Was spricht dagegen sein komplettes Depot zu verkaufen?

  • Hallo in die Runde.

    Ich trage mich mit dem Gedanken mein komplettes Depot zu verkaufen.

    Ich habe ein Depot bei der ING mit einem Etf (IE00B3YLTY66) , ca 12% im Plus seit Ende 2024.

    Sicherheitsbaustein auf dem Tagesgeld vorhanden.

    Mein Depot wird nach einer anfänglichen Einmaleinzahlung über einen Sparplan bedient.

    Kurz zu mir.

    Ich bin selbständig, 44 Jahre, verheiratet (meine Frau ist bei mir im Büro) und das Depot ist für meine Rente gedacht.

    In der derzeitigen Situation überlege ich eben dieses aufzulösen und erstmal auf dem Konto bzw. Tagesgeld liegen zu lassen. Wenn der Kurs dann weiter unten ist, wollte ich wieder einsteigen.

    Ich habe das Gefühl, dass es an der Börse nicht mehr lange so gut laufen kann wie zur Zeit, deswegen habe ich eben die Überlegung ersteinmal meinen Bestand zu "sichern".

    Ich denke mir eben, selbst wenn es jetzt mal ein paar Monate dauert bis ich wieder einsteige, hab ich ja nichts verloren, natürlich auch nichts gewonnen (was ich für das kleinere Übel halte).

    Abgesehen von den Steuern die ich jetzt Zahlen müsste, gibt es etwas was ich übersehe?

    Ich wäre Euch für Anregungen dankbar.

  • Sukuna 15. April 2026 um 20:38

    Hat den Titel des Themas von „Was spricht dagegen sein komplettes Depot z verkaufen?“ zu „Was spricht dagegen sein komplettes Depot zu verkaufen?“ geändert.
  • Es spricht alles dagegen, dein Depot zu verkaufen. Mit 44 Jahren hast du einen ausreichend langen Horizont, auch mal negative Jahre auszusitzen.

    Wenn du jetzt verkaufst, würdest du vermutlich nie wieder einsteigen und dann nur noch von der Seitenlinie zuschauen wie es langfristig von links unten nach rechts oben geht.

    Mach dich schlau bei finanztip, Kauf dir evtl. das Buch, oder ließ Artikel von Professor Walz oder schaue YouTube Videos von capscale.

    Mach keine Anfängerfehler, stecke weiterhin Geld, dass du nicht brauchst, in dein Depot und schiebe ansonsten deine Hände in die Hosentaschen 😉

  • Ich denke mir eben, selbst wenn es jetzt mal ein paar Monate dauert bis ich wieder einsteige, hab ich ja nichts verloren


    Gibt diverse Rechnungen, dass du einen beträchtlichen Teil deiner Rendite an wenigen Tagen machst. Der DAX z.B. hat die Hälfte seiner Rendite in dieser Zeit an nur 13 Tagen gemacht, wenn du die verpasst ist durchaus was verloren. Und wer sagt dir, wann der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ist?

  • Ich habe das Gefühl, dass es an der Börse nicht mehr lange so gut laufen kann wie zur Zeit, deswegen habe ich eben die Überlegung ersteinmal meinen Bestand zu "sichern".

    Ich denke mir eben, selbst wenn es jetzt mal ein paar Monate dauert bis ich wieder einsteige, hab ich ja nichts verloren, natürlich auch nichts gewonnen (was ich für das kleinere Übel halte).

    Und was machst du wenn dein Gefühl falsch ist und der Kurs stattdessen steigt und steigt ? Wie viele Wochen oder Monate wirst du warten und woher weißt du, ob es dann nicht nach unten geht?

    Ganz ehrlich, Marktetiming funktioniert nicht und du bist auch nicht schlauer als alle anderen.

  • Also ich war am Sonntag sehr sicher, dass die aktuelle Börsenwoche miserabel wird. Ergebnis zur Wochenmitte:

    Fazit: Finde Dich damit ab, dass Du die kurz- und mittelfristige Entwicklung nicht vorhersehen kannst und begnüge Dich damit, dass Du langfristig um die 6% Rendite p.a. rausbekommst.

  • Ganz blöde Idee. Bist aber nicht der erste, der darauf gekommen ist.

    Vielleicht hilft das:

    https://www.quirinprivatbank.de/anlegerwissen/…nicht-verpassen

    Und das:

    wo war der beste Zeitpunkt für den Aus und Einstieg?

    Die Grafik ist gemein, da die Y-Achse nicht logarithmiert ist. Da wirkt der Corona-Crash kleiner als der Dip der letzten Wochen.

    Abgesehen von den Steuern die ich jetzt Zahlen müsste, gibt es etwas was ich übersehe?

    Ziemlich alles: Dein Investmentgrund. Du investierst aufgrund dessen, weil du eine positive Renditeerwartung hast. Ohne Risiko keine Rendite. Die Jahresperformance kommt überwiegend von sehr wenigen Börsentagen. Bei ca. 250 Börsentagen / Jahr sind ca. 40 Tage davon entscheidend. Nimmst du diese nicht mit, hättest du anstatt deinen 12% Kursgewinn eher negativ oder +- 0%. Markettiming wird nicht funktionieren, selbst wenn du Cash-4-Crash bereit hältst. Deine Oppertunitätskosten musst du in die Berechnung miteinfließen lassen und das ist nicht zu vernachlässigen.

    Ich denke mir eben, selbst wenn es jetzt mal ein paar Monate dauert bis ich wieder einsteige, hab ich ja nichts verloren, natürlich auch nichts gewonnen (was ich für das kleinere Übel halte).

    Doch: Oppertunitätskosten, Inflation. Es nagt jeden Tag an deinem Vermögen. 3% Inflation, heißt deine 10.000 € im Januar sind im Dezember nur noch 9.700 € wert.

    Angenommen du steigst heute aus:
    Ich frage direkt ganz provokant => WANN steigst du wieder ein? An was machst du es fest? Wenn du heute aus Markettiming-Gründen aussteigst, musst du dir auch ein Kaufsignal festlegen.

    Also ich weiß nicht wo du schaust, aber mein Depot steigt die letzten Tage wieder. Zudem war der Dip der letzten Wochen gerade mal ca. 9% unter dem letzten ATH. Heute ist der MSCI-World < 1% vom ATH vom 15.01.2026 entfernt, d.h. wenn er die Tagesperformance von heute morgen wieder macht, haben wir den gleichen Stand wie vor 3 Monaten.

    Wenn du willst, kannst du beim Kanal Notgroschen vorbeischauen. Er analysiert solche Themen sehr gut!

    https://www.youtube.com/watch?v=mxvhjMFf1-A

    Ich habe ein Depot bei der ING mit einem Etf (IE00B3YLTY66) , ca 12% im Plus seit Ende 2024.

    Ich habe das Gefühl, dass es an der Börse nicht mehr lange so gut laufen kann wie zur Zeit,

    Wenn dir die Marktschwankungen zu zusetzen, solltest du eher auf der Level-1-Assetallokation nachjustieren, d.h. ETF reduzieren und ins Tagesgeld schieben. Das hat natürlich zur Folge: Weniger Rendite, aber auch geringeres Risiko. Diese Konstellation allerdings so aufrecht erhalten, dass du dich dabei wohl fühlst. Das ist dann kein Markettiming (wie du es oben andeutest), sondern ein Nachjustieren deiner eigenen Risikopräferenz nach ca. 2 Jahren Börsenerfahrung. Ich sehe das als absolut legitim zu sagen: Es schwankt mir zu sehr. Ich möchte mehr Sicherheit (und auch weniger Rendite). Du musst mit deinem Depot, deiner Vermögensaufstellung ruhig schlafen können.

    Mit dem Tagesgeld wirst du langfristig keine Inflation schlagen, also Kaufkraft (also Geld) verlieren. Mit deinem ETF hast du die gesamte Weltwirtschaft nach Marktkapitalisierung abgedeckt. Kostengünstig, einfach und transparent.

    Ich sehe es so: Wenn die Weltwirtschaft - also der Index, den dein ETF nachbildet - nicht mehr steigt (also dauerhaft), haben wir andere Probleme als unser Depot. Da wird dich ein Tagesgeld auch nicht mehr retten, denn bei einem gesamten Bankenkollaps, müsste der Staat oder EU einspringen und die Einlagen der Bürger gegenfinanzieren. Einlagensicherung sehe ich auf dem Papier als schönen Mechanismus, aber wenn es hart auf hart kommt (siehe damals Griechenland) wirst du zusehen können, wie der Staat alles oberhalb Betrag X für seine Zwecke einverleibt.

  • Echt miese Idee. Da spricht ALLES dagegen!


    Ich kauf auch nur, buy & hold. Ich ärger mich ja schon über die Vorabpauschale, da würde ich den Teufel tun und noch selbst verkaufen.

    Sieh es so:

    - hohe Kurse: super, mein Vermögen steigt

    - niedrige Kurse: super, ich kaufe gerade günstig ein

  • Ich danke Euch für euren Input.

    Theoretisch ist einem das natürlich bekannt, dass es besser ist einfach alles weiter laufen zu lassen. Dann kommt aber der Moment wo man denkt: jetzt vielleicht doch erstmal das "Guthaben" sichern.

    Gerade jetzt wo der Typ aus US Amerika wieder so unberechenbar agiert und man sich fragt wie das alles so weiter geht.

  • In der derzeitigen Situation

    Moin,

    was heisst für dich in der derzeitigen Situation? Bezieht sich das auf deine persönliche oder die aktuelle geopolitische Situation mit den Unwegbarkeiten auf die Aktienkurse.

    Was ich interessant fände zu verstehen: Was ist dein Anlageziel. Und wie würdest du deinen Anlagestiel beschreiben. Wie bist du zum Thema Investieren in Aktien ETFs gekommen?

    Ich denke, den meisten hier im Forum ist bewusst, dass es keine Glaskugel gibt und somit für kurz- und mittelfristige Entwicklung keine sichere Vorhersage gibt.

    LG und viel Erfolg beim Invstieren.

    Klar: wenn es noch zu einem 50% Absturz kommt, hast du alles richtig gemacht...

    Ich denke, da ist ein Abend im Casino spannender ...

  • Guthaben sichern ist ein falscher Gedanke, den kannst dir gleich aus dem Kopf schlagen.

    Verkauf bedeutet Steuern zahlen, das frisst gleich mal wieder einiges auf und killt den Zineszinseffekt. Da hast dann keinen 12% Gewinn mehr am Ende.

    Und Niemand kann sagen ob es jetzt bergauf oder bergab mit den Kursen geht, dein Gefühl oder deine Vermutung schon mal gar nicht. Da kannst du auch ins Casino gehn, gleiche Chance.

    Und Jemand hier hat es schon geschrieben… was machst du wenn du jetzt verkaufst und es in nächster steigt nach oben geht mit dem Kurs, wann steigst du wieder ein?

  • Hinterher ist es immer ganz einfach zu sagen, hätte ich am Tag X verkauft und am Tag Y wieder gekauft, dann das Spiel von vorne, am Tag X verkaufen usw..

    Leider kann man es einfach nicht sagen, wann das Hoch und wann das Tief erreicht sind. Das wäre ungefähr fast so, als wüsstest du heute die Lottozahlen vom kommenden Samstag.

    Heute kann ich auch sagen, hätte ich doch nur 2009 Bitcoin gekauft. Selbst wenn, hätte ich mit Sicherheit nach einer Rendite von 1.000% nach wenigen Jahren wieder verkauft, weil noch weiter wird das ja niemals steigen...

    Ich bin weder Finanzprofi noch gebe ich Anlageberatungen.
    Meine Beiträge sind als Impulse zu verstehen, um sich selbst zu informieren.

  • Finanzschlumpf

    Ich meinte schon die geopolitische Situation.

    Meine Intension um in Aktien zu investieren ist einfach Werterhalt meines Geldes und im besten Fall einer guten Rendite oberhalb der Inflation.

    Wie gesagt dient es meiner Rente, da ich als Selbstständiger ja bekanntlich nicht in die gesetzliche Rente einzahle.

    Deswegen geht im Moment der größte Teil in mein Depot.

  • Finanzschlumpf

    Ich meinte schon die geopolitische Situation.

    ...

    Wie gesagt dient es meiner Rente, da ich als Selbstständiger ja bekanntlich nicht in die gesetzliche Rente einzahle.

    Vielen Dank für deine Rückmeldung.

    Und stimmt, das mit dem Thema Rente hattest du im ersten Post erwähnt.

    Ich sehe hier zwei Optionen:

    1. Deine Sparrate nicht 100% in ein Aktien ETF, sondern bspw. 70:30 Aktien : TGK oder FGK, so kannst du a la Portfolio One bei einem Rücksetzer "systematisch" nachkaufen.

    2. Einen Teil verkaufen und somit eine Reserve für einen Rücksetzer haben.

    Mein Weg wäre ein anderer: Nichts verkaufen, weiter buy & hold, eher mal auf die Level 1 Asset Allocation schauen und ggf. den sicheren Baustein erhöhen...

    Das AV-Depot kommt ja auch für dich/euch in Frage...

  • Hallo Sukuna,

    ja, mach das. Risikobereitschaft ist sicherlich auch Typsache, aber man kann auch daran arbeiten, indem man sich mit dem Thema Finanzen befasst (wenn man denn als Selbständiger dafür Zeit hat) (mein Schwager ist auch selbständig; für ihn wäre das Forum nichts, er will einen "Profi"... Tja, kann man nix machen. Ich versuch eventuell, ihm die stattliche Variante vom neuen Altersvorsorgedepot schmackhaft zu machen, wenn es dann da ist)

    Wenn du dann am Ende feststellst, dass deine Aktienquote zu hoch ist: dann gibt auch dafür Produkte, die das Risiko etwas rausnehmen (auf Kosten der Rendite), aber trotzdem noch eine positive Rendite nach Inflation und Steuern liefern. (Z.b. arero, oder Vanguard life strategy,...)

  • Geringere Risikobereitschaft ist das eine, ein kompletter Verkauf ist aber auch eine Wette auf sinkende Kurse. Vielleicht hat er ja recht, ist es denn ausgeschlossen?

    Langfristig sicher nicht, aber zeitweise könnte das schon sein.

  • Ich danke Euch.

    Über meine Risikobereitschaft muss ich mir echt noch mal Gedanken machen.

    Ich scheine jedenfalls nicht so risikofreudig zu sein wie ich es anfangs von mir gedacht habe.

    Verkauf doch nur die Hälfte. Dann machst du nur die Hälfte falsch.

    Bitte keine Politikwissenschaftler und kein Marcel Fratzscher mehr im TV.

    Satt 300k+ Neubauwohnungen brauchen wir 300k+ Abschiebungen, um schnellere Arzttermine zu ermöglichen und Stadt- und Gemeindeabgaben zu senken.

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