Bausparvertrag Vergleich

Wann sich ein Bausparvertrag lohnt

Dirk Eilinghoff Stand: 19. März 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Bei einem Bausparvertrag sparen Sie zunächst etwa die Hälfte der Bausparsumme an, die andere Hälfte gibt es dann als Darlehen zu einem festen Zins.
  • Bausparverträge bieten aktuell nur sehr geringe Guthabenzinsen. Außerdem zahlen Sie eine Abschlussgebühr. Bis zur Zuteilung des Vertrags ist das meist ein Minusgeschäft.
  • Damit sich ein Bausparvertrag unter dem Strich noch lohnt, müssen Sie das Bauspardarlehen tatsächlich nutzen, und die Zinsen müssen bis dahin deutlich ansteigen.
  • Aufgrund der Kosten- und Zinsunterschiede lohnt sich in jedem Fall ein Vergleich von Bausparverträgen verschiedener Anbieter.
So gehen Sie vor
  • Schließen Sie einen Bausparvertrag mit einer größeren Bausparsumme (mehr als 20.000 Euro) nur dann ab, wenn Sie in einigen Jahren eine Immobilie finanzieren wollen und einen Anstieg der Zinsen befürchten.
  • Einen kleineren Bausparvertrag können Sie abschließen, wenn Sie einen der drei Fördertöpfe Arbeitnehmersparzulage, Wohnungsbauprämie oder vermögenswirksame Leistungen nutzen wollen.
  • Wählen Sie die Bausparsumme so, dass der Vertrag ausgehend vom monatlichen Sparbetrag in spätestens sieben bis zehn Jahren zuteilungsreif wird.
  • Sprechen Sie bei größeren Finanzierungen nicht nur mit einer Bausparkasse, sodern auch mit einem Bank oder einem Kreditvermittler. Finanztip empfiehlt Interhyp, Dr. Klein und Planethome.

Der Bausparvertrag ist in Deutschland ein beliebtes und weit verbreitetes Finanzprodukt. Knapp 27 Millionen Verträge zählte die Bundesbank Anfang 2019. Rechnerisch haben etwa drei Viertel der deutschen Haushalte einen solchen Vertrag.Das bedeutet aber nicht, dass sich diese Verträge immer lohnen. Vielmehr gibt es bestimmte Situationen, in denen ein Bausparvertrag eine sinnvolle Lösung ist – und andere, bei denen andere Finanzprodukte sich entweder besser verzinsen, kostengünstiger oder flexibler sind.

Sie müssen zunächst entscheiden, ob ein Bausparvertrag für Ihre Pläne die beste Lösung ist. Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen den Tarifen der Bausparkassen. Ein Vergleich Bausparverträgen verschiedener Anbieter lohnt sich also. 

Was ist ein Bausparvertrag?

Bausparen beruht auf einem Kollektivgedanken: Alle Bausparer einer Kasse zahlen in einen Topf ein, über den die Ein- und Auszahlungen abgewickelt werden. Nur deshalb können die Zinsen über so lange Zeit im Voraus garantiert werden. Ähnlich wie bei Banken gibt es öffentlich-rechtliche und private Bausparkassen.

Mit einem Bausparvertrag lässt sich der Bau oder Kauf einer Immobilie finanzieren, ihre Modernisierung oder auch der Umbau. Dazu werden zwei Verträge kombiniert: ein Sparplan und ein Immobiliendarlehen. In der Sparphase ist der Zins meist geringer als marktüblich, dafür ist aber auch das Bauspardarlehen günstiger.

Zunächst wird die Bausparsumme festgelegt. Sie entspricht dem Betrag, den der Sparer in seine Immobilie investieren will. Beim Kauf oder Bau einer Immobilie macht der Bausparvertrag meist nur einen Teil der gesamten Finanzierung aus. Nach Angaben des Verbands der privaten Bausparkassen lag die durchschnittliche Bausparsumme bei Neuverträgen im Jahr 2017 bei 49.900 Euro. 

Zunächst muss der Kunde einen Teil dieser Summe ansparen, in der Regel 30 bis 50 Prozent. Nach einer gewissen Zeit – beispielsweise zehn Jahren – ist der Vertrag dann „zuteilungsreif“. Das bedeutet, dass der Sparer das Darlehen für die Baufinanzierung in Anspruch nehmen kann. Das Geld muss für sogenannte wohnwirtschaftliche Zwecke ausgeben werden, wie im Bausparkassengesetz (BauSparkG, §1 Abs. 3) festgelegt ist.

Bei der Zuteilung eines Vertrags muss sich der Bausparer aber nicht unbedingt für das Darlehen entscheiden. Er kann auch nur die Auszahlung seines Bausparguthabens beantragen. Dann endet der Vertrag. Die dritte Möglichkeit ist es, nach der Zuteilung einfach weiter zu sparen. Dann verringert sich zwar der Darlehensanspruch im Laufe der Zeit, gleichzeitig verzinst sich aber das Guthaben weiter. Gerade bei gutverzinsten Altverträgen ist dies für den Bausparer eine interessante Möglichkeit. Zehn Jahre nach der Zuteilung hat die Bausparkasse dann allerdings ein Kündigungsrecht.

Für einen Bausparvertrag fallen Kosten an, und zwar meist eine Abschlussgebühr und Kontoführungsgebühren. Die Abschlusskosten liegen allgemein zwischen 1,0 und 1,6 Prozent der Bausparsumme – bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro werden also mindestens 500 Euro fällig. Außerdem zahlen Sie meist jährliche Kosten für das Konto von bis zu 24 Euro pro Jahr.

Der Bausparvertrag wird oft als „Allroundprodukt“ angeboten – geeignet sowohl für Sparer, zukünftige Finanzierer oder auch für Unentschlossene. Für die meisten lohnt er sich aber nur als eine Versicherung gegen steigende Bauzinsen. Bei kleinen und mittleren Einkommen verbessert die staatliche Förderung zudem die Rendite des Vertrags.

Welche Varianten eines Bausparvertrages gibt es?

Bei einem Baukredit kann es sinnvoll sein, den Zinssatz bis zur letzten Rate zu kennen und festzulegen – insbesondere wenn man von steigenden Zinsen ausgeht. Dafür gibt es die Variante der Bausparsofortfinanzierung. Sie ist auch unter den Begriffen Kombidarlehen oder Konstantdarlehen bekannt: Dabei wird ein Bausparvertrag mit einem weiteren Darlehen kombiniert. Diese Konstruktion ist eine Alternative zu einer Baufinanzierung über die Bank und kommt zum Einsatz, wenn der Kreditnehmer sofort finanzieren möchte.

Oft bieten Bausparkassen den Bausparvertrag auch als reines Sparprodukt an. Viele Verträge enthalten einen Zinsbonus, wenn der Kunde auf die Auszahlung des Darlehens verzichtet. In Ausnahmefällen kann es sich lohnen, trotz der hohen Kosten diese Verträge abzuschließen.

Vorteilhaft sind insbesondere Altverträge, die vor der Finanzkrise 2008 abgeschlossen wurden. Seit dem Jahr 2011 versuchen Bausparkassen gelegentlich, diese gut verzinsten Verträge zu kündigen. Was Sie tun können, wenn die Bausparkasse Ihren Vertrag gekündigt hat, lesen Sie hier.

Folgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht über die verschiedenen Varianten:

Verwendungsmöglichkeiten für Bausparverträge

VarianteLohnt sich, wenn …
Versicherung gegen steigende Bauzinsender spätere Immobilienerwerb fest eingeplant ist
 die Bauzinsen deutlich ansteigen
Bausparsofortfinanzierungdie Zinsen für gesamte Baufinanzierung festgeschrieben werden sollen
 der Gesamteffektivzins niedriger ist als ein vergleichbares Annuitätendarlehen
Sparvertraghohe Zinsen geboten werden
 das Geld nicht benötigt wird
 die Sparraten genau eingehalten werden können

 

Warum macht die Förderung Bausparen interessant?

Bei neuen Bausparverträgen gibt es (fast) keine Zinsen mehr. Die Zinssätze liegen in der Regel deutlich unter den jeweils besten Angeboten beim Tagesgeld. Dazu kommen beim Bausparvertrag die Abschlusskosten von mindestens einem Prozent der Bausparsumme. Einziger Vorteil des Bausparvertrags. Als Ausgleich für die niedrigen Zinsen in der Sparphase können Bausparer später das Bauspardarlehen zu einem garantierten Zins beantragen.

Tagesgeld-Sparer, die später einen Baukredit benötigen, müssen dagegen ein Angebot zum aktuellen Zinsniveau beantragen. Die Zinsen können dann immer noch so niedrig sein wie Frühjahr 2019, aber auch deutlich höher. Ob sich ein Bausparvertrag am Ende gelohnt hat, hängt von der Entwicklung der Hypothekenzinsen ab. Dies zeigt beispielhaft unsere Berechnung am Ende dieses Ratgebers.

Darüber hinaus spielt die staatliche Förderung eine große Rolle: Wie immer, wenn der Staat über Steuern oder Zuschüsse in die privaten Finanzen eingreift, verschieben sich die Vor- und Nachteile für den Verbraucher. Beim Bausparvertrag sind es gleich vier Fördertöpfe, die in Frage kommen: die Arbeitnehmersparzulage, die Wohnungsbauprämie, vermögenswirksame Leistungen. Dazu kommt die Riester-Förderung: Ein Riester-Bausparvertrag ist die bekannteste Variante des sogenannten Wohn-Riester.

In allen diesen Fällen ist ein Bausparvertrag zumindest eine einfache und sichere Lösung. Ob es jeweils auch die beste Lösung ist, hängt davon ab, wofür der Bausparvertrag eingesetzt werden soll.

Achten Sie aber in jedem Fall darauf, dass die Bausparkasse Ihnen nicht einen günstigen Bausparvertrag verkauft. Günstig wird ein Bausparvertrag vor allem dann, wenn die Bausparsumme überschaubar bleibt.

Wenn Sie die Arbeitnehmersparzulage, Wohnungsbauprämie oder vermögenswirksame Leistungen nutzen wollen, reicht dafür meistens eine Bausparsumme von 10.000 oder 12.000 Euro. Mehr als 20.000 Euro sollten es nicht sein. Wählen Sie die Bausparsumme so, dass der Vertrag ausgehend vom monatlichen Sparbetrag in spätestens sieben bis zehn Jahren zuteilungsreif wird.

Wie finden Sie den passenden Bausparvertrag?

Die Tarife der einzelnen Bausparkassen unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander. Achten Sie nicht nur auf den Darlehenszins, sondern auch auf die Verzinsung des Guthabens und die weiteren Eckdaten des Vertrags.

Doch selbst mit allen Daten lassen sich die einzelnen Angebote von Bausparkassen nur schwer miteinander vergleichen. Das liegt an den unterschiedlichen Zinsen in Kombination mit den erwarteten Anspar- und Tilgungszeiträumen. So kann ein Angebot mit einem deutlich höheren Darlehenszins manchmal die bessere Wahl sein, da etwa die Zeit bis zur Zuteilung des Darlehens kürzer ist als bei anderen Varianten. Wir empfehlen daher grundsätzlich einen Vergleich von Bausparverträgen: Holen Sie für eine bestimme Bausparsumme Angebote unterschiedlicher Anbieter ein.

Für einige wichtige Situationen haben wir die Vorteilhaftigkeit allerdings berechnet und können eine Empfehlung aussprechen: als Sparvertrag für Jugendliche, für die späteren Finanzierung einer Modernisierung und zur Nutzung der Riester-Förderung.

Bausparvertrag als Sparvertrag für Jugendliche

Einen Bausparvertrag als reinen Sparvertrag abzuschließen, ist nur dann eine gute Lösung, wenn Sie sicher mit staatlicher Förderung rechnen können. Ansonsten bieten gut verzinste Tages- und Festgeldkonten deutlich höhere Renditen.

Wie die staatliche Förderung die Verzinsung verbessert, zeigt das Beispiel der Wohnungsbauprämie. Diese Förderung können Sie direkt über die Bausparkasse beantragen. Erfüllen Sie die Voraussetzungen – wichtig sind hier besonders die Einkommensgrenzen – so schreibt die Finanzverwaltung dem Vertrag maximal 45,06 Euro (bei Einzelpersonen) beziehungsweise 90,11 Euro (bei Ehepaaren) gut und zahlt diese später dann bei wohnwirtschaftlicher Verwendung aus.

Dazu müssen Singles mindestens 512 Euro pro Jahr einzahlen, Ehepaare 1.024 Euro pro Jahr. Mit diesen zusätzlichen Beträgen steigt die Gesamtverzinsung des Vertrags auf ein akzeptables Niveau. Während also ein Bausparvertrag für Kinder und gut verdienende Erwachsene – die die Voraussetzungen nicht erfüllen – keine sinnvolle Lösung ist, können etwa Jugendliche mit dem Bausparvertrag für junge Leute eine recht ordentliche Rendite erzielen.

Bausparvertrag zum Modernisieren

Bei diesen Gelegenheiten einen Bausparvertrag einzusetzen, ist meist einfacher als einen Immobilienkredit über wenige Zehntausend Euro bei einer Bank zu beantragen. Denn bei einem Finanzierungsbedarf unterhalb von 50.000 Euro machen viele Banken überhaupt kein Angebot, oder nur ein schlechtes.

Für Bausparkassen gehören diese Darlehenssummen dagegen zum täglichen Geschäft. Darüber hinaus können sie Darlehen unter 30.000 Euro auch ohne Grundschuld vergeben. Gerade wenn eine Modernisierung absehbar ist, hilft ein Bausparvertrag, diese Finanzierung vorzubereiten. Denn die Kosten – und häufig auch der Zeitpunkt – für die Modernisierung lassen sich gut abschätzen. Bausparsumme und Spardauer stehen also fest, und die Eckdaten des Bausparvertrag lassen sich genau einstellen.

Wer also absehbar für eine Modernisierung eine mittlere Finanzierungssumme über 15.000 bis 50.000 Euro benötigt, sollte sich die Angebote der Bausparkassen näher ansehen. Dies gilt umso mehr, wenn Sie die Voraussetzung für die staatliche Förderung erfüllen und davon ausgehen, dass die Zinsen in den kommenden Jahren wieder steigen.

Mit dem Bausparvertrag die Riester-Förderung nutzen

Wer sich dafür entschieden hat, die Riester-Förderung zu nutzen, kann zwischen verschiedenen Vertragsformen wählen: zum Beispiel zwischen einer Riester-Rentenversicherung, einem Riester-Fondssparplan, einem Banksparplan oder einem Bausparvertrag als Wohn-Riester. Sofern ein Bausparvertrag grundsätzlich infrage kommt – etwa weil Sie später einen Kauf, Bau oder eine Modernisierung planen –, kann er eine sinnvolle Lösung sein.

Wann sollten Sie (nicht) mit der Bausparkasse finanzieren?

Wenn Sie sich für den Kauf oder Bau einer Immobilie entschieden haben, sollten Sie sollten Sie neben Bausparkassen auch mit Banken reden. Dies gilt auch dann, wenn Sie bereits einen Bausparvertrag bei einer Bausparkasse abgeschlossen haben.

Gerade bei der Erstfinanzierung ist der Bausparvertrag und das darin enthaltene Bauspardarlehen meist deutlich kleiner als die Gesamtfinanzierung. Das liegt daran, dass Bausparverträge im Durchschnitt eine Bausparsumme von weniger als 50.000 Euro haben. Wenn Sie dann aber 200.000 Euro benötigen, müssen Sie weitere 150.000 Euro finanzieren: entweder über die Bausparkasse oder über eine Bank.

Für den noch offenen Teil oder den Gesamtbetrag ist aber ein Baukredit von der Bank häufig günstiger als die komplizierten Modelle der Bausparkassen. Gerade wenn Sie eine größere Darlehenssumme benötigen, sollten Sie sich also auch an einen Kreditvermittler oder an eine Bank wenden. Wir empfehlen Ihnen die Zusammenarbeit mit einem der folgenden, unabhängigen, bundesweit tätigen Anbieter, die vornehmlich Baufinanzierungen vermitteln.

Dr. Klein
Allfinanzvermittler, spezialisiert auf Baufinanzierung
  • kostenlose und unverbindliche Beratung
  • arbeitet überwiegend mit selbstständigen Beratern
  • mehr als 300 Finanzierungspartner, darunter Sparkassen und Volksbanken
  • telefonische Beratung und Vor-Ort-Beratung in über 200 Niederlassungen bundesweit
  • zusätzlich auch Beratung zu Hause beim Kunden möglich
  • spezialisiert auf Baufinanzierung
  • kostenlose und unverbindliche Beratung
  • arbeitet ausschließlich mit angestellten Beratern
  • mehr als 400 Finanzierungspartner, darunter Sparkassen und Volksbanken
  • telefonische und Vor-Ort-Beratung an mehr als 100 Standorten bundesweit
Planethome
Baufinanzierer
  • kostenlose und unverbindliche Beratung
  • arbeitet ausschließlich mit angestellten Beratern
  • mehr als 220 Finanzierungspartner, darunter Sparkassen und Volksbanken
  • telefonische und Vor-Ort-Beratung in 14 Niederlassungen bundesweit

Wie sicher sind Bausparverträge?

Grundsätzlich sind ihr Einlagen bei Bausparkassen ähnlich sicher wie Sparkonten bei Banken für Tagesgeld und Festgeld: Ihr Guthaben ist bis 100.000 Euro gesetzlich abgesichert. Die zwölf privaten Bausparkassen sind Mitglieder in der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB). Die Schwäbisch Hall gehört als Bausparkasse der Volks- und Raiffeisenbanken deren Einlagensicherung an. Die Landesbausparkassen (LBS) sind an den Haftungsverbund des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes angeschlossen, der Einlagen in unbegrenzter Höhe absichert.

Wir empfehlen Ihnen, auch auf die Bonität der Bausparkassen zu achten. Einen guten Anhaltspunkt für die Finanzkraft eines Unternehmens bieten Ratings von den großen Agenturen Moody’s, Standard & Poor‘s und Fitch. Bei Tagesgeld- und Festgeldkonten empfehlen wir nur Banken, die von den drei Agenturen eine Bewertung von mindestens „BBB“ (Standard & Poor‘s und Fitch) beziehungsweise „Baa“ (Moody’s) haben. Bei Bausparkassen setzen wir nur von mindestens einer Agentur eine solche Bewertung voraus. Zum einen sind Ratings bei Bausparkassen weniger verbreitet als bei Banken, und zum anderen hat die Bausparkasse ja immer die Möglichkeit, drohende Risiken auf das Kollektiv abzuwälzen.

Derzeit erfüllen alle Bausparkassen oder deren Konzernmütter diese Voraussetzung. Lediglich die Aachener Bausparkasse besitzt kein Rating der hier genannten Agenturen. Daher können wir ihre Finanzkraft nicht bewerten.

Was sollten Sie noch über den Bausparvertrag wissen?

Wer sich das erste Mal mit einem Bausparvertrag beschäftigt, wird auf eine Reihe an Fachwörtern treffen, die einer Erklärung bedürfen. Wir haben die wichtigsten Begriffe eines Bausparvertrags zusammengestellt:

Bausparkollektiv - Bausparen beruht auf einem Kollektivgedanken. Die Bausparwilligen schließen sich zu einer Bauspargemeinschaft zusammen. Sie besteht aus den Einzahlern, die Guthaben in ihre Verträge sparen und aus den Darlehensnehmern, die die eingezahlten Beträge als Darlehen in Anspruch nehmen. Das kann zu folgendem Problem führen: Gibt es nicht genug Sparer, die in das Kollektiv einzahlen, können nicht allen Darlehensnehmern die entsprechenden Kredite zugeteilt werden.

Bausparsumme - Die Bausparsumme ist die wichtigste Kenngröße des Vertrags. Sie gibt die Höhe an, über die der Vertrag abgeschlossen wird. Der Betrag setzt sich zusammen aus dem angesparten Guthaben und dem nach einigen Jahren aufgenommenen Darlehen. Wenn Sie eine Immobilie finanzieren wollen, können Sie also die Höhe der Bausparsumme in Ihre Finanzierung einplanen.

Bewertungszahl - Die Bewertungszahl gibt Aufschluss darüber, wann Ihnen das Darlehen zugeteilt werden kann. Überschreitet Ihre Bewertungszahl die von der Bausparkasse festgelegte Zielbewertungszahl, können Sie das Darlehen in Anspruch nehmen. Die Bewertungszahl wächst im Laufe der Ansparphase an – zu Beginn nur recht langsam, nach einiger Zeit umso schneller. Sie ist umso höher, je mehr Geld Sie eingezahlt haben, je niedriger die Höhe und je kürzer die Laufzeit des vereinbarten Darlehens ist.

Kosten - Für einen Bausparvertrag fallen Kosten an, und zwar meist eine Abschlussgebühr und Kontoführungsgebühren. Die Abschlusskosten liegen allgemein zwischen 1 und 1,6 Prozent der Bausparsumme – bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro werden also mindestens 500 Euro fällig. Die Abschlussgebühr wurde von vielen Gerichten bereits für zulässig erklärt. Es handelt sich dabei nicht um pauschale Kreditbearbeitungsgebühren, die mittlerweile unzulässig sind. Außerdem zahlen Sie häufig Gebühren für die Kontoführung, die bei etwa 10 bis 20 Euro pro Jahr liegen.

Mindestsparguthaben - Um ein Darlehen zu erhalten, müssen Sie einen bestimmten Teil der Bausparsumme angespart haben. Dieses Mindestsparguthaben beträgt je nach Vertrag meist 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme.

Regelsparbeitrag - In jedem Bausparvertrag ist eine Regelsparrate oder ein Regelsparbeitrag festgelegt. Er richtet sich nach der Höhe der Bausparsumme. Bei Standardtarifen beläuft er sich auf 4 bis 5 Prozent der Bausparsumme. Der Bausparer erreicht so nach etwa sechseinhalb bis siebeneinhalb Jahren das zur Zuteilung erforderliche Mindestsparguthaben. Monatliche Sonderzahlungen darf er meist mit Zustimmung der Bausparkasse leisten. Achtung: Auch wenn Sie seit längerem eine höhere Rate als die Regelsparrate einzahlen, kann die Bausparkasse die Rate auf den Regelsparbetrag reduzieren. Diese Art der Sonderzahlung darf sie immer ablehnen, wenn dadurch ein Ungleichgewicht im Tarif entsteht. Die Bausparkassen versuchen damit, auf die Niedrigzinsphase zu reagieren und ihre Zinslast zu verringern.

Was ist besser: Bausparvertrag oder Bankredit?

Im folgenden Beispiel vergleichen wir einen Bausparvertrag mit einer Kombination aus Tagesgeld und Bankdarlehen. Dabei gehen wir davon aus, dass der Kunde acht Jahre lang monatlich 150 Euro sparen kann und Guthaben und Darlehen anschießend für den Kauf oder die Modernisierung seiner Immobilie einsetzen möchte. Der Sparer erhält keine staatliche Förderung und zahlt keine Kapitalertragssteuer.

Für eine Modellrechnung nutzen wir einen Vertrag der BHW Bausparkasse, Tarif Wohnbausparen.

Eckdaten Bausparvertrag

Bausparsumme37.000 €
Spardauer8 Jahre, 1 Monat (97 Monate)
Sparrate pro Monat150 €
Guthabenverzinsung0,1 Prozent
Abschlussgebühr1,6 % der Bausparsumme / 592 €
Guthaben nach Ansparzeit14.012 €
Höhe Bauspardarlehen22.988 €
Höhe Darlehenszins2,80 %
Darlehensrate pro Monat266 €
Laufzeit des Darlehen7 Jahre, 11 Monate (95 Monate)

Quelle: BHW Bausparkasse, Finanztip-Berechnung (Stand: 9. Februar 2016)

Die Zahlungen des Bausparvertrags vergleichen wir mit der zweistufigen Lösung: Der Sparer zahlt seine monatliche Rate zunächst auf ein Tagesgeldkonto ein. Nach derselben Zeit wie beim Bausparvertrag nimmt er dann ein Darlehen auf, um ebenfalls auf 37.000 Euro zu kommen. Dabei untersuchen wir drei verschiedene Zinsniveaus.

Das Ergebnis: Bei einem Anstieg der Bauzinsen auf 3,75 Prozent pro Jahr sind beide Lösung gleich gut (Szenario 2). Bleiben die Zinsen auf gleichem Niveau (Szenario 1), schneidet der Bausparer um mehr als 1.500 Euro schlechter ab als der Tagesgeld-Sparer. Für den Fall, dass die Bauzinsen deutlich ansteigen, und das Tagesgeld im Schnitt bei 1,5 Prozent liegt (Szenario 3), spielt der Bausparvertrag seinen Vorteil aus. Gut 900 Euro spart der Bausparer bei den Zinsen.

Ein Bausparvertrag ist also eine Versicherung gegen steigende Zinsen. Wenn Sie Planungssicherheit wollen und befürchten, dass die Zinsen in den nächsten Jahren um etwa zwei Prozentpunkte zulegen, lohnt sich in diesem Beispiel der Bausparvertrag. Außerdem sollten Sie sich möglichst sicher sein, dass Sie das Baudarlehen auch in Anspruch nehmen. Aktuelle Entwicklungen der Zinsen finden Sie auch in unserer Zinsprognose.

Vergleich zwischen Bausparvertrag und Tagesgeldkonto plus Darlehen

 Szenario 1: Zinsen bleiben niedrigSzenario 2: Kein Vorteil oder NachteilSzenario 3: Zinsen steigen stark
Tagesgeld plus Darlehen   
Verzinsung pro Jahr1 %1 %1,5 %
Guthaben nach Ansparzeit15.158 €15.158 €15.472 €
Höhe Darlehen21.842 €21.842 €21.472 €
Sollzins pro Jahr (nom.)2 % / 2,02 %3,69 / 3,75 %5 % / 5,12 %
Darlehensrate pro Monat246 €266 €275 €
Gesamtaufwand23.635 €25.208 €26113 €
Aufwand Bausparvertrag25.20825.20825208
    
Vorteil/Nachteil Bausparvertrag-1573 €0 €+905 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 19. Januar 2015)

Im Video: Bausparen einfach erklärt

Autor
Dirk Eilinghoff

Stand: 19. März 2019


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