Steuerreform – Spitzenverdiener müssen ihren Beitrag leisten

  • Bei dem, was Du ansprichst, sehe ich aber nicht, wie man es mit dem Steuersystem richten oder auch nur dezent lenken könnte

    Ja richten und lenken kann man das mit dem Steuersystem natürlich nicht, allerdings sollte jemand der mit mehr Glück als Verstand in einen gut bezahlten Job gerutscht ist nicht zu laut schreien wenn er etwas höhere abgaben haben mag.

    Eigentlich müsste es ja im Interesse des jeweiligen Arbeitgebers liegen, Fleißige zu belohnen und Underperformer zu motivieren, besser zu werden …

    Ja eigentlich ist das sicherlich so aber in vielen eher schlecht bezahlten Jobs sieht die Realität wohl leider anders aus.

  • Weil ein Gewinn ohne Progression direkt mit 48-52% besteuert wird wenn ausgeschüttet wird. Früher wurden Kapitalerträge nach persönlichen Steuersatz (damals bis 56%) im Halbeinkünfteverfahren besteuert. Die Erträge daraus warfen niedriger und nicht höher.

    Kannst Du einen link teilen, der klarstellt, ob Du von der Besteuerung des Gewinns oder der Besteuerung der Kapitalausschüttung sprichst? Gewinne können ja auch einbehalten und investiert werden.

  • Kannst Du einen link teilen, der klarstellt, ob Du von der Besteuerung des Gewinns oder der Besteuerung der Kapitalausschüttung sprichst? Gewinne können ja auch einbehalten und investiert werden.

    Gewinne werden erst mal mit Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer besteuert, in Summe ca 30% je nach Hebesatz (abartig im internationalen Vergleich), danach kommen noch Abgeltungssteuer und Soli wenn ausgeschüttet wird. Das ist schon heftig. Jetzt könnte man natürlich wieder zurück zum persönlichen Steuersatz und dem Halbeinkünfteverfahren gehen, aber dann hat der Staat weniger und nicht mehr.

  • Gewinne werden erst mal mit Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer besteuert, in Summe ca 30% je nach Hebesatz (abartig im internationalen Vergleich), danach kommen noch Abgeltungssteuer und Soli wenn ausgeschüttet wird. Das ist schon heftig. Jetzt könnte man natürlich wieder zurück zum persönlichen Steuersatz und dem Halbeinkünfteverfahren gehen, aber dann hat der Staat weniger und nicht mehr.

    Also fallen doch keine expliziten Steuern für die Unternehmen für die Gewinnausschüttung an. Körperschafts- und Gewerbesteuer fallen vorher auf die Gewinne selbst an.

    Damit sind die Löhne für mich eher mit den Dividenden vergleichbar. Und damit komme ich wieder zu dem Punkt RE: Steuerreform – Spitzenverdiener müssen ihren Beitrag leisten

    Zitat

    Eine Kapitalgesellschaft, die auch Arbeiter/Angestellte hat, zahlt ihren Arbeitnehmern, die ihre Arbeitskraft geben, die Löhne. Und sie zahlt ihren Aktionären, die ihr Geld geben, Dividenden. Warum werden die Löhne progressiv besteuert, die Dividenden aber nicht?

  • Also fallen doch keine expliziten Steuern für die Unternehmen für die Gewinnausschüttung an. Körperschafts- und Gewerbesteuer fallen vorher auf die Gewinne selbst an.

    Damit sind die Löhne für mich eher mit den Dividenden vergleichbar. Und damit komme ich wieder zu dem Punkt RE: Steuerreform – Spitzenverdiener müssen ihren Beitrag leisten

    Übrigens gibt es auch Gewinnbeteiligungen für Arbeitnehmer. Die werden auch progressiv besteuert und nicht pauschal.

  • Klar ist es blöd, wenn man in der Gehaltsabrechnung den Brutto-Jahresbonus ausgewiesen sieht und dann realisiert, dass netto nach allen Abzügen irgendwie nur etwas mehr als die Hälfte davon überwiesen wird. Aber ganz ehrlich: Mir tut das nicht weh! Ich habe genug zum Leben. Zum In-den-Urlaub-Fahren. Um meinem Kind alles an Kleidung, Bildungsangeboten usw. zu bieten, was es braucht. Um ein Depot mit einer vierstelligen Summe im Monat zu besparen und eine Immobilie abzuzahlen.

    Schön für Dich - ganz persönlich -, wenn Du die Besteuerung hierzulande zwar "blöd" findest mit der Besteuerung hierzulande aber ansonsten offensichtlich im Einklang stehst und zufrieden bist.

    Als Protagonist und Finanz-Laie mit einem von Dir als echtem Finanz-Experten attestieren

    Deinem gefährlichen Halbwissen

    fällt es mir sehr schwer da eine korrigierende Anmerkung zu formulieren. Nichtsdestotrotz will ich wagen ... :)


    Ob Du - ganz persönlich - mit der Besteuerung hierzulande gut leben kannst und/oder zufrieden und im Einklang bist, ist für Deutschland als Investitionsstandort mehr oder weniger (eher mehr) unerheblich bis irrelevant.

    Unser seit Jahren signifikantes Wachstumsproblem sind die fehlenden privaten Investitionen. Im Klartet: Unternehmen investieren tendenziell immer weniger bis gar nicht mehr in Deutschland. Sprich wir haben (längst) kein konjunkturelles sondern ein strukturelles Problem. Die Gründe dafür liegen seit Jahren auf dem Tisch und sind somit bekannt: Regulierungs-/Bürokratiekosten, Energiekosten, Arbeitskosten, Steuern und Abgaben generell, eine international nicht mehr wettbewerbsfähige Unternehmensbesteuerung (die letzte diesbezügliche Steuerreform stammt aus dem Jahr 2008 ...) - um nur die wichtigsten Aspekte zu nennen.

    Nach meinem bescheidenen - aber immerhin vorhandenen - Erfahrungen im nationalen und internationalen Consulting über mehrere Jahrzehnte hinweg, investieren Unternehmen dort, wo sie begründet denken, daß sie in fünf bis 10 Jahren Gewinne erwirtschaften können ...


    War sonst noch was ... ? Ach ja ...

    Schulden kosten in der Regel Geld (= Zinsen). Neue Schulden - erst recht eine gigantische Neuverschuldung (Billion) - können ganz schnell zum Problem werden, wenn der Zins darauf größer sprich höher ist als das Wirtschaftswachstum. Wenn es dieser Regierung nicht gelingt durch (für private Investitionen) vernünftig gesetzte Rahmenbedingungen endlich das Wachstum hoch zu bekommen, werden in nur wenigen Jahren (u. a. absehbare Verdopplung der Zinskosten) die aktuellen Probleme kleine sein - im Vergleich zu den dann anstehenden.

  • Also fallen doch keine expliziten Steuern für die Unternehmen für die Gewinnausschüttung an. Körperschafts- und Gewerbesteuer fallen vorher auf die Gewinne selbst an.

    Genau und damit werden Gewinne aus Körperschaften höher besteuert als Gewinne von Personengesellschaften sofern ausgeschüttet wird. Und jetzt kommt die Forderung Gewinne aus Körperschaften noch höher zu besteuern. Zur Erinnerung: wir hatten bereits Versteuerung zum individuellen Steuersatz und das brachte weniger Steuereinnahmen. Will man das wieder? Von mir aus gerne….

  • Auch wenn’s keiner wahr haben will, der Staat hat ein Ausgabenproblem, kein Einnahmenproblem.


    Wenn das der SPD nicht ins Weltbild passt, kann ich’s zwar verstehen, ändert aber auch nix am Kurs auf den mittleren einstelligen Prozentbereich bei den Umfragen.

    Ich würde mich dagegen für Lösungen interessieren, die die Wirtschaftsleistung in Deutschland steigern, und nicht nur den Staatshaushalt. :)

  • Auch wenn’s keiner wahr haben will, der Staat hat ein Ausgabenproblem, kein Einnahmenproblem.


    Wenn das der SPD nicht ins Weltbild passt, kann ich’s zwar verstehen, ändert aber auch nix am Kurs auf den mittleren einstelligen Prozentbereich bei den Umfragen.

    Ich würde mich dagegen für Lösungen interessieren, die die Wirtschaftsleistung in Deutschland steigern, und nicht nur den Staatshaushalt. :)

    Man wird aber an dem Ausgabenproblem nicht so schnell etwas drehen können. Das wird länger dauern, da wieder die Kurve zu kriegen. Will man so lange weiter bei den Arbeitnehmern die Schraube anziehen?

  • Auf die Ausgaben achten sollte man auch schon in guten Zeiten, nicht dann erst, wenn die Karre schon im Dreck steckt. Macht eigentlich jeder vernünftige Unternehmer / Privatperson.

    Ist aber seit mindestens 10 Jahren in der Politik verlorengegeangen. Und dann tut es eben weh.

  • Auch wenn’s keiner wahr haben will, der Staat hat ein Ausgabenproblem, kein Einnahmenproblem.

    Das kann sicher sein, aber wie kommst du darauf? Wieviel darf ein Staat auf pump investieren? 230% des BIP wie Japan? Sind die 125% der USA das Optimum? Oder ca. 63% wie Deutschland? Oder wie machst du das Ausgabenproblem fest?

  • Ich würde mich dagegen für Lösungen interessieren, die die Wirtschaftsleistung in Deutschland steigern, und nicht nur den Staatshaushalt. :)

    das ist aufgrund der Überalterung der Gesellschaft kaum mehr möglich - selbst wenn der Bürokratieabbau funktionieren würde (was niemals gelingen wird) ist es bis dahin dann schon zu spät. Die Leute sind alt und träge.

  • Das kann sicher sein, aber wie kommst du darauf? Wieviel darf ein Staat auf pump investieren? 230% des BIP wie Japan? Sind die 125% der USA das Optimum? Oder ca. 63% wie Deutschland? Oder wie machst du das Ausgabenproblem fest?

    Wie wäre es anstelle von Verschulung (manche Länder stellen seriös ihre kommenden Ausgaben zurück) die Staatsquote zu betrachten? Die geht seit Jahren steil nach oben….

  • Wieviel darf ein Staat auf pump investieren? 230% des BIP wie Japan? Sind die 125% der USA das Optimum? Oder ca. 63% wie Deutschland? Oder wie machst du das Ausgabenproblem fest?

    Mit investieren auf Pump habe ich garkein Problem. Es ist allerdings die Frage wofür. Wenn’s Investitionen sind in Infrastruktur, wenns vielleicht Inventionen sind die die Ansiedlung von Unternehmen ermöglichen, beispielsweise die 30 Mrd für Halbleiter, was dann ja leider nix geworden ist. Dann ist das gut und sinnvoll.

    Wenn es milliardensubventionen für gescheiterte Geschäftsmodelle sind, Stichwort Agrar, oder für das aufrechterhalten eines maroden Systems, Stichwort Sozialstaat, bei gleichzeitigem verschließen vor der Wirklichkeit, dann ist das was anderes.

    Die Leute sind alt und träge.

    Deutschland steht sich selbst im Weg, ja das sehe ich auch. Aber wir haben ein großes Glück, die disruption ist schon längst da. Neue Technologien wie bspw. KI erlauben es Tätigkeiten zu automatisieren, wo das vor 5 Jahren noch völlig unvorstellbar war. Nur leider rennen uns schon wieder alle davon. Wo in Deutschland das Faxgerät abgeschafft wird, laufen Anderswo schon die Roboter durch die Straßen.

    Man muss Zukunft auch wollen. Nicht jeder kann Hufschmied bleiben.

  • Man muss nur mal in Computer (!) Foren schauen, was los ist wenn ein KI Update oder Windows Update vorgestellt wird.

    Windows 95 und Pascal scheint das Maß der Dinge zu sein. Wer die Neuheiten begrüßt läuft Gefahr geteert und gefedert zu werden.

    Da mag ich mir nicht vorstellen, was in der nicht IT affinen Bevölkerung los ist. Aber man muss ja nur mal e-Auto oder Wärmepumpe sagen...

  • Dem kann ich zu 100% zustimmen.

    Ich will das mal mit ein paar Beispielen untermauen, die auch noch zeigen, daß der Staat ein Ausgabenproblem hat.

    Meiner Frau und mir geht es finanziell sehr gut, trotzdem haben wir immer noch Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage. Wir haben erst ein neues eAuto gekauft, auch dafür eine staatliche Förderung erhalten. Zusätzlich haben wir uns noch eine Balkonsolaranlage geleistet - keine Mehrwertsteuer gezahlt.

    Ebenso Schwiegermutter. Sie hat ein Bruttojahrseinkommen von ca. 45.000,- Euro, aus Renten und Kapitalerträgen, und zahlt 0,- Euro Einkommensteuer. Zusätzlich bekommt sie noch Pflegegeld.

    Aus meiner Sicht sollten viele dieser staatlichen Leistungen einkommensabhängig sein. In der heutigen Form sind sie teilweise Wahlgeschenke für die Reichen.

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