Bausparvertrag Vergleich

Wann sich Bausparen lohnt

Dirk Eilinghoff 10. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Bei einem Bausparvertrag sparst Du zunächst etwa die Hälfte der Bausparsumme an, die andere Hälfte gibt es dann als Darlehen zu einem festen Zins.
  • Bausparen lohnt sich nur, wenn Du später einen Baukredit aufnimmst und Baukredite dann viel teurer sind als heute.
  • Jede Bausparkasse hat eigene Bauspartarife. Ein Vergleich lohnt sich.
So gehst Du vor
  • Wenn Du die staatliche Bausparförderung (wie die Wohnungsbauprämie) nutzen willst, reicht ein kleiner Bausparvertrag bis etwa 20.000 Euro.
  • Für eine Baufinanzierung solltest Du nicht nur mit einer Bausparkasse sprechen. Nutze auch einen Kreditvermittler. Finanztip empfiehlt Interhyp, Dr. Klein und Planethome.

Viele Millionen Menschen in Deutschland haben einen Bausparvertrag. Du auch? Knapp 27 Millionen Verträge zählte die Bundesbank Anfang 2019. Das bedeutet aber nicht, dass sich diese Verträge immer lohnen. Es gibt bestimmte Situationen, in denen ein Bausparvertrag eine sinnvolle Lösung ist – und andere, bei denen andere Verträge besser verzinsen oder kostengünstiger oder flexibler sind.

Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen den Tarifen der Bausparkassen. Ein Vergleich von Bausparverträgen verschiedener Anbieter lohnt sich also. 

Was ist ein Bausparvertrag?

Der Grundgedanke des Bausparens ist einfach und genial. Alle Sparer zahlen in einen Topf ein. Sobald genug Geld zusammengekommen ist, kann die Bausparkasse das Geld als Kredit an die ersten Bausparer herausgeben. Da alle Sparer weiter fleißig einzahlen, können nach und nach alle bauen, und zwar schneller, als wenn jeder nur für sich sparen würde.

Heutzutage läuft dies über ein ausgeklügeltes System, bei dem die Bausparkassen genau vorausberechnen, welche Verträge ausgezahlt werden, und was an frischem Geld wieder hereinkommt.

Damit das funktioniert, werden zwei Verträge kombiniert: ein Sparplan und ein Immobiliendarlehen. In der Sparphase ist der Zins meist geringer als marktüblich. Es gibt zwar Abschluss- und Verwaltungskosten, dafür sind die Zinsen beim Bauspardarlehen meist etwas günstiger als die, die die Banken zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bieten.

Zunächst wird die Bausparsumme festgelegt. Sie entspricht dem Betrag, den der Sparer in seine Immobilie investieren will. Nach Angaben des Verbands der privaten Bausparkassen lag die durchschnittliche Bausparsumme bei Neuverträgen im Jahr 2017 bei 49.900 Euro. Beim Kauf oder Bau einer durchschnittlichen Immobilie deckt der Bausparvertrag also nur einen Teil der gesamten Finanzierung ab.

Wie ist der Ablauf bei einem Bausparvertrag?

Zunächst muss der Kunde einen Teil der Bausparsumme ansparen, in der Regel 30 bis 50 Prozent. Nach einer gewissen Zeit – beispielsweise nach sieben oder zehn Jahren – ist der Vertrag „zuteilungsreif“. Das bedeutet, dass der Sparer das Darlehen für die Baufinanzierung abrufen kann. Dieses Geld darf er dann für sogenannte wohnwirtschaftliche Zwecke ausgeben, wie im Bausparkassengesetz festgelegt ist (§ 1 Abs. 3 BauSparkG).

Die Rückzahlung des Bausparkredits läuft dann ebenfalls wieder über einige Jahre. Bei vielen Verträgen kann der Bausparkunde wählen, über welchen Zeitraum er den Kredit zurückzahlen möchte. Dabei gilt: Je schneller die Rückzahlung erfolgt, umso niedriger ist in der Regel der Kreditzins. Anders gesagt: Den beworbenen Zins gibt es meist nur bei sehr schneller Rückzahlung.

Bei der Zuteilung eines Vertrags muss sich der Bausparer aber nicht unbedingt für das Darlehen entscheiden. Er kann auch nur die Auszahlung seines Bausparguthabens beantragen. Dann endet der Vertrag.

Es gibt auch eine dritte Möglichkeit: Der Bausparer kann nach der Zuteilung einfach weiter sparen. Dann wird das mögliche Baudarlehen im Laufe der Zeit zwar immer kleiner, gleichzeitig verzinst sich aber das Guthaben weiter. Gerade bei gutverzinsten Altverträgen ist dies für den Bausparer eine interessante Möglichkeit. Zehn Jahre nach der Zuteilung hat die Bausparkasse dann allerdings ein Kündigungsrecht.

Welche Kosten entstehen bei einem Bausparvertrag? 

Für einen Bausparvertrag fallen Kosten an, und zwar meist eine Abschlussgebühr und Kontoführungsgebühren. Die Abschlusskosten liegen allgemein zwischen 1 und 1,6 Prozent der Bausparsumme – bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro werden also mindestens 500 Euro fällig. Außerdem zahlst Du meist jährliche Kosten für das Konto von bis zu 24 Euro pro Jahr.

Bei kleinen und mittleren Einkommen verbessert die staatliche Förderung die Rendite des Vertrags.

Welche Bauspartarife gibt es?

Der Bausparvertrag wird oft als Vertrag für fast alle Lebenslagen angeboten – geeignet sowohl für Sparer, zukünftige Finanzierer oder auch für Unentschlossene. Jede Bausparkasse hat deshalb zwei bis drei unterschiedliche Tarife oder Tarifgruppen im Angebot. Dazu kommen dann noch mal die staatlich zertifizierten Riester-Bausparverträge.

Mit dem Sparargument können die Bausparkassen heutzutage aber nicht mehr punkten. Schließlich sind sie von den sinkenden Zinsen der letzten Jahre überrascht worden. Vorteilhaft für die Kunden sind bis heute Altverträge, die vor der Finanzkrise 2008 abgeschlossen wurden. Seit dem Jahr 2011 versuchen Bausparkassen allerdings, diese gut verzinsten Verträge zu kündigen. Zum Thema Kündigung alter Bausparverträge haben wir deshalb einen eigenen Ratgeber geschrieben.

Im Vordergrund der Werbung stehen jetzt meist niedrige Zinsen für das Bauspardarlehen und die staatliche Förderung. 

Mit Blick auf die Zinsen kann es bei einem Baukredit sinnvoll sein, den Zinssatz bis zur letzten Rate zu kennen und festzulegen – insbesondere wenn man von steigenden Zinsen ausgeht. Dafür gibt es die Variante der Bausparsofortfinanzierung. Sie ist auch unter den Begriffen Kombidarlehen oder Konstantdarlehen bekannt: Dabei wird ein Bausparvertrag mit einem weiteren Darlehen kombiniert. Diese Konstruktion ist eine Alternative zu einer Baufinanzierung über die Bank und kommt zum Einsatz, wenn der Kreditnehmer sofort finanzieren möchte.

Folgende Tabelle gibt Dir eine Übersicht über die verschiedenen Varianten:

Verwendungsmöglichkeiten für Bausparverträge

VarianteKann sich lohnen, wenn …
Versicherung gegen steigende Bauzinsender spätere Immobilienerwerb fest eingeplant ist
 die Bauzinsen deutlich ansteigen
Bausparsofortfinanzierungdie Zinsen für die gesamte Baufinanzierung festgeschrieben werden sollen
 der Gesamteffektivzins niedriger ist als ein vergleichbares Annuitätendarlehen
Sparvertrages vor allem um die staatliche Förderung geht
 das Geld nicht benötigt wird
 die Sparraten genau eingehalten werden können

Warum macht die Förderung das Bausparen interessant?

Bei neuen Bausparverträgen gibt es (fast) keine Zinsen mehr. Die Zinssätze liegen in der Regel deutlich unter den jeweils besten Angeboten beim Tagesgeld. Dazu kommen beim Bausparvertrag die Abschlusskosten von mindestens 1 Prozent der Bausparsumme. Einziger Vorteil des Bausparvertrags: Als Ausgleich für die niedrigen Zinsen in der Sparphase können Bausparer später das Bauspardarlehen zu einem garantierten Zins beantragen.

Tagesgeld-Sparer, die später einen Baukredit benötigen, müssen dagegen ein Angebot zum aktuellen Zinsniveau anfordern. Die Zinsen können dann immer noch so niedrig sein wie im Herbst 2020, aber auch deutlich höher. Ob sich ein Bausparvertrag am Ende gelohnt hat, hängt also von der Entwicklung der Hypothekenzinsen ab. Dies zeigt beispielhaft unsere Berechnung am Ende dieses Ratgebers.

In dieser Bausparwelt ohne Zinsen dient die staatliche Förderung als eine Art von Ersatzzins. Allerdings gilt: Wenn der Staat über Steuern oder Zuschüsse in die privaten Finanzen eingreift, verschieben sich die Vor- und Nachteile für den Verbraucher. Beim Bausparvertrag gibt es vier Fördertöpfe: die Arbeitnehmersparzulage, die Wohnungsbauprämie, vermögenswirksame Leistungen und die Riester-Förderung. Ein Riester-Bausparvertrag ist die bekannteste Variante des sogenannten Wohn-Riester.

In allen diesen Fällen ist ein Bausparvertrag zumindest eine einfache und sichere Lösung. Ob es jeweils auch die beste Lösung ist, hängt davon ab, wofür der Bausparvertrag eingesetzt werden soll.

Achte in jedem Fall darauf, dass die Bausparkasse Dir einen günstigen Bausparvertrag verkauft. Günstig wird ein Bausparvertrag vor allem dann, wenn Du die Bausparsumme gering hältst.

Wenn Du die Arbeitnehmersparzulage, die Wohnungsbauprämie oder vermögenswirksame Leistungen nutzen willst, reicht dafür meistens eine Bausparsumme von 10.000 oder 12.000 Euro. Mehr als 20.000 Euro sollten es nicht sein. Wähle die Bausparsumme so, dass der Vertrag ausgehend vom monatlichen Sparbetrag in sieben bis zehn Jahren zuteilungsreif wird.

Wie findest Du den passenden Bausparvertrag?

Die Tarife der einzelnen Bausparkassen unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander. Achte nicht nur auf den Darlehenszins, sondern auch auf die Verzinsung des Guthabens. Darüber hinaus gibt es weitere Eckdaten, die Du berücksichtigen solltest.

Doch selbst mit allen Daten lassen sich die einzelnen Angebote der Bausparkassen nur schwer miteinander vergleichen. Das liegt an den unterschiedlichen Zinsen in Kombination mit den erwarteten Anspar- und Tilgungszeiträumen. So kann ein Angebot mit einem deutlich höheren Darlehenszins manchmal die bessere Wahl sein, da etwa die Zeit bis zur Zuteilung des Darlehens kürzer ist als bei anderen Varianten. Wir empfehlen daher grundsätzlich einen Vergleich von Bausparverträgen: Hole für eine bestimmte Bausparsumme Angebote unterschiedlicher Anbieter ein.

Für einige wichtige Situationen haben wir die Vorteile berechnen können und sprechen daher eine eingeschränkte Empfehlung aus: für Sparverträge für Jugendliche, für die spätere Finanzierung einer Modernisierung und zur Nutzung der Riester-Förderung.

Die Wohnungsbauprämie verbessert die Verzinsung 

Staatliche Förderungen können die Verzinsung von Bausparverträgen verbessern. Wie sich die Förderung auswirkt, zeigt das Beispiel der Wohnungsbauprämie. Diese Förderung kannst Du direkt über die Bausparkasse beantragen. Erfüllst Du die Voraussetzungen – wichtig sind hier besonders die Einkommensgrenzen und ein Mindestalter von 16 Jahren – schreibt die Finanzverwaltung dem Vertrag maximal 70 Euro ab Januar 2021 (vorher 45,06 Euro) bei Einzelpersonen beziehungsweise das Doppelte bei Ehepaaren gut und zahlt diese später dann bei wohnwirtschaftlicher Verwendung aus.

Für die Maximalförderung müssen Singles ab Januar 2021 700 Euro pro Jahr einzahlen, Ehepaare 1.400 Euro (vorher 512 oder 1.024 Euro). Mit diesen zusätzlichen Beträgen steigt die Gesamtverzinsung des Vertrags auf ein akzeptables Niveau.

Da Sparer nur eine Maximalprämie von 70 Euro im Jahr erhalten, bringt eine höhere Sparrate keine extra Förderung. Eine höhere Sparsumme lohnt sich somit nicht und der Sparbetrag bleibt nach sieben bis acht Jahren überschaubar. Für eine wohnwirtschaftliche Nutzung lohnt sich das meist nicht.

Bausparvertrag als Sparvertrag für Jugendliche

Anders verhält es sich bei Jugendlichen. Sie haben den Vorteil des Bausparprivilegs. Wer zwischen 16 und 25 Jahre alt ist, kann die Wohnungsbauprämie erhalten, ohne sie wohnwirtschaftlich nutzen zu müssen: Sie können einen Bausparvertrag als reinen Sparvertrag abschließen und staatliche Förderung erhalten. 

Zur Wohnungsbauprämie erhalten junge Leute bei vielen Bausparkassen spezielle Bonuszahlungen. Beides zusammen erhöht die Gesamtverzinsung des Vertrags auf ein akzeptables Niveau. Während also ein Bausparvertrag für die Meisten keine sinnvolle Lösung mehr ist, können Jugendliche ab 16 Jahre mit dem Bausparvertrag für junge Leute eine annehmbare Rendite erzielen und die Summe frei nutzen. Ansonsten bieten gut verzinste Tages- und Festgeldkonten deutlich höhere Renditen.

Bausparvertrag zum Modernisieren

Für diesen Zweck einen Bausparvertrag einzusetzen, ist meist einfacher als einen Immobilienkredit über wenige Zehntausend Euro bei einer Bank zu beantragen. Denn bei einem Finanzierungsbedarf unterhalb von 50.000 Euro machen viele Banken überhaupt kein Angebot, oder nur ein schlechtes.

Für Bausparkassen gehören diese Darlehenssummen dagegen zum täglichen Geschäft. Darüber hinaus können sie Darlehen unter 30.000 Euro auch ohne Grundschuld vergeben. Gerade wenn eine Modernisierung absehbar ist, hilft ein Bausparvertrag, diese Finanzierung vorzubereiten. Denn die Kosten – und häufig auch der Zeitpunkt – für die Modernisierung lassen sich gut abschätzen. Bausparsumme und Spardauer stehen also fest, und die Eckdaten des Bausparvertrags lassen sich genau einstellen.

Wer also für eine Modernisierung eine mittlere Finanzierungssumme über 15.000 bis 50.000 Euro benötigt, sollte sich die Angebote der Bausparkassen näher ansehen. Dies gilt umso mehr, wenn Du die Voraussetzung für die staatliche Förderung erfüllst und davon ausgehst, dass die Zinsen in den kommenden Jahren wieder steigen.

Mit dem Bausparvertrag die Riester-Förderung nutzen

Wer sich dafür entschieden hat, die Riester-Förderung zu nutzen, kann zwischen verschiedenen Vertragsformen wählen: Es gibt zum Beispiel die Riester-Rentenversicherung, den Riester-Fondssparplan, den Banksparplan oder den Bausparvertrag als Wohn-Riester. Sofern ein Bausparvertrag grundsätzlich infrage kommt – etwa weil Du später einen Kauf, den Bau oder eine Modernisierung planst –, kann der Riestervertrag eine sinnvolle Lösung sein.
 

Wann solltest Du (nicht) mit der Bausparkasse finanzieren?

Wenn Du Dich für den Kauf oder Bau einer Immobilie entschieden hast, solltest Du neben Bausparkassen auch mit Banken reden. Dies gilt auch dann, wenn Du bereits einen Bausparvertrag bei einer Bausparkasse abgeschlossen hast.

Gerade bei der Erstfinanzierung ist der Bausparvertrag und das darin enthaltene Bauspardarlehen meist deutlich kleiner als die Gesamtfinanzierung. Das liegt daran, dass Bausparverträge im Durchschnitt eine Bausparsumme von weniger als 50.000 Euro haben. Wenn Du dann aber 200.000 Euro benötigst, musst Du weitere 150.000 Euro finanzieren: entweder über die Bausparkasse oder über eine Bank.

Für den noch offenen Teil oder den Gesamtbetrag ist aber ein Baukredit von der Bank häufig günstiger als die komplizierten Modelle der Bausparkassen. Gerade wenn Du eine größere Darlehenssumme benötigst, solltest Du Dich also auch an einen Kreditvermittler oder an eine Bank wenden. Wir empfehlen Dir die Zusammenarbeit mit einem der folgenden, unabhängigen, bundesweit tätigen Anbieter, die vornehmlich Baufinanzierungen vermitteln.

Dr. Klein
Allfinanzvermittler, spezialisiert auf Baufinanzierung
  • kostenlose und unverbindliche Beratung
  • arbeitet überwiegend mit selbstständigen Beratern
  • mehr als 400 Bankpartner, darunter Sparkassen und Volksbanken
  • telefonische und Vor-Ort-Beratung bei über 550 Beratern bundesweit
  • zusätzlich auch Beratung zuhause beim Kunden möglich
  • spezialisiert auf Baufinanzierung
  • kostenlose und unverbindliche Beratung
  • arbeitet ausschließlich mit angestellten Beratern
  • mehr als 400 Finanzierungspartner, darunter Sparkassen und Volksbanken
  • telefonische und Vor-Ort-Beratung an mehr als 100 Standorten bundesweit
Planethome
Baufinanzierer
  • kostenlose und unverbindliche Beratung
  • arbeitet ausschließlich mit angestellten Beratern
  • mehr als 220 Finanzierungspartner, darunter Sparkassen und Volksbanken
  • telefonische und Vor-Ort-Beratung in 14 Niederlassungen bundesweit
Nur beim Anbieter abschließbar

Wie sicher sind Bausparverträge?

Grundsätzlich sind Einlagen bei Bausparkassen ähnlich sicher wie Sparkonten bei Banken für Tagesgeld und Festgeld: Dein Guthaben ist bis 100.000 Euro gesetzlich abgesichert. Die zwölf privaten Bausparkassen sind Mitglieder in der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB). Die Schwäbisch Hall gehört als Bausparkasse der Volks- und Raiffeisenbanken deren Einlagensicherung an. Die Landesbausparkassen (LBS) sind an den Haftungsverbund des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes angeschlossen, der Einlagen in unbegrenzter Höhe absichert.

Was solltest Du noch über den Bausparvertrag wissen?

Wer sich das erste Mal mit einem Bausparvertrag beschäftigt, wird auf eine Reihe von Fachwörtern treffen, die einer Erklärung bedürfen. Wir haben die wichtigsten Begriffe eines Bausparvertrags zusammengestellt:

Bausparkollektiv - Bausparen beruht auf einem Kollektivgedanken. Die Bausparwilligen schließen sich zu einer Bauspargemeinschaft zusammen. Sie besteht aus den Einzahlern, die Guthaben in ihre Verträge sparen und aus den Darlehensnehmern, die die eingezahlten Beträge als Darlehen in Anspruch nehmen. Das kann zu folgendem Problem führen: Gibt es nicht genug Sparer, die in das Kollektiv einzahlen, können nicht allen Darlehensnehmern die entsprechenden Kredite zugeteilt werden.

Bausparsumme - Die Bausparsumme ist die wichtigste Kenngröße des Vertrags. Sie gibt die Höhe an, über die der Vertrag abgeschlossen wird. Der Betrag setzt sich zusammen aus dem angesparten Guthaben und dem nach einigen Jahren aufgenommenen Darlehen. Wenn Du eine Immobilie finanzieren willst, kannst Du also die Höhe der Bausparsumme in Deine Finanzierung einplanen.

Bewertungszahl - Die Bewertungszahl gibt Aufschluss darüber, wann Dir das Darlehen zugeteilt werden kann. Überschreitet Deine Bewertungszahl die von der Bausparkasse festgelegte Zielbewertungszahl, kannst Du das Darlehen in Anspruch nehmen. Die Bewertungszahl wächst im Laufe der Ansparphase an – zu Beginn nur recht langsam, nach einiger Zeit umso schneller. Sie ist umso höher, je mehr Geld Du eingezahlt hast, je geringer die Höhe und je kürzer die Laufzeit des vereinbarten Darlehens ist.

Kosten - Für einen Bausparvertrag fallen Kosten an, und zwar meist eine Abschlussgebühr und Kontoführungsgebühren. Die Abschlusskosten liegen allgemein zwischen 1 und 1,6 Prozent der Bausparsumme – bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro werden also mindestens 500 Euro fällig. Die Abschlussgebühr wurde von vielen Gerichten bereits für zulässig erklärt. Es handelt sich dabei nicht um pauschale Kreditbearbeitungsgebühren, die mittlerweile unzulässig sind. Außerdem zahlst Du häufig Gebühren für die Kontoführung, die bei etwa 10 bis 20 Euro pro Jahr liegen.

Mindestsparguthaben - Um ein Darlehen zu erhalten, musst Du einen bestimmten Teil der Bausparsumme angespart haben. Dieses Mindestsparguthaben beträgt je nach Vertrag meist 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme.

Regelsparbeitrag - In jedem Bausparvertrag ist eine Regelsparrate oder ein Regelsparbeitrag festgelegt. Er richtet sich nach der Höhe der Bausparsumme. Bei Standardtarifen beläuft er sich auf 4 bis 5 Prozent der Bausparsumme. Der Bausparer erreicht so nach etwa sechseinhalb bis siebeneinhalb Jahren das zur Zuteilung erforderliche Mindestsparguthaben. Monatliche Sonderzahlungen darf er meist mit Zustimmung der Bausparkasse leisten. Achtung: Auch wenn Du seit längerem eine höhere Rate als die Regelsparrate einzahlst, kann die Bausparkasse die Rate auf den Regelsparbetrag reduzieren. Diese Art der Sonderzahlung darf sie immer ablehnen, wenn dadurch ein Ungleichgewicht im Tarif entsteht. Die Bausparkassen versuchen damit, auf die Niedrigzinsphase zu reagieren und ihre Zinslast zu verringern.

Was ist besser: Bausparvertrag oder Bankkredit?

Im folgenden Beispiel vergleichen wir einen Bausparvertrag mit einer Kombination aus Tagesgeld und Bankdarlehen. Dabei gehen wir davon aus, dass der Kunde acht Jahre lang monatlich 150 Euro sparen kann und Guthaben und Darlehen anschießend für den Kauf oder die Modernisierung seiner Immobilie einsetzen möchte. Der Sparer erhält keine staatliche Förderung und zahlt keine Kapitalertragsteuer.

Für eine Modellrechnung nutzen wir einen Vertrag der BHW Bausparkasse, Tarif Wohnbausparen.

Eckdaten Bausparvertrag

Bausparsumme37.000 €
Spardauer8 Jahre, 1 Monat (97 Monate)
Sparrate pro Monat150 €
Guthabenverzinsung0,1 %
Abschlussgebühr1,6 % der Bausparsumme / 592 €
Guthaben nach Ansparzeit14.012 €
Höhe Bauspardarlehen22.988 €
Höhe Darlehenszins2,80 %
Darlehensrate pro Monat266 €
Laufzeit des Darlehen7 Jahre, 11 Monate (95 Monate)

Quelle: BHW Bausparkasse, Finanztip-Berechnung (Stand: 9. Februar 2016)

Die Zahlungen des Bausparvertrags vergleichen wir mit der zweistufigen Lösung: Der Sparer zahlt seine monatliche Rate zunächst auf ein Tagesgeldkonto ein. Nach derselben Zeit wie beim Bausparvertrag nimmt er dann ein Darlehen auf, um ebenfalls auf 37.000 Euro zu kommen. Dabei untesuchen wir drei verschiedene Zinsniveaus.

Das Ergebnis: Bei einem Anstieg der Bauzinsen auf 3,75 Prozent pro Jahr sind beide Lösungen gleich gut (Szenario 2). Bleiben die Zinsen auf gleichem Niveau (Szenario 1), schneidet der Bausparer um mehr als 1.500 Euro schlechter ab als der Tagesgeld-Sparer. Für den Fall, dass die Bauzinsen deutlich ansteigen, und das Tagesgeld im Schnitt bei 1,5 Prozent liegt (Szenario 3), spielt der Bausparvertrag seinen Vorteil aus. Gut 900 Euro spart der Bausparer bei den Zinsen.

Ein Bausparvertrag ist also eine Versicherung gegen steigende Zinsen. Wenn Du Planungssicherheit willst und befürchtest, dass die Zinsen in den nächsten Jahren um etwa zwei Prozentpunkte zulegen, lohnt sich der Bausparvertrag. Du solltest Dir jedoch möglichst sicher sein, dass Du das Baudarlehen auch in Anspruch nimmst. Aktuelle Entwicklungen der Zinsen findest Du auch in unserer Zinsprognose.

Vergleich zwischen Bausparvertrag und Tagesgeldkonto plus Darlehen

 Szenario 1: Zinsen bleiben niedrigSzenario 2: Kein Vorteil oder NachteilSzenario 3: Zinsen steigen stark
Tagesgeld plus Darlehen   
Verzinsung pro Jahr1 %1 %1,5 %
Guthaben nach Ansparzeit15.158 €15.158 €15.472 €
Höhe Darlehen21.842 €21.842 €21.472 €
Sollzins pro Jahr (nom.)2 % / 2,02 %3,69 % / 3,75 %5 % / 5,12 %
Darlehensrate pro Monat246 €266 €275 €
Gesamtaufwand23.635 €25.208 €26.113 €
Aufwand Bausparvertrag25.208 €25.208 €25.208 €
    
Vorteil/Nachteil Bausparvertrag- 1573 €0 €+ 905 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 19. Januar 2015)

Im Video: Bausparen einfach erklärt

Autor
Dirk Eilinghoff

10. September 2020


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