Finanzberatung via KI

  • Ich habe meine Finanzstrategie in den letzten Monaten immer wieder mit ChatGPT "diskutiert" und würde Euch gerne von meinen Erfahrungen berichten. Umgekehrt interessieren mich natürlich auch Eure Erfahrungen.

    Auslöser war bei mir eine wesentliche Veränderung im Familieneinkommen, die uns vor die Frage gestellt hat, wie wir zukünftig investieren, Rücklagen bilden, konsumieren etc. wollen. Unsere ursprüngliche Aufteilung schien dem neuen Einkommen nicht mehr angemessen zu sein. Ich habe dann unsere Parameter mit ChatGPT geteilt und darum gebeten unsere Risikotragfähigkeit zu erfragen. Unser bisheriges Vorgehen habe ich auch begründet, um es nachvollziehbar zu machen.

    Über die Monate ist dabei ein stattlicher Austausch erfolgt und ich habe immer wieder neue Perspektiven aufgezeigt bekommen, die wir dann für uns abgewogen haben. Auch einige unserer Gewissheiten sind dabei ins Wanken gekommen bzw. schlüssig hinterfragt worden.

    Kurz um: Ich habe das als sehr hilfreich empfunden. Voraussetzung ist natürlich, dass man kritisch mit den Infos umgeht, anständig promptet und ChatGPT eher als Sparringspartner denn als allwissenden Berater nutzt. Um eigenes Denken kommt man dann doch nicht rum, aber ich werde KI künftig häufiger nutzen, um Entscheidungen vorzubereiten und weitere Perspektiven zu gewinnen.

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  • Stimme dir 100% zu. Ich nutze Claude auf die gleiche Weise wie du: nicht als Lieferant endgültiger Wahrheiten, sondern als Sparringspartner, mit kritischem Hinterfragen, wenn etwas nicht plausibel erscheint und natürlich eigenem Mitdenken.

    Ich muss sagen dass ich das schon beeindruckend finde. Ich hoffe, wir als Menschen verlieren dadurch nicht die Fähigkeit, kreativ neues zu erschaffen, denn KI ist einfach nur gut, riesige, menschlich erzeugte Datenmengen auszuwerten.

  • Ich kann mir gut Vorstellen das es gut funktioniert. Ich habe damit keine Erfahrung gemacht bisher.

    Aber da das Thema Finanzen vielschichtig ist und man sehr viele Aspekte vor allem als Laie überhaupt nicht überblickt, kann das nutzen der Schwarmintelligenz schon sinnvoll sein. Wie schon gesagt wurde ist kritisches Hinterfragen sehr wichtig. Ansich sind Finanzen ja vom Grundgerüst immer gleich aber müssen individuell angepasst werden. Wenn man da noch zu den Vorschlägen selbst die Ergebnisse undabhängig von KI verifiziert sehe ich da schon Potenzial.

  • KI kann sehr nützlich sein, wenn man sie richtig verwendet und weiß, wie sie funktioniert. Sie hat aber auch ihre Tücken. Eine davon ist die Autoritätsillusion, die sie erzeugt. Sie antwortet immer logisch, strukturiert, präzise und ohne Zögern. Das wirkt dann wie Kompetenz. Sie ist immer freundlich, wirkt nie genervt, stellt geduldig Rückfragen und klingt analytisch und sachlich. Das erzeugt eine Beziehungsillusion. Aber eine KI, oder genauer gesagt ein LLM, ist weder eine fachliche Autorität noch ein freundlicher Berater, sondern ein statistischer Textgenerator.

    Jetzt lese ich hier also einen Beitrag, wo jemand beschreibt, dass er über Monate mit ChatGPT, wahrscheinlich der frei zugänglichen Version, aus finanzieller Sicht betrachtet, intime Gespräche führt. Er gibt dabei seine komplette Vermögenssituation preis (so habe ich es zumindest verstanden) und lässt sich in eine Art "KI-Beratungsbeziehung" hineinziehen, die weder sicher noch fachlich belastbar ist.

    Was zuerst auffällt, ist das Datenschutzrisiko. Kostenlose KI-Modelle speichern die Eingaben, um sie zu analysieren und zur Optimierung zu nutzen, Wer also dort seine Vermögenssituation eingibt, gibt sie praktisch an die Öffentlichkeit.

    Eine KI kann man gut verwenden, um sich Begriffe erklären zu lassen oder Szenarien durchzurechnen. Was sie aber nicht kann, ist z.B. eine Risikotragfähigkeit zu bestimmen oder Anlageziele zu bewerten. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu verstehen, dass eine KI plausible, aber manchmal falsche Antworten erzeugt. Sprachmodelle sind darauf optimiert, überzeugend zu klingen, nicht darauf, richtig zu sein. Gerade im Finanzbereich kann das gefährlich werden.

    Im Übrigen kann eine KI schon aus rein rechtlichen Gründen keine Finanzberatung leisten. Daher ist schon der Titel dieses Threads abwegig.

  • Wenn alles nicht so läuft ist dann die KI schuld?

    Zum erklären lassen kann man KI schon gebrauchen, aber die Entscheidung mit welchem Risiko und welche Anlageklassen ich investiere muss ich schon selber für treffen.

    Jeder ist für sein Geld selber verantwortlich. Wenn ich keine Lust habe mich darum zu kümmern werde ich zwangsläufig in einer Geldanlage landen die nicht gut zu mir passt und bei der die Rendite bei anderen landet.

    vVelen Menschen ist das egal und sie lagern diese Entscheidungen an „Finanzprodukteverkäufer“ aus. Ob diese jetzt humanoide oder elektrische „Intelligenz“ haben ist dabei nebensächlich, Hauptsache es muss nicht selber entscheiden werden.

  • Jetzt lese ich hier also einen Beitrag, wo jemand beschreibt, dass er über Monate mit ChatGPT, wahrscheinlich der frei zugänglichen Version, aus finanzieller Sicht betrachtet, intime Gespräche führt. Er gibt dabei seine komplette Vermögenssituation preis (so habe ich es zumindest verstanden) und lässt sich in eine Art "KI-Beratungsbeziehung" hineinziehen, die weder sicher noch fachlich belastbar ist.


    Ah, nicht nur die KI kann halluzinieren, sondern auch Forenmitglieder. Ich habe natürlich unterschlagen, dass ich auch sämtliche Ehe- und Erziehungsprobleme mit der KI (natürlich der kostenfreien) geteilt habe, und nun eine romantische Beziehung mit einem Chatbot führe.


    Wenn alles nicht so läuft ist dann die KI schuld?

    Zum erklären lassen kann man KI schon gebrauchen, aber die Entscheidung mit welchem Risiko und welche Anlageklassen ich investiere muss ich schon selber für treffen.

    Um eigenes Denken kommt man dann doch nicht rum, aber ich werde KI künftig häufiger nutzen, um Entscheidungen vorzubereiten und weitere Perspektiven zu gewinnen.

    Entscheidungen überlasse ich natürlich grundsätzlich dem Würfel und beschwere mich dann bei Fortuna, wenn's nicht rund läuft.


    Aber jetzt etwas weniger schnippisch: Klar, Beratung an sich kann man in Frage stellen, wenn sie dazu dient, Entscheidungen und Verantwortung auszulagern. Darauf basieren auch etliche Industrien auch abseits der Finanzbranche. So habe ich KI jetzt aber nicht genutzt. Ich habe Denkanstöße bekommen und empfand das als sehr hilfreich. Hilfreicher - ehrlich gesagt - als manche Antwort hier im Forum.

  • Wenn man die dagegen nur hier im Forum teilt, dann bleibt das ja unter uns...

    Guter Punkt. Manchmal werden hier ja auch Dokumente mit Klarnamen eingestellt und dann durch die Mods netterweise schnell entfernt. Egal ob im Forum, ob mit der KI oder im Gespräch im Café: Augen auf bei der Informationsweitergabe.

  • Da ist ziemlich unspektakulär, aber gern: Wir haben den Aufbau der Rücklagen und des Notgroschens etwas runtergefahren und den ETF-Sparplan im Gegenzug etwas erhöht.

    Und für diese Erkenntnis brauchte es mehrere Monate Kommunikation!? :/
    Darf man fragen um welche finanzielle Größenordnung es geht? So ungefähr reicht.

  • Das ist nicht viel Futter, um die Qualität der KI-Beratung zu checken.

    Da ist richtig. Aber ich hatte auch nicht nach einer Bewertung der Qualität meiner Ki-Beratung gefragt, sondern nach eigenen Erfahrungen. Dass ich die Qualität erstaunlich hoch fand, habe ich ja geschrieben. Ich müsste zu viel hier reinstellen, um das für Euch transparent zu machen, fürchte ich. Oder anders gesagt: ich wüsste nicht, wie ich gut mehr Futter geben könnte.

    Oder hast Du gezielt Fragen auf der Metaebene? Die ließen sich natürlich gut für mich beantworten.

  • Und für diese Erkenntnis brauchte es mehrere Monate Kommunikation!? :/
    Darf man fragen um welche finanzielle Größenordnung es geht? So ungefähr reicht.

    Nein, brauchte es nicht. Das wäre vielleicht auch schneller gegangen, wenn wir da einen hohen Druck verspürt hätten, schnell etwas umzustellen. So war es eher ein Prozess, der uns über ein einige Monate begleitet hat, bis wir eben eine für uns stimmige Lösung gefunden haben. Das hat ehrlich gesagt auch sehr wenig mit Erkenntnissen zu tun, wenn es auch um die Frage nach Sicherheitsbedürfnissen und der persönlichen Lebensplanung geht.

    Es geht um etwa 1500€, die sinnvoll verteilt werden wollten.

  • Ich habe meine Finanzstrategie in den letzten Monaten immer wieder mit ChatGPT "diskutiert" und würde Euch gerne von meinen Erfahrungen berichten. Umgekehrt interessieren mich natürlich auch Eure Erfahrungen.

    Auslöser war bei mir eine wesentliche Veränderung im Familieneinkommen, die uns vor die Frage gestellt hat, wie wir zukünftig investieren, Rücklagen bilden, konsumieren etc. wollen. Unsere ursprüngliche Aufteilung schien dem neuen Einkommen nicht mehr angemessen zu sein. Ich habe dann unsere Parameter mit ChatGPT geteilt und darum gebeten unsere Risikotragfähigkeit zu erfragen. Unser bisheriges Vorgehen habe ich auch begründet, um es nachvollziehbar zu machen.

    Über die Monate ist dabei ein stattlicher Austausch erfolgt und ich habe immer wieder neue Perspektiven aufgezeigt bekommen, die wir dann für uns abgewogen haben. Auch einige unserer Gewissheiten sind dabei ins Wanken gekommen bzw. schlüssig hinterfragt worden.

    Kurz um: Ich habe das als sehr hilfreich empfunden. Voraussetzung ist natürlich, dass man kritisch mit den Infos umgeht, anständig promptet und ChatGPT eher als Sparringspartner denn als allwissenden Berater nutzt. Um eigenes Denken kommt man dann doch nicht rum, aber ich werde KI künftig häufiger nutzen, um Entscheidungen vorzubereiten und weitere Perspektiven zu gewinnen.

    Wenn man KI so nutzt, wie du das beschreibst, kann das funktionieren.

    Für mich persönlich funktioniert KI nur, wenn ich sie als Hilfe zu Themen nutze, in denen ich mich grundsätzlich auch auskenne. Denn immer noch kommen da Antworten, die schlicht falsch sind, und wenn das in Themengebieten passiert, von denen ich keine Ahnung habe, fällt es mir schwer, die Antworten einzuordnen. Das Gegenchecken der Antworten kostet dann mehr Zeit als wenn ich es gleich ohne KI mache.

    Das ist in meinen Augen auch momentan das Hauptproblem in der breiten Masse bei der Nutzung von KI. Irgendwas ist in den letzten Monaten/Jahren gekippt, plötzlich sind die Antworten der KI scheinbar über jeden Zweifel erhaben. Zu mindestens in meinem beruflichen Umfeld. Wurde ich früher noch belächelt, wenn ich mir mit Hilfe von KI ein ellenlanges PDF zusammenfassen ließ, heißt es heute: "Mach das mal so und so, ChatGPt sagt das geht/ist erlaubt". Ich finde es unendlich ätzend, wenn niemand mehr selbst denkt sondern einfach nur die KI fragt und dann die Antwort als 100% richtig erachtet. Alle denken sie wissen alles, dabei basiert ihr "Wissen" nur auf ChatGPT Antworten.. <X
    (Das ist aber natürlich ein internes Betriebsproblem bei uns)

  • Wenn alles nicht so läuft ist dann die KI schuld?

    Zum erklären lassen kann man KI schon gebrauchen, aber die Entscheidung mit welchem Risiko und welche Anlageklassen ich investiere muss ich schon selber für treffen.

    Jeder ist für sein Geld selber verantwortlich. Wenn ich keine Lust habe mich darum zu kümmern werde ich zwangsläufig in einer Geldanlage landen die nicht gut zu mir passt und bei der die Rendite bei anderen landet.

    vVelen Menschen ist das egal und sie lagern diese Entscheidungen an „Finanzprodukteverkäufer“ aus. Ob diese jetzt humanoide oder elektrische „Intelligenz“ haben ist dabei nebensächlich, Hauptsache es muss nicht selber entscheiden werden.

    Kann aber auch gut sein, dass in einigen Jahren viele Anleger bereuen werden, dass sie Mitte der 2020er die KÍ befragt haben und nicht den Finanzprodukteverkäufer.

  • Das ist in meinen Augen auch momentan das Hauptproblem in der breiten Masse bei der Nutzung von KI. Irgendwas ist in den letzten Monaten/Jahren gekippt, plötzlich sind die Antworten der KI scheinbar über jeden Zweifel erhaben.

    Die Modelle sind im Laufe der letzten Monate deutlich besser und leistungsfähiger geworden. Das gilt insbesondere für die kostenpflichtigen Varianten. Kam vor einem Jahr noch ziemlich viel Quatsch als Antwort, liefern aktuell die 400-700B GPT5-Modelle beeindruckende Leistungen. Selbst die free-to-use-Modelle sind inzwischen für viele Fälle hinreichend gut. Da diese Modelle Meister der Autoritätsillusion sind, wirken die Antworten kompetent und überzeugend. Die wenigsten zweifeln das dann an.

    Ich finde es unendlich ätzend, wenn niemand mehr selbst denkt sondern einfach nur die KI fragt und dann die Antwort als 100% richtig erachtet.

    Es ist eben bequem. Bei diesem Thema fällt mir ein uralter Spruch ein: "... und wo lassen Sie denken?" Heute aktueller denn je. Dumm nur, dass ein LLM nicht denkt, sondern die statistisch wahrscheinlichste Antwort liefert. Die muss nicht unbedingt richtig sein. Deutlich werden Schwächen z.B. bei Fragen zur Bedienung von Programmen und Betriebssystemen ("Wie kann ich das in Android einstellen?"). Das Problem entsteht hier durch viele verschiedene Varianten und Versionen und liegt in der Art, wie ein LLM funktioniert, begründet. Verlässt man sich in diesem Bereich auf die Antworten, kann das übel in die Hose gehen. Ist mir auch schon mal passiert.

    Für mich persönlich funktioniert KI nur, wenn ich sie als Hilfe zu Themen nutze, in denen ich mich grundsätzlich auch auskenne. Denn immer noch kommen da Antworten, die schlicht falsch sind, und wenn das in Themengebieten passiert, von denen ich keine Ahnung habe, fällt es mir schwer, die Antworten einzuordnen. Das Gegenchecken der Antworten kostet dann mehr Zeit als wenn ich es gleich ohne KI mache.

    Richtig, man kann KI als ein mächtiges Werkzeug nutzen, wenn man weiß wie. Kennt man sich in dem Bereich, zu dem man Fragen stellt, selbst aus, kann man die Qualität der Antworten beurteilen. Für die anderen Bereiche gilt: "Wer wenig weiß, muss Vieles glauben."

  • Meine Erfahrung mit dieser Art der Kommunikation mit der KI: die KI schmeichelt gerne und redet einem oft nach dem Mund. Wenn man die Frage auch nur geringfügig als Suggestivfrage in die eine oder andere Richtung stellt, fallen die Antworten und Empfehlungen sehr unterschiedlich aus. Wenn man sich dann den Spaß erlaubt kritisch nachzufragen oder gar offensiv Einwände zu erheben, bspw. "bist du sicher?" oder "das stimmt doch alles überhaupt nicht was du da schreibst!" wird es mitunter sehr lustig. Dann behauptet die KI auch gerne mal das komplette Gegenteil von dem was sie Sekunden zuvor noch gesagt hat. Wenn man das dann mehrfach hintereinander tut, wird es besonders interessant. In einem solchen "iterativen Prozess" neigt man dann dazu, die KI unbewusst in die eine oder andere Richtung zu lenken und landet im Ergebnis häufig dort wo man gerne landen möchte. Noch lustiger ist es übrigens zwei KI-Tools parallel zu nutzen und die jeweiligen Antworten in der anderen KI zu überprüfen.

    Einmal editiert, zuletzt von Saarlaender (17. Juli 2026 um 12:08)

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