Kostenlose Mitversicherung in der GKV soll wegfallen

  • Das halte ich für eine gewagte Ausssage.

    Der Zahnarzt sagt Dir bei einer anstehenden Wurzelbehandlung, dass man die Behandlung bekommen kann, die die GKV übernimmt. Er empfielt aber, besser ein Werkzeug hierfür zu verwenden, dass die Wurzelkanäle sorgfältiger und gründlicher reinigt und womit dann die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg und die Dauer des Zahnerhalts höher ist. Hierfür musst Du aber einen privaten Anteil an der Rechnung übernehmen, weil die GKV mit der uralten GOÄ das nicht übernehmen will.

    Nun. wenn dein "GKV-only" behandelter Zahn dann irgendwann doch raus muss, hast du kein gesundheitliches, sondern vielleicht ein ästhetisches Problem. Die GKV kennt eben das Wirtschaftlichkeitsgebot. Danach muss eine Behandlung "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich" sein. "Ästhetisch anspruchsvoll" kommt da nicht vor.

    Und ich wiederhole das gerne immer wieder: die GKV hat nichts mit der GOÄ/GOZ zu tun.

  • Wo gibt es denn bürokratischen Aufwand bei PKV-Versicherten? Da wird eine Rechnung gestellt und fertig. Häufig wird diese Tätigkeit an Dienstleister outgesourct. Das genaue Gegenteil davon ist die GKV, wo sich der Verwaltungsaufwand durch "Verbesserungen" dauernd vergrößert. Es hat schon seinen Grund, warum es immer mehr Praxen gibt, die nur noch Privatpatienten und Selbstzahler behandeln.

    Nachwuchsprobleme bei Ärzten? Wurden jetzt die Zulassungsbeschränkungen für das Medizinstudium abgeschafft, weil es mehr Studienplätze als Studenten gibt? Allerdings mögen es sich heutzutage die wenigsten antun, eine Praxis zu übernehmen. Warum zieht es viele der hier teuer Ausgebildeten ins Ausland? Mehr Geld bei weniger Arbeit dürfte einer der Gründe sein.

    Es wandern sehr viel mehr Ärzte ein als aus. Aber das kann natürlich nicht verhindern dass in dieser Berufsgruppe wie in vielen anderen auch eine demographische Bombe tickt. Es wird bald sehr sehr schwer werden mit Arzterminen, sind bald sehr viele in Rente. Aber tröste dich daran dass es bald auch kaum mehr Handwerker geben wird.

  • Wenn alle einzahlen, haben auch alle Leistungsansprüche. Die finanzielle Situation der GKV würde sich nicht ändern.

    Wieso Konkurrenz? Es gibt dann eine Einheitskasse mit staatlich festlegten Leistungen und Preisen.

    Die pkvler würden, wie meine Frau und ich auch, Höchstsatz in die GKV einzahlen. Könnt mehr Geld und lt. Statistik, werden Besserverdiener seltener krank.

    Die Leistungen und Preise sind erst am Ende der Kette

    Zum einen, nimmst du die Motivation, innovativ zu sein.

    Auch beim sparen wird es eher nicht so ernst genommen zur Not erhöhst du die Beiträge , kann ja dich keiner gehen

    Kannst ja mal beim Bundesrechnungshof nachfragen, wie toll alles klappt, wenn jedem alles egal sein kann bzw scheinbar leider ist

  • Die pkvler würden, wie meine Frau und ich auch, Höchstsatz in die GKV einzahlen. Könnt mehr Geld und lt. Statistik, werden Besserverdiener seltener krank.

    Die pro-Kopf-Einnahmen würden sich sicher erhöhen. Ob das dann einen signifikanten Einnahmeschub gibt, glaube ich nicht. Dazu ist die Zahl der PKV-Versicherten zu gering, da wohl nur die Nicht-Beihilfeberechtigen, also ca. 1/3, zur einer Erhöhung beitragen würden.

    Langfristig würde sich die finanzielle Situation einer solchen Einheitskasse nicht verbessern. Denn wenn Geld vorhanden ist, wird es ausgegeben.

  • Wenn alle einzahlen, haben auch alle Leistungsansprüche. Die finanzielle Situation der GKV würde sich nicht ändern.

    Da muss ich auch widersprechen.

    Ich glaube es würde viel Geld in die GKV spülen wenn alle einzahlen müssten. Es ist ja eine Tatsache das Menschen mit hohem Einkommen seltener erkranken und somit geringere Kosten für das Gesundheitssystem entstehen.

    Durch das PKV System steigen aber gerade diese Menschen, die viel in die GKV einzahlen würden und nur geringe Kosten verursachen, aus dem Solidarsystem aus. Somit bleiben die zurück die weniger einzahlen aber höhere Kosten verursachen.

    Ich halte dieses System für höchst unsozial. Hier sollte ebenfalls eine Reform durchgeführt werden.

  • Die pro-Kopf-Einnahmen würden sich sicher erhöhen. Ob das dann einen signifikanten Einnahmeschub gibt, glaube ich nicht. Dazu ist die Zahl der PKV-Versicherten zu gering, da wohl nur die Nicht-Beihilfeberechtigen, also ca. 1/3, zur einer Erhöhung beitragen würden.

    Auch dieses Problem muss angegangen werden, hier muss ebenfalls ein Systemwechsel her. Gerade unter den Beamten gibt es im Vergleich zur restlichen Bevölkerung viele überdurchschnittliche Verdiener und auch diese entziehen sich per Beihilfe dem System. Des Weiteren wäre eine Mitgliedschaft in der GKV für viele "kleine" Beamte sogar von Vorteil, die würden sogar günstiger davon kommen als mit der PKV.

  • Bei dir endet das Gesundheitssystem bei der Frage der Krankenversicherung. Nimmt man aber die Arztpraxen mit dazu, sind die aus wirtschaftlicher Sicht heilfroh, dass es auch die Privatversicherten gibt. Das deren Anteil an den Umsätzen der Praxen doppelt so hoch ist, wie eigentlich der Anteil Privatversicherter an der Bevölkerung, ist seit einigen Jahren in zig Artikeln und Statistiken zu lesen. Wenn diese Einnahmen bei den Arztpraxen wegfallen, wie würde das wohl kompensiert?

  • Die pro-Kopf-Einnahmen würden sich sicher erhöhen.

    Da würde ich ein großes Fragezeichen setzen. Wie du selbst sagst...in der PKV sind nicht nur Gutverdiener, sondern auch Beamte und nicht alle davon verdienen gut (einfach mal Suchen, was so ein Polizist verdient, der sich Nachts mit Besoffenen rumschlagen muss...dafür tritt der Fließbandarbeiter im Metallbetrieb nicht an). Die bringen eventuell auch noch Kinder und Partner in die GKV. Es ist auch kein Geheimnis, dass die Teilzeitquote besonders unter Beamtinnen sehr hoch ist.

  • Bei dir endet das Gesundheitssystem bei der Frage der Krankenversicherung. Nimmt man aber die Arztpraxen mit dazu, sind die aus wirtschaftlicher Sicht heilfroh, dass es auch die Privatversicherten gibt. Das deren Anteil an den Umsätzen der Praxen doppelt so hoch ist, wie eigentlich der Anteil Privatversicherter an der Bevölkerung, ist seit einigen Jahren in zig Artikeln und Statistiken zu lesen. Wenn diese Einnahmen bei den Arztpraxen wegfallen, wie würde das wohl kompensiert?

    relativ einfach, bisher bekommen die Arztpraxen ihr Geld abseits der PKV von Verbänden (zb HÄVG,Medi) oder den KVn. Hier gibt es extra Budgetäre Leisungen und die, die ins Budget fallen. Was die einzelne Leistung bringt, ist erst dann fest, wenn die KV weiss, wie oft die Leistung erbracht worden ist und wieviel Geld zur Verfügung steht.

    Nun wird es ganz einfach, kommt mehr Geld in den Topf, erhöht sich der Wert pro Leistung.

    Im Grunde also, fliessen die Beiträge der PKVler in die GKV steht den Leistungserbringer eher mehr als weniger Geld zur Verfügung. Einzig, evtl. muss ein Arzt mehr Patienten versorgen. Würde imho auch die Engpässe bei Terminen mindern. Gibt dann halt keine 30 € mehr für 10 min Smalltalk

  • Da muss ich auch widersprechen.

    Ich glaube es würde viel Geld in die GKV spülen wenn alle einzahlen müssten. Es ist ja eine Tatsache das Menschen mit hohem Einkommen seltener erkranken und somit geringere Kosten für das Gesundheitssystem entstehen.

    Durch das PKV System steigen aber gerade diese Menschen, die viel in die GKV einzahlen würden und nur geringe Kosten verursachen, aus dem Solidarsystem aus. Somit bleiben die zurück die weniger einzahlen aber höhere Kosten verursachen.

    Ich halte dieses System für höchst unsozial. Hier sollte ebenfalls eine Reform durchgeführt werden.

    Dann machen wir doch mal eine grobe Abschätzung. Der durchschnittliche GKV-Beitrag incl. AG-Anteil beträgt ca. 800 EUR monatlich. Der Höchstsatz liegt bei ca. 1200 EUR monatlich, also 400 EUR mehr. Es gibt rund 4 Mio. privat Versicherte, die nicht beihilfeberechtigt sind. Beihilfeberechtige berücksichtigen wir hier nicht, da man hier von einem durchschnittlichen Einkommensprofil ausgehen kann. Wenn wir jetzt also die Differenz zwischen Höchst- und Durchschnittssatz von 400 EUR mit den 4 Mio. multiplizieren, so erhalten wir einen Betrag von 1,6 Mrd. EUR, der zusätzlich in die GKV-Kasse käme. Wenn wir noch berücksichtigen, dass PKV-Versicherte seltener krank werden und den Betrag einfach verdoppeln, landen wir bei ca. 3 Mrd. EUR.

    Eine Zwangsmitgliedschaft in der GKV für alle PKV-Versicherten würde also zu einer grob geschätzten Netto-Erhöhung der Einnahmen von 3 Mrd. EUR führen. Nun gibt die GKV täglich ca. 1 Mrd. EUR aus, jährlich also gut 300 Mrd. EUR. Mithin würden sich die Netto-Einnahmen um ca. 1% erhöhen, also im vernachlässigbaren Bereich. Zum Vergleich: das Minus, das durch die nicht vollständige Übernahme der GKV-Kosten für Bürgergeldempfänger aus Steuermitteln in der GKV jährlich entsteht, beträgt 10-12 Mrd. EUR.

    Ich bin kein Freund dieser gefühlt wahren Argumentation, weil man darauf hofft, dass niemand die Dinge schnell mal quantitativ abschätzt. Denn dann fällt die gefühlte Wahrheit meist zusammen.

  • Wenn diese Einnahmen bei den Arztpraxen wegfallen, wie würde das wohl kompensiert?

    Die heute für Privatpatienten erbrachten Leistungen würden weiterhin angeboten werden. Natürlich wie heute auch gegen extra Honorar. Es würde dann wahrscheinlich Zusatzversicherungen auf privater Basis geben, die diese Kosten übernehmen.

  • Dann machen wir doch mal eine grobe Abschätzung. Der durchschnittliche GKV-Beitrag incl. AG-Anteil beträgt ca. 800 EUR monatlich. Der Höchstsatz liegt bei ca. 1200 EUR monatlich, also 400 EUR mehr. Es gibt rund 4 Mio. privat Versicherte, die nicht beihilfeberechtigt sind. Beihilfeberechtige berücksichtigen wir hier nicht, da man hier von einem durchschnittlichen Einkommensprofil ausgehen kann. Wenn wir jetzt also die Differenz zwischen Höchst- und Durchschnittssatz von 400 EUR mit den 4 Mio. multiplizieren, so erhalten wir einen Betrag von 1,6 Mrd. EUR, der zusätzlich in die GKV-Kasse käme. Wenn wir noch berücksichtigen, dass PKV-Versicherte seltener krank werden und den Betrag einfach verdoppeln, landen wir bei ca. 3 Mrd. EUR.

    Eine Zwangsmitgliedschaft in der GKV für alle PKV-Versicherten würde also zu einer grob geschätzten Netto-Erhöhung der Einnahmen von 3 Mrd. EUR führen. Nun gibt die GKV täglich ca. 1 Mrd. EUR aus, jährlich also gut 300 Mrd. EUR. Mithin würden sich die Netto-Einnahmen um ca. 1% erhöhen, also im vernachlässigbaren Bereich. Zum Vergleich: das Minus, das durch die nicht vollständige Übernahme der GKV-Kosten für Bürgergeldempfänger aus Steuermitteln in der GKV jährlich entsteht, beträgt 10-12 Mrd. EUR.

    Ich bin kein Freund dieser gefühlt wahren Argumentation, weil man darauf hofft, dass niemand die Dinge schnell mal quantitativ abschätzt. Denn dann fällt die gefühlte Wahrheit meist zusammen.

    400 *12. Bei Beihilfe und Bürgergeldempfänger müsst dann natürlich extra aus Steuern finanziert werden. So wie jetzt, funktioniert es zumindest nicht mehr lange. Ähnlich Rente, wo sich auch viele aus der Solidargemeinschaft rausstehlen könnenund es auch machen.

  • All deine Argumente ändern nichts daran dass es unsozial und unsolidarisch ist, das Beamte, Selbständige und Besserverdiener sich der Solidargemeinschaft entziehen.

    Vor allem die Entscheider über solche Systeme (Obrigkeit, Politiker, Beamte) sorgen gerne dafür selbst in solchen System kein integraler Bestandteil und/oder gar Zwangsmitglied zu sein.

    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...

    By the way: Was sagt mir das über diese Systeme ... ?

  • 400 *12. Bei Beihilfe und Bürgergeldempfänger müsst dann natürlich extra aus Steuern finanziert werden. So wie jetzt, funktioniert es zumindest nicht mehr lange. Ähnlich Rente, wo sich auch viele aus der Solidargemeinschaft rausstehlen könnenund es auch machen.

    Ups, da habe ich den Faktor 12 vergessen. Dann kommen wir auf einen Wert von 20-30 Mrd. EUR jährlich, also eine Netto-Steigerung um 5-8%. Ich bin mir aber sicher, dass die Politik für diese Mehreinnahmen schnell eine Verwendung findet.

  • sam51

    All deine Argumente ändern nichts daran dass es unsozial und unsolidarisch ist, das Beamte, Selbständige und Besserverdiener sich der Solidargemeinschaft entziehen.

    Daher wäre ein einheitliches Gesundheitssystem mit einer guten Grundversorgung für alle der richtige Weg.

    Extras wie Wahlarzt, 1-Bett-Zimmer, Privatarzt, Privatklinik, Homöopathie, teurer Zahnersatz, usw. kann jeder nach freiem Ermessen und nach der persönlichen finanziellen Situation über eine private Zusatzversicherung abschließen.

    Dieser Systemwechsel kommt vielleicht in der nächsten Dekade. Denn ich rechne damit, dass die private Vollversicherung sich im kommenden Jahrzehnt zu einem Auslaufmodell verändern wird. Grund: Die Beiträge werden bis dahin so stark steigen, dass sie für immer mehr Versicherte zu einer finanziellen Belastung werden.

  • Zitat von Spiegel.de von heute: "Der Bund will sich zudem schrittweise stärker an den Gesundheitskosten für Grundsicherungsempfänger beteiligen – zunächst aber nur mit 250 Millionen Euro jährlich mehr, ab 2029 dann mit 500 Millionen Euro. Im Gegenzug wird der allgemeine Bundeszuschuss an den Gesundheitsfonds ⁠der GKV bis 2030 um jährlich zwei Milliarden Euro gekürzt."

    Verstehe ich das richtig, dass der Bund anstatt die GKV zu entlasten, lieber noch Geld aus der GKV abzieht??

  • In den Medien kommen jetzt gerade die etwas modifizierten Pläne für das ganze Zeug durch.

    Alles wieder viel softer….Hausfrauenzuschlag ab 2028 nur 2,5 %.

    Die SPD hat außerdem durchgesetzt, dass die Grenze zur Versicherungsfreiheit deutlich angehoben wird. Sie soll um 3.600 Euro auf gut 80.000 Euro steigen. So soll unter anderem der Wechsel von zu vielen Gutverdienern in die privaten Krankenversicherungen verhindert werden. Das soll etwa 100.000 Versicherte mehr in die GKV bringen.

    Darüber wird sich der PKV-Verband überhaupt nicht freuen... falls es sich um eine einmalige, außerordentliche (und nicht die SGB-gemäße, normale) Erhöhung handeln sollte.

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