Ehegattensplitting

  • Der Finanzminister hat jetzt eine neue Idee:

    Ehegattensplitting abschaffen: Das plant der Finanzminister für Paare | Politik | BILD.de

    Man hat für diese Art der Steuererhöhung auch gleich einen Euphemismus parat: Realsplitting.

    Interessant:

    "Für bestehende Partnerschaften soll auch weiterhin das Ehegattensplitting gelten. Das kostet den Staat jedes Jahr rund 25 Milliarden Euro."

    Wenn das so umgesetzt würde, wären die Mehreinnahmen sehr überschaubar. Ich halte es außerdem für fraglich, ob solch eine Konstruktion vor dem Verfassungsgericht Bestand hätte.

  • Interessant, wie hier die Tatsachen verdreht werden. Es "kostet" dem Staat keine 25 Mrd. Das ist keine "freiwillige milde Gabe" des Staates. Der Staat hat da keinen Anspruch drauf - Punkt. Vielleicht würde er sich hier gerne weitere 25 Mrd "unter dem Nagel reissen". Das träfe es besser.

  • Und mittelfristig erhält die Person mit Steuerklasse V wegen ihres geringeren Nettoverdienstes auch weniger Krankengeld, Elterngeld, Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld I.

    Die beiden Steuerklassen weg bzw. eine daraus, eine einfache Lösung. Welche Lobbygruppe hat etwas dagegen? ......

    Du verwechselst hier wiederholt das Thema Steuerklassen und das Ehegattensplitting. Keine Ahnung, ob du den Unterschied immer noch nicht verstanden hast oder verstehen willst. Die Steuerklassen haben höchstens entfernt etwas mit dem Splitting zu tun, da sie in der Vergangenheit mal die gelebte Realität abgebildet haben. III/V ist aber mittlerweile überholt und mit IV/IV Faktor steht eine deutlich bessere Möglichkeit zur Wahl, um die tatsächlichen Verhältnisse abzubilden.

    Außerdem muss man bedenken, woher die Steuerklassen kommen. Hier wurde vom Gesetzgeber scheinbar angenommen, dass Angestellte blöd sind und nicht in der Lage, eigenständige Vorauszahlungen zu leisten. Bei allen Personengruppen der anderen Einkunftsarten (Vermieter, Selbstständige, Gewerbetreibende und Landwirte) sieht das anders aus. Da legt das Finanzamt die Vorauszahlung fest und der Steuerpflichtige muss das selber überweisen.

    Du kannst ja mal bei deinem örtlichen MdB vorbringen, dass die Lohnsteuer abgeschafft werden soll und auch Angestellte vergleichbar zu den anderen Einkunftsarten Vorauszahlungen leisten sollen. Ich höre jetzt schon den Aufschrei von Arbeitnehmern und Finanzämtern. Höchstens die Arbeitgeber wird es freuen.


    wer wickelt wen ein?:/

    https://fixrechner.de/heiratsvorteil-rechner/

    Heirat doch ein Vorteil ....

    Auch hier wird wieder nur auf die Steuerklasse abgezielt. Dazu ist der Rechner schon alleine deshalb schlecht, weil IV/IV Faktor gar nicht berücksichtigt wird. Das ist nämlich die Zahl, die der Realität am nächsten kommt.

    Guck dir lieber mal den Rechner vom Finanzministerium an. Der ist deutlich umfangreicher und vergleicht alle Steuerklassen. Nur dein geliebter Vergleich zu einem unverheirateten Paar fehlt, um den Vorteil das Ehegattensplitting aufzuzeigen.


    Vor grob 10 Jahren gab es die Meldung, dass Ehepaare zu 95% die Steuerklassen 3/5 gewählt haben. Das haben alle natürlich hochgradig individuell entschieden.

    Ich glaube, dass hier einfach viele sich nicht informieren und das auch nicht wollen. Die hören dann irgendwo, dass der besser Verdienende in Steuerklasse III wechseln soll und machen das einfach. Welche Konsequenzen das hat, interessiert viele gar nicht.


    Meinst du?
    Kinder hatten und haben keinen Freibrief, auch nicht in der Familie. Im Haushalt hilft jeder mit. auch die Kinder, (ist ein MUß).

    Ironie bitte kennzeichnen, wenn sie nicht erkennbar ist.

    So ganz unrecht hat Fred_ nicht. Es gibt eine gesetzliche Grundlage für "Kinderarbeit" im Haushalt. Natürlich mit gewissen Einschränkungen, aber Guck dir mal den §1619 BGB an:

    Zitat

    Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.

    Ob das allerdings für genug Entlastung bei den Eltern für zusätzliche bezahlte Arbeitsstunden sorgt, ist natürlich fraglich.

  • So ist Kinderarbeit in Deutschland üblicherweise verboten, ganz gleich, was die Eltern darüber denken.

    Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
    § 1619 Dienstleistungen in Haus und Geschäft

    Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.

  • Ich glaube, dass hier einfach viele sich nicht informieren und das auch nicht wollen. Die hören dann irgendwo, dass der besser Verdienende in Steuerklasse III wechseln soll und machen das einfach. Welche Konsequenzen das hat, interessiert viele gar nicht.

    Es gibt ausreichend Menschen, die meinen, Steuerklassen hätten etwas mit Steuersparen zu tun und nicht mit Liquidität.

  • Wenn man die Ehe/Partnerschaft nicht mehr als wirtschaftliche Einheit sieht, müsste man dann nicht konsequenterweise auch damit aufhören, das Einkommen des Partners heranzuziehen, wenn es um soziale Dinge geht?

    Das hat mit dem Ehegattensplitting überhaupt nichts zu tun.

    Deutschland ist in Westeuropa quasi das einzige Land, indem eine Ehe steuerlich stark privilegiert ist, WENN die beiden Menschen unterschiedlich viel verdienen.

    Ich kenne eine Krankenschwester und , die seit 25 Jahren verheiratet sind und immer das gleiche verdienen. Sie arbeiten Krankenhaus.
    Die beiden haben doch niemals irgendeine staatliche Förderung für die Ehe bekommen….

    Menschen aus Österreich, Belgien, den Niederlanden und Dänemark kennen das alles überhaupt nicht.

    Es gibt ja ein paar komische Vögel, die die Schweiz immer so toll finden.
    “Heiratsstrafe“…… den Begriff könnt ihr ja mal nachschauen.

  • Die jetzt aber per Volksabstimmung abgeschafft wurde. In Zukunft nur noch Individualbesteuerung:

    https://www.admin.ch/gov/de/start/d…esteuerung.html

    Positiv. Wundert mich, dass das Schweizer Stimmvolk so lange gebraucht hat, diesen Blödsinn abzuschaffen.

    Genau dieser Quatsch galt bis 1957/58 in Westdeutschland. Statt dann auf die Individualbesteuerung überzugehen, kam….das Ehegattensplitting ……😏

  • Wenn man die Ehe/Partnerschaft nicht mehr als wirtschaftliche Einheit sieht, müsste man dann nicht konsequenterweise auch damit aufhören, das Einkommen des Partners heranzuziehen, wenn es um soziale Dinge geht?

    Die Partnerschaft wird aber nur bei verschiedenen Sozialleistungen als wirtschaftliche Einheit herangezogen. Im steuerlichen Sinne ist die Partnerschaft allerdings egal, höchstens bei den Handwerker- und haushaltsnahen Dienstleistungen greift dann die Partnerschaft (im Rahmen der gemeinsamen Haushaltsführung) mit begrenzendem Charakter.

  • Ich kenne eine Krankenschwester und , die seit 25 Jahren verheiratet sind und immer das gleiche verdienen. Sie arbeiten Krankenhaus.
    Die beiden haben doch niemals irgendeine staatliche Förderung für die Ehe bekommen….

    Wir drehen uns dann irgendwann im Kreis. Aber bleiben wir doch mal bei dem Beispiel. Jetzt möchte das Krankenpflegerpaar die Stunden reduzieren. Warum ist Deiner Meinung nach gerechter, dass diese bei 30 Stunden und 30 Stunden Aufteilung weniger Steuern zahlen als bei einer Aufteilung von 40 und 20 Stunden die Woche?

  • Hat er doch gut beschrieben.

    Das Steuerklassen abgeschafft gehören, steht nicht zur Diskussion. Ansonsten hat er quasi kein Argument gegen das Ehegattensplitting gebracht. Außer, dass dies zu weniger Arbeit von Frauen führe und dann zu weniger Rente.

    Das ist absolutes Unsinns Argument. Das bedeutet eigentlich nur, wenn wir stärker besteuern, müssen alle mehr arbeiten um mehr Rentenpunkte zu sammeln und Familien haben weniger Zeit um sich um ihre Kinder zu kümmern.

    Ich behaupte, dass Frauen dann nicht mehr arbeiten, sondern einfach weniger für die Rente privat zurücklegen können. Das wäre zumindest bei uns der Fall.

    Bei der Abschaffung des Ehegattensplittings wird die ganze Zeit unterstellt, dass jeder direkt einen Job findet oder mehr Stunden arbeiten kann. Das gibt der Arbeitsmarkt derzeit doch garnicht her. Der Langzeitarbeitslose der von seiner Ehepartnerin versorgt wird, hat dadurch keinen Rentenpunkt mehr, sondern einfach nur weniger Geld zur Verfügung.

  • Hermann-Josef Tenhagen sich im Spiegel für die Abschaffung des Ehegattensplitting aus:

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/ser…b0-8fbd9012921e

    Die Argumente wurden hier alle schon diskutiert. Ich erspare mir eine Wiederholung.

    Hat er doch gut beschrieben.

    Das ist absolutes Unsinns Argument. Das bedeutet eigentlich nur, wenn wir stärker besteuern, müssen alle mehr arbeiten um mehr Rentenpunkte zu sammeln und Familien haben weniger Zeit um sich um ihre Kinder zu kümmern.

    Also ich habe den Artikel von HJT gelesen und gehe nicht komform. Er redet von einem Problem, und erklärt dann eine Beseitigung wäre ganz einfach möglich.

    Ehegattensplitting abschaffen sagt er wohl, aber dann kommt einmal der Punkt "Familiensplitting". Man kann das selbe wie bisher auch etwas verändern und ganz anders benennen.

    Eine Reform der Steuerklassen und ein Wegfall der Steuerklassen III und V kann 90% von den Ungereimtheiten in der Ehegattenbesteuerung beseitigen.

  • Ich frage mal überspitzt: Wenn die Ehe sowieso nach durchschnittlich X Jahren geschieden wird und nur Nachteile für die Frauen bringt, warum verbietet man sie dann nicht?

    Zum einen ist dies nicht der "Standard". Die Scheidungsquote ist zwar nicht gering, aber auch nicht weit über 50% oder ähnliches. Weiter lässt sich die Scheidungsquote sicherlich auch mit den quasi nicht existierenden Voraussetzungen erklären mit Ausnahme des Trennungsjahrs (sog. "no-fault-divorce"), wovon in besonderen Einzelfällen auch abgewichen werden kann.

    Zum anderen enthält Art. 6 Abs. 1 GG auch eine Institutsgarantie für die Ehe, d.h. eine Abschaffung der bürgerlich-rechtlichen Ehe würde eine Verletzung dieser Verfassungsnorm darstellen.

    Wie gesagt die (bürgerlich-rechtliche) Ehe ist mit den für sie geltenden Vorschriften sowie den Vorschriften des Scheidungsfolgerechtes gerade auch dafür geschaffen die besonderen Umstände bei einer Familiengründung (wie berufliche Auszeiten) zu berücksichtigen.

  • Also ich habe den Artikel von HJT gelesen und gehe nicht komform. Er redet von einem Problem, und erklärt dann eine Beseitigung wäre ganz einfach möglich.

    Ehegattensplitting abschaffen sagt er wohl, aber dann kommt einmal der Punkt "Familiensplitting". Man kann das selbe wie bisher auch etwas verändern und ganz anders benennen.

    Eine Reform der Steuerklassen und ein Wegfall der Steuerklassen III und V kann 90% von den Ungereimtheiten in der Ehegattenbesteuerung beseitigen.

    Das Steuerklassen nicht zur Diskussion stehen und abgeschafft gehören, steht glaube ich hier garnicht zur Diskussion.

    Er beschreibt Familiensplitting (ohne die Ausgestaltung zu beschreiben) um am Schluss zu sagen, Ehegattensplitting gehört abgeschafft. Und Familiensplitting steht aktuell politisch ja nicht zur Diskussion und ist auch ein schlechtes Argument gegen Ehegattensplitting. Denn was ist denn der Unterschied zwischen Familiensplitting und Ehegattensplitting, wenn man keine Kinder hat?

  • Auffallend ist, dass die meisten Leute, die ein pauschales Ehegattensplitting ablehnen, eine Art "Familiensplitting für Ehen mit Kindern" befürworten.

    In https://www.spiegel.de/wirtschaft/ser…b0-8fbd9012921e wird über eine weitere Variante nachgedacht:

    Zitat

    Beim Splitting geht es den Befürwortern um die gesellschaftliche Förderung der Familie. Wenn das aber ein Kernmotiv für die Regelung ist, folgt daraus eher ein Plädoyer für ein Familiensplitting. Bei diesem Modell werden alle Einkommen der Familienmitglieder für das Finanzamt durch die Zahl der Köpfe in der Familie geteilt und anschließend wird die Steuer festgelegt. Dieses Splitting gilt also nicht nur für ein Paar.

    Das weiß man seit Jahrzehnten auch in der Union. Der frühere CDU-Politiker Norbert Blüm brachte es schon vor mehr als 40 Jahren mal auf die Formel: »Das Ehegattensplitting ist zwar ehefreundlich, aber ausgesprochen familienfeindlich

    Dieses Modell scheint weiterhin das Ehegattensplitting für Ehen ohne Kind zu befürworten, aber eine verstärkte Berücksichtigung von Kindern zu fordern, indem der gemittelte Steuersatz nicht nur durch 2 (die Eheleute) sondern durch 2+x (x = Anzahl der Kinder) geteilt wird.

    Aber ansonsten wird in dem Artikel gegen eine steuerliche Begünstigung von Ehen ohne Kinder argumentiert.

    Mein Kommentar oben war zwar überspitzt formuliert, aber dennoch ernst gemeint:

    Ich frage mal überspitzt: Wenn die Ehe sowieso nach durchschnittlich X Jahren geschieden wird und nur Nachteile für die Frauen bringt, warum verbietet man sie dann nicht?

    Scheinbar ist die Ehe selbst gewünscht, als motivierender Faktor für die Reproduktion (Wachstum). Aber sie soll nicht mehr gefördert werden, wenn keine Reproduktion stattfindet.

    Ich möchte in diesem Fall kurz daran erinnern, dass es auch Ehen gibt, die ungewollt kinderlos bleiben. Und auch Eheleute ohne Kinder - gewollt oder nicht gewollt - bauen Häuser, verschulden sich dafür bei den Banken und halten die Wirtschaft am Laufen.

    Aber das zählt wohl nicht. Das ausschlaggebende Kriterium soll offensichtlich sein, ob Eheleute neue Kinder in die Welt setzen.

    Wegen des Generationenvertrags und der Umlagesysteme? Oder weil wir neue Konsumenten brauchen?

    Oder soll das Ehegsttensplitting aus einem anderen Grund abgeschaft werden, und zwar weil - wie im Artikel auch gesagt - die Frauen motiviert werden sollen, sich stärker im Erwerbsleben zu engagieren? Und das wiederum wegen einer gesellschaftlichen Notwendigkeit (Fachkräfte- oder Arbeitskraftmangel)? Und/oder in ihrem eigenen Interesse (Unabhängigkeit vom Ehemann, insbesondere Absicherung im Alter)?

    Oder handelt es sich um eine Neiddebatte und gönnt man DINKs mit ungleich hohem Einkommen einfach nicht eine geringere Besteuerung, und damit der Möglichkeit, dass sich vielleicht einer von ihnen der Notwendigkeit einer lohnabhängigen Beschäftigung entzieht? Während man bei Leuten, die über ihr Kapital andere für sich arbeiten lassen, weiterhin akzeptiert, dass sie nicht arbeiten müssen?

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