Kostenlose Mitversicherung in der GKV soll wegfallen

  • Momentan sehe ich die Gefahr, dass zukünftig immer mehr Rentner und Pensionäre aufgrund hoher PKV-Beiträge in finanzielle Engpässe geraten.

    Bei Pensionären sehe ich die Gefahr eher nicht. Allein schon weil im Zweifel der Staat für 'seine' Pensionäre sorgen wird (Alimentationsprinzip).
    Bei 'Rentnern' oder ehemals Selbstständigen sehe ich die Gefahr ebenfalls. Ist ja bereits aktuell zunehmend zu beobachten.

  • Und alle Arbeitgeber passen dann ihre Arbeitszeiten an die Kindergärten und Schulen an. In den Ferien und wenn das Kind krank ist, gilt Sonderurlaub. Auf dem Land kauft sich dann noch jede/r Teilzeitbeschäftigte ein Auto und alle werden glücklich. :rolleyes: Sei ehrlich: Du hast keine Ahnung wie das Leben einer Familie aussieht, die drei Kinder und zwei Jobs hat und ohne Oma-Backup ihr Leben meistern muss, stimmt‘s?

    Weil der Millionär so viel Ahnung davon hat, wie das normale Leben aussieht. Aber Hauptsache herablassend.

    3 Kinder haben mittlerweile die wenigsten Familien und auf dem Land ohne 2 Autos...da muss man schon ziemlich leidensfähig sein. Da sitzt man dann nämlich wirklich den ganzen Tag zu Hause. Aber es ist natürlich bequemer, einen Strohmann aufzubauen, der/die/das nicht arbeiten kann und daraus zu folgern, dass das grundsätzlich nicht möglich ist. Anstatt sich mit der Frage zu beschäftigen, ob das real existierende System nicht die vollkommen falschen Anreize setzt

  • Die Beitragszuschläge gibt es erst seit 2000. Es gibt noch keine Rentner, die seit Vertragsbeginn davon profitieren.

    Du sprichst vom gesetzlichen Beitragszuschlag über 10 %. Die tariflichen Altersrückstellungen gibt es schon viel länger und diese sorgen nur dafür, dass die Beiträge nicht alleine aufgrund des Älterwerdens ansteigen.

    Zu Beitragssteigerungen kommt es aber, wenn die Ausgaben höher als die Einnahmen sind. Grund hierfür kann z. B. eine hohe medizinische Inflation sein. Diese Beitragssteigerungen betreffen dann erstmal alle Versicherte, also auch die Rentner. Bei den Rentnern können aber die angesparten Mittel aus dem gesetzlichen Beitragszuschlag sowie die angesammelten Überzinsen auf die tariflichen Altersrückstellungen dafür sorgen, dass die Beitragssteigerungen gedämpft werden.

    Aber: In der Zeit 1980 - 2000 haben die PKV-Versicherer bis zu 5-6 % Überzinsen erwirtschaftet. Seit ca. 10 Jahren liegen die Überzinsen bei 0-1,5 %. D. h. hier fehlen heutzutage Mittel, um die Beitragssteigerungen für Rentner zu dämpfen.

    Fazit: Die Beiträge der Rentner werden weiterhin steigen. Ohne eine ausreichend hohe Rente plus zusätzliche finanzielle Mittel kann eine PKV für einen Rentner zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden.

  • Konkretes Beispiel sind meine Nachbarn, der Mann Facharbeiter ca. 70.000€ pro Jahr, die Frau Hausfrau und Mutter, 3 Kinder 8, 9, 13.

    Wenn ich denen erzähle das demnächst zusätzlich über 200€ an GKV fällig werden, dann kann ich euch sagen was diese Familie bei der nächsten Wahl wählen wird. Und das ist bei uns nicht die einzigste Familie die dieses Modell lebt.

    Leuten, die aus derartigen Gründen fundamental gegen ihre eigenen Interessen wählen (siehe Facharbeiter), denen ist leider ohnehin nicht mehr wirklich zu helfen.

  • Man hat dieses Thema ganz bewußt verschwiegen bis die Wahlen in RLP vorbei waren, sonst wären diese mit Sicherheit anders ausgegangen, bzw. hätte eine bestimmte Partei noch mehr Zulauf erfahren.

    Die Wahlen in Ostdeutschland kommen noch, das wird ein böses Erwachen für die etablierten Parteien.

  • Anstatt erneuter Pauschalisierungen (wie 30% Eigenbeteiligung für alle) erachte ich es für sinnvoller stärker die Lebensweise der Menschen dabei zu berücksichtigen. Soll heißen: Selbstverschuldete Erkrankungen bzw. ungesunde Lebensweisen (Alkoholkonsum, Drogenkonsum (heutzutage bekanntlich en vogue), Nikotin, (starkes) Übergewicht usw.), die bekanntlich langfristig zu größern medizinischen Problemen und damit Behandlungsbedürftigkeit und -kosten einhergehen, auch entsprechend die Leute dann für heranzuziehen. Zur Zeit wird der gesund lebende im GKV System quasi gleich behandelt wie der ungesund lebende (von ggf. Wahltarifen mit geringem Umfang abgesehen). Das würde eben auch eine gesunde Lebensweise viel stärker honorieren.

    Das ist ein rationales Argument. Eine solche Einstufung ist aktuell sogar in anderen Bereichen üblich, sei es die BU-Versicherung oder die Kfz-Versicherung, sogar bei der PKV ist es so. Allerdings sprichst du mit dem Thema Übergewicht einen Bereich an, der in Deutschland offenbar ein Tabu darstellt. Ca. 60% der Deutschen sind übergewichtig. Wer vorschlägt, die Versicherungsbeiträge in der GKV nach BMI und Körperfettanteil festzulegen, dürfte sich einem gewaltigen Shitstorm der moralischen Entrüstung ausgesetzt sehen.

    Jedoch wäre es tatsächlich so, dass die Zurückführung auf Normalgewicht hohe Milliardenbeträge im Gesundheitswesen einsparen würde. Krankheitsbilder wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Gelenkprobleme, die in vielen Fällen durch Übergewicht bedingt sind, würden signifikant zurückgehen.

  • Die Wahlen in Ostdeutschland kommen noch, das wird ein böses Erwachen für die etablierten Parteien.

    Gerade in Ostdeutschland ist es doch durchaus üblich, dass sowieso beide Eltern arbeiten.

    Denke die Hausfrauen-Ehe (die hier ja in erster Linie überhaupt betroffen wäre) ist ein eher Westdeutsches Phänomen...

  • Wer vorschlägt, die Versicherungsbeiträge in der GKV nach BMI und Körperfettanteil festzulegen, dürfte sich einem gewaltigen Shitstorm der moralischen Entrüstung ausgesetzt sehen.

    Ich bin ja eher vorsichtig, was Prognosen angeht, aber hier würde ich mich trauen: Ich fresse einen Besen, wenn das beschlossen wird. ^^

    Kannst du vergessen in Deutschland und es wäre auch hoffnungslos. Ich habe gerade mal die KI befragt, kein Industrieland hat in den letzten Jahren seinen BMI verringert. Allerhöchstens wurde der Zuwachs moderat gebremst.

    Bei unserem hochkalorischem Angebot und der Bewegungsarmut wäre selbst ein Stagnieren auf hohem Niveau bereits ein Erfolg.

  • Auf dem Land kauft sich dann noch jede/r Teilzeitbeschäftigte ein Auto und alle werden glücklich. :rolleyes:

    Als ehemaliges Mitglied der "Landbevölkerung" spricht mich dieser Beitrag an.

    Wer "auf dem Land" wohnt mit oftmals mauem ÖPNV (wie mir aus eigenen Erfahrungen bekannt ist, kann dieser bereits in nur 9 km Entfernung von einer Landeshauptstadt desolat sein ...), könnte ohnehin etwas ganz grundsätzlich falsch gemacht haben - jedenfalls, wenn beispielsweise dieser interessante Ansatz stimmig sein sollte:

    Man wählt einen Lebensentwurf frühzeitig so, dass man überhaupt kein Auto benötigt.

    Bei rund 43,5 Mio. auf private Halter und Halterinnen zugelassene PKWs in Deutschland könnte das auf extrem viele falsche und/oder fehlgeleitete Lebensentwürfe hindeuten ... ?

  • Das ist ein rationales Argument. Eine solche Einstufung ist aktuell sogar in anderen Bereichen üblich, sei es die BU-Versicherung oder die Kfz-Versicherung, sogar bei der PKV ist es so. Allerdings sprichst du mit dem Thema Übergewicht einen Bereich an, der in Deutschland offenbar ein Tabu darstellt. Ca. 60% der Deutschen sind übergewichtig. Wer vorschlägt, die Versicherungsbeiträge in der GKV nach BMI und Körperfettanteil festzulegen, dürfte sich einem gewaltigen Shitstorm der moralischen Entrüstung ausgesetzt sehen.

    Jedoch wäre es tatsächlich so, dass die Zurückführung auf Normalgewicht hohe Milliardenbeträge im Gesundheitswesen einsparen würde. Krankheitsbilder wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Gelenkprobleme, die in vielen Fällen durch Übergewicht bedingt sind, würden signifikant zurückgehen.

    Einerseits.
    Andererseits entlastet diese Menschen Möglicherweise ja die Rentenkassen durch Ihren Lebenswandel und früheres Ableben. Das wäre doch mal eine interessante Studie.
    Ich kenne im Übrigen einige Handwerker, die trotz Normalgewicht in Ihren späten 50'ern massive Gelenkprobleme klagen und teilweise sogar schon ein neues Knie bekommen haben.
    in dem Zusammenhang ist mir auch der ein oder andere Sportler bekannt, die auf Grund früherer Amateuerfußballspiele oder Skistürze Dauerpatienten beim Orthopäden geworden sind.
    Auch meine (unverschuldeten) Motorradstürze haben möglicherweise irgendwann noch einmal Spätfolgen.

    Ohne Zweifel führt ein Leben zu gesundheitlichen Risiken. Nur wo fängt man an und wo hört man auf. Ist jetzt der übergewichtige Nachbar von links 'gesünder' als der idealgewichtige kettenrauchende Nachbar von rechts?

  • Motorradfahrer und andere Extremsportler sollten eh einen Sonderzuschlag zahlen…

    Fahrradfahrer und Fußgänger in Berlin auch?

    Was ist mit bestimmten Berufen? Dachdecker zum Beispiel. 🤔 Eigentlich sollten Männer im Allgemeinen mehr zahlen… und Frauen, die keine Kinder (mehr) bekommen können ein bisschen weniger….

    Wir brauchen unbedingt eine neue Behörde, die das überwacht.;)

  • Nö, allgemeine Verkehrsteilnehmer sind davon nicht betroffen.
    BTW: Eine Helmpflicht für Radfahrer sowie E-Rollerfahrer wäre aus Sicht der GKV sehr hilfreich. Man könnte bei Nichtbefolgen die Haftung aus daraus resultierenden Verletzungen ausschließen...

    Mit fällt bestimmt noch mehr ein.. :thumbup:

  • Bei E-Rollerfahrern unterstelle ich allerdings der Mehrheit eine riskante Fahrweise.

    Du meinst diejenigen, die oft zu zweit oder zu dritt auf einem Roller durch die Stadt brettern? Einer vaped, einer hält den Bluetooth-Speaker und ein anderer hält Ausschau nach der Polizei?

    Die werden komplett von der Sozialversicherung ausgeschlossen.;)

  • Nach der Idee, Kapitalerträge und Mieteinnahmen SV-pflichtig zu machen, liegt nun der nächste Vorschlag auf dem Tisch, die Einnahmen der GKV zu erhöhen. Und auch hier ist der Unmut der Betroffenen lautstark zu vernehmen. Das Ursache des Problems ist klar: die Ausgaben der GKV übersteigen die Einnahmen. Nachdem die vergleichsweise moderaten Maßnahmen aus den vergangenen Jahren wie Beitragserhöhung und Leistungskürzung aktuell wohl nicht mehr ausreichen, um das Problem klein zu halten, muss jetzt ein großer Schluck aus der Pulle her. Und der dürfte vielen wehtun.

    Warum die Ausgaben permanent steigen, dürfte jedem klar sein:

    - ungünstige Demografie
    - verbesserte Medizin und damit einhergehend höhere Kosten
    - Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie z.B. Adipositas
    - überproportional hoher Zustrom von Netto-Leistungsempfängern

    Angesichts des aktuellen Abbaus von meist gut bezahlten Industrie-Jobs ist auf der Einnahmeseite mit deutlichen Ausfällen zu rechnen.

    Was also soll die Politik machen? Einnahmen erhöhen, Ausgaben senken oder gar beides? Erhöht man die KV-Beiträge deutlich, z.B. auf 25%, dann ist nicht nur das Geschrei bei den Beitragszahlern groß, sondern die Lohnkosten werden so hoch, dass noch mehr Arbeitsplätze abgebaut werden. Also keine so gute Idee. Also sucht man sich alternative Einnahmequellen wie die bereits genannten. Auch der Vorschlag, der immer wieder gerne kommt, die PKV abzuschaffen, passt in dieses Schema. Nicht nur würden dann viele potentiell gute Risiken, die auch Höchstbeiträge zahlen, ins GKV-System kommen. Ich bin sicher, dass der mache Politiker dabei auf die Rücklagen der PKV-Versicherten i.H.v. mehr als 300 Mrd. EUR im Blick haben. Die könnte man vereinnahmen, oder besser gesagt enteignen, indem man die Aktion als solidarisch und gerecht betitelt. Dann hätte man für einige Jahre Ruhe. Was danach kommt, interessiert die aktuellen Politiker nicht mehr. Die Szenario dürfte aber aus einem einfachen Grunde wenig realistisch sein: ca. 2/3 der privat Versicherten sind Beamte. Da traut sich niemand ran.

    Auf der Ausgabenseite hat man auch nur eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten. Man kann die Leistungen kürzen oder Anzahl der Leistungsberechtigten einschränken. Letzteres dürfte sich in der aktuellen politischen Situation als schwierig erweisen. Ich erinnere hier nur an die Ausspruch von Friedrich Merz im Bundestagswahlkampf: "Die kommen hierher und lassen sich die Zähne machen und die Deutschen bekommen keine Termine." Das führte zu dem von den üblichen Truppen befeuerten Shitstorm. Da bleibt dann nur die Kürzung von Leistungen. Das könnte z.B. dazu führen, dass bestimmte teure Untersuchungsmethoden wie MRT nur noch in Einzelfällen übernommen werden und ansonsten selbst bezahlt werden müssen.

    Was wird also passieren? Da aus meiner Sicht wahrscheinlichste Szenario ist, dass man zwar zusätzliche Einnahmequellen finden wird, diese aber nicht ausreichen werden, um den Bedarf zu decken. Daher wird es zu massiven Leistungseinschränkungen in der GKV kommen. Wir werden uns dem Niveau in medizinischer Versorgung weniger entwickelter Ländern annähern. Spitzenmedizin wird man sich nur mit entsprechendem finanziellen Hintergrund leisten können. Die PKV wird bestehen bleiben, da sich gegen die Beamtenlobby eine Abschaffung nicht durchsetzen lassen wird.

  • Ohne Zweifel führt ein Leben zu gesundheitlichen Risiken. Nur wo fängt man an und wo hört man auf. Ist jetzt der übergewichtige Nachbar von links 'gesünder' als der idealgewichtige kettenrauchende Nachbar von rechts?

    Eine Abgrenzung ist in den meisten Fällen in der Praxis nicht durchführbar. Sollen jetzt alle regelmäßig zur Gesundheitskontrolle? Ein solches System würde zu einer hohen Komplexität führen und die Kosten zusätzlich erhöhen. Es brächte keinen wirklichen Nutzen.

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