Steuererklärung Pflicht

Wer eine Steuererklärung einreichen muss

Udo Reuß 05. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Fiskus unterteilt die Steuerzahler in zwei Gruppen: 1. diejenigen, die eine Steuererklärung abgeben müssen, und 2. die, die das nicht müssen, aber oft freiwillig tun sollten, um sich zu viel bezahlte Steuern zurückzuholen.
  • Die freiwillige Abgabe einer Steuererklärung lohnt sich meist, wenn Du Werbungskosten von mehr als 1.000 Euro, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen hast oder wenn Du Handwerker und Dienstleister in Deinem Haushalt arbeiten lässt.
  • Bei einer Abgabepflicht musst Du Deine Steuererklärung bis Ende Juli des folgenden Jahres abgeben. Für die Steuererklärung 2019 ist der 31. Juli 2020 der Stichtag.
  • Gibst Du nicht oder verspätet ab, droht Dir ein Verspätungszuschlag.
So gehst Du vor
  • Prüfe zuerst, ob Du eine Steuerklärung abgeben musst. Falls ja, dann gilt für Dich die gesetzliche Abgabefrist 31. Juli.
  • Merkst Du, dass Du den Termin nicht schaffst, solltest Du eine Fristverlängerung beantragen. Das Finanzamt gewährt diese, wenn Du einen triftigen Grund hast wie eine längere Krankheit oder einen Umzug. Dabei kannst Du unseren Musterbrief verwenden.

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  • Deine Steuererklärung solltest Du mithilfe eines Steuerprogramms erstellen. Unsere aktuellen Empfehlungen findest Du im Ratgeber Steuersoftware.
  • Traust Du Dir das nicht allein zu, kannst Du damit einen Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater beauftragen. Dann verlängert sich die Abgabefrist bis Ende Februar des übernächsten Jahres. 

Die Einkommensteuererklärung auszufüllen, ist für viele Arbeitnehmer eine lästige Aufgabe. Doch viele müssen es tun. Für andere kann es sich lohnen, die Erklärung freiwillig abzugeben.

    Das Einkommensteuergesetz (EStG) unterscheidet zwischen der Pflichtveranlagung, bei der Du zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung gesetzlich verpflichtet bist, und der Antragsveranlagung, bei der Du freiwillig eine Steuererklärung abgibst und damit zugleich einen Antrag auf die Einkommensteuerveranlagung stellst.

    Wann gilt die Abgabepflicht für Arbeitnehmer?

    Im Fall der freiwilligen Abgabe hast Du nur die sogenannte Festsetzungsfrist zu beachten. Das heißt, spätestens vier Jahre nach dem Ende des Steuerjahres musst Du Deine Erklärung beim Finanzamt abgegeben haben. Beispiele: Für die Steuererklärung 2018 hast Du grundsätzlich bis zum 31. Dezember 2022 Zeit. Für die Steuererklärung 2019 grundsätzlich bis zum 31. Dezember 2023.

    Fällt das Jahresende auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, endet die Festsetzungsfrist aber erst um 24 Uhr des nächsten Werktags. Das hat der Bundesfinanzhof am 20. Januar 2016 entschieden (Az. VI R 14/15). Deshalb genügt es bei der Steuererklärung 2018, wenn diese am 2. Januar 2023 beim Finanzamt eingetroffen ist und bei der Steuererklärung 2019 am 2. Januar 2024.

    Wer hingegen zur Abgabe verpflichtet ist, muss seine Erklärung ab dem Steuerjahr 2018 immer bis zum 31. Juli des Folgejahres abgeben. Die Abgabepflicht für Arbeitnehmer ist in Paragraf 46 EStG geregelt.

    Demnach musst Du dem Finanzamt eine Einkommensteuererklärung vorlegen, wenn

    • Du Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug oder Lohnersatzleistungen (zum Beispiel Arbeitslosen-, Kurzarbeiter-, Kranken-, Mutterschafts-, Insolvenz- oder Elterngeld) von mehr als 410 Euro hast; dies gilt auch für Aufstockungsbeiträge zur Altersteilzeit;
    • Du mehrere Arbeitslöhne nebeneinander beziehst (wenn also nach Lohnsteuerklasse VI abgerechnet wurde);
    • Du und Dein Ehegatte Arbeitslohn bezogen und die Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit einem eingetragenen Faktor habt und Ihr beide gearbeitet habt;
    • Du Freibeträge beim Lohnsteuerabzug in Anspruch genommen hast;
    • Du und Dein Ehegatte nicht die Zusammenveranlagung wählen und nicht die standardmäßige hälftige Aufteilung für den Ausbildungsfreibetrag oder den Behindertenpauschbetrag wollen;
    • spezielle Fälle von Sonderzahlungen vorliegen (in diesem Fall ist die Lohnsteuerbescheinigung mit einem Kennbuchstaben markiert);
    • Du Sonderzahlungen bekommen hast, im selben Jahr den Arbeitgeber gewechselt hast und der neue Arbeitgeber bei der Lohnsteuerberechnung die Werte der vorherigen Arbeitgeber nicht berücksichtigt hat;
    • Deine Ehe geschieden wurde oder Dein Partner verstorben ist und Du beziehungsweise Dein Ex-Partner im selben Jahr wieder heiraten;
    • auf der Lohnsteuerkarte ein Ehegatte berücksichtigt wurde, der im EU-Ausland lebt oder
    • Dein Wohnsitz im Ausland ist und Du unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland beantragt hast.

    Pensionäre mit mehr als 11.600 Euro Bezügen (für Ehepaare im Jahr 2019: 22.050 Euro) müssen ebenfalls eine Steuererklärung abgeben. Das gilt auch für Beamte, deren Vorsorgepauschale für das Gehalt höher war als ihre anzuerkennenden Versicherungsbeiträge

    Abgabepflichtig bist Du auch dann, wenn Du selbst kein Arbeitsentgelt beziehst, aber

    • Deine steuerpflichtigen Einkünfte, etwa als Rentner, über dem Grundfreibetrag liegen. 2019 sind das 9.168 Euro pro Person. 102 Euro Werbungskostenpauschale oder höhere nachweisbare Kosten erhöhen diesen Betrag; ausschlaggebend ist bei Rentnern nur der Teil der Rente, der steuerpflichtig ist;
    • Dein Ehe- oder Lebenspartner Arbeitnehmer ist und eine der oben genannten Voraussetzungen erfüllt oder
    • Du einen Verlustvortrag geltend gemacht hast.

    Außerdem musst Du gemäß Paragraf 149 Abs. 1 Satz 2 Abgabenordnung eine Einkommensteuererklärung abgeben, wenn das Finanzamt Dich dazu auffordert – selbst wenn keine der oben genannten Voraussetzungen auf Dich zutrifft.

    So muss die Steuererklärung aussehen

    Du musst Deine Steuererklärung nach dem amtlichen Vordruck erstellen und unterschreiben. Verwendest Du Papierformulare, dann unterschreiben Du und Dein zusammen veranlagter Ehegatte auf dem Hauptvordruck. Das regelt Paragraf 150 Abgabenordnung. Daraus geht auch hervor, dass Du nicht zwingend die Originale verwenden musst – eine ausgefüllte Kopie muss das Finanzamt nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs auch akzeptieren (22. Mai 2006, Az. VI R 15/02).

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    Welche Abgabefristen solltest Du beachten?

    Die gesetzliche Abgabefrist für die Einkommensteuererklärung endet mit dem 31. Juli des Folgejahres. Eine Verlängerung ist in Ausnahmefällen möglich, wenn Du einen Antrag beim Finanzamt stellst und Deinen Wunsch begründest. Eine neue Frist bis zum 30. November könnte die Behörde Dir durchaus einräumen.

    Ohne Antrag gewährt die Behörde eine Fristverlängerung sogar bis Ende Februar des übernächsten Jahres, sofern Du Deine Steuererklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein anfertigen lässt. 

    Wann solltest Du eine Fristverlängerung beantragen?

    Falls Du merkst, dass Du Deine Steuererklärung nicht fristgerecht abgeben kannst, solltest Du beim Finanzamt rechtzeitig um Aufschub bitten. Eine Fristverlängerung für wenige Wochen, möglicherweise sogar bis Ende November, ist möglich, wenn Du dem Finanzamt nachvollziehbare Gründe lieferst. Eine längere Krankheit, fehlende Unterlagen oder ein Umzug könnten solche sein. Ob der Finanzbeamte eine Arbeitsüberbelastung als Grund akzeptiert, ist fraglich. 

    Die Fristverlängerung solltest Du schriftlich beantragen. Das geht per Post, Einwurf in den Briefkasten der Behörde, per Fax oder über das Elster-Portal. Teilt das Finanzamt auf Schreiben oder Bescheiden seine E-Mail-Adresse mit, dann kannst Du den Antrag auch mailen.

    Um den Aufschub zu erhalten, solltest Du den Antrag begründen. Unser Musterbrief kann Dir bei der Formulierung helfen.

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    Du hast jedoch keinen Rechtsanspruch auf eine Fristverlängerung. 

    Wann droht ein Verspätungszuschlag?

    Ohne ein Druckmittel des Finanzamts würden sicherlich viele Steuerzahler ihre Einkommensteuererklärung nicht fristgerecht abgeben. Doch die Behörde hat Sanktionsmöglichkeiten (§ 152 AO).

    Sie kann gegen denjenigen, der seiner Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung nicht oder nicht fristgemäß nachkommt, einen Verspätungszuschlag festsetzen. Sie kann aber von dem Zuschlag absehen, wenn das Versäumnis entschuldbar erscheint. Der Verspätungszuschlag darf höchstens 25.000 Euro betragen.

    Das Gesetz, das ab der Steuererklärung 2018 eine spätere Abgabe vorsieht, verschärft aber die Sanktionen: Das Finanzamt wird strenger, wenn Du den Termin versäumst. Bislang hatten Finanzbeamte einen großen Ermessensspielraum, ob sie einen Verspätungszuschlag festsetzen und wenn ja, wie hoch dieser ausfällt. Nun gilt: Gibst Du Deine Steuererklärung 2018 erst im März 2020 oder später ab, dann muss das Finanzamt auf jeden Fall einen Zuschlag von mindestens 25 Euro pro angefangenem Säumnis-Monat verlangen (automatischer Verspätungszuschlag).

    Bei verspäteter Abgabe zwischen August 2018 und Februar 2019 haben Finanzbeamte die Möglichkeit, keinen oder einen geringeren Verspätungszuschlag festzusetzen. In solchen Fällen bleibt es beim Ermessen. Außerdem kann das Finanzamt Dir darüber hinaus ein Zwangsgeld aufbrummen, um Dich zur Abgabe der Steuererklärung zu bewegen.

    Tatsächlich machen viele Finanzämter von der Festsetzung eines Verspätungszuschlags zügig Gebrauch – insbesondere bei den Voranmeldungen für Umsatz- und Lohnsteuer. Sicherer und häufig auch besser ist es, die Steuererklärung schnell abzugeben. Die günstigen Steuerprogramme und die von der Finanzverwaltung bereitgestellten elektronischen Hilfen zur Steuererklärung (Elster-Formular und Elster-Portal) erleichtern diese für viele Steuerzahler unangenehme Aufgabe.

    Wann lohnt sich die freiwillige Veranlagung?

    Wenn Du nicht verpflichtet bist, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, kann es trotzdem sinnvoll sein, sie freiwillig abzugeben und damit die Veranlagung zur Einkommensteuer zu beantragen. Das gilt vor allem dann, wenn Du aufgrund besonderer Umstände mit einer Einkommensteuer-Erstattung rechnen kannst, zum Beispiel

    Spät abgeben und hohe Zinsen kassieren

    Steuerzahler, die nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, können bis zu vier Jahre nach Ablauf des Steuerjahres eine Erklärung beim Finanzamt einreichen. Ab dem 15. Monat nach Ende des Steuerjahres beginnt ein sogenannter Zinslauf. Bei einer Steuererstattung erhältst Du ab diesem Zeitpunkt für jeden vollen Monat 0,5 Prozent Zinsen vom Finanzamt – macht 6 Prozent in einem Jahr. 

    Achtung: In dem Jahr, in dem Du die Steuerzinsen vom Finanzamt erhältst, bist Du zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Das heißt, Du kannst den Trick mit der späten Abgabe in diesem Jahr nicht mehr nutzen. Am 29. November 2019 verabschiedete der Bundesrat das Jahressteuergesetz 2019. Dieses schreibt nun explizit vor, dass Arbeitnehmer, die Kapitaleinkünfte ohne Steuerabzug erhalten haben, künftig immer eine Steuererklärung abgeben müssen, selbst wenn sie nur geringe Einkünfte haben (§ 32d Abs. 3 Satz 3 EStG). 

    Für die meisten Selbstständigen und Gewerbetreibenden gibt es ohnehin eine Abgabepflicht, sodass sie die Abgabe nicht hinauszögern dürfen.

    Wer muss die Steuererklärung elektronisch abgeben?

    Elster bietet die Möglichkeit, die Einkommensteuererklärung elektronisch via Internet an das Finanzamt zu übermitteln. Dazu kannst Du Elster-Formular verwenden, das kostenlose Steuerprogramm der deutschen Finanzverwaltung – allerdings letztmals für die Steuererklärung 2019. Danach bietet die Finanzverwaltung nur noch die Online-Steuererklärung im Elster-Portal an.

    Zusätzliche Pflichten gibt es bei unternehmerischen Einkünften: Wer Einkünfte aus einer selbstständigen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Tätigkeit bezieht, für den gilt nicht nur die Pflichtveranlagung zum 31. Juli. Zudem muss derjenige die Steuererklärungen elektronisch authentifiziert über Elster abgeben.

    Dazu musst Du Dich, wenn Du betroffen bist, im Elster-Portal registrieren und Deine Steuererklärung elektronisch übermitteln. Mit einer Zertifikatsdatei weist Du Dich als berechtigt aus. Das ist praktisch eine elektronische Unterschrift. Möglich ist die elektronische Übermittlung auch mit einem kommerziellen Steuerprogramm, das die Daten an die Elster-Schnittstelle schickt.

    Wenn Du als Arbeitnehmer aus einer selbstständigen oder gewerblichen Nebentätigkeit nicht mehr als 410 Euro Gewinn erzielst, dann darfst Du auf Papier abgeben – ansonsten elektronisch. 

    Den meisten empfehlen wir, die Steuererklärung mithilfe eines kostenpflichtigen Steuerprogramms zu erstellen. Diese beinhalten Tipps zum Steuersparen und erleichtern das Ausfüllen der erforderlichen Formulare. Im Ratgeber Steuersoftware erfährst Du, welche Programme sich für die unterschiedlichen Zielgruppen und Situationen am besten eignen.

    Mehr dazu im Ratgeber Steuersoftware

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