Ehegattensplitting

  • Es ist ja gerade wieder in der Diskussion, was halten ihr vom Ehegattensplitting?

    Zusammenveranlagte Paare profitieren dann am meisten, wenn der Einkommensunterschied zwischen beiden Partnern besonders groß ist, oft wenn eine gar nicht arbeitet. Kritiker sagen schon lange, dass es die Einverdienerfamilie subventioniert, die ja eigentlich aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Bzw. dass es gerade für Frauen unattraktiv ist, nach einer Kinderpause wieder zu arbeiten.

    Für uns persönlich wäre es doppelt blöd, weil wir bis dato auf gleichem Niveau verdient haben, das also nichts gebracht hat. Genau jetzt ändern sich die Umstände und wir könnten erstmals vom Splitting profitieren. Prompt soll es abgeschafft werden 8o.

    Das soll aber nicht heißen, dass ich dafür bin, nur weil wir profitieren würden. Wie seht ihr das?

  • Ich sehe die Diskussion im Zusammenhang zu vielen anderen rund um die Abgabenlast und gesellschaftliche Veränderungen/Ansprüche. Dann reden wir übers Ehegattensplitting, aber an anderer Stelle gerade z.B. auch über die kostenlose Mitversicherung. Dann reden wir über Gender Pay Gap, Gleichberechtigung, Mütterrente/Rentenansprüche von Frauen... Wir reden über Kitas und Schulen, deren Betreuungszeiten so ausgedehnt werden, dass Kinder ihre Mütter nicht mehr an der beruflichen Karriere hindern können (jaja, salopp gesagt). Die Einverdienerfamilie scheint nicht aus der Zeit gefallen zu sein, sie ist es definitiv, wenn man diese anderen Rehmenbedingungen sich anschaut. Vieles zielt darauf ab, beiden Elternteilen in Familien mit Kindern zu ermöglichen, sich beruflich zu entfalten. Und das verursacht nunmal auch Kosten, da gehen Teile des Staatshaushaltes für drauf. Dann die steuerliche Sonderbehandlung des "alten" Familienmodells zu beenden, ist an der Stelle letztlich eine logische Folge.

  • Man mag darauf hinweisen, dass das Ehegattesplitting auf eine verfassungsrechtliche Rechtsprechung zurückgeht. Die bürgerliche Ehe ist nicht nur als rechtliche Verantwortungsgemeinschaft zu verstehen, sondern auch als wirtschaftliche Einheit. Den Eheleuten steht es frei, wie sie innerhalb der Ehe die Erwerbstätigkeit verteilen. Dementsprechend darf danach die Entscheidung der Eheleute, dass nur eine Ehepartner erwerbstätig ist - aus welchen Gründen auch immer - nicht zum Nachteil der Eheleute werden. Dem begegnet das Ehegattensplitting. Es ist direkter Ausdruck des verfassungsrechtlich verbürgten besonderen Schutzes der Ehe durch die staatliche Ordnung nach Art. 6 Abs. 1 GG.

    Es ist damit konzeptionell gerade kein Alleinverdienerfördermodell; Frauendiskriminierung oder ähnliches, sondern schützt die freie Regelung der innerehelichen Angelegenheiten insbesondere der Erwerbstätigkeit durch die Eheleute selbst, vgl. dazu § 1356 Abs. 1 BGB.

    Dass Männer regelmäßig - aber nicht notwendigerweise - besser bezahlten Berufen nachgehen, ist kein Resultat der Gesetzgebung, sondern der Berufswahl sowie ggf. zeitlichen Umfangs. Ebenso ist es biologischer Natur, dass allenfalls - da zunehmend sinkend - die Frau ein Kind gebären kann.

  • Naja was heißt altmodisches Modell.


    Selbst bei Mann: Vollzeit, Frau: Teilzeit, was heutzutage wohl die Regel ist, da ein klassischer "Alleinverdiener" kaum noch möglich ist, reden wir von hohen steuerlichen Nachzahlungen, wenn das Splitting abgeschafft wird. Besonders auch beim Thema Elterngeld.


    Also ich hätte dieses Jahr anstatt 1500€ Rückzahlung eine 500€ Nachzahlung, bei Einzelveranlagung.

  • Wie seht ihr das?

    Ich sehe vor allem das Problem der Steuerklassen (3 und 5).
    In der Regel hat der gutverdienende Mann die StKl. 3 und die Teilzeitarbeitende Frau die 5. Das bedeutet letztendlich, dass das Nettoeinkommen der Frau stark geschmälert wird, womit ihre Arbeit dann also weniger wertvoll erscheint. Und dann kommt oft noch der Irrglaube hinzu, dass sich deswegen ja ein höheres Arbeitspensum (=Einkommen) gar nicht lohnen würde.
    Da wird die Gleichberechtigung untergraben und Anreize für Mehrarbeit (sofern möglich) werden unterminiert.

  • Selbst bei Mann: Vollzeit, Frau: Teilzeit, was heutzutage wohl die Regel ist, da ein klassischer "Alleinverdiener" kaum noch möglich ist, reden wir von hohen steuerlichen Nachzahlungen, wenn das Splitting abgeschafft wird.

    Wieso soll das so sein? Wenn es keine zusätzlichen Einkommen gibt, welche nicht dem Lohnsteuerabzug unterlegen, dann kann es eigentlich keine Nachzahlungen geben.

  • Hallo Seyu,

    Danke, in dem Sinne wollte ich auch gerade schreiben. Das Ehegattensplitting ist ein Baustein im gesamten Rechtskonstrukt Ehe, dass sich in fast allen Rechtsgebieten auswirkt und bei dem man nicht einfach einen Baustein herausnehmen kann, ohne das gesamte Gebäude zum Einsturz zu bringen. Erinnert sich noch jemand, dass die letzte Bundesregierung eine Ehe light (Verantwortungsgemeinschaft) einführen wollte? Der Versuch ist stillschweigend begraben worden.

    Das Einzige, was ich mir vorstellen könnte, wäre, dass man das Ehegattensplitting auf ein Familiensplitting erweitert.

    Gruß Pumphut

  • Wieso soll das so sein?

    Verbessere mich bitte, wenn es falsch ist.


    https://www.lohnsteuer-kompakt.de/rechner/veranlagungsrechner


    Rechne es doch selbst aus.


    Mann: 50.000€

    Frau: 8.000€

    Zusammenveranlagung 7.872,00 €

    Einzelveranlagung 10.548,00 €

    Ersparnis bei der Wahl der Zusammenveranlagung 2.676,00 €


    Je höher die Differenz zwischen den Gehältern, umso höher ist das Ersparnis. Oder die geforderte erhöhte Steuernachzahlung.

    Und wie bereits erwähnt, haben wir (Vollzeit + Elternzeit) eine Rückzahlung von 1500€ erhalten bei Splitting, bei Einzelveranlagung hätten wir 500€ nachgezahlt. Somit 2000€ Steuern mehr gezahlt.

    Ergo geht es hauptsächlich darum, dass Frauen mehr arbeiten gehen. Oder beide in Teilzeit gehen, um die Gehälter anzunähren.

    Es gibt Frauen, die in der Mutterrolle aufgehen und nicht Kinder dafür bekommen, um diese 40h+ pro Woche von anderen Menschen erziehen zu lassen. Die allermeisten Frauen bevorzugen wohl eine Teilzeittätigkeit. Und nach meiner eigenen Erfahrung im Bekanntenkreis würden sehr gerne, fast alle Frauen, Vollzeit "Zuhause" bleiben und sich nur um die Kinder kümmern, was finanziell aber nicht machbar ist.


    Ich kenne eine Bekannte Mutter, mit 3 Kindern, welche alle ihre Kinder in die Betreuung gibt und Vollzeit arbeitet, täglich ihr Leben verflucht, da deren damalige 10 Jahres Zinsbindung vom Neubau nun ausgelaufen ist und sie quasi Vollzeit arbeiten, oder das Haus verkaufen muss, da ihr Gehalt in Teilzeit (15h) nicht mehr ausreicht.

  • Es gibt sehr wohl Frauen, die gerne mehr beruflich machen wollen. Und dann rechnet er vor, dass sich das nicht lohnt. Das wars dann wieder mit Selbstbestimmung, Gleichberechtigung.

    Splitting weg, für wenig Begüterte ohne Nachteil und alle anderen können auch ohne auskommen wie viele andere auch.

  • Zusammenveranlagte Paare profitieren dann am meisten, wenn der Einkommensunterschied zwischen beiden Partnern besonders groß ist, oft wenn eine gar nicht arbeitet.

    Das stimmt so nicht.

    Entscheidend ist das zu versteuernde Einkommen der Ehepartner in Summe.

    Dabei spielt es keine Rolle ob einer 0 Euro und der andere 100.000 Euro oder beide 50.000 Euro verdienen.

  • Ich kenne eine Bekannte Mutter, mit 3 Kindern, welche alle ihre Kinder in die Betreuung gibt und Vollzeit arbeitet, täglich ihr Leben verflucht, da deren damalige 10 Jahres Zinsbindung vom Neubau nun ausgelaufen ist und sie quasi Vollzeit arbeiten, oder das Haus verkaufen muss, da ihr Gehalt in Teilzeit (15h) nicht mehr ausreicht.

    Da kann Sie aber von Glück sagen das es eine Betreuungsmöglichkeit für die Kinder gibt. Bei uns wartet man ca. 2 Jahre bis ein Platz frei wird. Und um die Familien in der Wartezeit richtig schön unter Druck zu setzen streicht man am besten das Splitting. Ja das wird Freude machen.

  • Es gibt sehr wohl Frauen, die gerne mehr beruflich machen wollen.

    Selbstverständlich gibt es diese unterdrückten Frauen.

    Aber unter uns...

    Die Anzahl der Ehen, welche freiwillig einem Vollzeit/Teilzeit/Alleinverdiener Modell folgen, und durch ein Wegfall des Ehegattensplittings benachteiligt werden, würde ich einfach mal pauschal um ein Vielfaches höher einschätzen, als die Anzahl, von arbeitsunterdrückenden Ehen...


    Wenn die Frau sich bei diesem Thema schon nicht durchsetzen kann, gibt es weitaus andere Probleme, als das Ehegattensplitting abzuschaffen. Frauen die mehr arbeiten wollen, machen das in der Regel auch.


    Für mich sind das alles vorgeschobene Gründe, damit der Staat mehr Steuern einnimmt.

  • Wie oben genannt, das Ehegattensplitting als Gesetzgebung hat nichts mit Frauenbenachteiligung oder Männerbevorteilung zu tun. Es fördert das auch nicht. Es gibt auch Ehen, in denen Frauen mehr verdienen und/oder mehr arbeiten. Das Ehegattensplitting bewirkt allein, dass die Eheleute als wirtschaftliche Einheit behandelt werden und selbst bestimmen können, wer wie viel arbeitet. Ob sie 2x40.000 EUR oder 1x80.000 EUR verdienen, soll eben keinen Unterschied machen. Das ist der Gedanke dabei. Die Eheleute sollen das selbst bestimmen können, § 1356 BGB.

  • Das stimmt so nicht.

    Entscheidend ist das zu versteuernde Einkommen der Ehepartner in Summe.

    Dabei spielt es keine Rolle ob einer 0 Euro und der andere 100.000 Euro oder beide 50.000 Euro verdienen.

    Das versteuernde Einkommen in Summe macht MIT Ehegattensplitting die Steuerlast in deinen beiden Fällen gleich.

    Ohne Splitting würde der mit 100.00€ deutlich mehr Steuern zahlen, unabhängig vom Einkommen des Partners.

    Deswegen lohnt es sich ja aktuell genau für paare mit großem Einkommensunterschied.

  • Für Frauen ist es toll, wenn sie in ihrer Hausfrauen und Mutterrolle aufgehen - solange die Ehe besteht.

    Am Ende der Ehe (Scheidung oder Tod des Partners) ist das böse Erwachen oft groß. Ich bin schon lange für's Abschaffen.

    Soweit ich weiß sind wir eh das einzige Land in Europa mit diesem Konstrukt, selbst im doch recht konservativen Österreich gilt Einzelbesteuerung.

    Wer gern noch mehr Argumente für die Abschaffung aus Frauensicht im Detail lesen möchte, dem empfehle ich das Buch 'Ein Mann ist keine Altersvorsorge' von Helma Sick.

  • Das Ehegattensplitting ist (vermute ich) kein Selbstzweck. Daher könnte man natürlich überlegen, ob die Förderung von Familien (das scheint mir die förderungswürdige Institution zu sein) auch ohne die Effekte hinbekommen, die wir (wahrscheinlich) nicht wollen.

    Regelmäßig Frauen durch wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck aus dem Erwerbsleben zu drängen und sich hinterher lautstark über weibliche Altersarmut zu wundern deutet auf multiple Denkfehler hin.

    Wenn es grundsätzlich nur noch Einzelveranlagung gäbe und man mit zusätzlichen Freibeträgen für bestimmte Konstellationen arbeiten würde, dann wäre das ja eine Überlegung.

    Bin mal gespannt, was da noch an Diskussion auf uns zukommt.

  • Das stimmt so nicht.

    Entscheidend ist das zu versteuernde Einkommen der Ehepartner in Summe.

    Dabei spielt es keine Rolle ob einer 0 Euro und der andere 100.000 Euro oder beide 50.000 Euro verdienen.

    Das ist genau so, weil es eben das Ehegattensplitting gibt, ohne dieses würde jeder einzeln veranlagt und dann rechne mal wie das wäre wenn du 80.000 versteuerst und der Partner dann 20.000, da ist die Steuerlast in Summe deutlich höher, weil der mit 80.000 viel höher in der Progression ist.

  • Ich verdiene nach Steuern, Abgaben etc. 6.300 EUR netto monatlich (was mir nicht geschenkt wird, sondern ich hart erarbeiten muss u.a. mit wenig Zeit für meine Familie), meine Frau ist gesundheitlich nur in der Lage einen Minijob mit rd 500 EUR netto monatlich auszuüben, darüber hinaus haben wir ein Kind von 14 Jahren. Ich zähle einmal auf: eine Abschaffung des Ehegattensplitting würde für uns rd. 800 EUR netto weniger im Monat bedeuten, darüber hinaus ist ja geplant die Familienversicherung bei der Krankenversicherung umzustellen, was nochmal 200 EUR weniger im Monat bedeuten würde, darüber hinaus wird ja wohl auch bald die Beitragsbemessungsgrenze erhöht - bei realistischen 90.000 EUR BBG wären das für uns nochmal 300 EUR pro Monat weniger (für einen kompletten Wegfall wären es rd. 1.200 EUR weniger im Monat) und dann käme noch eine diskutierte Mehrwertsteuererhöhung hinzu - ich rechne einmal plus 2%; d.h: aus unseren netto 6.800 EUR werden netto 5.500 EUR abzgl. 2% Kaufkraftverlust macht ca. 5.400 EUR - in Summe ein Minus von 21% - natürlich stehen dem Leistungskürzungen und weitere Zusatzbeitragserhöhungen bei der Krankenkasse gegenüber. Verzeihung, aber wenn das so kommt bitte ich um Verständnis, wenn ich fortan auf diesen Staat .......! (Pardon!)

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