Kostenlose Mitversicherung in der GKV soll wegfallen

  • Die Renditen im Gesundheitswesen sind hoch, auch Ärzte, Apotheker und PKV Makler verdienen gut. Wieso so schlechte Laune hier? Die investieren ihre Rendite dann ja wieder in Forschung und Entwicklung und verbessern damit stetig die Gesundheitsversorgung für alle.

  • Vor 30 Jahren, in einem Telefonat mit der Schule auf die Schaffung eines Nachmittagshortes angesprochen, antwortete mir die Sekretärin noch, dass eine Mutter gefälligst ihre beruflichen Ambitionen aufgeben -und zuhause bleiben sollte, wenn sie ein Kind im schulfähigen Alter hat.

    Das war hier nicht anders, weswegen ich ja auch eine langjährige Karriere als Hausfrau vorzuweisen hatte. Den Kindergarten gab es erst für Kinder ab 3 Jahren und die Ganztagsgruppe war für die Mütter, die es versäumt haben, einen Mann zu heiraten, der eine ganze Familie ernähren kann. Quasi für die prekär arbeitenen Mütter reserviert.

    Abgesehen davon, dass meine Arbeit mitten in München um 07:30 pünktlich ohne Gleitzeit begann und um 16.15 Uhr endete. Nicht zu vereinbaren mit S-Bahn und einem Kindergarten, der von 8-16 Uhr geöffnet hatte.

  • Ich habe den Eindruck, dass du noch nie den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung gezahlt hast, nicht weißt, was eine private Krankenversicherung für eine Familie kosten würde und wie unterschiedlich die Leistungen der beiden Systeme sind. Liege ich da falsch?

    Als Kind eines Beamten um mit dem Glück des genau passenden Einstiegsgehalts war ich noch nie in der GKV. Der Höchstbetrag wäre aber entsprechend fällig gewesen. Und auf was sich so eine PKV für die Familie summiert, kann ich mir anhand unserer Beiträge ausrechnen. Das ist ohne Beihilfeberechtigung sehr viel mehr als der Höchstbetrag der GKV. Insofern wären 200€ pro Partner durchaus sinnig und übrigens noch am sehr günstigen Ende. Das entspricht einem Monatsgehalt von 1100-1150€ oder unter 20 Stunden pro Woche bei Mindestlohn.

  • Hallo,

    Eher im Gegenteil. Die Berufstätigkeit von Müttern korreliert stark mit dem sozialen Status. Ist ja auch logisch...wenn die Frau gutes Geld verdienen kann, ist es für sie viel attraktiver wieder arbeiten zu gehen, als wenn man mit der Berufstätigkeit vor allem seine Berechtigung für Sozialleistungen verringert.

    Dabei geht es nicht nur um das Geld, sondern auch um Karriere, Selbstverwirklichung etc. Die Aussage von LebenimSueden kann ich aus meinem Umfeld nur bestätigen. Die jungen Mütter mit guten Jobs sind fast alle nach dem ersten Lebensjahr des Kindes wieder beschäftigt, manchmal sogar bis zur Grenze der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit. Die schlecht qualifizierten Mütter bilden heute eher die Gruppe der Langzeithausfrauen. Insofern könnte die Streichung der kostenlosen Mitversicherung kaum einen signifikanten Beitrag bringen. Die Hausfrau aus der Bedarfsgemeinschaft kann keine 200 Euro p.M. bezahlen.

    Selbstverständlich muss das ganze Gesundheitssystem reformiert werden, sowohl in der Effizienz als auch in der Beitragsgerechtigkeit. Nur, wie viele Gesundheitsminister seit Ulla Schmidt haben sich daran versucht? Ich habe den Überblick und auch die Hoffnung verloren.

    Gruß Pumphut

  • Es wirkt geradezu grotesk: Über die Ausgestaltung der Sozialversicherung entscheiden Menschen, die selbst nicht in diesem System leben. Wie schnell gäbe es wohl Verbesserungen bei Rente und Krankenversicherung, wenn Politikerinnen und Politiker einmal sechs Monate auf einen Facharzttermin warten oder von 1200 Euro Rente leben müssten?

    Das sind doch jetzt wirklich billige Plattheiten, deiner doch gar nicht würdig. Carsten Linnemann ist übrigens freiwilliges Mitglied in der GKV.

  • Das ist der Grund, warum eine Praxis nur Anzahl X-GKV Patienten pro Quartal macht aber weitere Kapazitäten für Selbstzahler übrig hat.

    Vielleicht muss man auch hinterfragen, ob jeder Besuch in einer Praxis zu einem Kontakt mit dem Arzt führen muss oder ob z.B. auch ein Krankenpfleger in der Lage ist, bei einer Erkältung, den „gelben Schein“ für 3 Tage auszustellen und zu sagen „schonen Sie sich, trinken Sie viel Tee“.

  • Vielleicht muss man auch hinterfragen, ob jeder Besuch in einer Praxis zu einem Kontakt mit dem Arzt führen muss oder ob z.B. auch ein Krankenpfleger in der Lage ist, bei einer Erkältung, den „gelben Schein“ für 3 Tage auszustellen und zu sagen „schonen Sie sich, trinken Sie viel Tee“.

    Also wenn ich bei meinem Arzt anrufe und der Sprechstundenhilfe sage, dass ich erkältet bin, schickt die mir eine elektronische AU Bescheinigung ab. Mein Arzt muss da nichts machen :)

    Impfungen macht auch due Sprechstundenhilfe, da bekomm ich den Arzt gar nicht zu Gesicht.

    Also teilweise funktioniert das eh schon so...

  • Natürlich kann und muss man über eine Reform nachdenken. Beginnen sollte man aber mit dem Thema Bürgerversicherung, also ganz grundsätzlichen Reformen die wesentlich früher ansetzen.

    Die beitragsfrei Mitversicherung ist sicher nicht für die finanzielle Schieflage verantwortlich. Vielmehr sind seit 10 Jahren Millionen Menschen in die GKV geströmt die nur minimale Beiträge zahlen aber enorme Kosten verursachen und jetzt kippt das System. Oh Wunder.

  • Bosch-Ingenieur in der GKV, Kinder 17 und 15. Die fröhliche Ehefrau seit 18 Jahren kein Cent verdient. Ist Betriebswirtin.

    Das muss man sich mal überlegen, wieviel Geld der Staat in die Ausbildung dieser Frau investiert hat, was nun also seit 18 Jahren brach liegt. Das darf ja jede und jeder machen - aber staatlich subventionieren muss man es ja nicht.

  • Eine ausreichende Kinderbetreuung ist die Voraussetzung für eine berufliche Tätigkeit beider Elternteile aber auch von Alleinerziehenden. 6jährige Kinder kann man nicht sich selbst überlassen. Für die Grundschulzeit, wird das meines Wissens derzeit eingeführt. Wir sind aber sicher noch nicht so weit, dass dies bereits überall im erforderlichen Umfang funktioniert. Zu verlangen, dass jedes Elternteil seine eigene Krankenversicherung haben muss, sobald die Kinder aus dem gröbsten heraus sind, wäre meiner Meinung nach nicht nur zumutbar sondern auch wünschenswert. Dabei ist es nicht erforderlich, dass in Vollzeit gearbeitet wird.

    Fakt ist zweifellos, dass die Familienversicherung von einigen ausgenutzt wird, für die sie nie vorgesehen war. Beispielhaft hat Tomarcy oben schon einen nicht seltenen Fall genannt. Nicht selten waren Kinder das Ende der beruflichen Entwicklung in der Vergangenheit. Die Frauen sind am Ende oft die gekniffenen, weil die Ehe nur noch unzureichend als Versorgungsinstrument taugt. In einem der mir bekannten Fälle arbeitet Frau jetzt auch noch mit 68 (open end), weil sie nach der Trennung unterversorgt ist. Es gibt aber noch mehr Situationen, wo beispielsweise einer der Partner über einen sehr flexiblen 20 % Job (viel Homeoffice) die Krankenversicherung für beide abdeckt und man fleißig die Welt erkundet bis zur Rente.

    So eine Änderung wird zweifellos das Problem der Krankenversicherungen nicht lösen. Es kann aber helfen, das Problem zu entschärfen.

  • Selbstverständlich muss das ganze Gesundheitssystem reformiert werden, sowohl in der Effizienz als auch in der Beitragsgerechtigkeit. Nur, wie viele Gesundheitsminister seit Ulla Schmidt haben sich daran versucht? Ich habe den Überblick und auch die Hoffnung verloren.

    Und diese Reformen in Effizienz und Gerechtigkeit (z. B. bei Beiträgen und Terminvergaben) können nur dann erfolgreich werden, wenn das zweigleisige System von GKV/PKV abgelöst wird. Sogar der Chef der größten gesetzlichen Krankenkasse (Jens Baas / TK) fordert dies.

    Die aktuell eingesetzte Kommission, in der zwar viele kluge Köpfe sitzen, wird mit Sicherheit wieder nur Lösungen präsentieren, die nicht langfristig die bestehenden und noch aufkommenden (da bereits bekannten) Probleme bekämpfen werden. Und warum nicht? Weil der Mut fehlt, Vorschläfe zu machen bzw. Entscheidungen zu treffen, die anderen als den Bürgern (= Beitragszahlern) weh tun. Mit einer Umstellung des aktuellen Systems auf ein einheitliches System wird man es anfangs definitiv nicht allen recht machen können, sei es z. B. der Ärzteschaft oder der PKV-Lobby. An diesen Stellen muss man Lösungen schaffen, dass die "Wunden" nicht zu groß werden.

    In anderen Bereichen (z. B. Automobil oder Energie) gab es in der Vergangenheit auch schon große Veränderungen, bei denen ein Teilbereich der Betroffenen erstmal leiden mussten.

    Aber anders geht es halt bei großen Reformen nicht. Und Ziel einer Reform der Sozialversicherungen (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) sollte die Lösung eines gesamtgesellschaftlichen Problems sein.

  • Bei Letzterem weißt du wenigsten was es gekostet hat und kannst gegensteuern.

    Man kann bei der Krankenkasse direkt per App oder Antrag sich die Behandlungskosten ansehen.

    Bei der Barmer war es recht detailliert bis zu jedem einzelnen Tupfer, bei der Techniker ist es mehr zusammengefasst.

    Was stellst dir unter "gegensteuern" konkret vor?

    Herr Doktor ich hab mein eigenes Sterillium mitgebracht um die Injektionsstelle zu desinfizieren... bitte verwenden Sie die mitgebrachte Spritze vom letzten mal.... hier ein Dinosaurier-Pflaster das ich mal als Werbegeschenk bekommen habe....

    Sicherlich gibt es eine menge überflüssiger Arztbesuche... ich selbst war neulich bei der Magenspieglung, weil mir in den letzten Monaten vermehrt vor allem Brot im Hals stecken bleibt. Zum Glück wurde nichts gefunden, die Untersuchung im Nachhinein überflüssig. Wie so oft ist man erst hinterher klüger.

  • Sicherlich gibt es eine menge überflüssiger Arztbesuche... ich selbst war neulich bei der Magenspieglung, weil mir in den letzten Monaten vermehrt vor allem Brot im Hals stecken bleibt. Zum Glück wurde nichts gefunden, die Untersuchung im Nachhinein überflüssig. Wie so oft ist man erst hinterher klüger.

    Wahrscheinlich ist es auch dir inzwischen schon aufgefallen, wie sehr du dir in deinem Vierzeiler selbst widersprochen hast.

    Auch das kleinere von zwei Übeln kann ein größeres sein.

  • Das sind doch jetzt wirklich billige Plattheiten, deiner doch gar nicht würdig. Carsten Linnemann ist übrigens freiwilliges Mitglied in der GKV.

    Wie oft wird in diesem Forum über Interessenkonflikte in der Finanzindustrie diskutiert? Offenbar häufig genug, um sie als reales Problem anzuerkennen. Aber sobald es um mögliche Interessenkonflikte in der Politik geht, soll es sie plötzlich nicht mehr geben?

    Das ist schwer ernst zu nehmen.

    Welchen rationalen Grund gibt es dafür, dass politische Entscheidungsträger und Staatsbedienstete in privilegierten Systemen bei Altersvorsorge und Krankenversicherung abgesichert sind, während die Mehrheit der Bevölkerung diesen Zugang nicht hat? Wer über Regeln entscheidet, sollte denselben Regeln unterliegen. Alles andere untergräbt Glaubwürdigkeit.

    Solange genau diese Trennung besteht, fehlt der entscheidende Anreiz, nachhaltige und faire Lösungen für alle zu schaffen.


    Zitat von Dividendendan

    Man kann bei der Krankenkasse direkt per App oder Antrag sich die Behandlungskosten ansehen.

    Eine App erzeugt kein Kostenbewusstsein. Informationen sind kein Anreiz. Solange Menschen die Kosten nicht direkt im eigenen Geldbeutel spüren, bleiben sie abstrakt und entsprechend wirkungslos. Ob die Daten irgendwo einsehbar sind, ändert daran wenig

  • Wahrscheinlich ist es auch dir inzwischen schon aufgefallen, wie sehr du dir in deinem Vierzeiler selbst widersprochen hast.

    Sie es erweitert... schon heute müssen Leute den Notarzt und die Krankenhausfahrt aus der eigenen Tasche anteilig bezahlen, wenn sich herausstellt dass es doch kein Notfall war.

    Man stelle sich die Folgen vor, wenn das selbe Prinzip bei allem Anwendung fände wie z.B. bei dem Fallbeispiel mit der Magenspieglung. Aber gut, ich hab da zu eigenen medizinischen Themen ein stärker verschobenes Weltbild, was mich eines Tages vielleicht Kopf und Kragen kostet, weil ich Ärzte meide wo es geht. Bei einer 30% Beteiligung ginge ich wohl nur noch zum Arzt, wenn die existenzielle Angst einem überwältigt.

  • Man stelle sich die Folgen vor, wenn das selbe Prinzip bei allem Anwendung fände wie z.B. bei dem Fallbeispiel mit der Magenspieglung. Aber gut, ich hab da zu eigenen medizinischen Themen ein stärker verschobenes Weltbild, was mich eines Tages vielleicht Kopf und Kragen kostet, weil ich Ärzte meide wo es geht. Bei einer 30% Beteiligung ginge ich wohl nur noch zum Arzt, wenn die existenzielle Angst einem überwältigt.

    Wie bereits erwähnt: In Japan funktioniert dieses System problemlos. Und auch in vielen anderen Lebensbereichen (bei uns) tragen wir die Kosten selbstverständlich zu 100 % selbst. Offenbar ohne daran zu zerbrechen.

    Umso absurder wirkt es, dass hierzulande schon der Vorschlag Empörung auslöst, dass diejenigen, die es sich leisten können, lediglich 30 % der Kosten (direkt!) selbst übernehmen sollen, um explodierende Beiträge zu begrenzen. Die sie ja sowieso bezahlen müssen.

    Wie weit ist es eigentlich gekommen, dass selbst ein Mindestmaß an Eigenverantwortung sofort als unzumutbar gilt? Ist die sozialistische Denke inzwischen so überdehnt, dass ,,30 % Eigenverantwortung" schon als Tabubruch wahrgenommen werden? Was ist denn das für ein Menschenbild?

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