Koalitionsverhandlungen: SPD will 30% auf Kapitalerträge

  • Warum erhöhen wir dafür nicht den Soli und führen ihn für alle wieder ein. Dann gibt es halt keine 3% Beitragserhöhung sondern einen allgemeinen Soli von 3%

    Der Staat hat einen Anspruch auf Steuer und nicht auf dauerhafte Zuschläge. Ich schreibe schon seit 20 Jahren, daß dieser elende "Soli" in den allgemeinen Steuertarif eingerechnet gehört.

    Aber dazu wird es wohl nie kommen, stattdessen ziehen verschiedene Diskutanten immer wieder neue Solis aus dem Hut (etwa einen Gesundheits-Soli), wenn sie wünschen, daß der Staat etwas finanziert, wofür er eigentlich kein Geld hat.

  • Ich vermisse die 30% auf Kapitalerträge. War die ganze Diskussion umsonst? Aber vielleicht haben sie Muffensausen bekommen, als der Thread im Morgenkreis vorgelesen wurde. 😉

    Abwarten, denn...

    Klingbeil sagte heute auf der PK, dass man sich über die Finanzierung der Projekte erst noch Gedanken machen würde. Diese Frage wurde zu Beginn der Koalitionsgespräche bewusst ausgeblendet, da sie anscheinend bei den Verhandlungen der Ampel-Koalition im Weg gestanden hat, diesen Fehler wollte man nicht noch einmal begehen. Da die SPD das Finanzministerium erhält, würde ich die Erhöhung der Kapitalertragsteuer noch lange nicht ausschließen.

    "If you don't believe it and you don't get it, I can't make you believe it."

    – Satoshi Nakamoto

  • Das wurde ja nirgendwo so heiß diskutiert wie hier.

    Das hier statt Aktienrente:

    Die "Frühstart-Rente" ist ja wohl ein schlechter Witz. 10 EUR im Monat, und dann nicht ab Geburt, sondern erst ab 6 Jahre.

    Das sind bis zum 18. Geburtstag in 12 Jahren 1.440 EUR Einzahlung. Selbst wenn sich das in den 12 Jahren verdoppelt, wären das nominal 2.880 EUR, nach Inflation nochmal deutlich weniger, und wo das "privatwirtschaftlich organisierte" Depot herkommen soll, ist auch nicht geregelt. Vermutlich wird sich da die Finanzprodukte-Lobby auch noch Gebühren abzweigen (oder jedenfalls die Gelegenheit nutzen, den wohlmeinenden Eltern direkt alle möglichen weiteren Produkte für sich und ihr Kind zu verkaufen). Die bekommen darüber sehr frühzeitig Zugriff auf eine weitere Kundengruppe.

    Okay, es soll auch nach dem 18. Geburtstag weiter bespart werden können (allerdings nur bis zu einem nicht näher genannten Höchstbetrag). Und dann "bis zur Rente" steuerfrei sein. Das heißt faktisch, die Vorabpauschale fällt wohl weg (aber die ist ohnehin überschaubar bzw. bei vielen Menschen vom Freibetrag abgedeckt, gerade die ersten Jahre oder Jahrzehnte; mehr Steuer fällt ja bei Buy & Hold nicht an), bei Renteneintritt und Entnahme wird dann aber vermutlich der gesamte Gewinn voll versteuert.

    Wenn das dann noch kostenpflichtige Depots werden und sich darüber die Finanzproduktindustrie 1-2% (natürlich, wie das üblich ist, auf den Depotwert, nicht auf den Gewinn!) jährlich abzweigt, dürfte ein "ganz normales" kostenloses Depot mit Vorabpauschale günstiger sein (und dazu das Geld jederzeit frei verfügbar).

  • Du beschreibst das schon richtig.

    Ich ahne schon wie da vor allem die Kreissparkassen und Volksbanken sabbernd vor den ganzen Kundendaten stehen

    Noch eine überteuerte Unfallversucherung gleich dazu ?

    Das mit der „Bildungseinrichtung“ soll das übliche Spiel wie beim Kindergeld verhindern.

    Dort zahlt Deutschland bekanntlich auch Kindergeld für z.B. bulgarische Kinderscharen, die in der Heimat leben.

  • ich finde diese wirtschaftsfeindliche Äußerungen bedenklich, unsere liebe Finanzwirtschaft schafft gut bezahlte Leistungsträgerjobs und steigert das Bruttosozialprodukt und darum geht es doch oder nich

    Du solltest das wirklich mit Ironie kennzeichnen…

    Ich stelle mir gerade schon die Scharen von Eltern vor, die statt der grausigen Kindergirokonten dann in der Warteschlange stehen um bei DEKA und Union Investment mit zitternden Händen die lebenslangen Verträge für ihre Kinder unterschreiben.

  • ich finde diese wirtschaftsfeindliche Äußerungen bedenklich, unsere liebe Finanzwirtschaft schafft gut bezahlte Leistungsträgerjobs und steigert das Bruttosozialprodukt und darum geht es doch oder nich

    Ironie bitte kenntlich machen, ist sonst für einige schwer zu erkennen und es entstehen Missverständnisse. Danke.

    PS: Zwei Doofe... ^^

    "If you don't believe it and you don't get it, I can't make you believe it."

    – Satoshi Nakamoto

  • Der Staat hat einen Anspruch auf Steuer und nicht auf dauerhafte Zuschläge. Ich schreibe schon seit 20 Jahren, daß dieser elende "Soli" in den allgemeinen Steuertarif eingerechnet gehört.

    Aber dazu wird es wohl nie kommen, stattdessen ziehen verschiedene Diskutanten immer wieder neue Solis aus dem Hut (etwa einen Gesundheits-Soli), wenn sie wünschen, daß der Staat etwas finanziert, wofür er eigentlich kein Geld hat.

    So blöd kann doch aber niemand wirklich sein - weder Bürger noch Abgeordneter - dass er annimmt, dass man beliebig viel Geld für alles mögliche ausgeben kann, ohne das durch Einnahmen (die natürlich und zwangsläugfig durch Steuern oder Abgaben erzeugt werden) gegenzufinanzieren. Oder ist die Annahme allen Ernstes, dass angenommen wird, dass immer "die anderen" zahlen, während man selbst profitiert?

  • Ist es nicht etwas früh dafür, den eventuellen Durchführungsweg einer geplanten Massnahme aus dem noch nicht beschlossenen und erst recht nicht unterschriebenen Planung einer wahrscheinlichen Regierung zu kritisieren?

    Wenn das Ganze anläuft, dann wird es Konkretisierungen geben, dann kann man das noch immer nicht gut finden.

    Wer dem Vorhaben grundsätzlich abgeneigt ist, der kann natürlich Alternativen aufbringen.

    Als Beispiel:

    Wenn der Strompreis in Leipzig unter einen gewissen (und noch zu definierenden) Wert fällt, werden bundeseigene Krypto-Mining-Farmen angeschmissen und die entsprechenden Bitcoin werden Kindern und Jugendlichen als Startkapital gegeben.

  • Das passt jetzt irgendwie alles nicht mehr zum Threadtitel.

    Ich habe einen Thread zum Koalitionsvertrag eröffnet.

    LebenimSueden
    10. April 2025 um 11:28
  • So blöd kann doch aber niemand wirklich sein ...

    Da wäre ich - aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen - gerade bezüglich von Politikern ("Abgeordnete") inhaltlich immer bei Helmut Schmidt (SPD) dem ehemaliger Bundeskanzler:

    "Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden"

    ,,, dass er annimmt, dass man beliebig viel Geld für alles mögliche ausgeben kann, ohne das durch Einnahmen (die natürlich und zwangsläugfig durch Steuern oder Abgaben erzeugt werden) gegenzufinanzieren.

    So wie es früher mal in der 80ern hieß "Wozu Atomkraft ? Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose !" scheinen auch heute manche Politiker zu glauben, daß "Geld aus der Steckdose" kommt oder auf wunderbare Weise wie "Manna vom Himmel" fällt ...

    Davon abgesehen: Manche setzen gar nicht auf einen "Gegenfinanzierung durch Steuern oder Abgaben" - sondern einfach auf neue Schulden.

    Oder ist die Annahme allen Ernstes, dass angenommen wird, dass immer "die anderen" zahlen, während man selbst profitiert?

    Eine der typischen aber auch fatalsten Abläufe (besonders häufig bei sozialistischen Ansätzen): Wenn einem als Politiker irgendwann das Geld fremder Leute ausgeht ...

  • So blöd kann doch aber niemand wirklich sein - weder Bürger noch Abgeordneter - dass er annimmt, dass man beliebig viel Geld für alles mögliche ausgeben kann, ohne das durch Einnahmen (die natürlich und zwangsläufig durch Steuern oder Abgaben erzeugt werden) gegenzufinanzieren.

    Der Punkt ist ein anderer.

    Mir ist es egal, wie das heißt, was ich an den Staat abgeben muß. Deswegen schreibe ich beispielsweise immer, daß die Abgeltungsteuer 26,375% betrage und nicht 25%. Ich halte ersteres für die ehrliche Angabe.

    Zu Kohls Zeiten meinte der Staat, er brauche Geld für den Aufbau Ost. Die Steuer erhöhen wollte man aus psychologischen Gründen aber nicht, also erfand man einen Steuerzuschlag, der mit einem positiven Namen belegt wurde: Solidaritätszuschlag. Ist es nicht menschlich erfreulich und auch sozial, daß wir alle solidarisch sein wollen? Nach einem Jahr war er wieder weg, doch der Finanzminister hatte sich gemerkt, wie leicht man auf diese Weise das Steueraufkommen erhöhen, aber dennoch sagen konnte: "Schau, wie niedrig unsere Steuersätze sind!"

    Ich habe das mal ironisch überhöht: Rein rechnerisch könnte man die Einkommensteuer komplett abschaffen und nur noch Solidaritätszuschlag erheben (der dann natürlich arithmetisch anders berechnet werden müßte). Das läßt sich aufkommensneutral gestalten. Und doch könnte man dann sagen: Steueroase Deutschland! Einkommensteuer 0%!

    Derart ins Extrem getrieben wäre der Etikettenschwindel natürlich offensichtlich.

    Immer wieder hört man die Leute etwa von einem Gesundheitssoli schwärmen (der dann natürlich nur die Reichen treffen soll, somit Dich und mich natürlich nicht!). Man könne auf diese Weise die Krankenkassenbeiträge niedrig halten oder erniedrigen oder was auch immer. Vergebliche Liebesmüh!

    Der Soli gehört im Interesse der Ehrlichkeit weg, schon seit Jahrzehnten, und in den allgemeinen Steuertarif eingearbeitet. Ein Staat sollte zu seiner Finanzierung Steuern erheben und nicht Zuschläge auf Steuern. Wenn der Staat meint, er brauche das Geld, soll er sagen: Abgeltungsteuer 26,375% (wie es wirklich ist) und nicht fälschlich: 25%.

  • (der dann natürlich nur die Reichen treffen soll, somit Dich und mich natürlich nicht!)

    Der übliche Unterschied zwischen "soll" und "wird" ;)

    Ich stimme dir in weiten Teilen zu, würde noch einen Schritt weitergehen.

    Es müsste eine offene Diskussion darüber stattfinden, was staatliche Kernaufgaben sind (ich würde da Dinge wie Krankenversicherung, Rentenversicherung, Infrastruktur und einiges andere sehen). Dann schaut man, was das kostet.

    Und alles über diese Aufgaben hinaus sind Ergänzugen, die auch finanzielle Ergänzungen benötigen. Also höhere Steuern und Abgaben. Und da wäre mein Anliegen, dass das vor einer Wahl klar gesagt wird - wir wollen X machen, das kostet die Summe Y und das Geld holen wir uns auf folgende Weise.

    Passiert ist das Gegenteil. Es wurde suggeriert, man könne 1 Bio. Euro organisieren, indem man auf Bürgergeldempfängern rumhackt. Keine Ahnung, ob das wirklich jemand ernsthaft geglaubt hat...

  • Eine der typischen aber auch fatalsten Abläufe (besonders häufig bei sozialistischen Ansätzen): Wenn einem als Politiker irgendwann das Geld fremder Leute ausgeht ...

    Ich meinte den Wähler. Ob der glaubt, dass dauerhaft Wohltaten für ihn vom Himmel fallen und andere dafür zahlen.
    Ein Politiker merkt früher oder später, dass Ausgaben und Einnahmen nicht mehr zusammen passen. Welche Schlüsse er daraus zieht, steht auf einem anderen Blatt.

  • Der Soli gehört im Interesse der Ehrlichkeit weg, schon seit Jahrzehnten, und in den allgemeinen Steuertarif eingearbeitet. Ein Staat sollte zu seiner Finanzierung Steuern erheben und nicht Zuschläge auf Steuern. Wenn der Staat meint, er brauche das Geld, soll er sagen: Abgeltungsteuer 26,375% (wie es wirklich ist) und nicht fälschlich: 25%.

    Das macht der Staat doch schon lange in einem anderen Bereich und niemanden scheint es zu interessieren. Auf die Energiesteuer, früher Mineralölsteuer, bei Benzin und Diesel wird noch die Mehrwertsteuer fällig.

  • Als Beispiel:

    Wenn der Strompreis in Leipzig unter einen gewissen (und noch zu definierenden) Wert fällt, werden bundeseigene Krypto-Mining-Farmen angeschmissen und die entsprechenden Bitcoin werden Kindern und Jugendlichen als Startkapital gegeben.

    Interessanter Vorschlag, jedoch hat er so seine Tücken. Mal abgesehen davon, ob man so ein Greater-Fool-Asset als etwas Werthaltiges betrachtet, das staatlicherseits gefördert werden sollte, dürften die Kosten für den Betrieb solcher Anlagen nicht annähernd durch die zu erwartenden Erträge gedeckt werden. Neben den Investitionskosten für den Aufbau solcher Anlagen kommen eben auch die laufenden Kosten wie z.B. Überwachungs- und Wartungspersonal hinzu. Um Abschreibung und laufende Kosten zu decken bzw. sogar einen Überschuss zu generieren, müssen die Anlagen mit einer möglichst hohen Auslastung, z.B. größer als 90% laufen. Aufgrund des Designs dieser Konstruktion dürfte die Auslastung jedoch eher im Bereich 10-30% liegen. Da könnte ich mir vorstellen, dass solche Anlagen nur defizitär betreiben werden können.

    Warum sollte der Staat Kindern und Jugendlichen überhaupt ein Startkapital zur Verfügung stellen?

  • Ich meinte den Wähler.

    Verstehe.

    Dies hier kann man auch anders verstehen (sprich auch Politiker sprich "Abgeordnete" einbeziehen).

    So blöd kann doch aber niemand wirklich sein - weder Bürger noch Abgeordneter ...

    Hierzu

    Ein Politiker merkt früher oder später, dass Ausgaben und Einnahmen nicht mehr zusammen passen.

    Das sollte so sein. Dazu kommt aber: Man muß das auch "merken" sprich wahrnehmen wollen. Da Politiker via Steuergeld gestalten, stehen Aspekte wie Einsparungen (Ausgabenseite) eher ganz im Hintergrund. Im Gegensatz meist zur Einnahmeseite ...

    Welche Schlüsse er daraus zieht, steht auf einem anderen Blatt.

    In der Regel den Schluß (noch) höhere Steuern und Abgaben zu verordnen und/oder (noch) mehr Verschuldung einzugehen. Das Nachdenken über das Setzen von Anreize bzw. von Fehlanreizen gehört dagegen nicht zwingend zum Repertoire aller politischen Protagonisten ...

    Ob der glaubt, dass dauerhaft Wohltaten für ihn vom Himmel fallen und andere dafür zahlen.

    So wie es um die Finanzbildung hierzulande schon medioker bis mau bestellt ist - dürfte es sich ganz ähnlich mit dem Grundwissen und Grundverständnis bezüglich wirtschaftlicher Zusammenhänge und Kausalität verhalten.

  • Zitat

    Was steht für Familien im Koalitionsvertrag?

    Künftige Eltern können auf ein höheres Elterngeld hoffen - sowohl der Mindestsatz von derzeit 300 Euro als auch der Höchstsatz von 1.800 Euro sollen angehoben werden.

    Das finde ich schräg. Steuergeschenke allerorten. Ich erinnere mich noch gut daran, als Alleinerziehende mein 9 Monate altes Kind in die Kita gegeben zu haben, um arbeiten gehen zu können. Nicht dass ich es wollte, bezahlt zu Hause zu bleiben hätte ich toll gefunden. Wäre auch meinem anderen Kind nach der Grundschule zugute gekommen!

  • Das finde ich schräg. Steuergeschenke allerorten. Ich erinnere mich noch gut daran, als Alleinerziehende mein 9 Monate altes Kind in die Kita gegeben zu haben, um arbeiten gehen zu können. Nicht dass ich es wollte, bezahlt zu Hause zu bleiben hätte ich toll gefunden. Wäre auch meinem anderen Kind nach der Grundschule zugute gekommen!

    €1800? Da wäre so mancher Rentner froh, wenn er nach 45 Jahren Arbeit das als Rente bekäme.

  • Das finde ich schräg. Steuergeschenke allerorten. Ich erinnere mich noch gut daran, als Alleinerziehende mein 9 Monate altes Kind in die Kita gegeben zu haben, um arbeiten gehen zu können. Nicht dass ich es wollte, bezahlt zu Hause zu bleiben hätte ich toll gefunden. Wäre auch meinem anderen Kind nach der Grundschule zugute gekommen!

    Äpfel und Birnen. Alleinerziehend oder nicht, wie viel Geld brauchst du zum Leben bzw. hättest du überhaupt den Höchstsatz bekommen?