Hilfe für Selbstständige & Unternehmen während der Corona-Krise

Corona: Wie Selbstständige und Unternehmen die Krise überbrücken

Dirk Eilinghoff 27. November 2020

Erneut mussten viele Selbstständige ihre Betriebe schließen: Lockdown einerseits, Teilausgleich des verlorenen Umsatzes andererseits – das ist die Formel, auf die sich die Politik Ende Oktober geeinigt hat. Wie lange das so weitergehen soll, ist derzeit nicht absehbar. Am 25. November haben Bund und Länder erst einmal beschlossen, den Lockdown bis zum 20. Dezember fortzusetzen.

Immerhin: Ebenfalls seit dem 25. November kannst Du die außerordentliche Wirtschaftshilfe für November beantragen.

Mit jedem neuen Programm wird es allerdings schwieriger, den Überblick zu behalten. Zurzeit sind Überbrückungshilfe und Novemberhilfe besonders wichtig für Unternehmen und Selbstständige. Beide haben jedoch sehr unterschiedliche Antragsvoraussetzungen. Bereits angekündigt ist weiteres Programm für Solo-Selbstständige, die Neustarthilfe.

So funktioniert die außerordentliche Wirtschaftshilfe (Novemberhilfe) 

Was ist bereits über die Wirtschaftshilfe für den November bekannt, und welche Hilfen kannst Du als Unternehmer und Selbstständiger sonst noch bekommen? Was kannst Du selbst tun, um die Krise zu überstehen? Wir geben Dir einen aktuellen Überblick

Die außerordentliche Wirtschaftshilfe ist die Antwort der Politik auf die umfangreichen Schließungen seit dem 2. November. Zur Erinnerung: Einrichtungen aus dem Freizeitbereich sind geschlossen. Also etwa Theater, Opern, Konzerthäuser, Kinos, Freizeitparks. Gleiches gilt für Unterhaltungsveranstaltungen wie Konzerte.

Auch der Sport pausiert: Sportstätten, Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder sind zu. Auch Dienstleistungsbetriebe wie Kosmetikstudios und Massagepraxen bleiben geschlossen, zumindest für nicht-notwendige Anwendungen.

Ebenfalls geschlossen sind Restaurants, Diskotheken und Kneipen. Möglich bleibt dagegen der Außer-Haus-Betrieb. Hotels dürfen keine Touristen mehr aufnehmen. Friseure, Physiotherapeuten und Fußpfleger dürfen dagegen weiterarbeiten. Groß- und Einzelhandel sowie Kitas und Schulen bleiben geöffnet.

Die Maßnahmen sind am 25. November zunächst bis zum 20. Dezember verlängert worden.

In diesen Fällen kannst Du die Novemberhilfe beantragen

Die Novemberhilfe soll möglichst breit alle Gruppen unterstützen, die von den Schließungen betroffen sind. Das sind sowohl Unternehmen als auch Solo-Selbstständige und Vereine. Auch gemeinnützige Unternehmen können Geld aus diesem Topf erhalten.

Das Programm unterscheidet zwischen „direkt“ und „indirekt“ Betroffenen. Direkt betroffen bist Du, wenn Du aufgrund des Bund-Länder-Beschlusses vom 28. Oktober schließen musstest. Zu dieser Gruppe zählen also etwa Kneipen, Fitnessstudios und Veranstaltungsräume wie Konzerthallen.

Indirekt betroffen bist Du dagegen, wenn Du Dein Geschäft nicht direkt zumachen musstest, aber faktisch nicht mehr ausüben konntest. Das ist etwa der Fall, wenn Du regelmäßig 80 Prozent Deiner Umsätze mit direkt betroffenen Unternehmen erzielst. Ein Beispiel dafür wäre etwa eine Wäscherei, deren Hauptkunden Hotels sind. 

Die Kette der Betroffenheit geht allerdings noch weiter: Auch, wenn Du nicht direkt an das geschlossene Unternehmen lieferst, aber mit 80 Prozent Deines Umsatzes an diesem hängst, kannst Du finanzielle Hilfe erhalten. Ein Beispiel hier: Du bist Künstlerin, und eine Agentur organisiert Deine Auftritte. Diese können im Moment aber nicht stattfinden, weil die Veranstaltungsorte geschlossen sind.

Es ist absehbar, dass es beim Thema Betroffenheit im Einzelfall noch Streit geben wird, denn die 80-Prozent-Regel ist – so wie es das Programm bisher formuliert – keine strenge Voraussetzung. Es bleibt abzuwarten, wie diese Voraussetzungen in den Antragsformularen genau formuliert werden.

Wie hoch ist die außerordentliche Wirtschaftshilfe?

Als Ausgleich für die finanziellen Verluste im November wird es eine Entschädigung geben. Sie beträgt für Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern 75 Prozent des Umsatzes vom November 2019. Dabei wird Woche für Woche getrennt gerechnet. Die Obergrenze beträgt 1 Million Euro (sofern die EU-Kommission dies erlaubt).

Wenn Du Solo-Selbstständiger bist, dürfte die Obergrenze für Dich nicht so wichtig sein. Wichtiger ist dann für Dich, dass Du statt des letztjährigen Novemberumsatzes alternativ auch den durchschnittlichen Wochenumsatz 2019 zugrunde legen kannst.

Eine weitere Regelung gibt es für junge Unternehmen: Wenn Du erst seit weniger als einem Jahr als Selbstständiger unterwegs bist (also nach dem 31. Oktober 2019 Deine Geschäftstätigkeit aufgenommen hast), kannst Du die Wirtschaftshilfe auf Grundlage des Oktoberumsatzes 2020 oder des durchschnittlichen Wochenumsatzes seit Gründung berechnen.

Wie werden andere Hilfen und Umsatz angerechnet?

Andere Hilfen, die Du für den November erhältst, werden angerechnet. Das betrifft etwa die Überbrückungshilfe oder auch das Kurzarbeitergeld. Umsätze, die Du im November trotz Schließung erzielst, werden dagegen bis zu 25 Prozent des Vergleichsumsatzes nicht angerecht. Hier ist der Grundgedanke der verantwortlichen Ministerien wohl: Maximal 75 Prozent kommen über die Wirtschaftshilfe, die fehlenden 25 Prozent zum Vergleichsumsatz darf der Selbstständige dann also auch noch selbst verdienen.

Sonderregelung für Restaurants: Beim Außer-Haus-Verkauf im Lockdown gilt die Umsatzerstattung für den alten Im-Restaurant-Umsatz. Sprich: Die Hilfe ersetzt 75 Prozent der Bewirtungsart (im Restaurant), die jetzt nicht mehr möglich ist. Gleichzeitig wird „neuer“ Umsatz, den das Restaurant während der Schließung im Außer-Haus-Verkauf erzielt, nicht auf den Umsatz angerechnet.

Beispiel: Mit Deinem Restaurant hast Du im vergangenen November 10.000 Euro Umsatz drinnen erzielt (und 2.000 Euro Umsatz außer Haus, aber das ist für die Berechnung der Hilfe irrelevant). Dann kannst Du jetzt 7.500 Euro Wirtschaftshilfe erhalten, nämlich 75 Prozent von 10.000 Euro, und beliebig viel Umsatz im Außer-Haus-Verkauf machen.

Wo und wie kannst Du die Hilfe beantragen?

Den Antrag kannst Du seit dem 25. November über diese Webseite des Bundesfinanzministeriums elektronisch stellen, allerdings nur, wenn Du Solo-Selbstständiger bist und nicht mehr als 5.000 Euro Förderung beantragst. Ansonsten benötigst Du (wie bereits bei der Überbrückungshilfe), einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, der das für Dich übernimmt. Auch diese Informationen findest Du auf einer Internetseite des Bundesfinanzministeriums.

Die weiteren Corona-Hilfen in der Übersicht

Zuschussprogramme (Sofort- und Überbrückungshilfe)

Wenn Dir wegen der Corona-Maßnahmen Aufträge und Umsatz weggebrochen sind, springt der Staat bereits seit März unter bestimmten Voraussetzungen mit einem Zuschuss ein. Gerade für Solo-Selbstständige und kleine Betriebe war und ist diese Hilfe besonders wichtig. Der Vorteil: Einen Zuschuss musst Du nicht zurückzahlen. Er belastet also Dein Unternehmen nicht zusätzlich, wenn die Corona-Krise irgendwann vorbei ist. Voraussetzung ist allerdings, dass Du den Zuschuss rechtmäßig beantragt hast. Außerdem musst Du Dich an die Regeln zur Verwendung des Geldes halten.

Bis heute gibt es zwei große Zuschussprogramme: die Soforthilfe, später dann die Überbrückungshilfe, und nun für November die Novemberhilfe.

Soforthilfe (bis Ende Mai 2020)

Für das erste Zuschussprogramm, die Soforthilfe, konntest Du nur bis zum 31. Mai Mittel beantragen. Den Antrag für die 9.000 beziehungsweise 15.000 Euro konntest Du sehr einfach online stellen, die Auszahlung erfolgte häufig innerhalb weniger Tage. Nicht zuletzt deshalb wurden wohl bis Ende Mai über zwei Millionen Anträge gestellt.

Wenn Du dieses Geld bekommen hast, kannst Du allerdings bis heute nicht sicher sein, ob Du nicht zumindest einen Teil des Geldes wieder zurückzahlen musst. Denn die Bundesmittel durftest Du nur für laufende Betriebskosten einsetzen, und nicht für Lebenshaltungskosten. Gerade diese Unterscheidung ist aber bei Solo-Selbstständigen schwierig.

Überbrückungshilfe (bis Juni 2021 verlängert)

Im Anschluss an die Soforthilfe legte der Bund ein weiteres Programm auf, die Überbrückungshilfe. Es sollte zunächst nur die Monate Juni, Juli und August umfassen, wurde aber inzwischen bereits zwei Mal verlängert; ein erstes Mal im September bis Ende Dezember 2020, ein zweites Mal Ende Oktober. Als sogenannten Überbrückungshilfe III soll sie Selbstständige und Unternehmen für den Zeitraum Januar 2021 bis Juni 2021 unterstützen.

Teil der angekündigten Überbrückungshilfe III soll auch eine Betriebskostenpauschale für Solo-Selbstständige sein, die sogenannte Neustarthilfe. Solo-Selbstständige wie Künstlerinnen und Künstler, die wenig Betriebskosten wie Miete oder Leasingraten haben, können aus diesem Topf bis zu 5.000 Euro erhalten. Allerdings startet dieses Programm erst Anfang 2021. Einzelheiten zum Antragsweg hat das Bundesfinanzministerium noch nicht veröffentlicht.

Die Überbrückungshilfe kannst Du nicht einfach abrufen, sondern musst sie über einen sogenannten prüfenden Dritten beantragen. Das ist der Mensch, der sich professionell um Deine Steuern kümmert, also in der Regel Dein Steuerberater.

Nicht bestreiten darfst Du mit der Überbrückungshilfe Deine Lebenshaltungskosten. Sie dient nur zum Ausgleich Deiner betrieblichen Fixkosten wie Miete oder Zinsen bei der Finanzierung. Allerdings haben Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen beschlossen, die Überbrückungshilfe mit eigenen Programmen aufzustocken. Über diese Programme gibt es dann auch einen Ausgleich für den entgangenen Lohn des Unternehmers.

Ausführlicher beschreiben wir die Sofort- und Überbrückungshilfen am Ende dieses Beitrags.

Günstige Kredite für Selbstständige und Unternehmen

Etwas weniger vorteilhaft als Zuschüsse sind staatlich geförderte Kredite: Dabei bekommst Du zwar ebenfalls Geld in die Hand, allerdings musst Du es später zurückzahlen. Die großen Corona-Kreditprogramme hat die staatliche Förderbank KfW aufgelegt, beantragen kannst Du sie über Deine Hausbank. Die Unterstützung besteht bei diesen Krediten darin, dass Du sie einfach als einen normalen Bankkredit bekommst – zu besonders günstigen Zinssätzen.

Kurzarbeit wegen Corona

Neben diesen Finanzierunghilfen ist es wichtig, die Ausgaben Deines Unternehmens zu verringern. Wichtigstes Mittel, wenn Du Arbeitnehmer hast, ist Kurzarbeit.

Wenn 10 Prozent der Belegschaft Deines Unternehmens vom Entgeltausfall betroffen sind, kannst Du Kurzarbeit beantragen. Diesen erleichterte Zugang zu Kurzarbeitergeld hat der Koalitionsausschuss am 25. August beschlossen. Er gilt bis Ende 2021 für alle Unternehmen, die bis zum 31. März 2021 Kurzarbeit eingeführt haben.

Neben dem erleichterten Zugang ist besonders die Anhebung des Kurzarbeitergeldes gegenüber der Vor-Corona-Zeit wichtig: Wer Kurzarbeitergeld für eine um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit bezieht, kann nun bis zu 80 Prozent des Nettolohns erhalten (87 Prozent für Haushalte mit Kindern).

Der Koalitionsausschuss hat außerdem beschlossen, dass für Betriebe, die bis Ende 2020 Kurzarbeit eingeführt haben, die Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds auf bis zu 24 Monate (längstens bis 31. Dezember 2021) verlängert wird. Auch weitere Erleichterungen wie etwa die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge wurden verlängert, zuletzt mit den Novemberhilfen. Das genaue Verfahren zu Anzeige, Antrag und Berechnung des Kurzarbeitergelds beschreibt die zuständige Bundesagentur für Arbeit.

Steuern senken

Ein weiterer wichtiger Hebel bei der Ausgabenkürzung sind Deine Steuerzahlungen. In der Krise solltest Du möglichst kein Geld unnötig aus der Hand geben. Bei den Steuern heißt das: Sorge dafür, dass die Vorauszahlungen an Deinen geänderten Gewinn angepasst werden und bitte um Stundung (Aufschub) absehbarer oder bereits fälliger Steuern. Diese beiden Maßnahmen kannst Du direkt mit dem Finanzamt oder mit Deinem Steuerberater auf den Weg bringen. Von sich aus verzichten die Finanzämter bis Ende 2020 darauf, überfällige Steuerschulden zu vollstrecken.

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen hat das Bundesfinanzministerium einen Weg geöffnet, wie Du bereits gezahlte Steuervorauszahlungen für das Jahr 2019 zurückholen kannst. Dafür musst Du oder Dein Steuerberater pauschal einen Verlust für das Jahr 2020 ermitteln. Soforthilfen des Staates müssen zwar versteuert werden, aber erst mit der Steuererklärung 2020, die Du frühestens im Sommer 2021 abgeben wirst.

Alle steuerlichen Maßnahmen im Zuge der Corona-Hilfe hat das Bundesfinanzministerium zusammengefasst.

Um Steuerfragen geht es übrigens auch noch mal in dem Abschnitt „Das sind Deine wichtigsten Ansprechpartner“.

Sozialversicherungsbeiträge senken

Bei Solo-Selbstständigen sind die Beiträge für die Krankenversicherung und die gesetzliche Rentenversicherung ein großer Ausgabenposten. Da die Beiträge unmittelbar vom Jahreseinkommen abhängen, ist es sinnvoll, ein deutlich gesunkenes Einkommen möglichst zeitnah zu melden.

Bist Du gesetzlich versichert, musst Du dafür bei Deiner Krankenkasse einen Antrag stellen. Nach wie vor ist es allerdings so, dass für Selbstständige selbst bei sehr geringen Einnahmen ein Mindesteinkommen von 1.062 Euro angesetzt wird. Daraus ergibt sich ein Mindestbeitrag für Kranken- und Pflegeversicherung von etwa 200 Euro im Monat.

Bei der gesetzlichen Rente hat die Deutsche Rentenversicherung Ende März 2020 verkündet, dass versicherungspflichtige Selbstständige bei entsprechender finanzieller Notlage beantragen können, bis Ende Oktober 2020 keine Beiträge zahlen zu müssen. Allerdings hat die Rentenversicherung auch angekündigt, dass sie die Beiträge später an die tatsächlichen Verhältnisse anpassen wird. Hast Du in der Aussetzungszeit also bereits wieder gut verdient, wirst Du auch entsprechende Beiträge in die Rentenkasse leisten müssen.

Auch bei der freiwilligen Arbeitslosenversicherung, dem sogenannten Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag, gibt es einen Zahlungsaufschub bis Juli 2021. Weitere Informationen gibt es bei der zuständigen Bundesagentur für Arbeit.

Entschädigung nach Infektionsschutzgesetz

Einen Sonderfall von nicht-rückzahlbarer Hilfe bietet Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz. Wenn Du aufgrund von Quarantäne nicht arbeiten kannst, steht Dir für den Verdienstausfall nach dieser Regelung eine Entschädigung zu. Spätestens drei Monate nach dem Ende der Maßnahme musst Du dazu einen Antrag bei der zuständigen Behörde Deines Bundeslandes stellen. Unter Umständen kommst Du als Selbstständiger über diese Regelung auch indirekt zu Krankengeld, falls Du länger krank sein solltest.

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Ebenfalls Teil des Corona-Gesetzespakets war, dass die Pflicht zum Stellen eines Insolvenzantrags bis zum 30. September 2020 ausgesetzt war. Diese Regelung wurde Ende September bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Du kannst also Dein Unternehmen erst einmal in einer Situation fortführen, in der Du nach altem Recht bereits Insolvenz hättest beantragen müssen. Voraussetzung auch hier: Die Insolvenzreife muss auf die Corona-Krise zurückzuführen sein. Seit dem 1. Oktober gilt die Regelung allerdings nur noch, wenn Du wegen Überschuldung einen Insolvenzantrag stellen müsstest. Zahlungsunfähigkeit entbindet Dich nicht mehr von der Insolvenzantragspflicht.

Leichterer Zugang zur Grundsicherung / Arbeitslosengeld II

Auch Selbstständige können bei der Agentur für Arbeit Grundsicherung beantragen, wenn sie keine Mittel haben, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu sichern.

Als Teil des Corona-Maßnahmenpakets wurde der Zugang zur Grundsicherung erleichtert. Im Rahmen dieses sogenannten Sozialschutz-Pakets gelten besondere Regeln für Freiberufler, Solo-Selbstständige oder Kleinunternehmer, die aufgrund der Corona-Krise einen Großteil ihrer Aufträge verloren haben: Wer zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 Grundsicherung beantragt, muss sein Vermögen nur dann im Einzelnen nachweisen, wenn er (oder genauer gesagt die „Bedarfsgemeinschaft“, also etwa auch Ehepartner und Kinder) „erhebliches Vermögen“ hat – in der Praxis geht es um eine Summe über 60.000 Euro. Außerdem darfst Du Dein Erspartes in den ersten sechs Monaten, in denen Du die Leistungen erhalten hast, behalten, wenn Du unter der Höchstgrenze für erhebliches Vermögen bleibst.

Unter dieser Grenze liegst Du, wenn Du aus Anlagen wie Girokonto, Sparbüchern, Schmuck, Aktien oder Lebensversicherungen höchstens 60.000 Euro an Vermögen hast. Für Partner und Kinder in Deinem Haushalt beträgt dieser Betrag noch einmal zusätzlich jeweils 30.000 Euro. Selbstgenutztes Wohneigentum zählt nicht, sondern nur Verträge und Konten, aus denen Du sofort Geld abziehen kannst („sofort verwertbar“).

Lebensversicherungen gehören nach Aussagen der Bundesagentur für Arbeit nicht zu solchen Vermögensgegenständen, wenn sie für die Altersvorsorge gedacht sind, unabhängig davon, wie viel Du darin bereits angespart hast. Deine kapitalbildenden Renten- und Lebensversicherungen musst Du also nicht antasten.

Ein Beispiel: Lebst Du mit Deinem Partner und Eurem Kind in einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft, wäre Euer Vermögen erst ab einem Betrag von 120.000 Euro „erheblich“.

Liegst Du über der Höchstgrenze für erhebliches Vermögen, kannst Du unter Umständen immer noch die Grundsicherung erhalten, musst aber im Einzelnen aufführen, was Du an Vermögen besitzt. Dann reicht der vereinfachte Antrag also nicht mehr. Weitere Informationen findest Du direkt auf der Seite Corona-Grundsicherung bei der Bundesagentur für Arbeit.

Der erleichterte Zugang zur Grundsicherung wurde Ende September bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Auch dies hatte der Koalitionsausschuss am 25. August beschlossen.

Unterstützungspaket für Start-ups

Start-ups können grundsätzlich dieselben Programme wie andere Unternehmen nutzen. Allerdings sind sie häufig noch nicht lange am Markt und können auch keine Gewinne ausweisen. Daher erfüllen sie die üblichen Anforderungen der Banken an Kreditnehmer meist nicht. Deshalb hat der Bund ein gesondertes Unterstützungsprogramm für Start-ups und kleine mittelständische Unternehmen aufgelegt. Für diesen Start-up-Schutzschild stehen 2 Milliarden Euro bereit. Kern des Programms ist eine sogenannte Corona-Matching-Fazilität, bei der Wagniskapitalfonds zusätzliche öffentliche Mittel erhalten, um Start-ups zu finanzieren.

Corona und Selbstständige – das sind die wichtigsten Ansprechpartner

Bei den vielen Ankündigungen und Programmen den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. Im Grunde sind es aber nur eine Handvoll Personen und Institutionen, die Du ansprechen musst.

Bank und Bankberater

Lass Dich jetzt nicht von Erfahrungen in der Vergangenheit abschrecken. Deine Hausbank ist in dieser schwierigen Situation einer Deiner wichtigsten Ansprechpartner. Sie kann Dir helfen, diese schwierige finanzielle Situation zu überbrücken.

Besonders wichtig: Die Anträge für die Programme der staatlichen Förderbank KfW und der Förderbanken der jeweiligen Bundesländer laufen fast immer über die Hausbank. Mit den entsprechenden Bürgschaften der Förderbanken sollte sich die Hausbank wesentlich leichter tun, Kredite auszugeben. Sie trägt dadurch kaum ein Risiko.

Bei dem im April eingeführten KfW-Schnellkredit 2020 trägt die Hausbank sogar gar kein Risiko mehr. Der Kredit wird über die KfW zu 100 Prozent vom Steuerzahler garantiert. Eine klassische Bonitätsprüfung ist nicht mehr vorgesehen. Die Zinsen sind allerdings etwas höher als bei anderen, und den Kredit erhalten nur Selbstständige und Unternehmen, die mindestens zehn Mitarbeiter haben.

Zur Vorbereitung des Kreditantrags hat die KfW inzwischen eine eigene Seite eingerichtet, auf der Du prüfen kannst, welches Programm für Dich und Dein Unternehmen in Frage kommt.

Steuerberater und Finanzamt

Dein Steuerberater kann Dich nicht nur dabei unterstützen, die fälligen Steuerzahlungen anzupassen. Zum Angebot eines Steuerberaters gehört in der Regel auch die betriebswirtschaftliche Beratung. Er kann also für Dich berechnen, welchen Finanzbedarf Du bei verschiedenen Szenarien in der Corona-Krise hast und welchen Kreditbedarf Du dementsprechend bei der KfW und anderen Förderbanken anmelden solltest. Außerdem hilft er Dir bei der Bereitstellung der notwendigen Unterlagen. Bei der Überbrückungshilfe musst Du sogar Deinen Steuerberater einschalten, wenn Du die Mittel beantragen willst.

Bist Du als Freiberufler oder Solo-Unternehmer ohne Steuerberater unterwegs, kannst Du die Steuerzahlungen auch direkt mit Deinem Sachbearbeiter beim Finanzamt besprechen. Aber auch, wenn Dein Banker und Dein Steuerberater gut sind: Besser im Bild bist Du, wenn Du Dir vorab selbst einen Überblick verschaffst. Programme, die Du für passend hältst, kannst Du dann gezielt ansprechen.

Weitere Ansprechpartner

Außer mit dem Banker und dem Steuerberater solltest Du in dieser kritischen Situation mit all jenen sprechen, die für das Überleben Deines Unternehmens wichtig sind: Das sind besonders Mitarbeiter, Kunden und auch Lieferanten. Gerade bei kleineren Unternehmen spielt auch der Vermieter eine Rolle.

Vergiss in dieser Krisensituation die örtlichen Medien, die Verwaltung, Deine Kammern und Verbände sowie die politischen Mandatsträger auf Bundes- und Landesebene nicht. Je genauer diese wissen, wie stark die Folgen von Corona die lokale Wirtschaft treffen, umso besser. Such also das Gespräch mit allen, die an politischen Entscheidungen mitwirken oder den Auftrag haben, Deine Interessen zu vertreten.

Hier findest Du weitere Informationen

Sofort- und Überbrückungshilfen des Bundes und der Länder

Wichtigster Zuschuss in der ersten Phase der Corona-Hilfsprogramme war die sogenannte Soforthilfe des Bundes für Kleinstunternehmen und Solo-Selbstständige und Angehörige der Freien Berufe. Die Soforthilfe bestand aus nicht-rückzahlbaren Zuschüssen zu den Betriebskosten. Allerdings war eine Antragstellung für die Soforthilfe nur bis zum 31. Mai möglich. Anträge, die bis zu diesem Datum gestellt wurden, werden von den zuständigen Behörden weiter bearbeitet.

Nach der Soforthilfe hat die Bundesregierung die Überbrückungshilfe eingeführt. Das Programm lief zunächst in den Monaten Juni bis August 2020, wurde aber verlängert bis Dezember 2020. Die Antragsfrist für die Monate Juni bis August endete am 30. September. Für die Monate September bis Dezember kannst Du den Antrag seit dem 21. Oktober stellen. Hast Du bereits die Soforthilfe des Bundes oder der Länder beansprucht, kannst Du erneut einen Antrag stellen, wenn Du immer noch von Umsatzausfällen im förderfähigen Umfang betroffen bist.

Wer bekommt die neue Überbrückungshilfe des Bundes? Mit dem Zuschuss unterstützt der Bund branchenübergreifend kleine und mittelständische Unternehmen, die wegen der Corona-Pandemie hohe Umsatzeinbußen haben. Die Große Koalition nennt beispielhaft eine Reihe von Branchen, darunter etwa das Hotel- und Gaststättengewerbe, Caterer, Kneipen, Clubs und Bars, Jugendherbergen, Reisebüros, Schausteller und Messeveranstalter.

Die Hilfe ist allerdings kein Ersatz für den „Lohn“ des Unternehmers, sondern dient der Abdeckung der laufenden Betriebskosten (zum Beispiel Miete für die Gewerberäume oder Leasingraten). Sie ist nicht vorrangig gedacht für Personalkosten. Eine Ausnahme sind die Kosten für Auszubildende. Dazu werden Personalkosten, die nicht vom Kurzarbeitergeld erfasst sind, pauschal gefördert.

Ebensowenig geht es um die Deckung der Kosten für die Lebenshaltung. Wer also etwa als Solo-Selbstständiger nur geringe Betriebskosten hat, kann über diesen Topf seine Umsatz- und Honorareinbußen nur zu einem kleinen Teil ausgleichen.

Für die zweite Phase der Überbrückungshilfen hat der Bund die Hürden etwas gesenkt und die Förderung leicht erhöht. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über Phase 1 (Juni bis August) und Phase 2 (September bis Dezember) des Förderprogramms.

Regelungen der Phase 1 und der Phase 2 im Vergleich

Juni bis AugustSeptember bis Dezember
Umsatzeinbußen mindestensUmsatzeinbußen mindestens
Mind. 60 % Umsatzeinbußen im April und Mai 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum

Mind. 50 % Umsatzeinbußen in 2 zusammenhängenden Monaten zwischen April und August 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten oder mind. 30 % Umsatzeinbußen im Durchschnitt zwischen April und August gegenüber dem Vorjahreszeitraum

Deckelung nach BeschäftigtenDeckelung nach Beschäftigten

Bis zu 5 Mitarbeiter: max. 9.000 €
Bis zu 10 Mitarbeiter: max. 15.000 €

Keine
HöchstfördersummeHöchstfördersumme
50.000 € pro Monat50.000 € pro Monat
FördersätzeFördersätze
80 % der fixen Betriebskosten bei mehr als 70 % Umsatzeinbruch90 % der fixen Betriebskosten bei mehr als 70 % Umsatzeinbußen
50 % der fixen Betriebskosten bei Umsatzeinbußen zwischen 50 und 70 %60 % der fixen Betriebskosten bei Umsatzeinbußen zwischen 50 und 70 %
40 % der fixen Betriebskosten bei Umsatzeinbußen von mehr als 40 %40 % der fixen Betriebskosten bei Umsatzeinbußen von mehr als 30 %
PersonalkostenpauschalePersonalkostenpauschale
10 %20 %

Quellen: Bundesministerium der Finanzen, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Stand: 24. September 2020)

Antragsberechtigt für Phase 2 der Überbrückungshilfen bist Du somit in den folgenden Fällen: Entweder Du hattest zwischen April und August 2020 in zwei zusammenhängenden Monaten mindestens 50 Prozent Umsatzeinbußen oder Du hast im gleichen Zeitraum durchschnittlich mindestens 30 Prozent weniger Umsatz gemacht. Je nach Höhe Deiner Umsatzeinbußen bekommst Du pro Fördermonat zwischen 40 und 90 Prozent der fixen Betriebskosten erstattet. Die Deckelung für Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern fällt weg. Und die Personalkostenpauschale ist höher. Ein erneuter Antrag lohnt sich für Dich deshalb unter Umständen – selbst wenn Du bisher keine Überbrückungshilfen erhalten hast.

Neu in Phase 2 ist auch, dass Du nach der Schlussabrechnung eine Nachzahlung erhältst, wenn Du während der Fördermonate höhere Umsatzeinbußen hattest als erwartet. Waren Deine Einbußen niedriger als angenommen, musst Du allerdings zu viel gezahlte Zuschüsse auch zurückzahlen. Zeigt sich bei der Schlussabrechnung zum Beispiel, dass es einen Fördermonat gab, in dem Du weniger als 30 Prozent Umsatzeinbußen hattest, musst Du die Zuschüsse für diesen Monat komplett zurückzahlen. Gleiches gilt, wenn sich herausstellt, dass Du die Voraussetzungen nicht erfüllt hast, die in der ersten Zeile der Tabelle aufgeführt sind. Waren Deine Umsatzeinbußen zwar niedriger als angenommen aber höher als 30 Prozent, musst Du natürlich nur einen Teil der Zuschüsse für den jeweiligen Monat zurückzahlen.

Wie kommst Du an die Corona-Mittel? Zu der neuen Überbrückungshilfe gibt es seit dem 8. Juli eine zentrale Onlineplattform für ganz Deutschland. Den Antrag kannst Du dort nur gemeinsam mit einem Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Buchprüfer stellen. Für die Umsetzung und Auszahlung der Überbrückungshilfen sind dann dieselben Behörden in Deinem Bundesland zuständig, bei denen Du auch die Soforthilfe des Bundes beantragen konntest.

Welche Behörde in Deinem Bundesland zuständig ist, siehst Du in der folgenden Tabelle (rechts auf den Pfeil gehen).

Soforthilfe und Überbrückungshilfe: zuständige Behörden

Programme der KfW

Die staatliche Förderbank KfW hat angesichts der Krise das Sonderprogramm 2020 aufgelegt, dessen Mittel grundsätzlich unbegrenzt sein sollen. Unternehmen, die aufgrund der Krise vorübergehend in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind, erhalten so finanzielle Unterstützung. Mit dem Programm können sowohl Betriebsmittel als auch Investitionen finanziert werden. 

Anträge für die Programme der KfW können zum Teil bereits seit Ende März über die Hausbank gestellt werden. Eine Übersicht und weiterführende Links zu den Merkblättern einzelner Programme findest Du beim Bundesfinanzministerium auf der Seite zu den Hilfsprogrammen. Für wen welches Programm passt, zeigt auch diese Übersichtsseite zur Corona-Hilfe bei der KfW.

Landeseigene Förderbanken

Auch diese Banken passen ihre bestehenden Programme an die Herausforderungen der Corona-Krise an und legen zum Teil Sonderprogramme auf. Einen einfachen Zugang zu den Förderbanken bietet diese Übersicht.

Bürgschaftsbanken

Im Zuge der Corona-Krise erweitern die Bürgschaftsbanken ihre Unterstützung für Unternehmen: Die Entscheidungen sollen besonders schnell getroffen werden, die Bürgschaftsobergrenze steigt von 1,25 auf 2,5 Millionen Euro. Eine Finanzierungsanfrage kannst Du direkt über das Finanzierungsportal der Bürgschaftsbanken stellen. Sinnvoller dürfte es aber sein, sich bei der zuständigen Bürgschaftsbank zunächst zu informieren und mit diesen Informationen dann in das Gespräch mit der Hausbank zu gehen. Weitere Informationen erhältst Du auch bei der Bürgschaftsbank Deines Bundeslandes.

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? Ist Dir weiterhin etwas unklar? Schreib uns! 

Wir helfen Dir durch die Corona-Krise!

Diese Videos haben wir rund um das Thema

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Welche Hilfen gibt es für Selbstständige & Unternehmen während der Corona-Krise?

Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner?

Welche Hilfen gibt es speziell für kleine Betriebe?

Tenhagens Corona-Podcast

Folge 54

Autor
Dirk Eilinghoff

27. November 2020


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