Rentenbeginn mit 63 ohne Abschläge, Jahrgang 1968

  • Eigensinn und Gemeinschaftssinn.

    Da ist einigen „der Arsch Näher als die Hose“.

    Wir Menschen sind nun mal sehr oft Egoistisch, ob das jetzt gut oder schlecht ist weiß ich nicht.

    Die andere Frage ist denn woher kommt diese „Arbeitsunlust“ ?

    Körperlicher Verfall, fehlende Wertschätzung, sinnfreie Beschäftigung?

    Es gibt viele Gründe doch bin ich der Meinung das nicht alle Menschen diesen „Joker“ ziehen. Genaue Zahlen kenne ich nicht, aber viele arbeiten auch gerne und für diese Personen ist es auch überhaupt keine Option.

    Langfristige Zufriedenheit mit dem Job und im Leben ist das was zählt.

  • Mich interessiert eure Meinung zu der moralischen Frage der Beanspruchung des Sozialstaats für die persönliche Lebensplanung. Findet ihr das unproblematisch, dass die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ab etwa 60 so oft zur Finanzierung von Arbeitsunlust genutzt wird?

    Nicht falsch verstehen: Es geht mir nicht um den konkreten Fall, sondern grundsätzlich um das Spannungsfeld von Eigensinn und Gemeinschaftssinn.

    Ich stimme Dir eigentlich zu. Es ist bloss seltsam, dass bei Firmen das kapitalistische Prinzip "maxinaler Ertrag bei minimalem Einsatz" (Gewinnmaximierung) hochgehalten wird und keineswegs als verwerflich angesehen wird. Aber wenn ein einzelner Arbeitnehmer das macht, dann ist das "böse". Warum gelten da verschiedene Maßstäbe?

  • Sozialversicherungen sind für den Einzelnen viel zu abstrakt, als dass man ihnen irgendeine persönliche Empathie entgegenbringen könnte.

    Andererseits scheint es der Gesellschaft ja sehr wichtig zu sein, ordentlich Druck auf die Leistungsempfänger am ganz unteren Rand zu machen, wie man so hört.

    Manche beklagen, dass man mit 60+ nicht mehr eingestellt würde oder wenn man einen Job hat, rausgedrängt würde. Andere suchen nach der Möglichkeit gezielt in die Arbeitslosigkeit ohne Abschläge zu gehen.

  • Wenn man 45 Jahre lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, dann erscheint es nicht sonderlich verwerflich deren Leistung auch mal in Anspruch zu nehmen. Wahrscheinlich ist nach 2 Jahren ALG immer noch ein Plus in der Kasse.

    Klar hat es ein Geschmäckle den Leistungsfall selber herbeizuführen. Andererseits kennt das Gesetzt ja dafür eine Sanktion und streicht bis zu 6 Monate Leistungsbezug. Aber es verfällt eben nicht der gesamte Anspruch.

  • Und es ist ja nicht allein auf die Sozialversicherungen bezogen. Da hier sowohl Verantwortlichkeiten als auch Geld hin und her geschoben werden - auch zwischen Sozialversicherungen und Steuern - muss man mehr betrachten, als die Einzahlungen in die Sozialversicherungen. Z.B. auch die Steuern und Abgaben.

  • Mich interessiert eure Meinung zu der moralischen Frage der Beanspruchung des Sozialstaats für die persönliche Lebensplanung. Findet ihr das unproblematisch, dass die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ab etwa 60 so oft zur Finanzierung von Arbeitsunlust genutzt wird?

    Nicht falsch verstehen: Es geht mir nicht um den konkreten Fall, sondern grundsätzlich um das Spannungsfeld von Eigensinn und Gemeinschaftssinn.

    Das ist einer der vielen Fehler und Ungerechtigkeiten in unseren Steuer-, Abgaben und Sozialsystemen.

    Ich bin ein Freund des schlanken Sozialstaates.

    Kranken-, Schwachen, Menschen mit Handicaps etc. gehört auf jeden Fall von staatlicher Seite geholfen, wenn die Hilfe in der Familie nicht ausreicht.

    Jeder der arbeitsfähig ist, aber aus welchen Gründen auch immer keine Stelle findet, sollte zur Erlangung von Transferleistungen zu allgemeinnützigen Tätigkeiten herangezogen werden. Keine Mitwirkung, keine Geld.

    Im Gegenzug müssten Steuern und Abgaben auf Arbeitslöhne stark fallen, damit diese (wieder) attraktiver werden.

    Bei mir im Bekanntenkreis gibt es viele wohlhabende Menschen, die verständlicher Weise die 24 Monate ALG I mitnehmen....Dies können (incl. Renten und PKV Zuschuss) ja leicht 120k Euro netto Geldwert sein. Reicht für ein hübsches neues Auto.

    Nachvollziehbar durchaus (zumal diese Menschen ja auch mehr als üppige Steuern und Abgaben geleistet haben) - richtig im Sinne des Systems: Nein.

  • Und: die Leute kommen ja nur deswegen auf solche Ideen, weil der Gesetzgeber nicht sauber gearbeitet hat.

    Mit >45 Jahren kannst du 2 Jahre eher abschlagsfrei in Rente gehen

    Nutzt du aber die Möglichkeit 4 Jahre mit Abschläge in Rente zu gehen, werden Dir nicht die Abschläge für die 2 Jahre Differenz berechnet, sondern für die 4 Jahre. D.h. die 2 Jahre die Dir eigentlich zustehen lässt man unter den Tisch fallen. Auch nicht fair, oder?

  • Wenn man 45 Jahre lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, dann erscheint es nicht sonderlich verwerflich deren Leistung auch mal in Anspruch zu nehmen.

    Es soll ja Menschen geben, die sogar 47, 48 Jahre eingezahlt haben, wenn Sie 63, 64 sind.

    Bei mir im Bekanntenkreis gibt es viele wohlhabende Menschen, die verständlicher Weise die 24 Monate ALG I mitnehmen...

    Ditto.
    M.E. ist es sogar eher bei den finanziell besser gestellten Menschen üblich, dass über einen vorzeitigen Ruhestand nachgedacht wird und dann auch alle Möglichkeiten genutzt werden. Diejenigen in meinem Bekanntenkreis, bei denen es in der Rente finanziell knapp wird, müssen eh bis zum regulären Rentenbeginn arbeiten und können sich (Renten)Abschläge bei einem vorzeitigen Rentenbeginn gar nicht leisten.:/

  • Es gibt fast kein Unrechtsbewusstsein in dem Zusammenhang und streng genommen begeht man auch kein Unrecht. Man nutzt die Lücken im System. Es muss Aufgabe der Politik sein, einer Selbstbedienungsmentalität entgegenzuwirken. Einerseits will man "echte" Arbeitslose absichern, für die eine Arbeitslosigkeit wenige Jahre vor der Rente möglicherweise eine ernste wirtschaftliche Bedrohung darstellt, auf der anderen Seite gibt es die Mitnahmeeffekte von Leuten, die eigentlich vorzeitig in Rente gehen wollen, ohne selbst für die Kosten aufkommen zu wollen. Das ist zweifellos ein Minenfeld.

  • Mich interessiert eure Meinung zu der moralischen Frage der Beanspruchung des Sozialstaats für die persönliche Lebensplanung. Findet ihr das unproblematisch, dass die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ab etwa 60 so oft zur Finanzierung von Arbeitsunlust genutzt wird?

    Nicht falsch verstehen: Es geht mir nicht um den konkreten Fall, sondern grundsätzlich um das Spannungsfeld von Eigensinn und Gemeinschaftssinn.

    Vielleicht legst du erstmal deine eigene Meinung dar? Oder ist dein Posting so zu werten, dass du es problematisch findest? Dann bitte etwas erläutern...

  • Es gibt fast kein Unrechtsbewusstsein in dem Zusammenhang und streng genommen begeht man auch kein Unrecht. Man nutzt die Lücken im System. Es muss Aufgabe der Politik sein, einer Selbstbedienungsmentalität entgegenzuwirken. Einerseits will man "echte" Arbeitslose absichern, für die eine Arbeitslosigkeit wenige Jahre vor der Rente möglicherweise eine ernste wirtschaftliche Bedrohung darstellt, auf der anderen Seite gibt es die Mitnahmeeffekte von Leuten, die eigentlich vorzeitig in Rente gehen wollen, ohne selbst für die Kosten aufkommen zu wollen. Das ist zweifellos ein Minenfeld.

    Bei "Lücken im System" möchte ich mal an "cum-ex" und "cum cum" erinnern. Ratet mal, wer die Steuerausfälle hierfür zahlt?

  • Bei "Lücken im System" möchte ich mal an "cum-ex" und "cum cum" erinnern. Ratet mal, wer die Steuerausfälle hierfür zahlt?

    Das sind keine Lücken! Dieses Märchen wird gern von den beteiligten Institutionen verbreitet, um Ihren kriminellen Aktivitäten einen 'legalen' Anschein zu geben!
    Hinter dem System bzw. den Nutznießern steckt jede Menge kriminelle Energie und viel Geld.

  • Und: die Leute kommen ja nur deswegen auf solche Ideen, weil der Gesetzgeber nicht sauber gearbeitet hat.

    Mit >45 Jahren kannst du 2 Jahre eher abschlagsfrei in Rente gehen

    Nutzt du aber die Möglichkeit 4 Jahre mit Abschläge in Rente zu gehen, werden Dir nicht die Abschläge für die 2 Jahre Differenz berechnet, sondern für die 4 Jahre. D.h. die 2 Jahre die Dir eigentlich zustehen lässt man unter den Tisch fallen. Auch nicht fair, oder?

    Die gesetzliche Regelung wird regelmäßig falsch verstanden.

    Es wird immer geschaut, welche Rente zum Zeitpunkt X möglich ist, daraus leiten sich auch eventuelle Abschläge ab. Berechnungsmodalitäten verschiedener Renten lassen sich nicht kombinieren.

    Wenn ich einen Golf fahren will, dann akzeptiere ich ja auch, dass der nicht von BMW ist. ;)

  • Naja. Wenn ich mir einen BMW 318 anbieten lasse und mich dann für einen BMW 325 entscheide, dann muss ich ja auch nur mehr bezahlen, was der größere Motor kostet und nicht den 318 UND den 325. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich...

  • Naja. Wenn ich mir einen BMW 318 anbieten lasse und mich dann für einen BMW 325 entscheide, dann muss ich ja auch nur mehr bezahlen, was der größere Motor kostet und nicht den 318 UND den 325. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich...

    Verschiedene BMW-Modelle wäre eine Rente (z. B. die für besonders langjährig Versicherte) zu verschiedenen Zeitpunkten, der Golf wäre eine Rente, die ab 63 möglich ist (z. B. die für langjährig Versicherte).

    Der klassische Strohmann hinkt auch ohne ein Vergleich zu sein.

  • Mich interessiert eure Meinung zu der moralischen Frage der Beanspruchung des Sozialstaats für die persönliche Lebensplanung. Findet ihr das unproblematisch, dass die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ab etwa 60 so oft zur Finanzierung von Arbeitsunlust genutzt wird?

    Nicht falsch verstehen: Es geht mir nicht um den konkreten Fall, sondern grundsätzlich um das Spannungsfeld von Eigensinn und Gemeinschaftssinn.

    Das wäre doch einmal ein Thema für den Bundeskanzler.

    Das meine ich eigentlich schon ernst.

  • Wenn man 45 Jahre lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, dann erscheint es nicht sonderlich verwerflich deren Leistung auch mal in Anspruch zu nehmen. Wahrscheinlich ist nach 2 Jahren ALG immer noch ein Plus in der Kasse.

    Nicht wirklich...ganz vereinfacht und undynamisch gerechnet:

    Wenn jemand 45 Jahre den Höchstatz (220 Euro incl. AG Anteil einzahlt) sind das rund 119000 € Beiträge.


    Ein einer optimalen Konstellation könnte er damit folgende Leistung pro Monaten von der Agentur bekommen:


    3620,- € reinen Arbeitslosengeld (verheiratet, Steuerklasse III, min. 1 Kind mit Kindergeldanspruch)

    zusätzlich wird die komplette PKV/Pflegeversicherung bis ca. 900,- € übernommen

    und es werden Rentenversicherungsbeiträge von ca. 1250,- € gezahlt.


    Machte einen Geldwert von 5720,- über 24 Monate in Summe als so über 137000 ,- €.