Inflation und Kaufzurückhaltung zurück —> leider auch bei der Altersvorsorge

  • Die Abgeordneten, mit denen ich in der letzten Zeit gesprochen habe (i.d.R. beruflich bzw. bei Anlässen, die mit meinem Beruf oder dem Ehrenamt im KatS zu tun haben), erzählen recht parteiübergreifend, man habe ja Recht, bzw. die Umfragen, wie die Bevölkerung zu aktuellen Sachthemen und Sachentscheidungen der Politik steht würden durchaus wahrgenommen, aber man müsse auch an Dinge wie Fraktionsdisziplin und Koalitionsfrieden denken, es sei nicht immer alles so einfach wie der Bürger sich das denken würde, man würde Erfolge nicht genug würdigen und über allen stehe auch ein gewisser Druck, die Brandmauer aufrecht zu halten (böser Nachsatz eines demnächst Neu-MdL: jedenfalls solange es noch geht). Und hier und da hört man auch hindurch, dass zwischen den Ebenen Bund - Länder innerhalb mancher Parteistrukturen doch recht großes Konkurrenzdenken herrscht, auch Personen in führenden Köpfen manchmal halt einfach zu arg miteinander menscheln, und dann Sympathie (oder auch nicht) mehr zählt wie logische Entwicklungen von Sachthemen. Da ist sehr vieles dabei, was mich sehr daran zweifeln lässt, dass die vorgeschlagenen Punkte Politik(er) tatsächlich beeinflussen könnten.

    Das betrifft übrigens ja auch nicht nur Menschen, die sich von der Politik nicht wahrgenommen/mitgenommen fühlen und Protestwähler werden, sondern auch diejenigen, die sich schon innerhalb der Parteien selbst engagieren. Wenn man in Umfragen (jaja, auch die bösen) Aussagen dazu findet, wie die Zustimmung zum Kanzler innerhalb der CDU ist, oder zum Vizekanzler innerhalb der SPD, das ist eigentlich noch mehr Sprengstoff, als die potentiellen AfD-Wähler. Das spielt halt alles zusammen, weil es auch schon zu lange läuft. Wenn schon die Hälfte der CDU-Anhänger die Regierungspolitik nicht gut findet, sind darunter auch viele aktive CDUler, und dann ändert sich die Welt nicht, wenn ich in eine Abgeordnetensprechstunde spaziere. Da muss viel mehr auch direkt von oben herab kommen.

  • aber man müsse auch an Dinge wie Fraktionsdisziplin und Koalitionsfrieden denken, es sei nicht immer alles so einfach wie der Bürger sich das denken würde,

    Ich übersetze das mal: "Wenn ich nicht spure und so abstimme, wie die Fraktionsführung es will, dann war es das mit einem aussichtsreichen Listenplatz bei der nächsten Wahl."

    Für viele dieser Abgeordneten, insbesondere aus dem linken Spektrum, ist ihr Lebensweg kurz und einfach zu beschreiben: "Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal". Wenn die ihr Mandat verlieren, sind sie auf das Wohlwollen ihrer Partei angewiesen, um eine Anschlussverwendung zu finden und keine Grundsicherung beantragen zu müssen. Da schaltet ein Abgeordneter schon mal sein Gewissen, dem allein er ja bei Abstimmungen unterliegt, aus und hebt die Hand, wie die Partei es befiehlt.

  • Medien anschreiben und fragen, warum sie in Berichterstattung und Interviews bei „Forderungen“ und „Ankündigungen“ nie nach messbaren Kriterien fragen und diese nachhalten

    Einerseits ja, die Rolle der Medien wird seit längerem nicht ausreichend genutzt, von Medien selber aber auch der Bevölkerung. Andererseits: ist derartige Medienkritik heute nicht auch schon viel zu weit rechts?

  • Ich übersetze das mal: "Wenn ich nicht spure und so abstimme, wie die Fraktionsführung es will, dann war es das mit einem aussichtsreichen Listenplatz bei der nächsten Wahl."

    Für viele dieser Abgeordneten, insbesondere aus dem linken Spektrum, ist ihr Lebensweg kurz und einfach zu beschreiben: "Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal". Wenn die ihr Mandat verlieren, sind sie auf das Wohlwollen ihrer Partei angewiesen, um eine Anschlussverwendung zu finden und keine Grundsicherung beantragen zu müssen. Da schaltet ein Abgeordneter schon mal sein Gewissen, dem allein er ja bei Abstimmungen unterliegt, aus und hebt die Hand, wie die Partei es befiehlt.

    Wenn ich schon sowas lese…

    Den Fraktionszwang gibt es bei allem Parteien, nicht nur solchen aus dem linken Spektrum.

    Zudem ist mein Anspruch an ein Parlament, dass es ein bisschen den Querschnitt der Bevölkerung abdeckt. Und es wäre mir neu, dass irgendwie 1/3 der deutschen Bevölkerung aus männlichen Juristen im Alter von 50-70 Jahren besteht. Im Gegenteil, mit deiner Diffamierung zeigst du gut, dass gerade die CxU ein Problem mit der Selbsterneuerung hat, da kaum junge Kandidaten aufgestellt werden, sondern viele Wahrkreise seit zig Legislaturperioden von den gleichen MdB repräsentiert werden. Ich glaube nicht, dass das immer gut ist.

  • Die Frage an Merz und Co. ist: Wenn die Steuern und Sozialabgaben noch weiter angehoben werden sollen, warum soll man sich dann als Arbeitnehmer bei einer Stundenreduzierung "Faulheit" vorwerfen lassen? Das hat nichts mit Faulheit zu tun, das ist rein ökonomisches Denken.

    Genau so ist es. Meine Frau hat sich selbstständig gemacht, muss aber unter der Minijobschwelle bleiben, weil ansonsten die GRV dank §2 SGB VI die Hand aufhält. Deutlich erhöhen, damit sich die 20% Abzüge lohnen geht nicht, weil nur Nebenbei-Selbstständigkeit und der Hauptjob ja auch noch erledigt werden muss. Also bleibt man eben brav drunter und arbeitet weniger.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Auch hier sind wir (wie im Parallel-Thread) unter dem Stammtisch angekommen. Mit Altersvorsorge hat das hier nicht mehr viel zu tun.

    Meiner Ansicht nach diskutieren wir doch gerade die Gründe, warum die Menschen weniger Altersvorsorge betreiben. Zumal wir uns in der Gesprächsecke befinden, nicht in einem Themenforum.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Den Fraktionszwang gibt es bei allem Parteien, nicht nur solchen aus dem linken Spektrum.

    Absolut!

    m Gegenteil, mit deiner Diffamierung zeigst du gut, dass gerade die CxU ein Problem mit der Selbsterneuerung hat, da kaum junge Kandidaten aufgestellt werden, sondern viele Wahrkreise seit zig Legislaturperioden von den gleichen MdB repräsentiert werden. Ich glaube nicht, dass das immer gut ist.

    Das ist einerseits richtig, solange du auf Berufe etc. abzielst. Bei der Einbeziehung der Jugend sehe ich aber die CDU nicht deutlich hinter den anderen. Ich fand z.B. sowohl bei Kevin Kühnert als auch gerade bei Ricarda Lang interessant, eigentlich richtig schlimm, wie sehr sich ihre Interviews und Talkauftritte heute unterscheiden zu denen, die sie vorher in Amt bzw. Funktion gegeben haben. Beispiel Ich konnte Lang als Grünenvorsitzende nie abhaben, heute freue ich mich wenn sie in Talkshows sitzt.

    Wenn diesen "Wandel" im Auftreten, im Sprechen und, das nehme ich Lang ab, auch im Denken/Verstehen viele heute aktive Köpfe der Regierungskoalition auch mal erkennen ließen, ohne vorher aus dem Amt zu scheiden, die AfD wäre doch morgen nur noch ein Mückenschiss in den Wahlumfragen!

    Aber warum bekommen viele Politiker diese Blasen-Sichtweise erst dann, wenn es zu spät ist? Offenbar parteiübergreifend, und es kommt einem irgendwie auch auffällig vor, dass es zuletzt einige doch noch recht junge Politiker getroffen hat. Die Kritik, die diese dann selber äußern, hat schon einiges übereinstimmend mit der Kritik der sog. "Protestwähler", der Unzufriedenen, die sich dann in den Abgeordnetensprechstunden anmelden sollen. Die einen engagieren sich damit gar nicht erst politisch, die anderen scheiden aus praktisch den gleichen Überlegungen/Erfahrungen aus...

  • Auch hier sind wir (wie im Parallel-Thread) unter dem Stammtisch angekommen. Mit Altersvorsorge hat das hier nicht mehr viel zu tun.

    In diesem Fall finde ich es schon interessant das wir bei politischen Gründen angelangt sind. Diese sind ja maßgeblich der Grund für die inflation sowie die Konsumzurückhaltung.

    Private Investitionen werden nur getätigt wenn man finanziell stabil ist und sich im Staat aufgefangen fühlt. Das ist allem Anschein nach nicht der Fall für große Teile der Bevölkerung und politisch ist ja nichts in Aussicht, was die Situation ändert.

    Das man jetzt hier in eine tiefere Analyse geht warum, finde ich sehr aufschlussreich. Es scheint ja so als wären die Politiker zumindest zum Teil echte Menschen die logisch denken können, aber je weiter sie in politische Verantwortung kommen, entfernen sie sich von der Bevölkerung, die sie gewählt hat und ihren eigenen Positionen, aufgrund derer sie gewählt wurden.

    Ich wüsste nicht warum wir jetzt weiter das Problem ausschmücken sollten und dabei nicht die Gründe betrachten sollen. Der Eingangspost war ja eher eine Feststellung von Tatsachen.

  • Ich übersetze das mal: "Wenn ich nicht spure und so abstimme, wie die Fraktionsführung es will, dann war es das mit einem aussichtsreichen Listenplatz bei der nächsten Wahl."

    Für viele dieser Abgeordneten, insbesondere aus dem linken Spektrum, ist ihr Lebensweg kurz und einfach zu beschreiben: "Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal". Wenn die ihr Mandat verlieren, sind sie auf das Wohlwollen ihrer Partei angewiesen, um eine Anschlussverwendung zu finden und keine Grundsicherung beantragen zu müssen. Da schaltet ein Abgeordneter schon mal sein Gewissen, dem allein er ja bei Abstimmungen unterliegt, aus und hebt die Hand, wie die Partei es befiehlt.

    Ich glaube, das ist bei allen Berufspolitikern (woh leider naturgemäß) so.

    Es soll übrigens im rechten Spektrum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten geben, die zwar im Hörsaal mal gesessen sind, aber weder ein Studium noch eine Ausbildung abgeschlossen haben.

  • Das liegt aber auch daran, dass man in den Parteien als Seiteneinsteiger keine Chance hat. Da nimmt man lieber Leute, die seit dem 14. Lebensjahr bei Jusos, JU und Co Plakate kleben. Die kommen dann eben nach dem Studien über Connections an einen Bürojob bei einem Abgeordneten und folgen irgendwann nach.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Das Problem ist noch ein anderes: Ist der Status eines MdB (und auch MdL) finanziell so abgesichert, dass man als jemand, der beruflich eine ordentliche Karriere als Wasauchimmer (und was auch immer ordentlich ist) hingelegt hat, diese für 4 Jahre unterbricht, dann entscheidet sich der Wähler wieder anders, und man muss zurück ins frühere Berufsleben... Wir erleben gerade die Diskussionen um die Abgeordnetendiäten. Die Linken diskutieren recht unterhaltsam mit sich selber, die anderen eher untereinander, die Bevölkerung hat da auch eher eine Mehrheitsmeinung zu... Aber wieso sollte sich jemand, der selbst z.B. einige Jahre einen Familienbetrieb erfolgreich aufgebaut und/oder geführt hat, mit 40 oder 50 entscheiden in den Bundestag zu gehen, und nicht zu wissen, wie es mit 45 oder 55 beruflich aussieht? Dass unsere Parlamente (ja, parteiübergreifend) von Berufen/Ständen her so aussehen, wie sie aussehen, hat ja auch seine Gründe. Würde man die ändern wollen, wäre die Bezahlung einer der Bausteine, an die man m.M.n. ran müsste. Nicht der einzige, aber schon ein bedeutender. Auch die gesellschaftliche Sicht, wenn es später heißt, geh zum Fließenlegermeister X, der arbeitet wieder, ist ja letzte Wahl ausm Landtag geflogen... Dürfte in Deutschland auch nicht das beste sein, was man in seinen Lebenslauf schreibt.

  • Dürfte in Deutschland auch nicht das beste sein, was man in seinen Lebenslauf schreibt.

    Der geneigte Bürger darf sich auch selbstständig darüber klar werden, was er will und was er nicht will. Das Wählen rechtsrandiger Randgruppen wird diese Klarheit nicht liefern.

    Der Wähler kann sich nicht beschweren, dass ein Schäuble 50 Jahre im Bundestag sitzt und nicht weiß, was in der echten Welt los ist und sich auch beschweren, wenn der Fliesenleger nach 4 oder 5 Jahren wieder Fliesen legen will/muss.

    Klar, er kann sich beschweren, aber es wird keine Lösung geben, die ihn glücklich macht, wenn er das nicht selbst in die Hand nimmt.

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