Steuerreform – Spitzenverdiener müssen ihren Beitrag leisten

  • Wo findest Du in meinen Worten „Groll“?

    Und besteht für Dich das Leben nur im Umsetzen von Verwaltungsvorschriften und gesetzlichen Regelungen? Darf nicht auch mal darüber nachgedacht werden, wie ein System verbessert werden könnte, weil das bisherige Fehlanreize setzt?


    Wie auch immer, danke für Deinen Beitrag zu meiner Zeitersparnis. Wenn ich die Predigt hier bekomme, kann ich mir den Kirchgang sparen, und gehe jetzt direkt in den Wald zum Laufen.

    Den Groll lese ich zwischen Zeilen heraus.

    Das Leben ist deutlich mehr als nur Vorschriften.

    Ich möchte nur selbst bestimmen, worüber ich mich aufrege und worüber nicht.

  • Sozialismus ick hör dir trapsen.

    Erst jetzt vernimmst Du dieses Trapsen ... ?

    Das läuft hierzulande doch schon sehr lange tendenziell in diese Richtung ... !

    Kongruente Abbildung in der wirtschaftlichen Realität findet dieser Weg übrigens beim Absturz Deutschlands im Ranking der "Internationalen Wettbewerbsfähigkeit" seit 2015. Schwere - teilweise historische - politische Fehlentscheidungen wurden nach meinem Dafürhalten (und nicht nur meinem ...) schon kurz vor 2015 getroffen wie der überhastete und kopflose Ausstieg aus der Kernenergie (2011) und der aberwitzige Umgang mit der Eurokrise (2010 ff) samt dem Umgang mit dem Vertrag über die "Arbeitsweise der Europäischen Union" (AEUV)), um nur zwei konkrete Beispiele zu nennen. Der Umgang Deutschlands mit der Flüchtlings- und Migrationskrise fügte sich da sozusagen in diese fatale Reihe nahtlos ein.

    Wobei schon ein Blick in die eigene Geschichte (Stichwort: DDR) oder beispielsweise zu einem Nachbarland (Stichwort: Frankreich) hätte reichen können (präziser reichen müssen), um zu erkennen, wohin dieser Weg (zentralistisch, etatistisch, interventionistisch, staatsgläubig, bis hin zu planwirtschaftlichen Ansätzen, nahezu reformresistent, dabei inzwischen eine gigantische Staatsverschuldung bei anämischem Wachstum längst begleitet von permanenter politischer Instabilität usw.) letztlich führt. Dazu braucht es also nicht einmal den Blick in die globale Wirtschaftsgeschichte den Sozialismus betreffend oder die Einheitswährung (Euro) betreffend den Blick in die Währungsgeschichte (in dem Fall die Historie derartiger versuchter Währungsunionen).

    Die SPD demontiert sich weiter selbst.

    Dem ist (leider) so (leider, weil ... hatte früher selbst SPD gewählt - das war allerdings eine andere SPD unter der Führung von Helmut Schmidt ...).

    Die nun real (noch) existierende SPD wird - aller Voraussicht nach - auf keinen anderen Trichter mehr kommen als den einer strukturkonservativen Besitzstandswahrung. Beiträge zu den entscheidenden Themen (wie Verbesserung der internationale Wettbewerbsfähigkeit und Steigerung des Potentialwachstums beispielsweise) sind seitens der SPD längst nicht mehr zu erwarten.

    Ich will mir gar nicht ausmalen, wie die nächste Bundestagswahl ausfällt ...

    Um einen langjährigen Bekannten und Journalist zu zitieren:

    "Die Koalition kann noch Jahre so weitermachen. Dann ist Sachsen-Anhalt nur ein Vorspiel"

  • Das eigentliche Problem ist doch vielmehr, dass unsere linkssozialistische Regierung aus Rot und Schwarz die Ausgaben nicht im Griff hat. Die Steuereinnahmen sind auf einem gigantischen Niveau. Aber das Geld der anderen ist wie immer zu wenig…

    Ich wollte gerade sagen, es geht doch gar nicht darum, Arm gegen Reich auszuspielen. Dass niedrige Einkommen entlasten werden müssen, steht doch gar nicht zur Diskussion und sollte der Eingangspost auch gar nicht infrage stellen. Es geht vielmehr darum, dass anscheinend immer mehr Menschen in Deutschland den Spitzensteuersatz zahlen müssen und als „reich“ gelten. Was sie de facto nicht sind. Dieses Verschieben der Grenzen nach unten ist sehr gefährlich und führt zu Unzufriedenheit in der Mitte der Gesellschaft. Und alles liegt daran, dass wir ein massives Ausgabenproblem haben, das aus politischen Fehlentscheidungen der letzten 20 Jahre resultiert.

    In welcher Bubble einige mittlerweile Leben, hat Söder vor ein paar Tagen ganz gut erfasst, auch wenn ich kein Fan von ihm bin:

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    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Ich wohne im Süden an der Schweizer Grenze, da haben schon viele Freunde rüber gemacht an diesen schrecklichen Ort. Viele Firmen auch.

    Bin gelegentlich (früher noch häufiger) in der Bodensee-Region unterwegs (Lindau). Der von Dir beschriebene Sachverhalt hat auch einen kleinen positiven Nebeneffekt: Die unmittelbare Nähe zu Ländern wie Austria aber insbesondere auch zu Ländern wie der Schweiz und zu Liechtenstein motiviert die dortige Obrigkeit zumindest zu dem Versuch "vor Ort" den schlimmsten Murks und die schlimmsten Fehlanreize abzumildern - ohne natürlich am nationalen Grand Design Deutschlands etwas ändern zu können.

    In meine näheren und weiteren Umfeld hat es relativ viele Selbständige, Freiberufler, (Klein)Unternehmer, Mittelständler, Investoren usw. Das Vertrauen dieser Menschen in diese Koalition befindet sich im freien Fall. Wenn Kompromisse dazu dienen eine Koalition zu retten, die nicht mehr zu retten ist, werden diese zum Selbstzweck. Der Haushalt beispielsweise ist ein Sinnbild (von diversen) dieser "Politik". Die Union erkauft sich homöopathische Ansätze für die von ihr gewünschte Wende, indem sie zuläßt, was sie selbst für Gift hält: Selbst gigantische Schulden (Billion) können nicht verhindern, daß Leistungsträger zusätzlich belastet statt entlastet bzw. belohnt werden. Grund dafür ist eine Reformphilosophie, die Einbußen nicht zulassen will für diejenigen, die nicht viel haben und vom Sozialstaat profitieren, dessen Leistungen zum Tabu erklärt werden. Bezahlen müssen dafür diejenigen, die ohnehin schon (sehr) viel bezahlen.

    Keinerlei Kündigungsschutz, keine Betriebsräte, viel weniger Steuern und Sozialabgaben, viel weniger Urlaub, sehr geringe Unternehmensbesteuerung, maximaler Druck auf Arbeitslose und nur sehr geringe Sozialleistungen,…da schadet dann auch eine kleine Vermögenssteuer nicht. Und komischerweise wollen da alle hin.

    Komischerweise wirkt dieses schreckliche Land (wie von Dir beschrieben) beispielsweise auch für die weltweit begehrte sog. "Qualifizierte Zuwanderung" sehr bis hoch attraktiv ...

    Hierzulande wirkt (fast nur noch) der Sozialstaat attraktiv - und das vermutlich eher für Außenstehende ohne eigene nähere Erfahrungen damit im Speziellen und dem Land im Allgemeinen.

  • 100% Zustimmung.

    Wie kann es sein,das ein Facharbeiter den Spitzensteuersatz zahlen muss?

    Wieso denn nicht?

    Wenn das Einkommen stimmt, warum sollte ein Ungelernter dann keine 42% auf den letzten Euro zahlen müssen?

    Ist nicht eher die Gleichung "letzter Euro mit 42% belegt = reich" der Punkt, der zum Sturnrunzeln führen sollte?

  • Den Groll lese ich zwischen Zeilen heraus.

    Nach Barthes‘ Konzept vom Tod des Autors und seiner Idee, der Autor hat keine Herrschaft im Sinne einer Interpretationshoheit über den Text, muss ich Dir natürlich zugestehen, dass Du sowas zwischen den Zeilen lesen kannst.

    Groll hege ich aber trotzdem nicht.

    Recht eigentlich betrachtet, hat es sehr wenig mit Groll zu tun, wenn man benennt, was man normativ nicht für richtig erachtet und was man daher für verbesserungswürdig hält.

    Es gibt aber überall Menschen, die mit einem „Nichts ist so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte!“ nichts anfangen können, sondern lieber phlegmatisch-lethargisch entschiedene Verfechter des „Das haben wir schon immer so gemacht, so sind halt die Regeln!“ sind.

  • Wenn das Einkommen stimmt, warum sollte ein Ungelernter dann keine 42% auf den letzten Euro zahlen müssen?

    Wie gesagt: Weil es Menschen, die dem Leistungsprinzip etwas abgewinnen können, sehr seltsam vorkommt, wenn bereits ab einer unter 70.000 Euro zu versteuerndes Einkommen liegenden Grenze jeder durch zusätzliche Arbeit und zusätzliches Engagement verdiente Euro maximal besteuert wird.

    Wer sowieso lieber in der Hängematte liegt und überobligatorische Arbeit suspekt findet, wird den Gedanken natürlich befremdlich finden.

  • die dem Leistungsprinzip etwas abgewinnen können

    Gut man muss auch dieses Leistungsprinzip irgendwann mal hinterfragen mMn.
    ich kenne Leute die im Büro sitzen und mit ihrem Chef Bier saufen und dafür richtig Asche verdienen. Und ich kenne Leute die jeden Tag hart auf der Baustelle arbeiten. Wer leistet denn jetzt in deinen Augen mehr ?

  • Wieso denn nicht?

    Wenn das Einkommen stimmt, warum sollte ein Ungelernter dann keine 42% auf den letzten Euro zahlen müssen?

    Es geht um die Entwicklung, die in eine Richtung zeigt (siehe Beitrag #8) oder glaubst du ernsthaft, dass diese Entwicklung jetzt mit der neuen Steuerreform gestoppt ist? Das ist ein Fass ohne Boden ... Und das bereitet mir Sorgen.

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  • Wie gesagt: Weil es Menschen, die dem Leistungsprinzip etwas abgewinnen können, sehr seltsam vorkommt, wenn bereits ab einer unter 70.000 Euro zu versteuerndes Einkommen liegenden Grenze jeder durch zusätzliche Arbeit und zusätzliches Engagement verdiente Euro maximal besteuert wird.

    Wer sowieso lieber in der Hängematte liegt und überobligatorische Arbeit suspekt findet, wird den Gedanken natürlich befremdlich finden.

    Das klingt bei Dir eher danach, dass man sich für den Spitzensteuersatz erst qualifizieren muss (und augenscheinlich nicht über das Einkommen).

  • Gut man muss auch dieses Leistungsprinzip irgendwann mal hinterfragen mMn.
    ich kenne Leute die im Büro sitzen und mit ihrem Chef Bier saufen und dafür richtig Asche verdienen. Und ich kenne Leute die jeden Tag hart auf der Baustelle arbeiten. Wer leistet denn jetzt in deinen Augen mehr ?

    Absolut einverstanden! Da sind wir aber bei einem anderen Aspekt … bei dem von Dir angesprochenen geht es um die Frage der absoluten Höhe bei verschiedenen Personen - also wieso die Pflegerin im Altersheim bei strapaziöserer Arbeit weniger verdient als irgendeiner an irgendeinem Schreibtisch.

    Bei der Frage, ab wann der Spitzensteuersatz gilt, geht es in meiner Argumentation darum, dass ich es als wenig motivierend ansehe, dass ein fleißiger Mensch mit bspw. 70.000 Euro Jahresbrutto weiß, dass ihm von jedem Euro, für den er sich nun extra anstrengt, im Höchststeuersatz 42 Cent abgezogen werden.

  • Das klingt bei Dir eher danach, dass man sich für den Spitzensteuersatz erst qualifizieren muss (und augenscheinlich nicht über das Einkommen).

    Wer missverstehen und krude interpretieren will, missverstehe und interpretiere krude!


    Im Übrigen können wir uns gerne weiter austauschen, wenn Dir Argumente einfallen statt abstruser Auslegungen der Argumente anderer.

  • Dass niedrige Einkommen entlasten werden müssen, steht doch gar nicht zur Diskussion und sollte der Eingangspost auch gar nicht infrage stellen.

    Man sollte eher die Frage stellen, wodurch denn diese niedrigen Einkommen belastet werden. Die Einkommensteuer ist es wohl nicht, da sie für diese Gruppe moderat ist und meines Wissens in den letzten Jahren auch nicht erhöht wurde.

    Was ist denn in den letzten Jahren übermäßig teuer geworden? Da fallen mir als erstes die Energiekosten ein. Seit dem Anschlag auf die Nordstream-Pipeline durch unsere ukrainischen Freunde und nach dem EU-Beschluss, kein Gas mehr von den Russen zu kaufen, haben sich die Gaspreise dauerhaft verdoppelt. Hinzu kommen noch stetig steigende CO2-Steuern. Dann zahlt jetzt eben der Niedrigverdiener statt 40 EUR 80 EUR monatlich, um es warm zu haben. Wenn man nur 2000 EUR netto hat, tut schon diese eine Erhöhung weh.

    Die ständig steigenden Belastungen sind zum überwiegenden Teil Folge einer absurden, ideologiegetriebenen Politik, egal ob Energie, Wohnen oder Gesundheitswesen. Und nun versucht man sich eben das Geld bei denen zu holen, die noch welches haben.

  • dass ein fleißiger Mensch

    Gebe ich dir natürlich im allgemeinen Recht. Aber nein du hast mich missverstanden. Mir geht es nicht um die doch teilweise unfairen Lohnunterschiede, sondern vielmehr darum wie man Leistung bzw Fleiß im allgemeinen definiert.


    Wenn ich mir die heutige Jugend anschaue – und ich bin selbst noch nicht besonders alt – habe ich zu oft den Eindruck, dass viele studieren wollen, vor allem um nicht direkt arbeiten zu müssen. Gefühlt entscheiden sich sehr viele dafür, und ebenso viele schaffen es auch, weil die Anforderungen meiner Meinung nach gesunken sind(früher konnte nicht jeder Vollpfosten auf das Gymnsaium oder die Uni gehen) Am Ende haben sie dann mit etwas Glück einen Abschluss in der Tasche.

    Wenn ich gleichzeitig sehe, dass jemand der ja eigentlich aus Faulheit zur Uni gegangen ist dann irgendwann im Büro sitzt, mit dem Chef entspannt ein Bierchen zischt und trotzdem ein sehr gutes Gehalt bekommt, wirkt das auf mich schwer nachvollziehbar. Da frage ich mich doch wo bleibt dabei eigentlich der Gedanke von Fleiß und Leistung?

  • Ein Einkommen von 69.400 EUR führt zu 18.012 EUR Einkommenssteuer, was einem Grenzsteuersatz von 42% einspricht (Spitzensteuersatz!) bzw. einem Durchschnittssteuersatz von 26%.

    Bitte mit den Begriffen aufpassen. Die obige Rechnung bezieht sich auf das zu versteuernde Einkommen. Das tatsächliche Einkommen, sprich Brutto-Einkommen, liegt wohl mindestens 20.000,- Euro höher für einen Alleinstehenden.

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