Nabend zusammen,
sicherlich haben viele hier schon solche Erfahrungen gemacht, manche aber vielleicht eher unterbewusst. Mir ist es gerade ein Bedürfnis, darüber zu schreiben.
So ca. im Jahr 2010 habe ich von Finanzen noch gar keine Ahnung gehabt. Durch das Elternhaus schlecht vorgebildet, sammelte ich mein Einkommen (damals noch sehr gering) auf dem Girokonto. Selbstverständlich vollkommen zinsbefreit. Als das Thema mal aufkam und mir versichert wurde, dass dieses Vorgehen totaler Quatsch sei (soweit war noch alles korrekt), wurde mir dringend angeraten, den Anteil davon, den ich nicht brauche, auf das Sparkonto zu schieben, "um wenigstens ein paar Zinsen zu bekommen". Erschien mir wie eine sehr gute Idee und ich war damit zufrieden. Leider begann zu dieser Zeit eine sehr gute Aktienphase, wodurch mir sehr viel Geld durch die Lappen ging.
Als ich aber so ca. im Jahr 2022 dann erkannte, dass das Sparkonto mal überhaupt nichts bringt, dachte ich mir, dass ich mehr Zinsen will. Da zu der Zeit Corona ausbrach, hatte ich Bammel, das Geld aus dem Sparkonto in Welt-Aktien-ETFs zu schieben und entschied mich daher für Festgeld mit maximaler Länge (5 Jahre). Naja, schon weniger schlimm wie damals 2010, aber auch hier habe ich renditestarke Phasen an den Märkten verpasst. Bis dahin sind mir bestimmt schon mehr als 10000 € Opportunitätskosten entstanden.
Aber ich hatte in diesen Phasen einfach noch nicht genügend Ahnung bzw. genügend Erfahrung, daher akzeptiere ich das als abgeschrieben.
Nun ist es aber so, dass mir dieses Jahr schon wieder 1000 € durch die Lappen gegangen sind. Wie das? Naja, ich hab meine Steuererklärung zu früh gemacht. Gefühlt alles richtig gemacht: Möglichst früh die Erklärung einreichen, um möglichst früh das Geld zu bekommen, damit es möglichst früh im Markt ist. Aber hätte ich noch gewartet, hätte ich mein zu versteuerndes Einkommen aus den Jahren 2023 und 2024 angeben können und da hätte ich 1000 € mehr E-Auto-Prämie bekommen.
Zusätzlich habe ich für das Auto außerplanmäßig meinen Sparplan unterbrochen und meine Anteile verkauft in einer guten Marktlage. Nun kam das Auto aber zwei Monate später als angekündigt beim Händler an. Hätte ich das Geld um diese Zeitdauer länger im Markt gelassen, hätte ich über 2000 € mehr rausbekommen. Natürlich hätte ich die Anteile auch so früh verkauft, wenn ich gewusst hätte, dass das Auto später kommt, aber trotzdem …
Mich treiben diese Opportunitätskosten nicht in den Ruin und sie machen mich auch nicht unglücklich, aber es ist schon gemein! Das empfinde ich psychologisch als deutlich anstrengender, als wenn man schlechte Phasen durchleben muss. Das ist bei mir zwar bisher noch nicht vorgekommen, aber ich kenne mich gut genug, dass ich mich darüber eher freue (günstig Anteile kaufen usw.)
Was ist die Lösung, um diese Opportunitätskosten zu vermeiden?
Eigentlich recht simpel: Das Finanztip-Prinzip (oder auch Pantoffel-Portfolio der Stiftung Warentest usw.)! Geld, das in den Welt-ETF geht, muss dort bleiben (neudeutsch: buy `n´ hold). Geld, das man potenziell braucht (z.B. für den Kauf eines Autos), gehört sicher angelegt, z.B. auf ein Tagesgeldkonto. Natürlich hat man hier potenziell auch Opportunitätskosten, aber die tun nicht (so sehr) weh, weil man die Höhe des Notgroschens ja selbst – passend zur Lebenssituation – festlegt und sich bewusst dafür entscheidet, das Geld risikoarm anzulegen. Die entgangenen potenziellen Zinsen sind von Anfang an eingepreist und schmerzen daher auch nicht bzw. sehr wenig.
Die Sache mit der Steuererklärung und der Förderung kann ich wahrscheinlich unter der Kategorie "Pech" abheften. Klar, ich hätte es ahnen können, aber hatte ich eben nicht. Solche Dinge kann man wohl nicht vermeiden.
Diesen Aspekt zum Finanztip-Prinzip habe ich so jetzt noch nicht gehört / gelesen (zumindest erinnere ich mich nicht), daher dachte ich, dass ich das hier mal teile.