Ehegattensplitting

  • Wenn es nicht der Familienförderung dient, warum wird es nicht gerechterweise für alle Bevölkerungsgruppen (auch die nicht verheirateten) möglich gemacht?

    Wir sind nicht verheiratet und haben keine Kinder. Unser Einkommensunterschied ist sehr groß. Ich fühle mich benachteiligt. Wir würden extrem von der Regelung profitieren. Vielleicht macht es ja doch noch Sinn einfach wegen den Steuervorteilen fix zum Standesamt zu gehen.

    Andersrum müssen wir trotzdem füreinander einstehen wenn es einer Person finanziell schlecht geht (Bedarfsgemeinschaft). Das geht natürlich auch ohne verheiratet zu sein.

    Weil für die Ehe ausdrücklich ein besonderer Schutz besteht nach Art. 6 Abs. 1 GG, das korrespondiert eben auch gerade mit den entsprechenden differenzierten Regeln für das innereheliche Recht sowie auch das Scheidungsfolgenrecht usw.

    Die Ehe ist ein besonderes Institut, das gerade für das gemeinschaftliche Leben mit gegenseitiger rechtlicher und wirtschaftlicher Verantwortlichkeit ausgestaltet ist.

  • Durch die hohen Abzüge für die Person mit geringerem Einkommen bleibt vergleichsweise wenig Netto übrig. Die Konsequenz: Zusätzliche Arbeitsstunden wirken sich kaum finanziell auf das verfügbare Einkommen aus. Das wiederum hält viele davon ab, ihre Arbeitszeit zu erhöhen oder überhaupt eine Stelle anzunehmen.

    Deine Argumentation basiert auf profundem Nichtwissen. Aber keine Angst, damit bist du nicht allein. Ich schätze, dass deutlich mehr als 90% der Bevölkerung überhaupt nicht verstanden haben, warum es Steuerklassen bei der Erhebung der Lohnsteuer gibt.

    Die Lohnsteuer ist nichts anderes als eine monatliche Vorauszahlung auf die einkommensteuerpflichtigen Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit, die erst nach Ablauf eines Jahres ermittelt werden können. Durch die Wahl zwischen den im Falle des Ehegattensplittings relevanten Steuerklassen IV/IV und III/V kann man vermeiden, dass die über das Jahr gezahlte Lohnsteuer zu sehr von der nach dem Splittingtarif berechneten Einkommensteuer abweicht. Also man entweder zu viel zahlt, was dann zu einer Steuererstattung führt, oder man eine Nachzahlung leisten muss.

    Das von dir angeführte Argument, dass es sich für den geringer verdienenden Ehepartner nicht lohne, mehr zu arbeiten, da der Mehrverdienst zu sehr hohen Abzügen in Steuerklasse V führe, ist daher Unsinn. Das ist vielleicht ein psychologisches Problem, aber kein finanzielles. Es ist steuerlich völlig egal, ob der besser verdienende Ehepartner oder der schlechter verdienende einen Euro mehr an Gehalt bekommt. Bei der jährlichen Einkommensteuererklärung, vorausgesetzt man wählt, wie fast immer üblich, die Zusammenveranlagung, wird die Steuerschuld aus der Summe beider Einkommen berechnet.

    Genau diese Unkenntnis eines sehr großen Teiles der Bevölkerung nutzt die SPD, hier in Person von Lars Klingbeil, um den Menschen zu verkaufen, dass eine Abschaffung des Ehegattensplitting doch eine gute Sache sei. Dieser Mann stellt sich hin und erzählt, er kenne viele Frauen, die gerne mehr arbeiten würden, aber es nicht täten, weil es sich wegen des Splittings nicht lohne. Wie dumm muss man sein, einen derart absurden Unsinn zu glauben?

  • Wir hatten jahrelang die Aufteilung 5/3 weil mein Mann mehr verdient hat als ich. Alles andere wäre nicht klug gewesen. Im Gegensatz zu anderen wusste ich aber auch genau, warum mein Netto nicht nur etwas sondern deutlich niedriger war.

    Die jetzige Regelung wurde 1957 getroffen. Das ist das gleiche Jahr, in dem Kanzler Adenauer das folgende Zitat zugeschrieben wurde: "Kinder kriegen die Leute immer". Das war zwar mehr mit Blick auf das Umlageverfahren bei der Rente gemeint aber es zeigt deutlich die damalige Einstellung. Ehe, Familie und Kinder wurden in weiten Teilen als das gleiche betrachtet. Wenn man die Ehe fördert, fördert man die Kinder und die Familie. Wenn Frau dann 3-5 Kinder aufgezogen hat, blieb von ihrem Berufsleben oft auch nicht mehr viel übrig. Ganz so einfach funktioniert das mittlerweile nicht mehr. Das Ehegattensplitting fördert zum ganz großen Teil die kinderlosen Ehen, wo nur einer das Geld nach Hause bringt. Umgekehrt profitieren Eltern, wo beide arbeiten gehen nur sehr wenig von dieser Regelung. Das Ehegattensplitting wurde von einer Familienförderung zu einer Förderung kinderloser Ehepaare. Ich würde mir wünschen, dass wir statt dessen eine Familienförderung bekämen, bei der Familien mit Kindern gefördert werden. Das darf gerne das Ehegattensplitting kompensieren. Und selbstverständlich sollen auch in meiner Welt Ehen nicht schlechter gestellt werden als unverheiratete Paare.

  • Das ist meiner Meinung nach Teil des Problems. Ein Großteil der Leute kennt nicht mal den Unterschied zwischen den Steuerklassen und dem Ehegattensplitting. Aber auf Basis dieser Unwissenheit wird dann diskutiert.

    :thumbup:

    Genau in diesem Pfeffer sitzen manche der hier und anderswo zum Thema diskutierenden Hasen.;)

    Auch das kleinere von zwei Übeln kann ein größeres sein.

  • Wir hatten jahrelang die Aufteilung 5/3 weil mein Mann mehr verdient hat als ich. Alles andere wäre nicht klug gewesen. Im Gegensatz zu anderen wusste ich aber auch genau, warum mein Netto nicht nur etwas sondern deutlich niedriger war.

    Die Steuerklasse spielt doch beim Splitting nur eine kleine Rolle, die Unterschiede werden immer über die Steuererklärung ausgelichen, immer.

    Viele Denken mit 3/5 oder 5/3 spare man Steuer, das ist ein Irrtum man zahlt die gleiche Steuer wie bei 4/4 nur bekommt man monatlich mehr ausgezahlt. Verzichtet man auf 3/5 gibts halt einmal im Jahr eine größere Erstattung vom Finanzamt.

  • Einfach nur komisch: warum sollten sich viele Millionen, die gar nicht betroffen sind, ablehnend äußern?

    Weil die nicht nachdenken und gar nicht kapieren um was es geht.

    Oder weil ein Kernproblem aller Steuerdebatten der deutschen Politik aus Sicht vieler Bürger ist: Dieser Staat hat kein Einnahmeproblem, was zu lösen wäre. Er hat eher ein Ausgabeproblem. Die Steuereinnahmen steigen stetig an, ständig werden da Rekorde verzeichnet. Im Vergleich zu anderen Nationen sieht das so aus.

    Deswegen darf ich Steuerveränderungen, die sich negativ auf meine Nachbarschaft auswirken, aber (zunächst) gar nicht auf mich, trotzdem ablehnen. Denn davon wird die nahe Autobahnauffahrt auch nicht besser, und so ganz nebenbei, weil da betrifft mich das dann irgendwie doch wieder: manche Wahlergebnisse auch nicht.

  • Fakt ist:

    Ehegattensplitting hat NICHTS mit Lohnsteuerklassen zu tun.

    Die Steuerklassen III und V wurden in den 1950ern erdacht um die Steuerstattung/Steuernachzahlung im Folgejahr zu glätten.
    Das dies nicht optimal ist weiß die Finanzbehörde seit vielen Jahrzehnten und hat die Lohnsteuerklasse IV mit den Prozenten vorgesehen. Nur wollen die meisten Arbeitnehmer dies nicht.

    Die beiden Steuerklassen weg bzw. eine daraus, eine einfache Lösung.

    Die Lohnsteuerklasse IV mit Prozenten ist die Eine, die aber nur selten benutzt wird.

    Das Ehegattensplitting wurde von einer Familienförderung zu einer Förderung kinderloser Ehepaare.

    Vorsicht!
    Ein Ehepaar IST eine Familie. Egal ob mit oder ohne Kinder.
    Kinder werden separat gesetzlich und steuerlich gefördert.

    Ein Ehepaar = eine Familie = eine vertraglich geschlossene Bedarfsgemeinschaft, die sich frei nach ihren eigenen Regeln die notwendige Arbeit (beruflich und privat) aufteilt. Diese Art der Bedarfsgemeinschaft wird staatlich unterstützt, u.A. durch das steuerliche Ehegattensplitting.

    Heirat doch ein Vorteil ....

    Wie man es sieht. ;)
    Du hast 50% aller Sorgen und Nöte, die du vorher garnicht hattest.
    Du hast nur noch 50% aller Sorgen und Nöte, die du vorher alleine hattest.
    usw..... usf.

  • Das von dir angeführte Argument, dass es sich für den geringer verdienenden Ehepartner nicht lohne, mehr zu arbeiten, da der Mehrverdienst zu sehr hohen Abzügen in Steuerklasse V führe, ist daher Unsinn. Das ist vielleicht ein psychologisches Problem, aber kein finanzielles. Es ist steuerlich völlig egal, ob der besser verdienende Ehepartner oder der schlechter verdienende einen Euro mehr an Gehalt bekommt

    Korrekt, es ist steuerlich völlig egal. Ich lebe schon seit vielen Jahren mit der 3/5 Kombination und fühle mich nicht benachteiligt. Da ich mehr Freizeit habe, betreue ich die Familien- und Firmenfinanzen und lenke den Geldfluss sehr demokratisch in beide Richtungen. :)

    Es erschließt sich mir nicht, warum innerhalb der Ehe der steuerliche Vorteil durchs Ehegattensplitting nicht gerecht umgelegt wird. Wahrscheinlich ist es das typisch weibliche Phänomen, dass alles was mit Geld, Finanzen und Steuer zu tun hat, auf den Mann ausgelagert wird, weil "der mehr versteht", ungeachtet der meist gleich guten Bildung beider Ehepartner.

  • Das IW Köln sagt das 91% der Splittingfälle Familien mit Kindern sind.

    Somit ist doch recht klar wer die Zeche zahlt. ;)

    Ich zahlen können, schon rechnerisch gar nicht stimmen.

    Sobald die Gehälter zweier DINKS auch nur ganz gering voneinander abweichen, gibt es schon einen Splitting-Effekt.

  • Vorsicht!
    Ein Ehepaar IST eine Familie. Egal ob mit oder ohne Kinder.
    Kinder werden separat gesetzlich und steuerlich gefördert.

    Ein Ehepaar = eine Familie = eine vertraglich geschlossene Bedarfsgemeinschaft, die sich frei nach ihren eigenen Regeln die notwendige Arbeit (beruflich und privat) aufteilt. Diese Art der Bedarfsgemeinschaft wird staatlich unterstützt, u.A. durch das steuerliche Ehegattensplitting.

    Natürlich kannst Du das für Dich anders sehen aber

    1) Warum wird im GG vom Schutz von Ehe und Familie gesprochen und nicht nur von Familie?

    2) Warum sagt der Duden: "aus einem Elternpaar oder einem Elternteil und mindestens einem Kind bestehende [Lebens]gemeinschaft"

    Das mit dem frei nach eigenen Regeln hat übrigens durchaus gewisse gesetzliche Beschränkungen. So ist Kinderarbeit in Deutschland üblicherweise verboten, ganz gleich, was die Eltern darüber denken.

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