekanntenkreis ist ein Lehrer aus dem Ahrtal, dessen Schule heute, mehr als 5 Jahre nach der Flut, immer noch in einer großen Containersiedlung untergebracht ist, weil die Sanierung der flutbetroffenen Altgebäude nicht voran geht. Der sagt, in gewisser Weise sei die Flut vielleicht das beste gewesen, was diesem Gymnasium passieren konnte, denn trotz der Container sei das Raumangebot und v.a. die Technik darin ein Quantensprung gegenüber dem gewesen, was man vorher gehabt hat. Ich denke, sowas merken Kinder, spätestens aber Jugendliche auch, und das macht sich dann auch am Bildungserfolg bemerkbar.

    Ich denke, es ist wie bei vielen Themen: Politisch wird man die Pisa-Ergebnisse nutzen, um die eine fürs eigene Parteiprogramm (um das Wort Ideologie zu vermeiden) passende Stellschraube zu markieren, an der unbedingt in großem Stil gedreht werden soll. Das läuft ja schon. Real ist es aber eigentlich ein Sammelsurium von Schräubchen, an denen man viel zu lange zu wenig bis gar nichts wenigstens leicht angezogen hat, und dann wirds halt schwierig wo fängt man an, wie solls bezahlt werden...

  • Sprachkenntnisse. Eine Schule kann nicht nebenher ausreichende Deutschkenntnisse vermitteln. (Das betrifft nicht nur Kinder, deren Eltern deutsch nicht als Muttersprache haben sondern auch Kinder, die von ihren Eltern vor YT usw geparkt werden.)


    Medienkonsum. Das sorgt für eine geringe Aufmerksamkeitsspanne und es fehlen soziale Interaktionen von Kindern miteinander.


    Gestaltung des Unterrichts. 1 Lehrer für 25-30 Schüler funktioniert nur in Ausnahmen. Das Aushändigen eines Tablets ohne entsprechende Begleitung durch die Schule ist sinn- und nutzlos. Lehrer machen unzählige Dinge nebenbei, die auch von anderen gemacht werden könnten und dann nicht pädagogische/fachliche Kapazität binden.

  • Wer möchte kann gern schauen:

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    Migration ist nur eins der Probleme. Die grundsätzlichen Defizite treffen aber genau so auf Kinder mit deutscher Muttersprache zu. Verstärkt bei Kindern deren Elternhaus aus den sog. 'bildungsfernen Schichten' kommen.
    Ich muss dazu sagen, dass mein Vater kriegsbedingt nur 6 Jahre die Schule besuchen konnte. Vielleicht war es Ihm gerade deshalb wichtig, dass Seine Kinder einen vernünftigen Schulabschluss bekommen. :/

  • Eventuell nur mal wieder die typischen Schlechtredner Deutschlands am Werk ... ?!


    Gegen die vermeintlich (niederschmetternden) Ergebnisse der PISA-Studie sprich doch:

    Die massive Zunahme der Abiturquote (zu meiner Schulzeit in der Oberstufe noch bei nur rund 10% - heute bei 45-50% und damit eine vervier- oder verfünffachte Abiturquote

    Der massive Zuwachs an Einser-Noten über die letzten Jahre hinweg (gemäß mir erinnerlicher Statistik der Kultusministerkonferenz (KMK)). Tenor: Die Einser-Bewertungen haben sich von einer Seltenheit oder Ausnahme zu einem Massenphänomen entwickelt.

    Stadtstaat Berlin - um nur ein Beispiel aus diversen zu nennen: Allein seit dem Jahr 2006 bis heute ist eine Verzehnfachung der Bestnote 1,0 zu konstatieren und eine Eins vor dem Komma (1,0 - 1,9) erreichen in Berlin über 30% der Schüler mithin fast jede(r) Dritte.


    Demzufolge scheinen die Leistungen der Schüler an/in deutschen Schulen in den vergangenen Jahren doch sensationell besser geworden zu sein ... ?!


    Kommt mir mit der PISA-Studie ein bißchen so vor, wie beim Thema der "Wettbewerbsfähigkeit" des Standort "Deutschlands". Nur wenn man anfängt, das mit anderen Ländern zu vergleichen, sieht das mau aus.

    Bezüglich der PISA-Studie und dem Vergleich mit anderen Ländern: Anstatt sich mal über die tolle Entwicklung der Abiturquoten und die sensationelle Entwicklung bei den Noten (siehe oben) hierzulande zu freuen ... muß da unbedingt auch noch - das Leistungsniveau der Schüler betreffend - ein Vergleich mit anderen Ländern angestrengt werden ... ?

  • Es ist ein Unding, dass in Bayern die Lehrer die Abitur deren eigenen Schüler korrigieren.

    Verstehe den Satz so wenig ...

    ... wie die Diskrepanz "PISA-Studie" einerseits versus "Abiturquote und Einser-Noten" andererseits.

    Entweder - sehr pointiert formuliert a la Feuerzangenbowle (Professor Crey und Schüler Pfeiffer, der mit den drei "f" - ein "f" vor dem "e" und zwei "f" danach) - unsere "Schöler werden immer dömmer" (Tenor PISA-Studie) oder unsere Schüler werden immer besser, gebildeter und schlauer (Entwicklung Abiturquoten und Einser-Bewertungen) ... ?


    Oder es existiert - losgelöst von PISA und dem internationalen Vergleich - eine rein "binnenwirtschaftlich" sprich innerdeutsch orchestrierte, massive Erhöhung der Abiturquoten und orchestrierter Inflationierung von Einser-Noten ... :rolleyes:

    Sollte dem so sein, ist die sich anschließende Frage nach dem Grund sprich dem "Warum" ... ?

  • Steigend Gymnasial- und Abiturquoten sind ein Effekt der Bildungsexpansion, die Noteninflation hingegen ist vermutlich eher ein Effekt der mangelnden Selektionsleistungen der Schulen (wer will schon als Schule mit schlechten Schülern angesehen werden).

  • Wie wäre es, neben der Schulpflicht eine Kindergarten/Vorschulpflicht einzuführen um neben diversem Sozialverhalten auch Sprache zu vermitteln?

    Das System gibt es in der Schweiz.

    Erstes Problem ist halt, dass man dann auch entsprechend Plätze bereitstellen muss. Trotz Anrecht auf einen Betreuungsplatz reicht es aktuell ja nicht für alle Eltern, die einen wollen. Wenn du jetzt noch die anderen verpflichtend in den Kindergarten schickst...

    Zweites Problem ist, dass in gewissen Gegenden der Kindergarten nicht automatisch die deutsche Sprache garantieren würde. Meine Freundin hat in ihren Realschulklassen >90% Migrationsanteil, die Kindergärten in den Vierteln sehen sicherlich ähnlich aus. Dort müsste man gezielt bei mangelnden Sprachkenntnissen fördern. Braucht halt nochmal sehr viel mehr Personal


    Warum und in was unterscheidet sich Bayern da von NRW oder Niedersachsen?

    In BW korrigieren die eigenen Lehrer auch. Es gibt dann noch zusätzlich einen Zweitkorrektor, aber wenn sich beide nahe genug sind, wird einfach der Durchschnitt gebildet.

  • Steigend Gymnasial- und Abiturquoten sind ein Effekt der Bildungsexpansion, die Noteninflation hingegen ist vermutlich eher ein Effekt der mangelnden Selektionsleistungen der Schulen (wer will schon als Schule mit schlechten Schülern angesehen werden).

    Bin nicht ansatzweise ein Bildungsexperte oder Fachmann für den internationalen Vergleich von Bildungssystemen:

    Angenommen, das wären schlüssige Erklärungen, so stellt sich aber schon bei nur Einsatz von GMV (Gesunder-Menschen-Verstand) die Frage, ob diese Phänomene dann nicht auch in anderen (mit Deutschland vergleichbaren) Ländern (der OECD) auftreten sollten ... ?


    Oder wie es mir mal ein Prof. hier vor Ort versuchte zusammenzufassen:

    "Die Schulen sind heute -vermutlich auch politisch so gewollt sprich gezielte Absenkung des Leistungsniveaus - deutlich wohlwollender, gnädiger und nachgiebiger bei der Notengebung und der Vergabe des Abiturs, während parallel das tatsächliche und fundamentale Leistungsniveau der Jugendlichen in der Breite messbar sinkt. Das Abitur hat damit seine Funktion als zuverlässiger Gradmesser für die allgemeine Studierfähigkeit teilweise bis weitgehend eingebüßt. Der Grund, warum Hochschulen zunehmend eigene Auswahlkriterien einführen"


    Apropos "Auswahlkriterien" abseits des universitären Umfelds sprich Unternehmen und Personalchefs betreffend:

    Wenn immer mehr ein Abitur im Lebenslauf haben, werden dessen Abitur-Noten wichtiger. Und auch aus welchem Bundesland dieses Abitur stammt (Beispiel: Berlin versus Bayern). Wenn immer mehr einen akademischen Abschluß haben, werden die Noten desselben wichtiger. Schließlich wird auch immer wichtiger, an welcher Universität (Renommee) im In- oder Ausland dieser Abschluß erzielt wurde. Die Auswahlkriterien (Selektion) werden somit - als Reaktion auf diese beschriebene Entwicklung (Abiturquote und Noteninflationierung) - ausdifferenzierter und verschieben sich, werden aber natürlich nicht verschwinden.

  • Würde mal gerne das Thema aus dem GRV Thread rübernehmen, weil ich das ganz spannend und diskussionswürdig finde.


    Meine Meinung zum Problem hatte ich ja schon genannt...viele Kinder sind auf der falschen Schule und mangelnde Deutschkenntnisse machen es vielen Kindern unnötig schwer. Ein oft übersehener Aspekt ist auch, dass wir nicht nur am unteren Ende der Leistungsfähigkeit ein Problem haben. Da die letzten Jahre die Anforderungen immer weiter sinken, haben wir auch immer mehr unterforderte Kinder in den Schulen.

    Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. (Sokrates, 470-399 v.Chr.)

  • Antwort auf Sovereign Ich sehe es im Grunde genauso. Was Deutschland eben nicht bzw. kaum hat (und die Exzellenz Unis sind nur ein Versuch in diese Richtung), sind "Eliteschulen und Universitäten" mit entsprechenden (finanziellen) Austattungen. Das föderale System im Brereich Bildung ist auch oft eine Innovationsbremse, und bis in der KMK etwas ausgehandelt ist, vergehen meistens Jahre.

  • Die Misere fängt doch schon damit an, dass es keine Noten mehr in der Grundschule (wohl nicht überall) gibt. Selbst beim Sportwettkampf werden nicht mehr die Weiten oder Zeiten gewertet. Außerdem fehlt es allem, wenn man eine verpflichtende Vorschule einrichten will. Das letzte Jahr vor der Einschulung sollte aber zwingend in einer Vorschule u.a. auch mit Sprachförderung verbracht werden.
    Ob es hingegen zielführend ist, die Inklusion bis zum TZ durchzusetzen, scheint zumindest mir überlegenswert. Manches Menschenkind kann einfach nicht in einer Regelschule sachgerecht unterrichtet werden.

  • Noten in der Grundschule - meine Kinder haben in 2 Bundesländern welche bekommen. Das ist also vom Land abhängig.


    Sport - normalerweise ist es ein Ansporn, besser zu sein. Wenn das aber aus körperlichen Gründen nicht geht, ist das kein Spaß und eine Benachteiligung, für die es keine Abhilfe gibt. (Ich meine hier keine medizinisch dokumentierte Einschränkung sondern einfach unterschiedlich schnelle körperliche Entwicklung.)

  • Man wundert sich, wie die Nachkriegsgeneration unter pädagogisch heute kaum vorstellbar schwierigen Bedingungen (mit vielen Jahrgängen in einem Raum, traumatisierten Eltern, Lehrern und Kindern, teilweise ohne oder nur mit minderwertigem Schulmaterial und häufig mit dem Fokus auf Mithilfe auf dem Hof oder anderen Betrieben) dazu beitragen konnte, die Grundlage für das größte Wirtschaftswunder seit Langem zu schaffen.

    Wir jammern heute meines Erachtens auf sehr hohem Niveau. Ich habe zunehmend das Gefühl, dass es vielen Menschen in diesem Land schlicht zu gut geht und deshalb der Druck für Leistung und notwendige Reformen fehlt. Das gilt auch aber nicht nur für den Bildungsbereich. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass die Einsicht in die notwendige Veränderung bald kommen wird. Aber erst, wenn der Reformdruck noch deutlich größer geworden ist.