Steu­er­er­klä­rung Frist

Am 2. August 2021 endet die Frist für die Steu­er­er­klä­rung 2020

Udo Reuß 08. Februar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer verpflichtet ist, eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben, muss die Formulare bis zum 31. Juli des Folgejahres beim Finanzamt einreichen. Für das Steuerjahr 2020 endet die Frist ausnahmsweise am 2. August 2021.
  • Lässt Du Dir von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein helfen, verlängert sich die Abgabefrist auf den letzten Februartag des übernächsten Jahres.
  • Versäumst Du die Frist, musst Du mit Sanktionen rechnen. Möglich sind Verspätungszuschlag, Zwangsgeld, Steuerschätzung und Zinsen.
So gehst Du vor
  • Hindert Dich eine längere Krankheit oder hast Du einen ähnlichen triftigen Grund, beantrage beim Finanzamt schriftlich eine Fristverlängerung. Bei der Formulierung hilft Dir unser Musterbrief unten.

 

Der 31. Mai hat sich über Jahrzehnte bei Steuerzahlern als festes Datum eingeprägt. Seit 2019 darfst Du Dir dauerhaft ein neues Datum merken: den 31. Juli. Das ist die neue allgemeine Abgabefrist für jährliche Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rungen. Doch für die zwei Monate mehr Zeit gibt es im Gegenzug Verschärfungen bei einer verspäteten Abgabe.

    Wer muss eine Steu­er­er­klä­rung abgeben?

    Diese Abgabefrist gilt nur für Bürger, die zur Abgabe einer Steu­er­er­klä­rung verpflichtet sind. Dazu gehörst Du, wenn 

    • Du einen individuellen Freibetrag auf Deiner elektronischen Lohnsteuerkarte (Elstam) hast (Ausnahme: Behinderten-Pauschbetrag). Dadurch führt Dein Arbeitgeber monatlich etwas weniger Lohnsteuer für Dich ab.
    • Du verheiratet bist und Dich mit Deinem Partner zusammenveranlagen lässt und Ihr die Steuerklassenkombination 3 und 5 beziehungsweise 4 mit Faktor habt oder
    • wenn einer von Euch die Steuerklasse 6 hat.
    • Du im Jahr mehr als 410 Euro an Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen-, Kranken-, Eltern- oder Kurzarbeitergeld erhalten hast.
    • Du als Arbeitnehmer neben dem Arbeitslohn weitere Einkünfte von mehr als 410 Euro hast, zum Beispiel Vermietungseinkünfte.
    • Deine steuerpflichtigen Einkünfte noch nicht versteuert wurden, zum Beispiel aus einer selbstständigen Tätigkeit.

    Dies kann auch für Rentner gelten, wenn ihre steuerpflichtigen Einkünfte den Grundfreibetrag übersteigen.

    Auch wenn das Finanzamt Dich dazu auffordert, eine Erklärung einzureichen, musst Du die gesetzte Frist einhalten. Wenn Du dann nicht pünktlich Deine Unterlagen ablieferst, droht Dir ein Verspätungszuschlag.

    Im ersten Schritt solltest Du daher prüfen, ob Du eine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung abgeben musst. Der Ratgeber Abgabepflicht hilft Dir dabei. 

    Falls Du nicht dazu verpflichtet bist, dann hast Du deutlich mehr Zeit und musst weder Verspätungszuschlag noch Zwangsgeld oder Steuerschätzung fürchten.

    Wann musst Du die Steu­er­er­klä­rung abgeben?

    Erstmals für Steuerklärungen, die ab 2019 abzugeben sind, gelten neue Abgabefristen. Die neuen Regeln gelten demnach ab der Steu­er­er­klä­rung 2018. 

    Abgabefrist 31. Juli ohne Berater 

    Für die Steu­er­er­klä­rung 2020 endet die allgemeine gesetzliche Abgabefrist für Steuerpflichtige, die sich nicht vom Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein beraten lassen, eigentlich am 31. Juli 2021. Weil dies aber ein Samstag ist, verlängert sich die Frist ausnahmsweise bis zum nächsten Werktag, also bis zum 2. August 2021. Bis dahin muss die Steu­er­er­klä­rung beim Finanzamt eingetroffen sein.

    Das gilt unabhängig davon, ob Du Papierformulare ausfüllst oder die Erklärung elektronisch übermittelst. Dazu kannst Du „Mein Elster“ von der Finanzverwaltung oder ein anderes Steuerprogramm nutzen. Als registrierter Nutzer erstellst Du Deine Steu­er­er­klä­rung im Elster-Portal und kannst diese authentifiziert übermitteln, also elektronisch unterschrieben. Das ist dann komplett papierlos und kostenlos. Doch auf Steuerspartipps und Komfort musst Du dort weitgehend verzichten. Anders ist dies mit Steuersoftware, die Du bereits zum regulären Preis ab 15 Euro kaufen kannst. Du entscheidest, ob Du die Erklärung elektronisch via Elster oder postalisch versendest.

    Spätere Abgabefrist mit Berater 

    Überfordert Dich die Erstellung und rechtzeitige Abgabe der Steu­er­er­klä­rung, dann ist eine professionelle Unterstützung eine Möglichkeit. Ein Steuerberater darf alle beraten, ein Lohnsteuerhilfeverein hingegen nur Arbeitnehmer und Rentner.

    Wer sich professionelle Hilfe beim Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein holt, bekommt automatisch sieben Monate Aufschub. So gilt grundsätzlich der letzte Februartag des übernächsten Jahres als Abgabefrist für Steuerpflichtige, die sich beraten lassen. Für die Steu­er­er­klä­rung 2020 gilt der 28. Februar 2022 als Abgabefrist. 

    Für die Steu­er­er­klä­rung 2019 können vom Steuerprofi Beratene von einer Ausnahmeregelung profitieren. Wegen der Corona-Pandemie sind Steuerkanzleien mit deutlicher Mehrarbeit belastet. Der Gesetzgeber hat daher beschlossen, dass die Steu­er­er­klä­rungsfrist ausnahmsweise sechs Monate später, also erst am 31. August 2021 endet. Außerdem wird die regulär 15-monatige zinsfreie Karenzzeit um sechs Monate verlängert. Folglich beginnt der Zinslauf für Erstattungs- und Nachzahlungszinsen erst am 1. Oktober 2021.

    Allerdings darf das Finanzamt vorab vom Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein die Abgabe einer Steu­er­er­klä­rung verlangen. 

    Grundsätzlich kann die Behörde schriftlich einen individuellen Termin setzen. So kann sie beispielsweise einen Rentner anschreiben und ihn zur Abgabe bis zur gesetzten Frist auffordern. Solche Fristen sind verbindlich.

    Die neuen Abgabefristen gelten für die Einkommen-, Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuer. Sie wurden im Steuermodernisierungsgesetz festgelegt.

    Lässt sich die Abgabefrist verlängern? 

    Noch mehr Zeit gibt es nur in Ausnahmefällen. Kannst Du absehen, dass Du den Termin nicht einhalten können, solltest Du vorher beim zuständigen Finanzamt schriftlich eine Fristverlängerung beantragen

    Du solltest Deinen Antrag begründen und einen neuen Termin nennen. Eine längere Krankheit, ein Auslandsaufenthalt oder ein Umzug sind Gründe, die Finanzbeamte normalerweise akzeptieren. Bitte das Finanzamt, die Fristverlängerung zu bestätigen. Du bist allerdings auf die Kulanz angewiesen und hast keinen Anspruch darauf.

    Bekommst Du zeitlichen Aufschub, dann gib bis dahin die Steu­er­er­klä­rung ab. Sobald die Frist abgelaufen ist, bist Du im Verzug und musst mit Sanktionen rechnen.

    Um eine Fristverlängerung zu erhalten, solltest Du den Antrag begründen. Unser Musterbrief kann Dir bei der Formulierung helfen.

    Zum Download

    Was passiert, wenn Du die Frist versäumst?

    Die späteren Abgabefristen haben ihren Preis. Der Fiskus wird strenger, wenn Du den Termin nicht einhältst. Bislang hatten Finanzbeamte einen großen Ermessensspielraum, ob sie einen Verspätungszuschlag festsetzen und wie hoch dieser ausfällt. Das ändert sich. Die neuen Regeln gelten für Steu­er­er­klä­rungen, die ab 2019 abzugeben sind; also erstmals für die Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung 2018. 

    Ein Verspätungszuschlag ist eine Geldstrafe des Finanzamts, wenn Du eine Steu­er­er­klä­rung nicht oder zu spät abgibst. Diesen musst Du zusätzlich zur fälligen Steuer bezahlen. Gesetzlich geregelt ist der Verspätungszuschlag in Paragraf 152 Abgabenordnung

    Demnach gibt es den Ermessensspielraum nur noch dann, wenn Du die Steu­er­er­klä­rung spätestens innerhalb von 14 Monaten nach Ablauf des Steuerjahres abgegeben hast. Bis dahin kann, danach muss das Finanzamt einen Verspätungszuschlag verlangen. Und auch die Höhe ist gesetzlich geregelt: Der automatische Verspätungszuschlag beträgt 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, aber mindestens 25 Euro pro angefangenem Monat.

    Beispiel: Ein Steuerzahler muss bis zum 31. Juli 2019 eine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung 2018 abgeben. Er beantragt keine Fristverlängerung und reicht die Erklärung erst im März 2020 ein. Von August 2019 bis März 2020 sind es acht Monate Verspätung. Das Finanzamt muss deshalb mindestens 200 Euro als Verspätungszuschlag festsetzen.

    In bestimmten Fällen darf das Finanzamt selbst entscheiden: Ergibt der Steuerbescheid, dass Dir eine Steuererstattung zusteht, die Steuer mit 0 Euro festgesetzt wird oder Deine Abgabefrist verlängert wurde, kann das Finanzamt auf den Verspätungszuschlag verzichten. 

    Es kann darüber hinaus noch weitere Sanktionen verhängen: Zwangsgeld, Steuerschätzung und Verspätungszinsen.

    Du kannst Dich mit einem Einspruch innerhalb eines Monats wehren. Auch bei einer Steuerschätzung bleibst Du weiterhin verpflichtet, eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben.

    Bis wann kannst Du eine freiwillige Steu­er­er­klä­rung abgeben?

    Was viele nicht wissen: Viele Arbeitnehmer sind gar nicht dazu verpflichtet, eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben. Das betrifft beispielsweise Ehepartner, die beide die Steuerklasse 4 haben. In solchen Fällen bleiben vier Jahre Zeit, eine freiwillige Steu­er­er­klä­rung abzugeben.

    Dazu ein Beispiel: Für das Jahr 2020 gilt Silvester 2024 als Stichtag. Bis zum 31. Dezember 2024 muss die Steu­er­er­klä­rung beim Finanzamt eingetroffen sein, entweder als Papierformular im Behörden-Briefkasten oder elektronisch via Elster. Im Finanzamts-Deutsch ist von der vierjährigen Festsetzungsverjährungsfrist die Rede. Wer diese versäumt, kann danach keine Steuererstattung mehr erwarten. 

    Die freiwillige Steu­er­er­klä­rung heißt im Formular übrigens „Antragsveranlagung“. Diese nannte sich früher Lohnsteuerjahresausgleich. Den gibt es zwar noch, doch heute ist damit ein anderes Verfahren gemeint: eine Korrektur der tatsächlich abgeführten Lohnsteuer, die der Arbeitgeber mit der Lohnabrechnung im Dezember durchführt.

    Tipp: Die späte Abgabe einer Steu­er­er­klä­rung kann sich besonders lohnen, wenn Du zusätzlich zur Steuererstattung auch mit Zinsen vom Finanzamt rechnen kannst. Oft erhalten Steuerpflichtige erst nach Jahren zu viel bezahlte Steuern zurück, beispielsweise nach einem Finanzgerichtsurteil, das zu ihren Gunsten ergangen ist.

    15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahrs (Karenzzeit), in dem die Steuer entstanden ist, beginnt der Fiskus stattliche Zinsen auf die Steuererstattung zu zahlen: 0,5 Prozent für jeden vollen Monat, also 6 Prozent im Jahr. Aber Achtung: Diesen Zinssatz musst Du auch zahlen, wenn das Finanzamt Dich zu Nachzahlungen verdonnert. 

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