Anschlussfinanzierung planen

  • Hallo.

    Es geht um die Planung einer Anschlussfinanzierung nach Ablauf der Sollzinsbindung im Jahr 2037.

    Die Immobilie ist 2017 erbaut und in Eigennutzung, sowie aktuell nicht renovierungsbedürftig.

    Der offene Kreditbetrag beträgt 2037 ca. 160.000,-€.

    Es steht für die nächsten 10 Jahre ein monatliches (Spar-)Budget von maximal 450,-€ zusätzlich zur monatlich fälligen Rate zur Verfügung.

    Wir stehen vor der Aufgabe, die nächsten 10 Jahre möglichst gewinnbringend zu nutzen. Das Zinsrisiko für die Anschlussfinanzierung in 2037 soll aber möglichst minimiert werden. Konkret überlegen wir zwischen zwei Varianten:

    1. Bausparvertrag mit einer Bausparsumme in Höhe von 160.000,-€ abschließen, um Planungssicherheit zu haben.

    Die angebotenen Konditionen sind 2,75% Darlehenszins in 2037. Abschlusskosten 1.600,-€; Guthabenzins 0,5%; mtl. Sparbetrag ab 2026 359€; mtl. Darlehensrate ab 2037 in Höhe von 1200€ für 9,5 Jahre.

    2. Sparplan (mtl. Beitrag in Höhe von 450€) in weltweitem Aktien-ETF anlegen -> Rendite optimieren, aber Zinsrisiko in 2037 bleibt. Uns ist bewusst, dass der Anlagehorizont <15 Jahre beträgt. Würdest ihr dieses Risiko eingehen?

    Gibt es eine rechnerisch bessere Option oder bleibt es eine Bauchentscheidung, weil zum jetztigen Zeitpunkt die Zinsen im Jahr 2037 nicht absehbar sind? Danke für eure Einschätzung!

  • Situation in 10 Jahren

    A) dein eingezahlten Betrag ist höher als dein Bausparguthaben. (Ca. 53.000 €)

    B) ETF Sparplan bei 73.500 Euro (mit 6 %)

    Du hättest mit B also 20.000 Euro weniger Kredit noch aufzunehmen. Wie hoch müssten die Zinsen sein für den Kredit, das du den Vorsprung nicht wieder rausholst?


    C) mit Tages/Festgeld liegt dein Vermögen bei rd. 10.000 Euro mehr als beim Bausparer.


    Hör auf deinen Bauch, meiner verkrampft sich aber beim Bausparer. Ich würde je nach Risikobereitschaft zu einer Mischung aus B unf C tendieren.

  • Finger weg vom Bausparer!

    Aktuell gibt es auf Tagesgeld 4%. 0,5% Guthabenzinsen sind ein Witz, dazu die Abschlussgebühr, und maximal unflexibel wird es auch noch.

    Ein Aktien-ETF hätte natürlich das Risiko, dass am Ende kurz bevor ihr das Geld für die Ablöse braucht der große Crash kommt und nur noch die Hälfte da ist. Und dann? Oder dass es über die nächsten 10 Jahre negative Renditen gibt. Das Risiko muss euch klar sein. Wir haben uns in ähnlicher Situation gegen eine Anlage in Aktien-ETF entschieden, wir wollen mit unserer Immobilienfinanzierung nicht „zocken“.

    Alternativen wären ansonsten Tagesgeld, Festgeld oder Bundesanleihen. Oder eine Mischung. Oder das Jahr über auf dem Tagesgeld ansparen und einmal im Jahr den gesammelten Betrag als Festgeld oder in eine Bundesanleihe mit zum Ende der Zinsbindung passender Fälligkeit anlegen.

    Wenn ihr 450 EUR für 11 Jahre anspart sind das schon knapp 60.000 EUR, mit Zinsen seid ihr da unter 100.000 EUR Restschuld, vermutlich irgendwas um die 80-90k. Wenn ihr euch 1.200 EUR monatliche Rate für einen Bausparer zutraut, habt ihr offensichtlich genug finanziellen Spielraum, dass selbst wenn die Zinsen in 10 Jahren sehr hoch stehen sollten, ihr trotzdem die letzten unter 100k locker in überschaubarer Zeit abzahlen könnt.

    Anschlussfinanzierungen kann man übrigens bis zu 5 Jahre im Voraus abschließen. Vielleicht lohnt es sich auch, dass ihr da ab ca. 2032 die Augen offen haltet. Je länger im Voraus desto mehr Aufpreis fällt an, aber das ist zumindest transparent und ihr hättet dann schon frühzeitig Sicherheit (ganz ohne die Abschluss- und Opportunitätskosten eines Bausparvertrages).

  • Wie hoch ist der Zinssatz des aktuellen Kredits?

    Bei 3-4% würde ich Sondertilgungen empfehlen. Wenn die 450€ sicher übrig sind, könnte man auch über eine Erhöhung der aktuellen Rate nachdenken. Voraussetzung ist, dass euer Kreditvertrag das zulässt. Hintergrund ist, dass der Habenzons etwa 30% höher sein müsste als der Kreditzins, damit sich sparen mehr lohnt als Schulden tilgen.

    Bei 1-2% aktuellem Zinssatz würde ich Sparen und zum Ende der Zinsbindung die Höhe der Anschlussfinanzierung reduzieren. Ich bin eher Typ Sicherheit und würde daher nur Tages- und Festgeld nutzen (mit Anleihen kenn ich mich nicht aus).

    Wenn euch egal ist, ob am Ende 10000€ mehr oder weniger herauskommen, könnte man bei 10 Jahren auch einen moderaten ETF-Anteil einbauen, für meinen Geschmack aber weniger als 40%. Dann besser anfangs die Sparrate Richtung ETF, gegen Ende in sichere Anlagen. Und rechtzeitig (wann ist das?) die ETF umschichten.

  • Zum Bausparer:

    Im Prinzip erkauft ihr euch den - hoffentlich- niedrigeren Kreditzins mit einem Verzicht auf Habenzinsen in der Ansparphase. Geschenkt wird euch der Kreditzins nicht. Ihr könnt die Wette gegen die Bausparkasse nur gewinnen, wenn der Darlehenzins zum Zeitpunkt X deutlich höher ist, als die Bausparkasse das kalkuliert hat.

    Den Zuteilungszeitpunkt der Bauspardarlehens wird euch keiner garantieren. Gerade wenn der Zinssatz des Bausparers super ist, wollen alle den Bausparer nutzen. Dann schiebt die Bausparkasse den Zuteilungstermin in die ferne Zukunft und du hast nichts davon. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst und den prognostizierten Zuteilungszeitpunkt weit nach vorne ziehst, verschenkst du viel Habenzinsen.

    Du siehst: Es muss viel zusammenkommen, dass sich der Bausparer auch für dich und nicht nur für den Verkäufer lohnt.

    Mit normalem Sparen in Tages- bzw. Festgeld fährst du meistens besser. Dazu kommt die deutlich höhere Flexibilität. 10 Jahre sind eine lange Zeit, da kann einiges passieren.

  • Angenommen Ihr verjuxt die 450 EUR und müsst 2037 tatsächlich die 160K neu finanzieren, wie hoch dürfte der Zins steigen, damit es dann teurer wird als jetzt?

    Angenommen Ihr steckt die 450 EUR in Tages- bzw. Festgeld, wie sieht es dann aus?

    Der Bausparer bietet Sicherheit, aber die ist teuer erkauft. Daher sollte man klären, ob man diesen Kauf wirklich tätigen will.

  • Ich persönlich würde mich auch beim Tagesgeldhopping sehen, obwohl ich das normal nicht mach. Sieht ja derzeit so aus als wenn die Zinsen kurzfristig noch steigen können, wenn man die EZB so hört. Würde mir da vermutlich irgendeinen persönlichen sweetspot setzen (z.b. 4%) und dann von Tagesgeld in Festgeld umschichten. Bausparen wäre mir zu sperrig, unflexibel und wirft nicht so wirklich was ab. Aktien wären mir in dem Fall einfach nicht sicher genug und der Betrag den es zu Gewinnen gibt ist mir absolut gesehen zu gering. Ob ich jetzt 10k vom Tagesgeld bekomme oder 20k aus Aktien ist bei 60k Ansparsumme nicht so entscheidend. Übel wäre es aber wenn aus den 60-80k auf einmal 30k werden. Dann habt ihr am langen Ende auf jeden Fall verloren.

    Zumal 10 Jahre lang sein kann und das Haus dann 20 Jahre ist. Sollte nicht unbedingt passieren, aber ab da kann schonmal irgendwas kaputt gehen. Würde mir da lieber den unglücksten Weg ausrechnen dann kann dich nichts überraschen. Pessimistisch deutsch halt🤣

  • Ich sehe die Aufteilung zwischen Tagesgeld und globalen Aktien-ETF je nach Risikobereitschaft als sinnvollste Lösung.

    Bausparverträge bieten zwar eine feste Kalkulationsbasis, sind aber mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit deutlichen höheren (Opportunitäts-)Kosten behaftet. Leider ist auch mir das erst im Laufe der Zeit wirklich bewusst geworden und ich habe die Abschlussgebühren in den Wind geschossen :rolleyes: Die "Wette gegen die Bausparkasse" gewinnt man in den allerwenigsten Fällen; und wenn man die vorgeschriebene Tilgung in der Darlehensphase bedenkt, tut das selbst in diesen Fällen den Bausparkassen nicht wirklich weh.

    Ich habe auch eine Finanzierung laufen, deren Festzinsvereinbarung in 2032 ausläuft, und spare meine Überschüsse in weltweite Aktien-ETFs. Da kann ich mich über die Rendite der letzten Jahre nicht beschweren, auch wenn das selbstverständlich nichts über die Zukunft aussagt. Selbst im Falle von deutlich steigenden Zinsen und einer schwachen Börsenphase werde ich in der Lage sein, eine Einmaltilgung in der Höhe zu leisten, dass ich zumindest für weitere 10 Jahre mit gleichbleibender Rate finanzieren kann. Wenn's gut läuft, kann ich zu dem Zeitpunkt aber auch schon schuldenfrei sein. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.. ;)

    Also unter'm Strich; Notgroschen sollte natürlich immer vorhanden sein. Alles darüber hinaus je nach Risikobereitschaft anteilig in ein gut verzinstes Tagesgeldkonto und/oder einen weltweiten Aktien-ETF.

    Halte uns gern auf dem laufenden, welche Lösung es für dich wird und wie sie sich entwickelt! :)

  • Bausparer ist bei der vergleichsweise geringen Restschuld keine gute Option meiner Einschätzung nach. Die Nachteile dieser kombinierten Baufinanzierung (Ansparphase + Kreditphase) wurde von anderen bereits ausführlich dargestellt. Der angegebene Zins von 2,75 % ist nur ein kleiner Teil Deiner Kosten und dient in erster Linie dazu, Kunden zu ködern.

    Der beste Schutz vor steigenden Zinsen liegt in einer niedrigen Restschuld! Den Zeitpunkt der Anschlussfinanzierung könnt ihr nach vorne legen, sollte es zu dem Zeitpunkt günstige Zinsen geben. Auch das würde niedrige Zinsen sichern.

    Was also tun?

    Entscheidend ist die Frage des aktuellen Kreditzins und der Möglichkeit von Sonderzahlungen. Sofern man die Kreditrate mehrfach anpassen kann ist auch eine dauerhafte Anhebung der Kreditrate eine gute Möglichkeit. Sonst lieber Sondertilgungen.

    Nur wenn beides nicht geht, oder der Zinssatz der Hypothek sehr niedrig ist, würde ich separat ansparen. Tages- und Festgeld wären hier die normale Lösung. Die Ergänzung mit Aktien ETFs ist riskant mit Blick auf eine vergleichsweise kurze Anlagedauer.

  • Viele kluge Worte, aber noch nicht von jedem ;) ... daher reihe ich mich ein. 2017 auf 20 Jahre finanziert ... vermute mal bei ca. 2 % Zins?

    Bausparer wird keine gute Idee sein, da teuer, wenig Guthabenzins, Tilgungsbedingungen aus meiner Sicht oft nicht sehr attraktiv (im Verhältnis zum Annutätendarlehen gefühlt oft sehr hohe monatliche Rate).

    ETF-Sparplan ... nicht wirklich optimal von der Zeit, wie Du schon selbst erkannt hast. Aber den würde ich dennoch bevorzugen. Du kannst dich dann immer no entscheiden, die vollen 160.000 €♠ in 2037 zu finanzieren und den ETF erst später zu verkaufen und z.B. jährlich sondertilgen.

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