Das sehe ich anders. Die typisch deutsche Haltung ist, notwendige Kurskorrekturen nicht mit vernünftigen Lenkbewegungen ruhig zu steuern, sondern mit sturer Schwarz-Weiß-Sicht und möglichst hektischem Ruderherumreißen gegen möglichst viele Wände zu knallen. Und dabei ist es egal, ob man Weiß oder Schwarz spielt. Grau will keiner, Grau mag keiner, Grau ist ausgeschlossen. Alles trifft sich auf den möglichst weit auseinandergelegenen Sichtweisen. Es gibt keine Mitte mehr, jedenfalls für die lauten Teile der Gesellschaft und Politik. Eine gar nicht so kleine Gruppe der Bevölkerung steht in dieser Mitte, schaut zu den Rändern und schüttelt den Kopf, weil die sich natürlich so auch immer weiter hochschaukeln. Alles Neue ist auch dadurch so schlecht, weil für dessen laute Befürworter auch gleich alles Alte sofort und unbedingt grottenschlecht wird.
Doch, leider ist aus dem Land der Denker und Dichter, ein Land der Bremser, Blockierer und Bedenkenträger geworden. Es ist ja leider zu ruhig.
Es stockt doch an allen Stellen bei den Innovationen, Bürokratieabbau (für diese werden dann noch mehr Gesetze verabschiedet), digitale Verwaltung (Platz 21 von 27 in der EU) usw. Nur mit Mitte wird das nichts werden. Dann wären wir noch auf Kutschen unterwegs.