Steuererklärung Pflicht

Wer eine Steuererklärung einreichen muss

Udo Reuß Stand: 25. April 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Fiskus unterteilt die Steuerzahler in zwei Gruppen: 1. diejenigen, die eine Steuererklärung abgeben müssen, und 2. die, die das nicht müssen, aber oft freiwillig tun sollten, um sich zu viel bezahlte Steuern zurückzuholen.
  • Die freiwillige Abgabe einer Steuererklärung lohnt sich meist, wenn Sie Werbungskosten von mehr als 1.000 Euro, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen haben oder wenn Sie Handwerker und Dienstleister in Ihrem Haushalt arbeiten lassen.
  • Bei einer Abgabepflicht müssen Sie Ihre Steuererklärung bis Ende Juli des folgenden Jahres abgeben. Für die Steuererklärung 2018 ist der 31. Juli 2019 der Stichtag.
  • Geben Sie nicht oder verspätet ab, droht Ihnen ein Verspätungszuschlag.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie zuerst, ob Sie eine Steuerklärung abgeben müssen. Falls ja, dann gilt für Sie die gesetzliche Abgabefrist 31. Juli.
  • Merken Sie, dass Sie den Termin nicht schaffen, sollten Sie eine Fristverlängerung beantragen. Das Finanzamt gewährt diese, wenn Sie einen triftigen Grund haben wie eine längere Krankheit oder einen Umzug. Dabei können Sie unseren Musterbrief verwenden.

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  • Ihre Steuererklärung sollten Sie mithilfe eines Steuerprogramms erstellen. Wir empfehlen für die Steuererklärung 2018 folgende: Tax 2019 oder Quicksteuer 2019 für einfache Arbeitnehmerfälle, in komplexeren Situationen Wiso Steuer-Sparbuch 2019 oder Steuersparerklärung 2019 und bei den Online-Lösungen Wiso Steuer-Web oder Smartsteuer
  • Trauen Sie sich das nicht allein zu, können Sie damit einen Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater beauftragen. Dann verlängert sich die Abgabefrist bis Ende Februar des übernächsten Jahres. 

Die Einkommensteuererklärung auszufüllen, ist für viele Arbeitnehmer eine lästige Aufgabe. Doch viele müssen es tun. Für andere kann es sich lohnen, die Erklärung freiwillig abzugeben.

    Das Einkommensteuergesetz (EStG) unterscheidet zwischen der Pflichtveranlagung, bei der Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung gesetzlich verpflichtet sind, und der Antragsveranlagung, bei der Sie freiwillig eine Steuererklärung abgeben und damit zugleich einen Antrag auf die Einkommensteuerveranlagung stellen.

    Wann gilt die Abgabepflicht für Arbeitnehmer?

    Im Fall der freiwilligen Abgabe haben Sie nur die sogenannte Festsetzungsfrist zu beachten. Das heißt, spätestens vier Jahre nach dem Ende des Steuerjahres müssen Sie Ihre Erklärung beim Finanzamt abgegeben haben. Beispiel: Für die Steuererklärung 2018 haben Sie grundsätzlich bis zum 31. Dezember 2022 Zeit.

    Fällt das Jahresende auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, endet die Festsetzungsfrist aber erst um 24 Uhr des nächsten Werktags. Das hat der Bundesfinanzhof am 20. Januar 2016 entschieden (Az. VI R 14/15). Deshalb genügt es bei der Steuererklärung 2018, wenn diese am 2. Januar 2023 beim Finanzamt eingetroffen ist.

    Wer hingegen zur Abgabe verpflichtet ist, muss seine Erklärung ab dem Steuerjahr 2018 immer bis zum 31. Juli des Folgejahres abgeben. Die Abgabepflicht für Arbeitnehmer ist in Paragraf 46 EStG geregelt.

    Demnach müssen Sie dem Finanzamt eine Einkommensteuererklärung vorlegen, wenn

    • Sie Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug oder Lohnersatzleistungen (zum Beispiel Arbeitslosen-, Kurzarbeiter-, Kranken-, Mutterschafts-, Insolvenz- oder Elterngeld) von mehr als 410 Euro haben; dies gilt auch für Aufstockungsbeiträge zur Altersteilzeit;
    • Sie mehrere Arbeitslöhne nebeneinander beziehen (wenn also nach Lohnsteuerklasse VI abgerechnet wurde);
    • Sie und Ihr Ehegatte Arbeitslohn bezogen haben und die Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit einem eingetragenen Faktor hatten und Sie beide gearbeitet haben;
    • Sie Freibeträge beim Lohnsteuerabzug in Anspruch genommen haben;
    • Sie und Ihr Ehegatte nicht die Zusammenveranlagung wählen und nicht die standardmäßige hälftige Aufteilung für den Ausbildungsfreibetrag oder den Behindertenpauschbetrag wollen;
    • spezielle Fälle von Sonderzahlungen vorliegen (in diesem Fall ist die Lohnsteuerbescheinigung mit einem Kennbuchstaben markiert);
    • Sie Sonderzahlungen bekommen haben, im selben Jahr den Arbeitgeber gewechselt haben und der neue Arbeitgeber bei der Lohnsteuerberechnung die Werte der vorherigen Arbeitgeber nicht berücksichtigt hat;
    • Ihre Ehe geschieden wurde oder Ihr Partner verstorben ist und Sie beziehungsweise Ihr Ex-Partner im selben Jahr wieder heiraten;
    • auf der Lohnsteuerkarte ein Ehegatte berücksichtigt wurde, der im EU-Ausland lebt oder
    • Ihr Wohnsitz im Ausland ist und Sie unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland beantragt haben.

    Pensionäre mit mehr als 11.400 Euro Bezügen (für Ehepaare im Jahr 2018: 21.650 Euro) müssen ebenfalls eine Steuererklärung abgeben. Das gilt auch für Beamte, deren Vorsorgepauschale für das Gehalt höher war als ihre anzuerkennenden Versicherungsbeiträge

    Abgabepflichtig sind Sie auch dann, wenn Sie selbst kein Arbeitsentgelt beziehen, aber

    • Ihre steuerpflichtigen Einkünfte, etwa als Rentner, über dem Grundfreibetrag liegen. 2018 sind das 9.000 Euro pro Person (2019: 9.168 Euro). 102 Euro Werbungskostenpauschale oder höhere nachweisbare Kosten erhöhen diesen Betrag; ausschlaggebend ist bei Rentnern nur der Teil der Rente, der steuerpflichtig ist;
    • Ihr Ehe- oder Lebenspartner Arbeitnehmer ist und eine der oben genannten Voraussetzungen erfüllt oder
    • Sie einen Verlustvortrag geltend gemacht haben.

    Außerdem müssen Sie gemäß Paragraf 149 Abs. 1 Satz 2 Abgabenordnung eine Einkommensteuererklärung abgeben, wenn das Finanzamt Sie dazu auffordert – selbst wenn keine der oben genannten Voraussetzungen auf Sie zutrifft.

    So muss die Steuererklärung aussehen

    Sie müssen Ihre Steuererklärung nach dem amtlichen Vordruck erstellen und unterschreiben. Verwenden Sie Papierformulare, dann unterschreiben Sie und Ihr zusammen veranlagter Ehegatte auf dem Mantelbogen. Das regelt Paragraf 150 Abgabenordnung. Daraus geht auch hervor, dass Sie nicht zwingend die Originale verwenden müssen – eine ausgefüllte Kopie muss das Finanzamt nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs auch akzeptieren (22. Mai 2006, Az. VI R 15/02).

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    Welche Abgabefristen sollten Sie beachten?

    Die gesetzliche Abgabefrist für die Einkommensteuererklärung endet mit dem 31. Juli des Folgejahres. Eine Verlängerung ist in Ausnahmefällen möglich, wenn Sie einen Antrag beim Finanzamt stellen und Ihren Wunsch begründen. Eine neue Frist bis zum 30. November könnte die Behörde Ihnen durchaus einräumen.

    Ohne Antrag gewährt die Behörde eine Fristverlängerung sogar bis Ende Februar des übernächsten Jahres, sofern Sie Ihre Steuererklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein anfertigen lassen. 

    Wann sollten Sie eine Fristverlängerung beantragen?

    Falls Sie merken, dass Sie Ihre Steuererklärung nicht fristgerecht abgeben können, sollten Sie beim Finanzamt rechtzeitig um Aufschub bitten. Eine Fristverlängerung für wenige Wochen, möglicherweise sogar bis Ende November, ist möglich, wenn Sie dem Finanzamt nachvollziehbare Gründe liefern. Eine längere Krankheit, fehlende Unterlagen oder ein Umzug könnten solche sein. Ob der Finanzbeamte eine Arbeitsüberbelastung als Grund akzeptiert, ist fraglich. 

    Die Fristverlängerung sollten Sie schriftlich beantragen. Das geht per Post, Einwurf in den Briefkasten der Behörde, per Fax oder über das Elster-Portal. Teilt das Finanzamt auf Schreiben oder Bescheiden seine E-Mail-Adresse mit, dann können Sie den Antrag auch mailen.

    Um den Aufschub zu erhalten, sollten Sie den Antrag begründen. Unser Musterbrief kann Ihnen bei der Formulierung helfen.

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    Sie haben jedoch keinen Rechtsanspruch auf eine Fristverlängerung. 

    Wann droht ein Verspätungszuschlag?

    Ohne ein Druckmittel des Finanzamts würden sicherlich viele Steuerzahler ihre Einkommensteuererklärung nicht fristgerecht abgeben. Doch die Behörde hat Sanktionsmöglichkeiten (§ 152 AO).

    Sie kann gegen denjenigen, der seiner Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung nicht oder nicht fristgemäß nachkommt, einen Verspätungszuschlag festsetzen. Sie kann aber von dem Zuschlag absehen, wenn die Versäumnis entschuldbar erscheint. Der Verspätungszuschlag darf höchstens 25.000 Euro betragen.

    Das Gesetz, das ab der Steuererklärung 2018 eine spätere Abgabe vorsieht, verschärft aber die Sanktionen: Das Finanzamt wird strenger, wenn Sie den Termin versäumen. Bislang hatten Finanzbeamte einen großen Ermessensspielraum, ob sie einen Verspätungszuschlag festsetzen und wenn ja, wie hoch dieser ausfällt. Nun gilt: Geben Sie Ihre Steuererklärung 2018 erst im März 2020 oder später ab, dann muss das Finanzamt auf jeden Fall einen Zuschlag von mindestens 25 Euro pro angefangenem Säumnis-Monat verlangen (automatischer Verspätungszuschlag).

    Bei verspäteter Abgabe zwischen August 2018 und Februar 2019 haben Finanzbeamte die Möglichkeit, keinen oder einen geringeren Verspätungszuschlag festzusetzen. In solchen Fällen bleibt es beim Ermessen. Außerdem kann das Finanzamt Ihnen darüber hinaus ein Zwangsgeld aufbrummen, um Sie zur Abgabe der Steuererklärung zu bewegen.

    Tatsächlich machen viele Finanzämter von der Festsetzung eines Verspätungszuschlags zügig Gebrauch – insbesondere bei den Voranmeldungen für Umsatz- und Lohnsteuer. Sicherer und häufig auch besser ist es, die Steuererklärung schnell abzugeben. Die günstigen Steuerprogramme und die von der Finanzverwaltung bereitgestellten elektronischen Hilfen zur Steuererklärung (Elster-Formular und Elster-Portal) erleichtern diese für viele Steuerzahler unangenehme Aufgabe.

    Wann lohnt sich die freiwillige Veranlagung?

    Wenn Sie nicht verpflichtet sind, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, kann es trotzdem sinnvoll sein, sie freiwillig abzugeben und damit die Veranlagung zur Einkommensteuer zu beantragen. Das gilt vor allem dann, wenn Sie aufgrund besonderer Umstände mit einer Einkommensteuer-Erstattung rechnen können, zum Beispiel

    Spät abgeben und hohe Zinsen kassieren

    Steuerzahler, die nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, können bis zu vier Jahre nach Ablauf des Steuerjahres eine Erklärung beim Finanzamt einreichen. Ab dem 15. Monat nach Ende des Steuerjahres beginnt ein sogenannter Zinslauf. Bei einer Steuererstattung erhalten Sie ab diesem Zeitpunkt für jeden vollen Monat 0,5 Prozent Zinsen vom Finanzamt – macht 6 Prozent in einem Jahr. 

    Wer muss die Steuererklärung elektronisch abgeben?

    Elster bietet die Möglichkeit, die Einkommensteuererklärung elektronisch via Internet an das Finanzamt zu übermitteln. Dazu können Sie Elster-Formular verwenden, das kostenlose Steuerprogramm der deutschen Finanzverwaltung – allerdings letztmals für die Steuererklärung 2019. Danach bietet die Finanzverwaltung nur noch die Online-Steuererklärung im Elster-Portal an.

    Zusätzliche Pflichten gibt es bei unternehmerischen Einkünften: Wer Einkünfte aus einer selbstständigen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Tätigkeit bezieht, für den gilt nicht nur die Pflichtveranlagung zum 31. Juli. Zudem muss derjenige die Steuererklärungen elektronisch authentifiziert über Elster abgeben.

    Dazu müssen Sie sich, wenn Sie betroffen sind, im Elster-Portal registrieren und Ihre Steuererklärung elektronisch übermitteln. Mit einer Zertifikatsdatei weisen Sie sich als berechtigt aus. Das ist praktisch eine elektronische Unterschrift. Möglich ist die elektronische Übermittlung auch mit einem kommerziellen Steuerprogramm, das die Daten an die Elster-Schnittstelle schickt.

    Wenn Sie als Arbeitnehmer aus einer selbstständigen oder gewerblichen Nebentätigkeit nicht mehr als 410 Euro Gewinn erzielen, dann dürfen Sie auf Papier abgeben – ansonsten elektronisch. 

    Den meisten empfehlen wir, die Steuererklärung mithilfe eines kostenpflichtigen Steuerprogramms zu erstellen. Diese beinhalten Tipps zum Steuersparen und erleichtern das Ausfüllen der erforderlichen Formulare. Im Ratgeber Steuersoftware erfahren Sie, welche Programme sich für die unterschiedlichen Zielgruppen und Situationen am besten eignen.

    Mehr dazu im Ratgeber Steuersoftware

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    Autor
    Udo Reuß

    Stand: 25. April 2019


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