Klarnamen im Internet

  • Ich gehe nur in Clubs, wo es grundsätzlich keinen Ärger gibt und ich wurde an der Tür tatsächlich noch nie nach meinem Namen gefragt (auch wenn den die meisten dort kennen).

    Ich gehe sogar auf Familienfeste, wo ich nicht von jedem den Namen kenne oder mich daran erinnern kann 8|. Aber ich verstehe natürlich, wenn sich Leute nicht in derlei krasse Gefahren begeben möchten oder nimmer ihre vier Wände verlassen, weil alle da draußen Messerstecher und Bombenleger sind. Klarnamen reißen das natürlich.

    In diesen Situationen sind Sie aber jederzeit griffbereit und stehen quasi mit Ihrem Gesicht dafür ein.

  • Okay, jetzt 'mal ernsthaft: Im Gegensatz zu der Masse, bin ich kein Neuling im Web und vermochte über die Jahrzehnte einiges an Expertise zu gewinnen. Wir waren schon lange in Internetforen unterwegs, als es noch gar kein Breitband, Facebook,Twitter und Telegr*m (Verwendung dieses Begriffes ist in diesem Forum nicht gestattet, wtf?!) gab und niemand kommunizierte in unseren Blasen unter dem in den Personalausweis gedruckten Namen, niemand.

    Wenn denn nun einmal ein Thread ausartete, kein Ding, weil genau dafür gab es Moderatoren.

    Die Foren von früher sind nicht mit den Social-Media-Plattformen von heute vergleichbar. Das liegt aber nicht unbedingt an den Inhalten und Nutzern, sondern schlichtweg an den kommerziellen Betreibern, welche ihre Plattform nicht im Griff haben.

    So oder so finde ich die Einstellung, es dürfe nur eine Meinung haben und verbreiten, wer dafür mit seinem kompletten Namen einsteht, ggf. mit sehr unangenehmen Konsequenzen., äußert bedenklich.

    Ab davon, Hass und Hetze muss konsequent(er) verfolgt und geahndet werde, aber dieses Problem hat nichts, aber auch rein gar nichts mit Klarnamen zu tun.

    Die Forderung nach Klarnamen ist genauso Quatsch wie jedem Zugbegleiter eine Bodycam einzuplanzen und eine Kalaschnikow auszuhändigen. Es wird immer gestörte Menschen geben, die irgendetwas Gestörtes anstellen, weil es einfach viel zu viele Menschen gibt, was wiederum zu erheblichen sozialen Problemen und Verwerfungen führt.

    Egal, das ist so eine Endlosschleife und wie ich aus meiner Forenzeit weiß, letztendlich sind wir mit unserer Meinung gar nicht so weit auseinander.

  • sondern schlichtweg an den kommerziellen Betreibern, welche ihre Plattform nicht im Griff haben.

    Bzw. aus einem falschen Verständnis von Redefreiheit nicht im Griff haben wollen. Du willst gar nicht wissen, wie viele klare Beleidigungen auf Facebook als Meinungsfreiheit gelten.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Die oben genannten Plattformen leben vom Krawall und der Kontroverse, je übler der Ton, umso besser. Der (KI) Algorithmus spült es umso mehr nach oben.

    Populismus, Beleidigungen, Hass und Hetze generieren mehr Klicks, als sachliche Beiträge.

    Und da wir kein einheitliches Verständnis davon haben wo die Grenze zur Meinungsfreiheit ist, wird sich das auch nicht ändern lassen.

  • Und da wir kein einheitliches Verständnis davon haben wo die Grenze zur Meinungsfreiheit ist, wird sich das auch nicht ändern lassen.

    Es würde reichen, das NetzDG konsequent durchzusetzen.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Meiner Ansicht nach sollten Klarnamen sowie IP-Adressen und weitere Daten von behördlicher Seite ausgelesen werden können, um bei Hetze, Hassrede, Stalking, usw. rasch und effizient einschreiten zu können. Das ließe sich heute bereits ganz bequem und sogar "Datenschutz" Konform mittels AI durchsetzen. Die AI würde nur bei bestimmten Mustern und Wörtern den zugehörigen Namen ausspucken und so die Sozialen Netzwerke recht effizient und gründlich vom Abschaum reinigen.

    Solche Methoden haben Signalwirkung, was dafür sorgen würde, dass es im den soz. Medien wieder gesittet und anständig zugehen würde.

  • Wenn denn nun einmal ein Thread ausartete, kein Ding, weil genau dafür gab es Moderatoren.

    Die Foren von früher sind nicht mit den Social-Media-Plattformen von heute vergleichbar. Das liegt aber nicht unbedingt an den Inhalten und Nutzern, sondern schlichtweg an den kommerziellen Betreibern, welche ihre Plattform nicht im Griff haben.

    So wie in der "Guten Alten Zeit": Da haben Zeitungen Leserbriefe per Post bekommen, die zumindest Porto gekostet haben, und diese wurden dann eben selektiv veröffentlicht.

    Deshalb mein, vielleicht etwas unorthodoxer Wunsch, für jeden Post eine Art Schutzgebühr von 50 Cent verlangen - 99% davon gehen als Spende an eine Hilfsorganisation. Damit würden sich diese ganzen Hass- und Hetze-Poster sicher zweimal überlegen, ob sie dafür Geld ausgeben.

  • Vielleicht etwas spät, aber... https://openjur.de/u/31109.html

    Zitat

    Die anonyme Nutzung ist dem Internet immanent (vgl. Senatsurteil vom 27. März 2007- VI ZR 101/06 - VersR 2007, 1004, 1005). Dementsprechende Regelungen zum Schutz der Nutzerdaten gegenüber dem Diensteanbieter finden sich in den §§ 12 ff. TMG, den Nachfolgeregelungen zu § 4 Abs. 4 Nr. 10 TDG. Eine Beschränkung der Meinungsäußerungsfreiheit auf Äußerungen, die einem bestimmten Individuum zugeordnet werden können, ist mit Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG nicht vereinbar. Die Verpflichtung, sich namentlich zu einer bestimmten Meinung zu bekennen, würde nicht nur im schulischen Bereich, um den es im Streitfall geht, die Gefahr begründen, dass der Einzelne aus Furcht vor Repressalien oder sonstigen negativen Auswirkungen sich dahingehend entscheidet, seine Meinung nicht zu äußern. Dieser Gefahr der Selbstzensur soll durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung entgegen gewirkt werden

    Fast schon altes Urteil, es ist "nur" der Bundesgerichtshof, aber das ist doch recht deutlich.

  • Man sollte schon zu seiner Meinung stehen; Angst essen Seele auf, so werden die Deutschen ein Volk von Angsthasen und Duckmäuser.

    Naja…wenn ich mir überlege das (der) Manuel Hagel und seine Familie mit drei Kindern jetzt schon Morddrohungen bekommen, weil er wieder ein Video versaut hat….

  • Hat ihm (wer ist das überhaupt?) das jemand ins Gesicht gesagt oder über ein anonymes Portal übermittelt? Ich für meinen Teil würde dass dann gar nicht mitbekommen da ich in diesen nicht involviert bin. Man kann auch nicht alle Durchgeknallten ernst nehmen...

  • Naja…wenn ich mir überlege das (der) Manuel Hagel und seine Familie mit drei Kindern jetzt schon Morddrohungen bekommen, weil er wieder ein Video versaut hat….

    Morddrohungen sind nicht von der Meinungsäußerung gedeckt und das ist auch gut so.


    Er hat aber nicht wieder ein Video versaut.

    Im ersten Video hat er offenbart, dass vor 8 Jahren in Zweifel zu ziehen war, dass er die moralische Reife eines Erwachsenen hatte.

    Die Reaktion auf das Auftauchen des alten Videos hat seinen heutigen Charakter gezeigt.

    Das letzte Video lässt Rückschlüsse über seine Belastbarkeit zu und sein Verständnis vom Treibhauseffekt.

  • Ja das sollte man nicht schön reden, Morddrohungen gehen gar nicht.

    Trotzdem bleibt zweifelhaft ob eine so schlechte Wahlkampfperformance mit einer Opfererzählung zu retten ist. Es gibt noch mehr Beispiele für seine Opferrolle.

    Morgen wissen wir mehr.

  • Der vielleicht nächste Ministerpräsident in BW. Abhängig davon, wie die Sache morgen ausgeht.

    Bin mir ziemlich sicher, dass die Drohungen eben nicht unter Klarnamen kamen oder ihm gar ins Gesicht gesagt wurden.

    Allerdings- auch wenn die Grün*innen leider in der Regierung bleiben werden.

    Und genau das ist der Punkt: Anonymität macht Feiglinge mutig.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist