„Steuererklärung mit wenigen Klicks“ - jetzt wird alles besser?!

  • Hallo zusammen,

    ich habe mir angeschaut, was Bayern beim Thema „Steuererklärung mit einem Klick“ umgesetzt hat bzw. aktuell vorbereitet.

    Bayern hat im Auftrag von Bund und Ländern eine neue Funktion in der App MeinELSTER+ entwickelt. Ziel ist es, die Steuererklärung deutlich zu vereinfachen – im Idealfall soll ich meine Erklärung künftig direkt über die App prüfen und mit nur einem Klick absenden können.

    Konkret läuft das so:
    Die Finanzverwaltung stellt mir eine bereits vorausgefüllte Steuererklärung bereit. Grundlage sind die Daten, die dem Finanzamt ohnehin schon vorliegen – zum Beispiel meine Lohnsteuerdaten oder Rentenbezugsmitteilungen. Ich bekomme außerdem eine Vorschau auf das voraussichtliche Ergebnis.

    Wenn alles passt, kann ich die Erklärung direkt über die App abschicken. Ich muss also keine klassischen Formulare mehr ausfüllen. Vor dem Absenden kann ich natürlich noch Ergänzungen machen, zum Beispiel Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen eintragen.

    Die Funktion soll ab 2026 breiter nutzbar sein – zunächst vor allem für ledige, kinderlose Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für Personen mit Alterseinkünften. Gedacht ist das Ganze als großer Digitalisierungsschritt in der Steuerverwaltung.

    Wichtig finde ich aber auch die Kritikpunkte:
    Wenn ich einfach nur die vorausgefüllten Daten bestätige, ohne etwas zu ergänzen, verschenke ich unter Umständen Geld. Individuelle Werbungskosten oder andere absetzbare Posten werden nämlich nicht automatisch berücksichtigt, wenn ich sie nicht selbst eintrage. Außerdem gelten nach dem Absenden ganz normal die Einspruchsfristen – ich sollte also nicht vorschnell bestätigen.

    Also:
    Die „Ein-Klick-Steuererklärung“ kann eine echte Erleichterung sein – aber nur, wenn ich die Daten sorgfältig prüfe und ergänze. Blind bestätigen - besser nicht. Oder, in einfachen Fällen wohl besser als keine Erklärung abzugeben.

    Was übersehe ich?

    LG

  • Das hatten wir vor einiger Zeit schon diskutiert, als es ein Pilotprojekt in Hessen dazu gab.


    Der größte Nachteil ist, dass die für den Steuerzahler relevanten Abzüge (Fahrtkosten, haushaltsnahe Dienstleistungen...) dem Finanzamt nicht bekannt sind und eine Nachbesserung auf jeden Fall erforderlich ist.

    Das ist wieder ein schönes Beispiel dafür, dass unzulängliche Prozesse nicht besser werden, wenn man sie mit technischen Helferlein versieht.

  • Leute, das ist kein Angebot, dass sich an den durchschnittlichen Finantip-Nutzer wendet, sondern an denjenigen, der bisher wahrscheinlich gar keine oder nur sehr zögerlich eine Steuererklärung gemacht hat.

    Die Überschrift "...mit einem Klick" ist natürlich daneben, aber einfacher als bisher wird es damit schon.

  • Ich denke es kommt darauf an, "wie" das dann wirklich programmiert/implementiert ist. Schon seit einigen Jahren nutze ich Elster. Funktionierte immer recht gut. Belege/Einstellungen übernehmen. Klasse Sache. "Spätere" Steuererklärungen gingen deutlich schneller.

    Dann gab es ein "verkorkstes" Jahr. "Normales Gehalt" (+Lohnfortzahlung), Krankengeld, Übergangsgeld (wg. Reha). Da war ich ja schon "Elster-Fachmann.

    Wieder "übernehmen" gewählt und mir arg ins Knie geschossen. Die tollen Programmierer haben das ganze nämlich nach dem "Prinzip" "wenn es was neues gibt, nimm das, ansonsten übernimm die Daten vom Vorjahr" implementiert.

    Hieß in dem Falle, KG und ÜG waren wieder mit drin, obwohl es das Abrechnungsjahr gar nicht mehr betraf. Zugegeben mir ist es (zunächst) nicht aufgefallen. Erst nach dem Abschicken der Steuererklärung in der Zusammenfassung.

    War halt alles "Neuland" für mich und mit Computern und Internet und so kenne ich mich auch nicht so aus. :)

  • Der größte Nachteil ist, dass die für den Steuerzahler relevanten Abzüge (Fahrtkosten, haushaltsnahe Dienstleistungen...) dem Finanzamt nicht bekannt sind und eine Nachbesserung auf jeden Fall erforderlich ist.

    Der Gewinner wird der Staat sein, wenn Spenden, Handwerker und Co. nicht angesetzt werden.

    Und wenn die Finanzverwaltung das automatisch wüsste (z.B. durch eine Pflicht von Unternehmern, die Metadaten zu ausgestellten Rechnungen elektronisch der Finanzverwaltung zu übermitteln), dann wäre das den Bürgern vermutlich auch nicht recht :)

  • Und wenn die Finanzverwaltung das automatisch wüsste (z.B. durch eine Pflicht von Unternehmern, die Metadaten zu ausgestellten Rechnungen elektronisch der Finanzverwaltung zu übermitteln), dann wäre das den Bürgern vermutlich auch nicht recht :)

    Ich dachte eher daran, die Steuersätze zu senken und die Abzüge abzuschaffen.

  • Referat Janders 14. Februar 2026 um 22:19

    Hat den Titel des Themas von „„Steuererklärung mit einem Klick“ - jetzt wird alles besser?!“ zu „„Steuererklärung mit wenigen Klicks“ - jetzt wird alles besser?!“ geändert.
  • Einfach die Pauschalen deutlich erhöhen und die für die Bearbeitung Millionen 0815 Steuererklärungen benötigen Beamten dann zur Prüfung der großen Fische einsetzen...

    Ganz genau. Und vermutlich brauchen dann die allermeisten überhaupt keine Steuererklärung mehr.

    Aber wie oben schon gesagt wurde - unzählige Lobbyisten werden was dagegen haben.

  • Leute, das ist kein Angebot, dass sich an den durchschnittlichen Finantip-Nutzer wendet, sondern an denjenigen, der bisher wahrscheinlich gar keine oder nur sehr zögerlich eine Steuererklärung gemacht hat.

    Ja. Ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere, der sich bisher gar nicht gekümmert hat, darüber Geld zurück bekommt. Klar, Spenden, Handwerkerkosten usw… sind da nicht mit drin. Aber wer bisher gar keine Steuererklärung abgegeben hat aus Unwissenheit (und an solche Leute richtet sich diese Möglichkeit vermutlich), hat das bisher ja auch alles nicht angegeben.

    Heutige Steuerprogramme sind wirklich leicht zu bedienen, es gibt ja mit Taxfix und ähnlichen Lösungen auch schon unterschiedlichste Formate z.B. mit Abfragen per Chat für die, denen ein Formular am Desktop zu mühsam ist. Wer es trotzdem nicht schafft, seine Fahrtkosten, Kita-Gebühren oder Spenden einzutragen, dem kann man dann auch nicht helfen.

    Ein staatliches Programm mit vorausgefüllter Steuererklärung, das diese Dinge zusätzlich abfragt, wäre letztlich nichts anderes als es z.B. Buhl Tax oder andere Programme jetzt schon machen. Da sehe ich nicht den Mehrwert, denn die Leute, die dafür zu faul sind bzw. sich nicht damit beschäftigen wollen oder können, hätten diese Hürde genauso, ob die Abfrage jetzt von einer staatlichen Software oder der Software eines Privatanbieters kommt.

  • Einfach die Pauschalen deutlich erhöhen und die für die Bearbeitung Millionen 0815 Steuererklärungen benötigen Beamten dann zur Prüfung der großen Fische einsetzen..

    Genau, weil ja alle „großen Fische“ Verbrechen sind und sich nicht an die Steuergesetze halten, wie sollen sie denn auch sonst an ihr Geld gekommen sein?

    Ein paar mehr Steuerfahnder für die Top 10000 und schon ist unser Land wieder saniert.


    Ist zwar nonsens, hört sich aber super an…

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