Umgang mit Einzelaktienposition - Tipps und Ratschläge willkommen

  • Hallo zusammen, :)

    ich lese seit einigen Wochen hin und wieder hier mit. Nun möchte ich gerne die Chance nutzen und gerne eure Meinung zu meinem Anliegen erfahren. Im privaten Bereich fällt mir leider niemand ein, der mir da weiterhelfen könnte.

    Kurz zu mir:

    männlich, Ende 30, verheiratet mit Kind, studiert, angestellt, Haus zur Miete, keine Ambitionen für den Kauf einer Immobilie. Evtl. wenn das Kind raus ist eine ETW. Sonst ist das Sparen nur für „später“. Gedanklich ist mein Ziel sogar aktuell die Dividenden immer rauszuziehen und diese auszugeben. Sind zwar nur kleine Beträge aber warum nicht einfach davon Essen gehen, kleine Ausflüge usw. ?! Was später ist kann ich eh nicht vorhersehen. Oder ich bekomme als graumelierter einen Flitz und verprasse alles. Und fürs Pflegeheim möchte ich ehrlich gesagt auch nicht sparen.

    Angefangen habe ich vor über 10 Jahren mit dem Besparen von versch. ETF-Positionen beim SBroker. Zunächst kleine Beträge mit 50€, dann immer mal etwas mehr. Ein paar Rückschläge habe ich also auch schon gesehen und dann eher nachgekauft und bin nie ausgestiegen. 2024 wechselte ich zu Finanzen.net Zero

    Irgendwann hatte ich dann mal etwas mehr Geld und habe mir noch vor dem Split 2022 Amazon-Aktien gekauft. 10 Stück für damals noch irgendwas um die 900€. Durch den Split wurden daraus nun 200 Aktien für einen aktuellen Preis von ca. 200€/Stück.

    Lange Rede – kürzere Frage:

    Mir geht es um das Thema Risikominimierung.

    Mein Depot zeigt einen Wert von ca. 180.000€

    40.000€ nun in einer Einzelaktie zu haben, finde ich zu viel. Damals war es mir das Risiko wert (bzw. muss man als hungriger Berufsanfänger Risko fahren, um gewinnen zu können), jetzt möchte ich ruhiger laufen und eher von Dividenden profitieren. Was man hat, das hat man.

    Was würdet ihr machen?

    Mein Freibetrag ist jedes Jahr ausgeschöpft. Soll ich die Position einfach belassen und weiter den MSCI World besparen? Das würde ja auch das Verhältnis irgendwann gerade rücken.

    Rein vom Gefühl, würde ich mich gerne von ca. 20-30.000€ AMZN trennen und diese dann entweder in den MSCI-World packen oder sogar in einen Geldmarkt ETF.

    Allerdings zahle ich dann ja auch eine Summe an Steuern und dieses Geld würde nicht mehr für mich arbeiten.

    Hier mal meine größten Posten. Teilweise gibt es noch Kleinkram, den ich mal bereinige bei Gelegenheit.

    Allianz 14.000€

    Amazon 40.000€

    MSCI World ETFL508 115.000€

    Siemens 9.000€


    Ich bin sehr dankbar für Tipps und Ratschläge. :)

    Grüße

  • Kater.Ka 14. April 2026 um 14:15

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Du hast kein Renditeproblem, sondern ein Risikothema durch zu viel Konzentration.


    Rund 40.000 € in Amazon sind für deine Lebensphase zu viel.


    Dein Wunsch nach mehr Ruhe passt nicht zu dieser hohen Einzelaktienquote.
    Steuern beim Verkauf sind zweitrangig gegenüber dem Risiko eines großen Verlusts.


    Ein sinnvoller Zielwert wäre maximal 5–10 % pro Einzelaktie im Depot.
    Deine Idee, Amazon für 20.000 - 30.000 Euro zu verkaufen, ist daher absolut richtig.
    Das Geld solltest du breit streuen, z. B. in den MSCI World oder in einen ausschüttenden Welt-ETF mit einem Anteil von Emerging Markets.
    Optional kannst du einen Teil defensiver in einen Geldmarkt-ETF legen (das überlegst du dir doch auch schon).
    Aktuell ist dein Portfolio auf Wachstum ausgelegt, nicht auf stabile Ausschüttungen.
    Wenn du Dividenden willst, musst du das gezielt umsetzen und nicht nur hoffen.

    Das ist aber ein anderes Thema.

  • 40.000€ nun in einer Einzelaktie zu haben, finde ich zu viel. Damals war es mir das Risiko wert (bzw. muss man als hungriger Berufsanfänger Risko fahren, um gewinnen zu können), jetzt möchte ich ruhiger laufen und eher von Dividenden profitieren. Was man hat, das hat man.

    Jeder hat ein individuelles Risikoprofil. Wenn dir 40.000 in einer Aktie zu viel sind, dann ist die logische Konsequenz den Bestand so weit zu reduzieren bis es wieder passt.

    Noch nicht ganz verstanden habe ich, warum es in den Geldmarkt gehen soll, also reiner Inflationsschutz, keine aktive Vermehrung. Ist dein risikoreicher Anteil eventuell zu groß geworden und willst deswegen die RK1 aufstocken?

    Bei welchem Zielvermögen willst du denn landen mit 60 Jahren? Ist der Sparplan dafür ausreichend?

    Wenn du gerne Dividenden magst, wie wäre es mit den üblichen Verdächtigen, Vanguard All Word High Dividend oder dem VanEck? Das würde im Idealfall den US-Anteil etwas verringern, langfristig trotzdem mehr Rendite bringen als ein Geldmarkt-ETF und Ausschüttungen gibt es zudem.

  • Dein Wunsch nach mehr Ruhe passt nicht zu dieser hohen Einzelaktienquote.
    Steuern beim Verkauf sind zweitrangig gegenüber dem Risiko eines großen Verlusts.

    sehe ich genauso!

    Alternativ zu einem Dividenden-ETF kannst du evtl. auch einen Ausschütter nehmen, z.B.Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Distributing WKN A1JX52.

    Grundregeln dabei nicht vergessen, Liquiditätspuffer (Notgroschen) vorhanden?

    Was sind die konkreten Sparziele? Dem großen Kind später ein Studium finanzieren können? Vielleicht sicht dazu noch ein Paar Gedanken mit der Frau machen. Welche Pläne hat sie?

  • Und was hast Du an Vermögen abseits des Depots?

    In meinem Depot liegt auch alles in Aktien-ETF und einigen wenigen Einzelaktien ("Altlast" aus Anfängerzeiten mit Gestaltungsdrang, machen aber insgesamt unter 10% des Depotvolumens aus). Ich habe weder (Staats-)Anleihen noch Geldmarktfonds o.ä., also keinen "sicheren" Anteil im Depot.

    Aber ich habe schon noch Geld auf einem Tagesgeldkonto liegen (und eine selbstgenutzte Immobilie). 100% des gesamten verfügbaren Vermögens in Aktien wären mir auch zuviel.

    Bei Deiner Frage "wie kann ich Risiko rausnehmen?" würde ich deshalb nicht nur das Depot an sich betrachten, sondern Dein gesamtes Vermögen und wie insgesamt die Verteilung von risikoarm und risikoreich ist.

    Nun sind Aktien-ETF und Einzelaktien zwar beides riskant, das Risiko eines Totalverlusts (oder jedenfalls eines signifikanten Kurseinbruchs) ist aber bei Einzelaktien deutlich höher. Wer beim Stockpicking gewinnt, hat schlicht Glück gehabt, und man weiß nie, wie lange das Glück anhält. Insofern würde ich persönlich (!) mich da nicht drauf verlassen und sämtliche Einzelaktien verkaufen. Wenn Du gerne Ausschüttungen möchtest, würde ich einen 08/15 ausschüttenden marktbreiten Welt-ETF nehmen (keinen spezifischen Dividenden-ETF; die performen insgesamt meist schlechter und sind weniger gestreut).

    Wenn Du aus emotionalen Gründen an den Aktien hängst ("damals mit dem ersten Gehalt gekauft" o.ä.), kannst Du ja eine kleine Position stehenlassen, z.B. 1.000 EUR pro Aktie oder so. Nicht sonderlich rational, aber fällt bei Deinem Gesamtvermögen auch nicht ins Gewicht bei einem Absturz.

  • Ich fasse auch noch einmal kurz zusammen: Du solltest dir Gedanken um dein Risikoprofil machen, also wie viel % vom Portfolio risikoreich in Aktien/Aktien-ETFs, wie viel risikoarm (also Geldmarkt oder Tagesgeld) angelegt werden sollen.

    Und dann überlegen, ob du noch an Amazon glaubst (und wie fundiert das ist 😉) und einen Teil behalten willst, also Amazon im Portfolio bewusst übergewichten willst. Aber sinnvollverweise die Position reduzieren, um das Einzelaktien-Risiko zu reduzieren und insgesamt mit den Einzelaktien auf nicht mehr als 5-10% zu kommen.

    Und anschließend gemäß der Gesamtallokation, die du bestimmt hast (z.B. 70/30), vom Erlös Welt-ETF-Anteile kaufen.

  • Meine Idee dazu: als ETF einen FTSE All World oder ACWI, Ausschütter, den Sparplan einrichten und fann vergessen. Dem MSCI World ruhen lassen.

    Die Einzelaktien auf 10-15% am Gesamtportfolio reduzieren, wenn du nicht alle abgeben möchtest.

    Da wäre genug Erlös, um einen Teil in den Vaneck anzulegen und diese Dividenden dann zu verputzen. Ein bisschen Spaß damit haben.

    Deine Frau ist an allem beteiligt?

  • Neben den Gedanken zum richtigen Risikoprofil ist auch noch wichtig, ob Du Amazon so viel Geld anvertrauen möchtest.

    Sofern Du ein Kinderdepot einrichten möchtest oder ohnehin schon hast, würde ich an die Übertragung von Amazon Aktien anstelle eine Sparplans für die nächsten Jahre denken und die Aktien im Kinderdepot gegen einen geeigneten Wunschfonds tauschen. Mit NV Bescheinigung kostet das keinen Euro Zinsen. Dann wären beispielsweise 10.000 Euro schon mal gut untergebracht. Der Verkaufserlös muss natürlich dauerhaft im Kinderdepot verbleiben.

    Den Rest der Position würde ich halbieren oder komplett verkaufen, je nach Deiner persönlicher Meinung zu dem Unternehmen. Das Problem quasi durch neue Sparraten "auszusitzen" kannst Du natürlich probieren, aber bei einer Positionsgröße von über 20 % kann das lange dauern.

  • ... der dann wiederum 2,5% Amazon enthält. So viel zur breiten Streuung.

    Aktuell sind es 40.000 EUR von 180.000 EUR, also gut 22%. Das ist also fast 10x soviel wie bei einem marktbreiten Welt-ETF.

    Und in einem Welt-ETF wird automatisch umgeschichtet, wenn der Wert von Amazon sich verändert. Stürzt die Amazon-Aktie um 90% ab, werden aus den 2,5% dann eben nur noch 0,25% im Index und damit im ETF. Das Depot geht 2,25% runter, wenn das plötzlich passiert. In Geld sind das bei 180.000 EUR Depotvolumen ca. 4.000 EUR.

    Hält man Einzelaktien im Wert von 40.000 EUR und es geht 90% runter, sind das 36.000 EUR Verlust. Bei 180.000 EUR Depotvolumen entspricht das 20% Minus.

    Ich weiß, was ich unter Risikominimierungsgesichtspunkten wählen würde...

  • Danke für diese gute Zusammenfassung.

    Es gibt da ein sehr probates Mittel, um sich von solchen Einzelaktien lösen zu können.

    Frage dich heute am 14. April 2026, ob du jetzt 200 Stück der Amazon-Aktie für umgerechnet 212 Euro kaufen würdest.
    Die legen heute Abend ungefähr 3,8 % zu.

    Würdest du 42.400 Euro auf den Tisch blättern ?

    Wenn nicht…verkaufen.

  • Verkaufe doch alle Amazon und tausche gegen SAP.

    Bist jung genug für solche Trades.^^

    Bitte keine Politikwissenschaftler und kein Marcel Fratzscher mehr im TV.

    Satt 300k+ Neubauwohnungen brauchen wir 300k+ Abschiebungen, um schnellere Arzttermine zu ermöglichen und Stadt- und Gemeindeabgaben zu senken.

  • Ich weiß, was ich unter Risikominimierungsgesichtspunkten wählen würde...

    Ich auch. Der bereits vorhandene MSCI World (der natürlich vom TER viel zu teuer ist, aber anderes Thema), investiert zu 70% in autoritären Diktaturen, und zu 20% in rechtsextreme Oligarchen einer einzigen Branche, die ihren debilen Friedenspräsidenten dabei unterstützen, nach Belieben andere Staaten zu überfallen, zu erpressen, oder wenigstens Wahlen zu manipulieren. Wenn sie nicht gerade ihre an den Börsen eingesammelten Milliarden im Weltall verpulvern.

    Kann man machen, muß man aber nicht. Unter breiter Streuung verstehe ich Anlagen an möglichst verschiedenen Märkten in möglichst verschiedenen Branchen. Und wenn es dafür keinen Index gibt, dürfen es auch Einzelaktien sein. Aber natürlich nicht nur eine.

  • Danke für deine Antwort. Ich war halt damals bereit Risiko aufzunehmen in meinen 20ern und habe dann für ca 10t€ AMZN gekauft. Habe mein Berufsleben nach dem Studium mit "Null" €uro angefangen. Von daher nach dem Motto: Alles oder nichts.


    Jeder hat ein individuelles Risikoprofil. Wenn dir 40.000 in einer Aktie zu viel sind, dann ist die logische Konsequenz den Bestand so weit zu reduzieren bis es wieder passt.

    Noch nicht ganz verstanden habe ich, warum es in den Geldmarkt gehen soll, also reiner Inflationsschutz, keine aktive Vermehrung. Ist dein risikoreicher Anteil eventuell zu groß geworden und willst deswegen die RK1 aufstocken?

    Bei welchem Zielvermögen willst du denn landen mit 60 Jahren? Ist der Sparplan dafür ausreichend?

    Wenn du gerne Dividenden magst, wie wäre es mit den üblichen Verdächtigen, Vanguard All Word High Dividend oder dem VanEck? Das würde im Idealfall den US-Anteil etwas verringern, langfristig trotzdem mehr Rendite bringen als ein Geldmarkt-ETF und Ausschüttungen gibt es zudem.

    sehe ich genauso!

    Alternativ zu einem Dividenden-ETF kannst du evtl. auch einen Ausschütter nehmen, z.B.Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Distributing WKN A1JX52.

    Grundregeln dabei nicht vergessen, Liquiditätspuffer (Notgroschen) vorhanden?

    Was sind die konkreten Sparziele? Dem großen Kind später ein Studium finanzieren können? Vielleicht sicht dazu noch ein Paar Gedanken mit der Frau machen. Welche Pläne hat sie?

    An euch auch ein Danke. Kurz dazu: ich habe ca. 15.000€ noch im Tagesgeld. Den Rest halt wie beschrieben im ETF MSCI World und bis gestern noch stark konzentriert in einer Einzelaktie. Ich möchte nun das Risiko rausnehmen. Könnte ich aber auch machen, indem ich zukünftiges Geld "sicherer" anlege. Dann könnte ich den MSCI World so belassen.

    Sparziele sind für mich aktuell: in meinen 50ern/60ern Dividenden/Auszahlungen zu haben und mir davon immer mal was leisten zu können. Sonst später mal meinem Kind mehr zu ermöglichen. Aber da weiß man nicht, wie sich die Zukunft entwickelt. Vielleicht benötigt er ja auch gar kein Geld oder was auch immer. Wichtig ist nur, dass ich nicht für mein Pflegeheim sparen möchte. Kann man gut finden oder nicht.

    Neben den Gedanken zum richtigen Risikoprofil ist auch noch wichtig, ob Du Amazon so viel Geld anvertrauen möchtest.

    Sofern Du ein Kinderdepot einrichten möchtest oder ohnehin schon hast, würde ich an die Übertragung von Amazon Aktien anstelle eine Sparplans für die nächsten Jahre denken und die Aktien im Kinderdepot gegen einen geeigneten Wunschfonds tauschen. Mit NV Bescheinigung kostet das keinen Euro Zinsen. Dann wären beispielsweise 10.000 Euro schon mal gut untergebracht. Der Verkaufserlös muss natürlich dauerhaft im Kinderdepot verbleiben.

    Den Rest der Position würde ich halbieren oder komplett verkaufen, je nach Deiner persönlicher Meinung zu dem Unternehmen. Das Problem quasi durch neue Sparraten "auszusitzen" kannst Du natürlich probieren, aber bei einer Positionsgröße von über 20 % kann das lange dauern.

    Danke dir. Mit so einem Übertrag muss ich mich mal beschäftigen. Ein Kinderdepot habe ich ja und dieses wird auch bespart.

    Ähm...nein :)


    Also gestern habe ich AMZN-Position verkauft. Lagen bei über 209€. Nun schaue ich mir mal den A1JX52 an.

    Danke bis hierhin.:thumbup:

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