Hilfe für Selbstständige & Unternehmen während der Corona-Krise

Corona: Wie Selbstständige und Unternehmen die Krise überbrücken

Dirk Eilinghoff Stand: 03. April 2020

Hunderttausende Selbstständige bangen in der Corona-Krise um ihre Existenz, Millionen Arbeitsplätze sind in Gefahr. Bund und Länder haben inzwischen eine Vielzahl von Hilfsprogrammen auf den Weg gebracht. Welche Hilfen können Sie jetzt bekommen? Wer ist Ihr Ansprechpartner dafür? Finanztip gibt Ihnen einen aktuellen Überblick.

Wir haben in diesem Artikel die Antworten auf die wichtigsten Fragen für Selbstständige für Sie zusammengestellt. Was das Coronavirus und Covid-19 ansonsten für Ihre Finanzen bedeuten, lesen Sie hier.

Diese Hilfen können Sie bekommen

Zuschüsse als Soforthilfe

Wenn Ihnen wegen der Corona-Maßnahmen Aufträge und Umsatz weggebrochen sind, sollten Sie zunächst schauen, ob der Staat mit einem Zuschuss einspringt. Einen Zuschuss müssen Sie nicht zurückzahlen. Er belastet also Ihr Unternehmen auch nicht zusätzlich, wenn die Corona-Krise irgendwann wieder vorbei ist. Eine Aufstellung von Zuschussprogrammen finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Kredite für Selbstständige und Unternehmen

Etwas weniger vorteilhaft sind staatlich geförderte Kredite: Dabei bekommen Sie zwar ebenfalls Geld in die Hand, doch müssen Sie einen Großteil davon später zurückzahlen. Das belastet Sie oder Ihr Unternehmen dann, wenn sich die Lage wieder normalisiert hat. Selbst wenn Sie also wieder Ihren Vor-Corona-Umsatz erreichen, kommt am Ende weniger Geld bei Ihnen an als vor der Krise. Trotzdem lohnt es sich, auch die Kreditprogramme zu prüfen. Eine Aufstellung von Kreditprogrammen finden Sie ebenfalls am Ende dieses Beitrags.

Bürgschaften

Eine weitere Form der staatlichen Hilfe sind Ausfallbürgschaften. Mit diesen Bürgschaften übernehmen Förderbanken einen großen Teil des Risikos, wenn eine andere Bank einen Kredit vergibt. Das soll es gerade kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Freiberuflern erleichtern, einen Kredit von ihrer Hausbank zu bekommen.

Kurzarbeit wegen Corona

Neben diesen Finanzierunghilfen ist es wichtig, die Ausgaben Ihres Unternehmens zu verringern. Wichtigstes Mittel, wenn Sie Arbeitnehmer haben, ist Kurzarbeit. Damit passen Sie Ihre Personalkapazitäten (und -kosten) an den verringerten Bedarf an. Gleichzeitig zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass es perspektivisch wieder aufwärts gehen soll. Weiterführende Links zur Kurzarbeit finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Neu: Tenhagens Corona-Podcast

Steuern

Ein letzter wichtiger Hebel bei der Ausgabenkürzung sind die Steuern. In der Krise heißt es, möglichst kein Geld unnötig aus der Hand zu geben. Bei den Steuern heißt das: Vorauszahlungen runter, Stundung absehbarer oder bereits fälliger Steuern. Diese beiden Maßnahmen können Sie direkt mit dem Finanzamt oder mit Ihrem Steuerberater auf den Weg bringen. Von sich aus verzichten die Finanzamter bis Ende des Jahres darauf, überfälligen Steuerschulden zu vollstrecken. Weitere Erläuterungen zu steuerlichen Maßnahmen gibt das Bundesfinanzministerium. Am 20. März 2020 hat das Minsterium diese Maßnahmen auch in einem BMF-Schreiben erläutert. Lesen Sie zu den Steuerfragen auch den Abschnitt unten: "Das sind Ihre wichtigsten Ansprechpartner".

Entschädigung nach Infektionsschutzgesetz

Ein Sonderfall von nicht-rückzahlbarer Hilfe bietet der Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz. Wenn Sie aufgrund von Quarantäne nicht arbeiten können, steht Ihnen für den Verdienstausfall nach dieser Regelung eine Entschädigung zu. Spätestens drei Monate nach dem Ende der Maßnahme müssen Sie dazu einen Antrag bei der zuständigen Behörde Ihres Bundeslandes stellen. Unter Umständen kommen Selbstständige über diese Regelung auch indirekt zu Krankengeld, falls sie länger krank sein sollten.

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Als Teil des Corona-Gesetzespakets wurde die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Sie können also Ihr Unternehmen erst einmal auch in einer Situation fortführen, in der Sie nach bisherigem Recht bereits Insolvenz beantragen müssten. Voraussetzung auch hier: Die Insolvenzreife muss auf die Corona-Krise zurückzuführen sein. Außerdem muss Aussicht darauf bestehen, dass das Unternehmen wieder zahlungsfähig wird.

Schutz vor Kündigung von Mietverträgen

Wegen der Corona-Krise hat der Gesetzgeber die Kündigungsrechte Ihres Vermieters zeitlich begrenzt eingeschränkt. Für Wohnungsmietverträge, aber auch für Gewerbe und Pacht gilt: Wegen Mietschulden aus dem Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni dieses Jahres darf der Vermieter das Mietverhältnis nicht kündigen. Vorausgesetzt, Sie können glaubhaft nachweisen, dass Sie die Miete wegen der Pandemie nicht zahlen können. Nachholen müssen Sie die Zahlungen aber später trotzdem. Weitere Informationen für Mieter in der aktuellen Situation finden Sie in einem Link am Ende dieses Beitrags.

Zahlungsaufschub bei Gas, Strom, Telefon und Krediten

Für ihre privaten Gas-, Strom- und Telefon-Verträge können Selbstständige (wie auch alle anderen Verbraucher) zeitlich befristet bis zum 30. Juni die Gegenleistung verweigern – also schlichtweg die Rechnung erst einmal nicht bezahlen – ohne dass der Versorger Ihnen kündigen darf. Kreditraten, die zwischen dem 1. April und dem 30. Juni fällig werden, können Sie für jeweils drei Monate stunden, also später zahlen. Ursache für die finanziellen Engpässe muss natürlich immer die Corona-Pandemie sein.

Leichterer Zugang zur Grundsicherung / Arbeitlosengeld II

Auch Selbstständige können bei der Agentur für Arbeit Grundsicherung beantragen, wenn sie keine Mittel haben, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu sichern. Als Teil des Corona-Maßnahmenpakets wurde der Zugang zur Grundsicherung erleichtert. Im Rahmen dieses sogenannten Sozialschutz-Pakets gelten besondere Regeln für Freiberufler, Solo-Selbständiger oder Kleinunternehmer, die aufgrund der Corona-Krise einen Großteil ihrer Aufträge verloren haben: Wer zwischen dem 1. März und dem 30. Juni 2020 Grundsicherung beantragt, muss sein Vermögen nur dann im Einzelnen nachweisen, wenn er (oder genau gesagt die "Bedarfsgemeinschaft", also etwa auch der Ehepartner und Kinder) „erhebliches Vermögen“ hat. Außerdem dürfen Sie Ihr Erspartes in den ersten 6 Monaten, in denen Sie die Leistungen erhalten, behalten, wenn Sie unter der Höchstgrenze für erhebliches Vermögen bleiben.

Sie liegen unter dieser Grenze, wenn Sie etwa aus Girokonten, Sparbüchern, Schmuck, Aktien, Lebensversicherungen höchstens 60.000 Euro an Vermögen haben. Für Partner und Kinder liegt dieser Betrag bei 30.000 Euro. Liegen Sie darüber, können Sie unter Umständen immer noch die Grundsicherung erhalten, müssen aber im Einzelnen aufführen, was Sie an Vermögen haben. Dann reicht also nicht mehr der vereinfachte Antrag. Weitere Informtionen finden Sie direkt auf der Seite Corona-Grundsicherung bei der Bundesagentur für Arbeit.

 

 

Corona und Selbstständige - das sind die wichtigsten Ansprechpartner

Bei den vielen Ankündigungen und Programmen den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. Im Grunde sind es aber nur eine Handvoll Personen und Institutionen, die Sie ansprechen müssen.

Bank und Bankberater

Lassen Sie sich jetzt nicht von vielleicht unangenehmen Erfahrungen in der Vergangenheit abschrecken. Ihre Hausbank ist in dieser Situation einer der wichtigsten Ansprechpartner, denn sie soll Sie in den kommenden Wochen und Monaten mit Geld versorgen. Besonders wichtig: Die Anträge für die Programme der staatlichen Förderbank KfW und Förderbanken der jeweiligen Bundesländer laufen fast immer über die Hausbank. Mit den entsprechenden Bürgschaften der Förderbanken tut sich die Hausbank wesentlich leichter, Kredite auszugeben. Sie trägt dadurch entweder gar kein Risiko oder nur einen kleinen Teil.

Wenn Sie in diesen Wochen bei Ihrem Bankberater anrufen, werden Sie wahrscheinlich häufig noch ausweichende Antworten erhalten. Bleiben Sie trotzdem am Ball. Denn zur Zeit veröffentlichen die zuständigen Ministerien und Förderbanken fast jeden Tag neue Informationen. In der Regel wissen die Bankmitarbeiter dann einige Tage später, welche Programme für welche Situation am besten passen.

Steuerberater und Finanzamt

Ihr Steuerberater kann Sie nicht nur dabei unterstützen, die fälligen Steuerzahlungen anzupassen. Zum Angebot eines Steuerberaters gehört in der Regel auch die betriebswirtschaftliche Beratung. Er kann also für Sie berechnen, welchen Finanzbedarf Sie bei verschiedenen Szenarien in der Corona-Krise haben, und welchen Kreditbedarf Sie dementsprechend bei der KfW und anderen Förderbanken anmelden sollten. Außerdem hilft er Ihnen bei der Bereitstellung der notwendigen Unterlagen. Wenn Sie einen Steuerberater haben, klärt er direkt die Themen mit dem Finanzamt.

Sind Sie dagegen als Freiberufler oder Solo-Unternehmer ohne Steuerberater unterwegs, können Sie die Steuerzahlungen auch direkt mit Ihrem Sachbearbeiter beim Finanzamt besprechen. Aber auch, wenn Ihr Banker und Ihr Steuerberater gut sind: Besser im Bild sind Sie, wenn Sie sich vorab selbst einen Überblick verschaffen. Programme, die Sie für passend halten, können Sie dann gezielt ansprechen.

Weitere Ansprechpartner

Außer mit dem Banker und dem Steuerberater sollten Sie in dieser kritischen Situation mit all jenen sprechen, die für das Überleben Ihres Unternehmens wichtig sind: Das sind besonders Mitarbeiter, Kunden und auch Lieferanten.

Gerade in kleineren Unternehmen spielt auch der Vermieter eine Rolle. Beachten Sie, dass der Gesetzgeber auch in diesem Bereich bereits Erleichterungen beschlossen hat. Vergessen Sie in dieser Krisensituation auch Ihre Verbände, die IHKs und die Kammern sowie die politischen Ansprechpartner nicht. Je genauer diese wissen, wie stark die Folgen von Corona die lokale Wirtschaft treffen, umso besser. Suchen Sie also das Gespräch mit allen, die an politischen Entscheidungen mitwirken oder den Auftrag haben, Ihre Interessen zu vertreten.

Hier finden Sie weitere Informationen

Soforthilfen des Bundes und der Länder

Wichtigster Zuschuss ist die sogenannte Soforthilfe des Bundes für Kleinstunternehmen und Solo- Selbständige und Angehörige der Freien Berufe: Der Bund stellt dafür insgesamt 50 Milliarden Euro bereit. Die Soforthilfe besteht aus nicht-rückzahlbaren Zuschüssen zu den Betriebskosten. Mit seinem Programm folgte Bundesländern wie Bayern und Berlin, die bereits einige Tage früher ähnliche Hilfen beschlossen hatten. Die Bundesländer wäre auch etwas früher ihren Antragsformularen fertig.

Aus diesem Nebeneinander und Nacheinander von Bundes- und Landesprogrammen ergab sich in den ersten Apriltagen ein etwas unklares Bild: Das Bundesprogramm war lediglich angekündigt, für die Landesprogramme konnten Selbstständige aber bereits die Corona-Hilfe beantragen und kurzfristig Mittel erhalten. Die Bedingungen waren von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Wie sieht die Unterstützung für Selbstständige dann jetzt aus? Der Bund hat angekündigt, wie die Hilfe aussehen soll. Die Corona-Hilfe sieht folgende Zuschüsse vor, einmalig, für drei Monate, und als Zuschuss zu den Betriebskosten:

  • für Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten: einmaliger Zuschuss bis zu 9.000 Euro.
  • für Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern: einmaliger Zuschuss bis zu 15.000 Euro.
  • Weitere Informationen aus der Ankündigung enhalten diese Eckpunkte und der Musterantrag für die Soforthilfe. Diesen Antrag können Sie aber nicht verwenden.

So kommen Sie an den Corona-Mittel: In jedem Bundesland gibt es eine zuständige Behörde, die sich sowohl um die Bundes-Soforthilfe als auch um die Landes-Soforthilfe kümmert, und diese beiden Hilfen aufeinander abstimmt.

Das bedeutet: Bayern hatte etwa ein Landesprogramm aufgelegt, bei dem Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern 5.000 Euro erhalten konnten. Weil das Bundesprogramm für diese Unternehmensgröße 9.000 Euro vorsieht, können Unternehmer, die die Voraussetzungen für das Bundesprogramm erfüllen, dort jetzt noch einmal Geld beantragen. Die bereits geleistete Unterstützung wird verrechnet.

Welche Corona-Unterstützung für Selbstständige es in Ihrem Bundesland gibt, unter welchen Voraussetzungen Sie das Geld vom Bund und vom Land erhalten können, erfahren Sie jeweils aktuell bei der zuständigen Behörde Ihres Bundeslandes.

Welche Behörde zuständig ist, sehen Sie in der folgenden Tabelle (rechts auf den Pfeil gehen).

Corona-Soforthilfe: Übersicht über die zuständigen Behörden

KfW

Die staatliche Förderbank KfW hat angesichts der Krise das Sonderprogramm 2020 aufgelegt, dessen Mittel grundsätzlich unbegrenzt sein sollen. Unternehmen, die aufgrund der Krise vorübergehend in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind, erhalten so finanzielle Unterstützung. Mit dem Programm können sowohl Betriebsmittel als auch Investitionen finanziert werden. Anträge für dieses Programm können bereits seit dem 23. März über die Hausbank gestellt werden. Die Auszahlung soll schnellstmöglich erfolgen. Eine gute Übersicht und weiterführende Links zu den Merkblättern einzelner Programme finden Sie beim Bundesfinanzministerium auf der Seite zu Hilfsprogrammen. Für wen welches Programm passt, zeigt auch ein Schaubild auf der Seite des Bundesfinanzministeriums sowie eine Übersichtseite zur Corona-Hilfe bei der KfW.

Landeseigene Förderbanken

Auch diese Banken passen ihre bestehenden Programme an die Herausforderungen der Corona-Krise an und legen zum Teil Sonderprogramme auf. Einen einfachen Zugang zu den Förderbanken bietet diese Übersicht.

Bürgschaftsbanken

Im Zuge der Corona-Krise erweitern die Bürgschaftsbanken ihre Unterstützung für Unternehmen: Die Entscheidungen sollen besonders schnell getroffen werden, die Bürgschaftsobergrenze steigt von 1,25 auf 2,5 Millionen Euro. Eine Finanzierungsanfrage können Sie direkt über das Finanzierungsportal der Bürgschaftsbanken stellen. Sinnvoller dürfte es aber sein, sich bei der zuständigen Bürgschaftsbank zunächst zu informieren und mit diesen Informationen dann in das Gespräch mit der Hausbank zu gehen. Welche Bürgschaftsbank es in Ihrem Bundesland gibt, erfahren Sie hier.

Kurzarbeitergeld

Eine erste konkrete Maßnahme der Bundesregierung sind Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld. Noch in der ersten Aprilhälfte sollen sie in Kraft treten. Unternehmen können dann bereits Kurzarbeit anmelden, wenn 10 Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Bisher waren dazu 30 Prozent Ausfall nötig. Außerdem wird die Bundesagentur für Arbeit die Sozialversicherungsbeiträge künftig vollständig erstatten. Bei Kurzarbeitergeld erhält der Arbeitnehmer rund 60 Prozent seines ausgefallenen Nettolohns ausgezahlt; wer Kinder hat, erhält 67 Prozent.

Informationen für Unternehmer zum Kurzarbeitergeld gibt es bei der Agentur für Arbeit. Beachten Sie aber, dass die Informationen auf deren Website meist noch dem alten Rechtsstand entsprechen. Wie Sie den Antrag stellen und wie die Auszahlung erfolgt, wird aber im Video „So beantragen Sie Kurzarbeitergeld“ sehr gut erklärt.

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Videos rund ums Thema

Das sind Ihre wichtigsten Ansprechpartner

Bei den vielen Ankündigungen und Programmen den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. Im Grunde sind es aber nur eine Handvoll Personen und Institutionen, die Sie ansprechen müssen.

Bank und Bankberater

Lassen Sie sich jetzt nicht von vielleicht unangenehmen Erfahrungen in der Vergangenheit abschrecken. Ihre Hausbank ist in dieser Situation einer der wichtigsten Ansprechpartner, denn sie soll Sie in den kommenden Wochen und Monaten mit Geld versorgen. Besonders wichtig: Die Anträge für die Programme der staatlichen Förderbank KfW und Förderbanken der jeweiligen Bundesländer laufen fast immer über die Hausbank. Mit den entsprechenden Bürgschaften der Förderbanken tut sich die Hausbank wesentlich leichter, Kredite auszugeben. Sie trägt dadurch entweder gar kein Risiko oder nur einen kleinen Teil.

Wenn Sie in diesen Wochen bei Ihrem Bankberater anrufen, werden Sie wahrscheinlich häufig noch ausweichende Antworten erhalten. Bleiben Sie trotzdem am Ball. Denn zur Zeit veröffentlichen die zuständigen Ministerien und Förderbanken fast jeden Tag neue Informationen. In der Regel wissen die Bankmitarbeiter dann einige Tage später, welche Programme für welche Situation am besten passen.

Steuerberater und Finanzamt

Ihr Steuerberater kann Sie nicht nur dabei unterstützen, die fälligen Steuerzahlungen anzupassen. Zum Angebot eines Steuerberaters gehört in der Regel auch die betriebswirtschaftliche Beratung. Er kann also für Sie berechnen, welchen Finanzbedarf Sie bei verschiedenen Szenarien in der Corona-Krise haben, und welchen Kreditbedarf Sie dementsprechend bei der KfW und anderen Förderbanken anmelden sollten. Außerdem hilft er Ihnen bei der Bereitstellung der notwendigen Unterlagen. Wenn Sie einen Steuerberater haben, klärt er direkt die Themen mit dem Finanzamt.

Sind Sie dagegen als Freiberufler oder Solo-Unternehmer ohne Steuerberater unterwegs, können Sie die Steuerzahlungen auch direkt mit Ihrem Sachbearbeiter beim Finanzamt besprechen. Aber auch, wenn Ihr Banker und Ihr Steuerberater gut sind: Besser im Bild sind Sie, wenn Sie sich vorab selbst einen Überblick verschaffen. Programme, die Sie für passend halten, können Sie dann gezielt ansprechen.

Weitere Ansprechpartner

Außer mit dem Banker und dem Steuerberater sollten Sie in dieser kritischen Situation mit all jenen sprechen, die für das Überleben Ihres Unternehmens wichtig sind: Das sind wahrscheinlich insbesondere Mitarbeiter, Kunden und auch Lieferanten.

Gerade in kleineren Unternehmen spielt auch der Vermieter eine Rolle. Beachten Sie, dass der Gesetzgeber auch in diesem Bereich bereits Erleichterungen angekündigt hat. Vergessen Sie in dieser Krisensituation auch Ihre Verbände, die IHKs und die Kammern sowie die politischen Ansprechpartner nicht. Je genauer diese wissen, wie stark die Folgen von Corona die lokale Wirtschaft treffen, umso besser. Suchen Sie also das Gespräch mit allen, die an politischen Entscheidungen mitwirken oder den Auftrag haben, Ihre Interessen zu vertreten.

Hier finden Sie weitere Informationen

Soforthilfe des Bundes für Kleinstunternehmen und Solo- Selbständige und Angehörige der Freien Berufe: Der Bund stellt insgesamt 50 Milliarden Euro bereit. Die Soforthilfe besteht aus nicht-rückzahlbaren Zuschüssen zu den Betriebskosten. Der Bund folgt damit Bundesländern wie Bayern und Berlin, die bereits ähnliche Hilfen beschlossen haben. Die Anträge sollen in den Bundesländern bei den dort zuständigen Behörden bearbeitet werden. Welche Behörden das sind, soll zeitnah im Internet auf den Seiten der Landesministerien für Finanzen, Wirtschaft oder Arbeit veröffentlicht werden.

Die Soforthilfe sieht folgende Zuschüsse vor:

  • für Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten: einmaliger Zuschuss bis zu 9.000 Euro für 3 Monate.
  • für Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern: einmaliger Zuschuss bis zu 15.000 Euro für 3 Monate.
  • Falls der Vermieter die Miete um mindestens 20 Prozent reduziert, kann der nicht ausgeschöpfte Zuschuss auch für zwei weitere Monate eingesetzt werden.
  • Weitere Informationen enhalten diese Eckpunkte.

Soforthilfen der Länder: In Bayern erhalten Unternehmen im Zuge der Corona-Soforthilfe einen Zuschuss. Bei Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern sind es 5.000 Euro. Bei bis zu zehn Mitarbeitern sind es 15.000 Euro. Die Anträge nimmt die zuständige Bezirksregierung an Ihrem Firmensitz entgegen. Auch Baden-Württemberg hat eine Soforthilfe aufgelegt. Weitere Informationen und Informationen zu den Anträgen finden Sie hier. In Nordrhein-Westfalen stockt das Land die Hilfe des Bundes für Unternehmen von 10 bis 50 Mitarbeitern mit einem Zuschuss in Höhe von 25.000 Euro auf. Freischaffende Künstler können in NRW darüber hinaus einen Zuschuss von 2.000 Euro beantragen.

KfW: Die staatliche Förderbank KfW hat angesichts der Krise das Sonderprogramm 2020 aufgelegt, dessen Mittel grundsätzlich unbegrenzt sein sollen. Unternehmen, die aufgrund der Krise vorübergehend in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind, erhalten so finanzielle Unterstützung. Mit dem Programm können sowohl Betriebsmittel als auch Investitionen finanziert werden. Anträge für dieses Programm können bereits seit dem 23. März über die Hausbank gestellt werden. Die Auszahlung soll schnellstmöglich erfolgen. Eine gute Übersicht und weiterführende Links zu den Merkblättern einzelner Programme finden Sie beim Bundesfinanzministerium auf der Seite zu Hilfsprogrammen. Für wen welches Programm passt, zeigt auch ein Schaubild auf der Seite des Bundesfinanzministeriums sowie eine Übersichtseite zur Corona-Hilfe bei der KfW.

Landeseigene Förderbanken: Auch diese Banken passen ihre bestehenden Programme an die Herausforderungen der Corona-Krise an und legen zum Teil Sonderprogramme auf. Einen einfachen Zugang zu den Förderbanken bietet diese Übersicht.

Bürgschaftsbanken: Im Zuge der Corona-Krise erweitern die Bürgschaftsbanken ihre Unterstützung für Unternehmen: Die Entscheidungen sollen besonders schnell getroffen werden, die Bürgschaftsobergrenze steigt von 1,25 auf 2,5 Millionen Euro. Eine Finanzierungsanfrage können Sie direkt über das Finanzierungsportal der Bürgschaftsbanken stellen. Sinnvoller dürfte es aber sein, sich bei der zuständigen Bürgschaftsbank zunächst zu informieren und mit diesen Informationen dann in das Gespräch mit der Hausbank zu gehen. Welche Bürgschaftsbank es in Ihrem Bundesland gibt, erfahren Sie hier.

Kurzarbeitergeld: Eine erste konkrete Maßnahme der Bundesregierung sind Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld. Noch in der ersten Aprilhälfte sollen sie in Kraft treten. Unternehmen können dann bereits Kurzarbeit anmelden, wenn 10 Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Bisher waren dazu 30 Prozent Ausfall nötig. Außerdem wird die Bundesagentur für Arbeit die Sozialversicherungsbeiträge künftig vollständig erstatten. Bei Kurzarbeitergeld erhält der Arbeitnehmer rund 60 Prozent seines ausgefallenen Nettolohns ausgezahlt; wer Kinder hat, erhält 67 Prozent.

Informationen für Unternehmer zum Kurzarbeitergeld gibt es bei der Agentur für Arbeit. Beachten Sie aber, dass die Informationen auf deren Website meist noch dem alten Rechtsstand entsprechen. Wie Sie den Antrag stellen und wie die Auszahlung erfolgt, wird aber im Video „So beantragen Sie Kurzarbeitergeld“ sehr gut erklärt.

Autor
Dirk Eilinghoff

Stand: 03. April 2020


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