Progressionsvorbehalt

So funktioniert der Progressionsvorbehalt

Nina C. Zimmermann Stand: 30. Januar 2015
Das Wichtigste in Kürze
  • Bestimmte Einkünfte sind zwar selbst steuerfrei, erhöhen aber durch den Progressionsvorbehalt Ihre Steuerlast.
  • Gemäß dem Progressionsvorbehalt werden Einnahmen wie Arbeitslosen- oder Elterngeld zur Berechnung Ihres Steuersatzes mit herangezogen, ohne dass sie selbst versteuert werden müssen.
  • Es gibt auch einen negativen Progressionsvorbehalt, der Ihre Steuerlast entsprechend mindert.
  • Alle steuerfreien Sozialleistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sind im Einkommensteuergesetz aufgezählt.
  • Werden Sie gemeinsam mit Ihrem Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner veranlagt, werden Ihre steuerfreien Einkünfte dem Einkommen Ihres Partners hinzugerechnet.

Viele staatliche Sozialleistungen sind steuerfrei. Sie können dennoch Ihre Steuerlast erhöhen. Das liegt am sogenannten Progressionsvorbehalt: Einnahmen, die ihm unterliegen, werden zur Berechnung Ihres Steuersatzes herangezogen, wobei die Einnahmen selbst nicht besteuert werden. Sie zahlen dann einen höheren Steuersatz auf die von Ihnen erzielten regulären Einnahmen, als Sie es ohne Progressionsvorbehalt tun müssten.

Steuerfrei, aber nur unter Progressionsvorbehalt

Einer Reihe von Sozialleistungen, Beihilfen und Ausgleichszahlungen rechnet der Fiskus zu Ihren regulären Einkünften hinzu, wenn er die Berechnungsgrundlage für Ihre Steuerschuld bestimmt. Wegen der Progression bedeutet das höhere Steuern für Sie – denn das zusätzlich eingenommene Geld rückt die Summe aller Ihrer Einnahmen näher an die nächste Progressionsstufe. Jeder Euro darüber wird nach dem jeweils höheren Stufentarif stärker besteuert.  

Das Finanzamt errechnet auf dieser Grundlage den durchschnittlichen persönlichen Steuersatz. Erhöht sich dieser aufgrund Ihrer steuerfreien Einkünfte, müssen Sie mehr Steuern zahlen – allerdings nicht auf die steuerfreien Leistungen selbst. Der Grund für dieses Vorgehen ist das Prinzip der leistungsgerechten Besteuerung. Denn auch Transferleistungen erhöhen Ihre finanzielle Leistungsfähigkeit.

Arbeitslosengeld, Elterngeld, Krankengeld

Alle steuerfreien Einkünfte unter Progressionsvorbehalt sind in § 32b Einkommensteuergesetz aufgezählt. Die Liste umfasst zum Beispiel:

  • Arbeitslosengeld I
  • Insolvenzgeld
  • Kurzarbeitergeld
  • Elterngeld
  • Unterhaltsgeld als Zuschuss
  • Krankengeld
  • Mutterschaftsgeld

Grundlage vieler Ersatzleistungen ist das Sozialgesetzbuch (SGB). Dem Progressionsvorbehalt unterliegen aber auch Auslandseinkünfte, die gemäß Doppelbesteuerungsabkommen hierzulande steuerfrei sind. Die Aufzählung ist abschließend. Das heißt: Alles, was nicht aufgeführt ist wie beispielsweise steuerfreies Geld aus der Pflegekasse, steht nicht unter Progressionsvorbehalt. 

Auswirkung rechtzeitig einplanen

Der Progressionsvorbehalt kann auch dazu führen, dass Sie zur Steuerzahlung aufgefordert werden, obwohl Sie Ihr Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags lag und deswegen dem Fiskus gar nichts hätten zahlen müssen. Die Freigrenze dafür beträgt derzeit 8.354 Euro für Alleinstehende. Haben Sie zwar weniger verdient, aber zusätzlich Kranken- oder Elterngeld erhalten, kann es passieren, dass Sie wegen des Progressionsvorbehalts die Grenze dieses Grundfreibetrags überschreiten und nach dem Eingangssteuertarif besteuert werden.  

Sind Sie als Ehepaar gemeinsam veranlagt, werden die steuerfreien Leistungen ohnehin immer dem Einkommen Ihres Ehepartners hinzugerechnet. Deshalb sollten Sie mögliche Steuernachforderungen einkalkulieren und möglichst etwas Geld dafür zurücklegen, selbst wenn Sie steuerfreie Einnahmen erzielen.

Beispielrechnung für 2014

Wie sich der Progressionsvorbehalt auswirkt, zeigt ein Beispiel für die Einkommenssteuer 2014: Angenommen, das Einkommen beträgt nach Abzug von Werbungskosten und Sonderausgaben 20.000 Euro, sind in Steuerklasse 1, unverheiratet, 2.634 Euro Steuern fällig. Kommen 10.000 Euro Arbeitslosengeld hinzu, steigt der Durchschnittssteuersatz von 13,17 Prozent auf 18,53 Prozent. Das Arbeitslosengeld selbst bleibt aber steuerfrei. Versteuert werden zum höheren Satz nur die 20.000 Euro reguläres Einkommen. Zu zahlen sind damit 3.706 Euro – 1.072 Euro mehr als ohne die Einkünfte aus dem steuerfreien Arbeitslosengeld.

Beispiel für 2014: Steuerklasse I, unverheiratet, ohne Kirchensteuer

Einkommen

(unversteuert)

Arbeitslosengeld

(nicht versteuert)

Steuer-

satz

Steuer-

aufkommen

Einkommen

(versteuert)

20.000 €0,00 €13,17 %2.634 €17.366 €
20.000 €10.000 €18,53 %3.706 €26.294 €
   

Differenz

1.072 €

 

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 2015)

Umkehrfall: negativer Progressionsvorbehalt

Einkünfte unter Progressionsvorbehalt können auch negativ sein. Bringen Ihnen etwa Geldanlagen im Ausland Verluste ein, werden diese bei der Berechnung des Steuersatzes von Ihrem zu versteuernden Einkommen abgezogen. Das gilt auch, wenn der Staat gezahlte Transferleistungen zurückfordert. Dann tritt die umgekehrte Wirkung ein: Der negative Progressionsvorbehalt drückt Ihren Steuersatz und mindert somit Ihre Steuerlast.  

Progressionsvorbehaltsrechner gibt Auskunft

Um zu erfahren, wie sich der Progressionsvorbehalt auf Ihre Steuerlast auswirkt und wie viel Sie zu zahlen haben, können Sie den Progressionsvorbehaltsrechner des Bayerischen Landesamts für Steuern nutzen. Beachten Sie dabei, dass sich der Rechner eher für einfache Sachverhalte eignet. In komplexeren Fällen haben Sie damit jedoch immerhin einen ungefähren Anhaltspunkt. Details kann nur ein Lohnsteuerhilfeverein oder ein Steuerberater klären.

Autor
Nina C. Zimmermann

Stand: 30. Januar 2015


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