Von Thesaurierer auf Ausschütter wechseln

  • Moin,

    keine Sorge, das ist (hoffentlich) nicht der drölfte "Was ist besser? Ausschütter oder Thesaurierter" Thread.
    Die Vor- und Nachteile und das Pro und Contra habe ich mittlerweile glaube ich verstanden.

    Ich habe vor 2 Jahren angefangen zu investieren, hatte davor mit Finanzen eigentlich nix am Hut. Ich habe jetzt ca. 10k auf der thesaurierenden Variante des SPDR MSCI ACWI IMI und 5K auf einem Geldmarkt ETF, als sicherere Anlage, bzw. erweiterten Notgroschen.

    Den Geldmarkt ETF bespare ich aktiv nicht mehr; in den MSCI gehen z.Zt. 660 EUR / Monat.


    Nun bin ich verbeamtet und habe mich mal mit meiner (voraussichtlichen) Pension auseinandergesetzt. Wenn ich die 40 Jahre voll kriege habe ich eine wirklich sehr kleine Rentenlücke. Ohne Steuern einfach mal grob ~30% weniger Gehalt, abzgl. der Sparrate von 600 EUR, das sind "nur" ca. 300-400 EUR pro Monat. Wofür also jetzt so viel Geld jeden Monat in den Thesaurierer einzahlen, damit der maximal wächst um im Alter dann so viel Kohle zu haben; wenn mir 400 EUR / Monat doch eigentlich reichen. Das wären bei Vollverkauf ohne Renditen ~130k Gesamtvermögen... in 32 Jahren.

    Von daher habe ich mich umentschieden nun doch auf Ausschütter zu gehen, allerdings mit der klaren (unwirtschaftlichen) Intention die Dividenden zu verkonsumieren und nicht neu anzulegen. Da ich keine Kinder habe, und voraussichtlich auch keine kriege, ist das Thema Erbe auch egal. Immobilienkauf spielt für mich aktuell auch keine Rolle. Da kann ich auch eine monatliche Dividende von 300 EUR zusammenackern und mit 85 oder 90 alles veräußern und von dem Geld in einem Altenheim chillen. Oder so; soweit will ich noch nicht planen .)

    Als erstes kam der Gedanke: klar, ich kann auch einfach die Sparrate reduzieren aber ich brauche das Geld nicht von Monat zu Monat. Von jährlicher Dividende könnte man anfangs aber mal bewusst schick essen; später evtl. mal ein Wochenende wegfahren oder im nächsten Urlaub statt Campingplatz in einem Hotel pennen :)


    Jetzt zur eigentlichen Frage:

    Sollte ich jetzt die Anteile im MSCI ACWI IMI verkaufen und in die ausschüttenden Variante neu anlegen oder die 10K einfach weiter arbeiten lassen und ab jetzt die 660€ in den Ausschütter investieren? Jetzt wieder "von 0" anzufangen ist für mich irgendwie demotivierend.

    Was meint ihr? (Ich weiß, bei der Depotsumme von ~15k mache ich mir vermutlich viel zu viele Gedanken).
    Um diese Optimierungsthemen wie Freibetrag optimal ausnutzen geht es mir nicht. Ich habe nur gerade die Sorge, dass ich mit 70 dann denke..."was mach ich denn jetzt mit der ganzen Kohle". Luxusproblem.

  • Ich hab aktuell noch einen Dauerauftrag von 1000 aufs Tagesgeld. :/ das ist für geplante Rechnungen, Notfälle, Urlaube. Am Jahresende bleibt da meistens noch 3-4k übrig, das investiere ich dann.

    An sich verpufft die Ausschüttung da dann auch wieder. Ich glaube ich hab ein Ausgabenproblem :/

    Transparent:

    3- Konten Modell:
    Monatlich habe ich nach Abzug aller Rechnungen 800€. Was übrig bleibt geht aufs Tagesgeld.
    1K pro Monat geht aufs Tagesgeld. Was zum Jahresende übrig bleibt wird investiert.
    660 pro Monat wird fix investiert.

    Ich brauche da an sich auch nicht die Ausschüttung.

  • Sollte ich jetzt die Anteile im MSCI ACWI IMI verkaufen und in die ausschüttenden Variante neu anlegen oder die 10K einfach weiter arbeiten lassen und ab jetzt die 660€ in den Ausschütter

    Ich habe die Zitate jetzt mal herumgedreht:
    mein Tipp, du lässt die Thesaurierer gemütlich stehen und machst mit denen überhaupt nichts mehr.

    Du steigst in die ausschüttende Variante ein.

    Von daher habe ich mich umentschieden nun doch auf Ausschütter zu gehen, allerdings mit der klaren (unwirtschaftlichen) Intention die Dividenden zu verkonsumieren und nicht neu anzulegen. Da ich keine Kinder habe, und voraussichtlich au

    Völlig in Ordnung, diese Entscheidung.

  • Kürzlich las ich hier von einem relativ neuem Ausschütter, der quasi nur auf Dividendenjagd geht. Das wäre dann der. Vielleicht findest du die ja auch gut.

    Den kenne ich. Der schüttet sogar monatlich aus. Aber monatliche Dividenden wären bei meiner Anlagesumme im Cent-Bereich und selbst wenn es 1-2 stellige Eurobeträge wären, bringt mir das nicht viel. Das Thema "finanzielle Freiheit" hab ich wohl verpasst. Ist aber auch nicht schlimm, ich mag meinen Job :)

    Ich hab aber trotzdem mal 100 EUR investiert, nur damit er im Depot ist und ich ihn mal eine Zeit beobachten kann.

  • ...

    Von daher habe ich mich umentschieden nun doch auf Ausschütter zu gehen, allerdings mit der klaren (unwirtschaftlichen) Intention die Dividenden zu verkonsumieren und nicht neu anzulegen...

    Und was hindert Dich daran, weniger zu sparen und das Geld gleich zu verkonsumieren?

    Oder gehörst Du zu der neuartigen, erst kürzlich entdeckten Menschart, die nur Dividendengeld verkonsumieren kann, nicht jedoch selbst verdientes Geld?

  • Nun bin ich verbeamtet und habe mich mal mit meiner (voraussichtlichen) Pension auseinandergesetzt.
    ...
    ... in 32 Jahren.

    ...

    Als erstes kam der Gedanke: klar, ich kann auch einfach die Sparrate reduzieren aber ich brauche das Geld nicht von Monat zu Monat. Von jährlicher Dividende könnte man anfangs aber mal bewusst schick essen; später evtl. mal ein Wochenende wegfahren oder im nächsten Urlaub statt Campingplatz in einem Hotel pennen :)

    ...
    Luxusproblem.

    Zunächst mal finde ich es immer bemerkenswert, dass man immer zu wissen glaubt, wie die spätere Altersvorsorge (Rente/Pension) in 32 Jahren aussehen mag. :/
    Vor 32 Jahren stand bei mir noch gesetzliches Rentenalter mit 65 Jahren auf dem Zettel. Seit knapp 20 Jahren heißt es nun, dass ich bis 67 arbeiten soll.
    Aktuell sagt die Politik, dass selbst 67 zu früh wäre und ich doch lieber noch länger arbeiten soll.
    Und heute bin ich Mitte 50. :/
    Da werfe ich mal in den Raum, dass es evtl. später mal mit 60 ganz schön sein könnte, wenn man sagen kann: Mir egal. Ich gehe mit 58, 60 oder 62 in meinen selbst gewählten Unruhestand. oder ich fahre einfach meine Stunden runter. Und zwar unabhängig davon was die aktuelle Politik so möchte. Einfach weil ich mir es finanziell leisten kann.
    BTW: Mein Vater musste seinerzeit mit 58 aufhören weil es die Politik so wollte. :/

    Auch für Beamte dürfte es zukünftig mehr Gegenwind geben. Schließlich ist auch deren Altersvorsorge in weiten Teilen auf Luft (zukünftigen Steuereinnahmen) gebaut.

    Genau. Wenn Du heute mehr Geld ausgeben willst, dass investierst/sparst Du halt weniger. Dafür braucht es keine Dividenden/Ausschüttungen. Oder überweist Du jeden Monat Geld auf ein Ausgabekonto, was Du dann in ein paar Monaten extra ausgibst? :/
    Ich spare seit jeher Geld und investiere das teilweise auch seit einigen Jahren (leider viel zu spät). Aber ich bin noch nie auf den Gedanken gekommen, dass ich nun wieder davon Geld nehme um es zu konsumieren.
    Das Geld ist für den Verzehr in meinem Unruhestand gedacht. Der Unruhestand soll möglichst auf vor dem 67 Lebensjahr erreicht werden. Und im Unruhestand wird sich dann schon etwas finden wie ich das Geld dann ausgebe. Schließlich müssen 9-10 Stunden des Tages mit Aktivitäten gefüllt werden. Und die Landkarte hält noch einige weiße Flecken für mich breit.

    Und ja, allein schon jeden Monat Geld sparen/investieren zu können, ohne groß auf etwas im Leben verzichten zu müssen, ist ein echter Luxus.

  • Seit knapp 20 Jahren heißt es nun, dass ich bis 67 arbeiten soll.
    Aktuell sagt die Politik, dass selbst 67 zu früh wäre und ich doch lieber noch länger arbeiten soll.

    Mein Vater musste seinerzeit mit 58 aufhören weil es die Politik so wollte.

    Das klingt nach Resignation 😒. Je älter ich werde und je mehr ich diese politischen Diskussion um die Rente und Teilzeitanspruch usw. verfolge, finde ich es zunehmend befremdlich, dass irgendwelche anderen Menschen aus Berlin darüber entscheiden (können!), wie wir unser Leben leben sollen. Eigentlich ist man total abhängig. (Sorry für Off topic)

  • Es gab eine Zeit, denke Anfang der 1980er mit stark steigender Arbeitslosigkeit. Insbesondere Schulabgänger und Hochschulabsolventen fanden keinen Job und das Problem spitzte sich zu, weil zum einen viele junge Menschen in den Arbeitsmarkt drängten, während am anderen Ende die durch Kriegseinwirkung verringerten Jahrgänge in Rente ging. Das war ein mengenmäßiges Missverhältnis mit nicht unerheblicher Dynamik. Da war der Vorruhestand politisch erwünscht, um insbesondere die Arbeitslosigkeit der heutigen Boomer zu reduzieren. Bei meinem Vater kam damals ein Angebot über den Arbeitgeber, was man kaum ausschlagen konnte.

  • Das Geld ist für den Verzehr in meinem Unruhestand gedacht. Der Unruhestand soll möglichst auf vor dem 67 Lebensjahr erreicht werden. Und im Unruhestand wird sich dann schon etwas finden wie ich das Geld dann ausgebe. Schließlich müssen 9-10 Stunden des Tages mit Aktivitäten gefüllt werden. Und die Landkarte hält noch einige weiße Flecken für mich breit.

    Dazu möchte ich dann aber doch mal eins anmerken.

    Du hast, wie du selbst sagst, noch nie Geld aus dem Depot genommen. Ich denke daher ist die Hürde ziemlich hoch daran zu gehen. Woher weist du, dass du im Alter dann munter einfach alles daraus verkonsumierst?

    Ich glaube für viele ist die Hürde zu hoch und am Ende möchte man es nicht veräußern; genauso wie man in der "Ansparphase" nichts veräußern wollte. Ich glaube diese Hürde verschwindet dann nicht einfach und man dreht jeden Cent, den man aus dem Pott nehmen würde 3x um.

    Die Entscheidung ist ja irgendwie nur ob man das Geld heute ausgeben möchte oder das Geld zurückhält um es im Alter auszugeben. Aber wann genau kommt dieser Moment, wo man ohne schlechtes Gewissen und ohne Stress (das ist ja auch wichtig) einfach Geld aus dem Depot verkonsumiert? Ich glaube diesen psychologischen Aspekt vergessen viele. Ich zumindest vermeide tunlichst, Geld aus dem Depot zu nehmen, weil es sich für mich wie Rückschritt anfühlt aus meinen zarten 15k 14k zu machen. Ich glaube das ist im Alter halt nicht anders. Ehe man die Renditen reduziert, verzichte ich doch lieber noch ein bisschen. Und ehe man sich versieht, ist man zu alt um das Geld auch sinnvoll zu nutzen. WENN das nicht der Fall ist, um man wirklich mit 50 einfach sein ganzes Erspartes (inkl. des verringerten Zinseszinseffekts, den man sonst unbedingt maximieren möchte, der Steuereignisse, die man heute ja tunlichst vermeidet) verkonsumiert dann ist das natürlich gut.

    Und: Woher weißt du, dass die Politik sich nicht vielleicht in die ganz andere Richtung bewegt? Viele Jobs werden doch eh obsolet, durch KI; irgendwann braucht man soviel Produktivität gar nicht mehr. Das ist Glaskugelleserei. Man kann der Zukunft pessimistisch oder optimistisch entgegen blicken.

    Zu den ETFs: auch ein ausschüttender ETF vermehrt sich ja. Wenn ich den SPDR MSCI ACWI IMI in D und A vergleiche, dürften die um ca. 1,5% unterschiedlich sein, weil der A 1,5% ausschüttet. Also wächst auch im A, mit verkonsumierten Ausschüttungen, der angesparte Teil weiter; nur halt weniger stark. Also lässt sich auch damit Altersvorsorge betreiben.

    Und was man am Ende des Jahres dann doch nicht verkonsumiert hat, kann man ja wieder anlegen, im jährlichen Rebalancing (Allokation Tagesgeld, Geldmarkt und Aktien-ETF). Somit sind Ausschütter gewisser Weise auch flexibler (ja, ich weiß man kann auch einfach Thesaurierer verkaufen aber macht man das dann wirklich oder verzichtet man eher?).

    Am Ende ist es auch nur Renditenmaximierung.

  • Vom Spar auf den Entsparmodus umzuschalten ist nicht so einfach und so könnte es gut möglich sein das einige dann auf einem Riesen Depot sitzen und in den Leeren Kühlschrank schauen. ( überspitzt formuliert)

    Hab’s vor kurzem erst bei meinem Vatter gesehen, die Rechnungen vom Pflegedienst mussten wir zu meiner Schwester umleiten weil die zum Teil von seinem Ersparten bezahlt werden müssen.
    Wenn er die Post geöffnet hat hat ihn das dermaßen runtergerissen weil er sein Erspartes dahin schmelzen sah.
    Der Kerl hat aber auch über 8 Jahrzehnte nur gespart und nie etwas für sich selber ausgegeben, jetzt ist er aber mal dran. Aber so einfach ist es nicht eine jahrzehntelange Angewohnheit im Alter mal eben abzustellen.

    Deswegen vielleicht zwischen durch doch etwas aus dem Depot entnehmen um „Alt sein“ zu üben?

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