Kostenlose Mitversicherung in der GKV soll wegfallen

  • Konkretes Beispiel sind meine Nachbarn, der Mann Facharbeiter ca. 70.000€ pro Jahr, die Frau Hausfrau und Mutter, 3 Kinder 8, 9, 13.

    Wenn ich denen erzähle das demnächst zusätzlich über 200€ an GKV fällig werden, dann kann ich euch sagen was diese Familie bei der nächsten Wahl wählen wird. Und das ist bei uns nicht die einzigste Familie die dieses Modell lebt.

    Das ist doch gerade das Problem bei diesen Leuten. Sie fordern immer, dass „die da oben endlich mal mutig kürzen“ und unangenehme Schritte machen…..Sie selbst dürfen aber nicht betroffen sein.

    In Rheinland-Pfalz sagte nach der Wahl ein älterer Mann (Rentner ?) in Pirmasens zum hohen Wahlergebnis der AfD in dieser schwer gebeutelten Stadt:


    "Das, was gemacht werden muss, auch durchsetzen, auch wenn sie vielleicht in vier Jahren nicht mehr gewählt werden. Unbequeme Dinge machen, die uns aber zum Nutzen sind, damit sich in unserem Land endlich wieder was bewegt."

    Super…kann er haben….nur dann eben mit Rentenerhöhungen auf Inflationshöhe, Eintrittsgeld bei neuen örtlichen Grsundheitszentrum, Selbstbeteiligung von 30% an seinen Gesundheitskosten, Abschaffung Pflegegrad 1, Wegfall aller Zahnarztleistungen….

  • Natürlich haben sich die Zeiten geändert aber dann muss eine generelle Reform auf den Tisch, hin zur Bürgerversicherung für alle.

    Und ja diese Familie wäre betroffen weil Ausnahmen nur bei Kindern bis 6 Jahre gemacht werden sollen, nach aktuellem Entwurf.

    Was diese Familie sieht kann ich ganz genau sagen, sie sehen das Sie wieder abgezogen werden, obwohl sie wichtige Arbeit für die Gesellschaft leisten (3 Kinder aufziehen) und dem Staat in keinster Weise auf der Tasche liegen.

    Im Gegenzug sehen sie auch das ganze Flüchtlingsfamilien und Zugewanderte in der GKV landen und der Staat für diese einen lächerlich geringen Beitrag an die GKV zahlt aber die Kosten ganz enorm sind. Nicht umsonst hat die Techniker Krankenkasse eine Klage eingereicht.

    Das wird zu einem ganz massiven Vertrauensverlust in den Staat führen.

    Wir hatten hier in RLP am Sonntag Wahlen und man sieht wo es hin geht, leider.

  • Es sind ja nicht pauschal alle Familien betroffen, wie Irving fälschlicherweise behauptet, sondern nur die Familien mit einer 100/0 Aufteilung der Erwerbsarbeit. Wenn beide Elternteile Teilzeit arbeiten sind auch beide über die Arbeit KV versichert und können sich die Kinderbetreuung aufteilen.

    Man könnte das auch als Eigenverantwortung sehen, Eigenverantwortung innerhalb der Beziehung. Jeder ist für seine Versicherung verantwortlich, nicht der Ehepartner.

  • Es sind ja nicht pauschal alle Familien betroffen, wie Irving fälschlicherweise behauptet, sondern nur die Familien mit einer 100/0 Aufteilung der Erwerbsarbeit.

    Das ist doch bei ihm eine ganz peinliche Stimmungsmache mit platten Sprüchen.

    In Deutschland ist es dann üblich, dass relativ schnell Statistiken in den Medien auftauchen.
    Es handelt sich konkret um etwa 2,5 Mio Menschen. Fast ausschließlich Frauen.

    Die Gesamtzahl der in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherten Erwachsenen liegt bei etwa 61 Millionen.

    Somit sind etwa 4 % kostenfrei als Erwachsene mitversichert.

    Würde man jetzt sofort die Minijobs auf Schüler, Studenten und Rentner begrenzen, würde sich dieser Anteil sofort stark verringern.

    Übrig bleiben dann die Menschen, die entweder Kinder betreuen, ältere Angehörige pflegen oder einfach nicht arbeiten wollen, weil sie entweder gar keine Lust haben oder es nicht müssen.

  • Ich bin mir nicht sicher ob dieser Vorschlag zielführend ist.

    Ich wohne in einer ländlichen Gegend und hier gibt es sehr viele Familien mit Kindern. Nicht nur ein Kind, sondern Familien mit 2 oder mehr Kindern.

    Konkretes Beispiel sind meine Nachbarn, der Mann Facharbeiter ca. 70.000€ pro Jahr, die Frau Hausfrau und Mutter, 3 Kinder 8, 9, 13.

    Wenn ich denen erzähle das demnächst zusätzlich über 200€ an GKV fällig werden, dann kann ich euch sagen was diese Familie bei der nächsten Wahl wählen wird. Und das ist bei uns nicht die einzigste Familie die dieses Modell lebt.

    Mir gefällt die Einschränkung "unter 6 Jahre" bei möglicherweise unzureichendem Betreuungsangebot auch nicht. Unter 6 würde ja schon bedeuten, dass die Familienversicherung bereits vor dem Schulbeginn zu Ende geht. "unter 7" fände ich auch deshalb schon deutlich besser als "unter 6" und vielleicht wäre "unter 8" noch besser. Natürlich sind die Anforderungen mit mehr als einem Kind größer als bei nur einem. Da bräuchte es eine andere "Formel".

    Dennoch kann das kein Grund sein für eine lebenslange kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern unabhängig von irgendwelchen Kindern.

  • Warum sollte genau dieser Fall nicht betroffen sein?

    Ist doch gerade so, dass wenn die Kinder erwachsen geworden sind, die Hürde hoch ist, für die Frau anzufangen zu arbeiten, weil genau dann erst die eigene Versicherungspflicht einsetzen würde. Also lässt sie es oder es bleibt auf Minijob Niveau, denn es ist kaum attraktiv mehr zu machen, wo sie doch bei ihm kostenlos mitversichert bleiben kann. Das finde ich einen Fehlanreiz.

    Ich glaube Du hast mich missverstanden.
    Ich sehe die bedingungslose dauerhafte Familienversicherung auch als absoluten Fehlanreiz. Daher bin ich auch der Ansicht, dass die Familienversicherung irgendwann wegfallen sollte.

    Natürlich sollte es Ausnahmen geben. Und so wie ich in der aktuellen politischen Diskussion verfolge, sollen Kindern oder auch pflegende Angehörige so eine Ausnahme darstellen. Bei Kindern, kann man natürlich wegen dem Alter der Kinder diskutieren.

    Gleichzeitig wird ganz offen festgelegt, dass man bereits betroffen ist, sobald die Kinder sechs Jahre alt sind. Sechs Jahre. Als ob damit das Betreuungsproblem plötzlich gelöst wäre. Was genau sollen Eltern denn in der Realität tun?

    Darüber ab welchem Alter so etwas greifen könnte wird sicherlich zu diskutieren sein. Ist ja auch die Frage ob 1 Kind oder mehrere Kinder vorhanden sind. Gerade auf dem Lande muss ein Elternteil häufig 'Fahrdienste' für die Kinder leisten (älteres Kind zum Sport in Nachbarort A, jüngeres Kind zum Sport in Nachbarort B).
    Aber irgendwann sind die Kinder halt außer Haus/selbstständig. Und spätestens dann sollte die kostenlose Familienversicherung wegfallen. Ich denke darüber sind wir uns einig.


  • Natürlich sollte es Ausnahmen geben. Und so wie ich in der aktuellen politischen Diskussion verfolge, sollen Kindern oder auch pflegende Angehörige so eine Ausnahme darstellen. Bei Kindern, kann man natürlich wegen dem Alter der Kinder diskutieren.

    Ich würde vorschlagen solange man in Elternzeit ist werden die KV Beiträge bom Staat bezahlt (keine Ahnung wie das aktuell ist?), dann braucht es gar keine kostenlose Mitversicherung für Ehepartner mit kleinen Kindern.

    Also 3 Jahre Elternzeit, in der man keine KV Beiträge selbst zahlen muss und danach werden Anreize gesetzt, dass beide Elternteile wieder arbeiten. In Summe kann man als Paar dann ja trotzdem bloß 100% arbeiten, so dass immer ein Elternteil bei den Kindern zuhause ist :)

  • Sogar der Chef der größten gesetzlichen Krankenkasse (Jens Baas / TK) fordert dies.

    Klar fordert er das, bringt ja neue Mitglieder. Besser für alle wäre allerdings das Gegenteil: Das Ende der GKV mit der PKV als Pflichtversicherung.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Würde man jetzt sofort die Minijobs auf Schüler, Studenten und Rentner begrenzen, würde sich dieser Anteil sofort stark verringern.

    Wäre das schlecht? Minijobs waren nie als Ersatz für vollwertige Arbeit gedacht. In der Praxis läuft es aber oft darauf hinaus, weil bei der Aufnahme eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung eben der Mehraufwand kaum lohnt. Wir schaffen im Land zu viele Anreize dafür, nicht zu arbeiten. Sowohl was das gar nicht arbeiten anbelangt, als auch die Teilzeit. Und wundern uns hinterher, wenn genau das passiert. Mit den entsprechenden Folgen...nicht nur für die Sozialsysteme, sondern auch für die betreffenden Personen selbst. Wer nicht oder nur wenig arbeitet, erwirbt auch keine bzw. nur geringe Ansprüche an die GRV.

    Ich habe ja gestern ausgerechnet, dass die 200€ etwa 80h pro Monat bei Mindestlohn entsprechen. Das ist selbst mit den Kindergartenzeiten hier realistisch. 5 Tage 7:30-12:30, an zwei Tagen 13:45-16:45. Wie in meiner Jugend. Wobei der aktuelle Entwurf eine beitragsfreie Mitversicherung bei Kinder bis 6 Jahren vorsieht. Spätestens, wenn die in der Grundschule sind, kann man auch Teilzeit arbeiten.

  • Wer nicht oder nur wenig arbeitet, erwirbt auch keine bzw. nur geringe Ansprüche an die GRV.

    Fairerweise muss man sagen, dass das mittlerweile auch auf die meisten Menschen zutrifft, die Vollzeit arbeiten. Wer Mieter ist, schafft es kaum über Grundsicherung im Alter mit der GRV.

    Zitat von LebenimSueden

    Ich habe ja gestern ausgerechnet, dass die 200€ etwa 80h pro Monat bei Mindestlohn entsprechen. Das ist selbst mit den Kindergartenzeiten hier realistisch. 5 Tage 7:30-12:30, an zwei Tagen 13:45-16:45. Wie in meiner Jugend. Wobei der aktuelle Entwurf eine beitragsfreie Mitversicherung bei Kinder bis 6 Jahren vorsieht. Spätestens, wenn die in der Grundschule sind, kann man auch Teilzeit arbeiten.

    Und alle Arbeitgeber passen dann ihre Arbeitszeiten an die Kindergärten und Schulen an. In den Ferien und wenn das Kind krank ist, gilt Sonderurlaub. Auf dem Land kauft sich dann noch jede/r Teilzeitbeschäftigte ein Auto und alle werden glücklich.:rolleyes: Sei ehrlich: Du hast keine Ahnung wie das Leben einer Familie aussieht, die drei Kinder und zwei Jobs hat und ohne Oma-Backup ihr Leben meistern muss, stimmt‘s?

  • Damit hast du zwei Probleme:

    1. alle mit Vorerkrankungen. Kostendeckende Beiträge sind für diese Gruppe unbezahlbar

    2. Familien. Hier hält man teilweise 200€ für unzumutbar, eine PKV kommt sehr sehr viel teurer. Plus noch die voll zu versichernden Kinder

    Zu 1: Das es für diese Gruppe teurer wird, ist richtig. Allerdings ist das eben der Grundgedanke einer Versicherung, dass unterschiedliche Risiken zu unterschiedlichen Beiträgen führen.

    Zu 2: Die PKV kommt im Regelfall sogar günstiger, die Altersentwicklung dürfte sich entspannen, da jetzt die Generationen in Rente gehen, bei denen die Altersrückstellungen voll greifen. Bei den Kindern wird es teurer, ja, aber diese Subvention ist nunmal sehr teuer und muss unbedingt auf den Prüfstand.

    Wenn Du Deinen Vorschlag konsequent zu Ende denkst, landest Du am Ende bei einer Bürgerversicherung. Zumindest wenn Du allen Menschen in Deutschland eine Krankenversicherung zugestehen willst.

    Korrekt. Aber bei einer, die im Gegensatz zu einem staatlichen System wirtschaften kann.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Wobei der aktuelle Entwurf eine beitragsfreie Mitversicherung bei Kinder bis 6 Jahren vorsieht. Spätestens, wenn die in der Grundschule sind, kann man auch Teilzeit arbeiten.

    Kommt immer darauf an, wo Du lebst. Ich glaube z.B. nicht, dass es in jedem Dorf eine Teilzeitstelle gibt, die sich dann auch noch nach den Schulzeiten des/der Kinder richtet. Und dann muss man auch noch zur Arbeit kommen (PKW, Fahrtkosten, usw.).

    Wir schaffen im Land zu viele Anreize dafür, nicht zu arbeiten.

    Das ist sicherlich richtig. Ich kann durchaus Menschen verstehen, die mit Bürgergeld zufrieden sind und keine Motivation darin sehen für etwas mehr Geld einen Vollzeitjob auf Mindestlohnniveau anzutreten.
    Die Frage ist wie man solche Menschen 'motivieren' kann.

  • Zu 2: Die PKV kommt im Regelfall sogar günstiger, die Altersentwicklung dürfte sich entspannen, da jetzt die Generationen in Rente gehen, bei denen die Altersrückstellungen voll greifen. Bei den Kindern wird es teurer, ja, aber diese Subvention ist nunmal sehr teuer und muss unbedingt auf den Prüfstand.

    Ich glaube, du hast noch nicht mitbekommen, wie stark die PKV-Beiträge in den letzten Jahren für Rentner und Pensionäre gestiegen sind. Zum Teil stärker als für Personen im Erwerbsleben. Seitdem die Zinsen so niedrig sind, erwirtschaften die Versicherer kaum noch Überzinsen. Und diese sollen eigentlich die Beitragssteigerungen im Alter dämpfen.

    Wenn die Überzinsen weiterhin niedriger als die medizinische Inflation sein werden, werden auch zukünftig die Beiträge für Rentner und Pensionäre stark ansteigen.

    Momentan sehe ich die Gefahr, dass zukünftig immer mehr Rentner und Pensionäre aufgrund hoher PKV-Beiträge in finanzielle Engpässe geraten.

  • Ich glaube, du hast noch nicht mitbekommen, wie stark die PKV-Beiträge in den letzten Jahren für Rentner und Pensionäre gestiegen sind. Zum Teil stärker als für Personen im Erwerbsleben. Seitdem die Zinsen so niedrig sind, erwirtschaften die Versicherer kaum noch Überzinsen. Und diese sollen eigentlich die Beitragssteigerungen im Alter dämpfen.

    Wenn die Überzinsen weiterhin niedriger als die medizinische Inflation sein werden, werden auch zukünftig die Beiträge für Rentner und Pensionäre stark ansteigen.

    Momentan sehe ich die Gefahr, dass zukünftig immer mehr Rentner und Pensionäre aufgrund hoher PKV-Beiträge in finanzielle Engpässe geraten.

    Die Beitragszuschläge gibt es erst seit 2000. Es gibt noch keine Rentner, die seit Vertragsbeginn davon profitieren.

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    Grover Norquist

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