Rentenversicherung behalten?

  • Hallo liebe Gemeinschaft,

    Meine lieben Eltern haben zum 01.09.2006 zwei Rentenversicherungen auf meinen Namen abgeschlossen mit einer Einmalzahlung von jeweils 40.000 Euro. Leider habe ich erst vor wenigen Jahren angefangen mich mit Hilfe von Finanztip intensiver mit meinen Finanzen zu beschäftigen und stehe nun vor der Frage ob diese RV das richtige für mich sind oder ob das Geld nicht besser in einem Weltweit gestreuten Aktien-ETF investiert wäre. Ich habe bereits 2 ähnliche Beiträge hier im Forum gelesen die sehr informativ waren aber da ja jede RV anders ist treffen die Empfehlungen natürlich nicht unbedingt auf mich zu - daher hoffe ich auf euer Schwarmwissen! :)

    Der Einfachheit halber konzentriere mich zunächst nur auf die RV der Versicherungskammer Bayern.

    Im Anhang findet Ihr den aktuellsten "Stand der Versicherung" sowie einen Teil des Versicherungsscheins.

    So wie ich das verstehe wurde aus den 40.000 Euro die meine Eltern 2006 eingezahlt haben in den knapp 20 Jahren 50.468,28 € - das entspräche einer Rendite von weniger als 1,17 % (Laut ETF-Rechner von Finanztip: "Unter Berücksichtigung einer jährlichen Inflation von 2,0 % entspricht dies einer inflationsbereinigten Kaufkraft von 33.970 €")

    Allerdings bekäme ich ja zu Rentenbeginn (am 01.09.2041) mindesten bzw. garantiert 95.303,60 €, was einer Rendite von 2,75 % entspricht. (Die 2,75 % habe ich auch schon irgendwo im Vertrag gelesen)

    Es bringt jetzt natürlich nichts sich auszurechnen wie viel Geld ich jetzt hätte wenn ich gleich die 40.000 in ETFs gesteckt hätte - die Frage ist ob ich den Vertrag auflösen sollte oder behalte:

    Würde ich mir die 50.468,28 € jetzt auszahlen lassen und in einen ETF anlegen könnte ich in den nächsten 15 Jahren (bis "Rentenbeginn") laut ETF-Rechner bei Jährlich 6% mit 120.950€ rechnen. Das ist natürlich nicht garantiert während die 95.303,60 @ der Versicherung schon garantiert sind.

    Dann gibt es ja noch die monatliche Rente - garantiert 372,54 €- ein Betrag der in 15 Jahren nicht viel mehr als ein Taschengeld ist - dafür aber lebenslang.
    Würde ich aber in ETFs anlegen und den Empfehlungen von Finanztip folgen (3% vom Vermögen im Jahr als Rente auszahlen) käme ich auf 321 € / Monat.

    Das alles ist natürlich noch ohne Steuern - hier gibt es ein weiteres Argument für die Rentenversicherung: Laut meinem Bankberater muss nur 50% des Gewinns versteuert werden - der Rest wie bei Aktien 25% + 5,5% Soli.
    Bei ETFs sind ja nur 30% Steuerfrei (wenn ich mich nicht irre).

    Immer wenn ich anfange rumzurechnen und zu überlegen was besser ist fängt mein Schädel an zu brummen! ^^

    Was ist eure Meinung? So schlecht wie so manch anderer Vertrag ist die RV gar nicht oder? Übersehe ich was?

    Ich danke im Voraus!

    P.S. es scheint ein Problem mit dem Hochladen der Dateien zu geben - eventuell muss ich's gleich nochmal probieren...

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  • Ein interessanter Satz ist mir noch im Schreiben "Stand der Versicherung" aufgefallen:

    "Zusätzlich zur einmaligen Zahlung wird bei vorzeitiger Vertragsbeendigung eine beitragsfreie monatliche Rente von 115,72 Euro bzw. beitragsfreie Kapitalabfindung von 30.993,64 Euro gebildet, die nur im Erlebensfall zum 01.09.2036 fällig wird."

    Das klingt fast so als bekäme ich noch eine monatliche Rente bzw eine Einmalzahlung obwohl ich den Vertrag auflöse!?

    Das wäre ja schon ein starkes Argument fürs Auflösen des Vertrags...

  • Steuern sparen können frisst Hirn.

    Versicherungsprodukte sind ausnahmslos Müll, da die Versicherung und der Fondsanbieter verdient.

    Bitte keine Politikwissenschaftler und kein Marcel Fratzscher mehr im TV.

    Satt 300k+ Neubauwohnungen brauchen wir 300k+ Abschiebungen, um schnellere Arzttermine zu ermöglichen und Stadt- und Gemeindeabgaben zu senken.

  • Die Versicherungen kann ich nicht beurteilen, wobei es denke ich noch schlimmere Konditionen gibt. Ein Garantiezins von 2,75 % wäre jedenfalls nicht extrem schlecht. Eine spätere Verrentung ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Meist kannst Du das nicht vererben und es fehlt der Inflationsausgleich. Das würde ich nur in Erwägung ziehen, wenn Deine Rente sehr niedrig ist.

    Aber noch ein paar andere Gedanken zur Problematik. Leben Deine Eltern noch? Es könnte zu familiären Konflikten führen, wenn du de RV auszahlen lässt und alles in Aktien steckst. Sie wollten Dir einen stabilen Grundstock verschaffen und wären möglicherweise angefressen.

    Sofern die Rendite halbwegs vertretbar ist, kannst Du überlegen, es als risikoarmen Teil Deiner Anlagen zu betrachten. Die Einzahlungen kannst Du unabhängig davon stoppen. Lass Dir von der Versicherung ausrechnen, wie sich das auf die Ablaufleistung auswirkt.

  • Die Einzahlungen kannst Du unabhängig davon stoppen

    Ich habe es so verstanden das es nur eine Einmalzahlung gab und keine weiteren. Also bräuchte man nichts stoppen.

    2,75% ist langfristig nicht so schlecht. Wenn die EZB ihr 2% Ziel langfristig schafft.

    Das ist nichts für den Vermögensaufbau, aber als sicherer Baustein OK. Das würde Dir die Freiheit eröffnen mit relativ hoher Aktien (also ETF) Quote am Vermögensaufbau zu arbeiten.

  • Danke für die Antworten!

    Es könnte zu familiären Konflikten führen, wenn du de RV auszahlen lässt und alles in Aktien steckst.

    Erfreulicherweise leben beide noch :)
    Ich habe mit Ihnen darüber geredet und die Idee mich in einem Forum beraten zu lassen in dem mir garantiert niemand irgendwas verkaufen will fanden sie sehr gut!
    Ihre Generation hatte ja damals noch weniger Zugang zu Finanzbildung als wir heute mit wem Internet und Plattformen wie Finanztip. Da gab es halt nur den Bankberater...

    Die Einzahlungen kannst Du unabhängig davon stoppen.

    Es gibt eh keine Einzahlungen - meine Eltern haben einmalig 40.000 € eingezahlt.

    Meist kannst Du das nicht vererben

    Laut dem "Stand der Versicherung" wird wenn ich sterbe der gleiche Betrag ausgezahlt den ich bekäme wenn ich den Vertrag vorzeitig beende. Da sollte ich noch herausfinden an wen der Betrag ausgezahlt würde...

    Einen Inflationsausgleich gibt es glaube ich nicht.

  • Das würde Dir die Freiheit eröffnen mit relativ hoher Aktien (also ETF) Quote am Vermögensaufbau zu arbeiten.

    Was meinst Du damit? Vertrag auflösen und in ETFs stecken oder auslaufen lassen und dann investieren - entweder monatlich oder auf einmal? Sorry - steh auf'm Schlauch...

  • Hast du sonst keinen Sparplan ? Also ich würde das Produkt einfach weiter laufen lassen und paralell dazu einen ETF Sparplan eröffnen.

    Und du schriebst doch von 2 Rentenverträgen mit je 40.000€ Einmaleinzahlung, also reden wir bei Rentenbeginn von rund 190.000€, richtig ?

  • Die Rentenversicherung kann (oder darf) nur mit in festverzinsliche Anlagen gehen. Die ist zwar steuerbegünstigt oder das Zinsumfeld ist ungünstig und wird es auch bleiben.
    Mein Rat, alles verkaufen und wie angedacht in ETF anlegen.
    Wichtig, von „steuerfrei oder -begünstig“ alleine kann man sich nicht viel kaufen!

  • Hast du sonst keinen Sparplan ?

    Doch - ich habe seit ca. 5 Jahren einen Sparplan von 600 € / Monat und hab auch wann immer es ging Einmalzahlungen gemacht. Inzwischen liegt der Wert bei 130.000 €

    Und du schriebst doch von 2 Rentenverträgen mit je 40.000€ Einmaleinzahlung, also reden wir bei Rentenbeginn von rund 190.000€, richtig ?

    Die andere Versicherung läuft etwas besser: "erreichtes garantiertes Kapital": 105.000 €

  • Was meinst Du damit? Vertrag auflösen und in ETFs stecken oder auslaufen lassen und dann investieren - entweder monatlich oder auf einmal? Sorry - steh auf'm Schlauch...

    RV laufen lassen als sicherer Baustein

    Da du damit weniger Cash fürs Alter aufbauen musst (denn das bekommst du dann aus der RV ausgezahlt) kannst du deine Sparrate voll ins Depot buttern.

    Allerdings weiß ich nichts über deine restliche Vermögen Situation.

    Hast du noch gar nichts, kann es besser sein auszahlen lassen und in ETF investieren, damit du erstmal einen Grundstock hast. Du hast ja nur noch 15 Jahre bis zur Rente.

  • Das alles ist natürlich noch ohne Steuern - hier gibt es ein weiteres Argument für die Rentenversicherung: Laut meinem Bankberater Bank-Finanzprodukteverkäufer muss nur 50% des Gewinns versteuert werden - der Rest wie bei Aktien 25% + 5,5% Soli.

    Da liegste aber falsch: Beim sogenannten „Halbeinkünfteverfahren“ wird "nur" der hälftige Ertrag versteuert, aber nicht über die Kapitalertragssteuer (Abgeltungssteuer: (25% + 5.5% Soli davon)) sondern mit deinem persönlichen Einkommenssteuersatz!!

    Bei ETFs sind ja nur 30% Steuerfrei (wenn ich mich nicht irre).

    Aktien-ETF mit mehr als 50% Aktienanteil werden um 30% "teilfreigestellt". Der Rest unterliegt der Kapitalertragssteuer und Soli (26,375%) plus ggf Kirchensteuer.

  • Würde dazu tendieren ihn zu behalten.

    Bisher ist die natürlich be… gelaufen. Nach deinen Angaben rendiert er mit dem derzeitigen Stand bis zu deiner Rente aber mit ca. 4,3 % und das risikofrei.

    Gleichzeitig hast du schon einen guten Stand bei deinen ETF‘s und dieser wird mit deinem Sparplan ja noch gut steigen.

    Meine Meinung.

  • Copperplate Es ist immer einfach zu sagen "verkaufen" "verhackstückeln ohne Rücksicht auf Verluste", wenn man nicht vom eigenen Geld spricht.
    2,75% Garantieverzinsung bedeutet Werterhalt trotz Inflation.
    Ich würde die RV-Verträge u.U. erhalten und später bei Rentenbeginn zumindest einen auszahlen lassen, evtl beide, kommt aber dann auf den Rentenfaktor und deine Lebenserwartung an.

    Parallel würde ich bis zum Rentenbeginn alles außer einem guten Notgroschen in welt-Aktien-Etfs anlegen. Falls die Aktienmärkte mal länger danieder liegen hast du deine Sicher-Anteil in den bestehen und die nichts mehr kostenden Rentenversicherungen.

    Diversifizieren heißt für mich: nicht nur weltweite ETF sondern auch sicherere Anlagen.

  • Zu bedenken ist, dass bis zur Rente noch eine Zeit von 15 Jahren ist. Das ein globales ETF schlechter performt als mit 2,75% ist wirklich extrem gering. Auch hat der Forist noch einen anderen Vertrag, somit ein weiteres Eisen im Feuer. Die Vorstellung, dass der Vertrag nach einer Zinsanhebung besser läuft ist hingegen extrem gering.

  • Zu bedenken ist, dass bis zur Rente noch eine Zeit von 15 Jahren ist. Das ein globales ETF schlechter performt als mit 2,75% ist wirklich extrem gering.

    gering? ja! Extrem gering? nein!

    Für mich stellt sich die Frage, wo sich Copperplate mit seinem Risiko platzieren will. Wenn er seine Sparrate von 600 Euro pro Monat die nächsten 15 Jahre durchzieht, wird das Depot voraussichtlich bei über 400.000 rauslaufen. Das wäre grob gerechnet ein Verhältnis von 400k Aktien zu 200k risikoarm. Will er mit mehr Risiko anlegen, würde ich einen der Verträge auflösen. Beide aufzulösen macht eigentlich nur Sinn wenn er extrem risikobereit ist und umgekehrt beide Verträge behalten, wenn das hinkommt. Das Depot wird in den nächsten Jahren hoffentlich stark wachsen und immer mehr an Bedeutung gewinnen für den Vermögensaufbau.

  • Fangen wir doch mal an zu rechnen. ;)
    Eingezahlt 2006: 40.000€
    Auszahlung 2041: (nach 35 Jahren) garantiert 95.303,60€

    Das mach dann eine Rendite von 2,512% p.a. (vor Steuern) über die gesamte Laufzeit des Vertrags.

    Die im Vertrag angegebenen 2,75% p.a. ist der sog. Garantiezins. Und der ist immer vor allen Kosten/Gebühren der Versicherung angegeben!
    Bringt aber nix, sich über verschüttete Milch Gedanken zu machen. Deine Eltern haben 2006 diese Versicherung abgeschlossen. Klappe zu, Affe tot!

    Für Dich von Interesse ich einzig und allein, wie es mit der Rendite des Vertrags ab jetzt bis zum Laufzeitende aussieht.
    Stand 2025: 50.468,28 €
    Auszahlung 2041: (noch 16 Jahre) garantiert 95.303,60€

    Das macht dann eine Rendite von 4,053% p.a. (vor Steuern) bis zum Laufzeitende des Vertrags. Und nur diese Zahl sollte Dich interessieren.
    Du brauchts eine alternative Geldanlage, die Dir mindestens eine Vorsteuerrendite von 4,06% p.a. garantiert! So etwas dürfte es aktuell in der gleichen Sicherheitklasse nicht geben.

    Ich würde mir daher gut überlegen, ob ich diesen Vertrag kündigen würde.
    Wie so häufig gilt auch hier: Es kommt immer auf die gesamte finanzielle Situation von Dir/Euch an. Dieser Vertrag kann als Baustein des sicheren Vermögensteils absolut sinnvoll sein.

    PS: Ich habe selbst eine uralte Kapitallebensversicherung (von 1990 und damit komplett steuerfrei) die ich ganz bewusst als sicheren Baustein in meinem Vermögen behalten habe.

  • Sehe ich dezidiert anders. Es gibt zwei Verträge. Der hier vorgestellte taugt nicht viel. Noch morgen kündigen und das Geld in globale ETFs anlegen!

    Wer bis zum Alter von 110 geisttig fit bleibt, um das alles fortlaufend selber zu managen, mag damit (irgendwann, u.U. wird das Geld ja in 15 nicht angetastet) mehr heraus bekommen.

    Der Zeitaufwand und die eigenen geistigen Fähigkeiten im Hohen Alter sind im Forum irrelevant, sowas macht man sein Leben lang mit Freude oder hat einen Familienangehörigen, der das kostenlos und zuverlässig für einen macht.

    Zu bedenken ist, dass bis zur Rente noch eine Zeit von 15 Jahren ist. Das ein globales ETF schlechter performt als mit 2,75% ist wirklich extrem gering.

    Seine Traumrendite hat er ja oben ausgerechnet, falls dabei die Steuer durch den jetzigen Verkauf bedachte war. Mit welchem Markteinbruch er rechnet, bevor er Spaß und Zeit hat, sich darum zu kümmern, weiss er nur selber.

    Ich würde mir die Nettobeträge für die jeweilige Auszahlung (heute und zum Ablauf) ausrechnen (lassen) und dann auf Basis meiner Lebensplanung entscheiden.

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