Kredit für Eigentum in vier Jahren abbezahlen, wie gespartes bis dahin anlegen?

  • Hallo zusammen :)

    seit letztem Jahr habe ich intensiv damit begonnen mich mit der Welt der Finanzen auseinanderzusetzen und bin seitdem stiller Mitleser in diesem Forum. Im Umgang um das Thema Geld bin ich ziemlich offen und möchte bezüglich meiner ersten Frage hier im Forum auch gerne ein paar harte Fakten mit auf den Weg geben, die zur Beantwortung meiner Frage sicher hilfreich sein werden.

    Im Jahr 2020 habe ich mir mit 28 Jahren eine Eigentumswohnung gekauft, die ich seither selbst bewohne. Hierfür habe ich einen Kredit in Höhe von 110.000 Euro mit einem effektiven Jahreszins von 1,5 % aufgenommen und zahle monatlich knapp 500 Euro zurück. Abzüglich meiner gesamten monatlichen Fixkosten komme ich derzeit auf eine Sparrate von 1.500 Euro.

    Mein Ziel ist es nach Ablauf der Sollzinsbindung in vier Jahren meine Restschuld auf einen Schlag zu begleichen. Hierfür liegen auf meinem Tagesgeldkonto (Trade Republic, 2 % p.a.) bereits 28.000 Euro erspartes, zusätzlich bespare ich seit einem knappen Jahr den Vanguard FTSE All-World mit 400 Euro monatlich (in den obigen Fixkosten bereits mit verrechnet), der durch eine zu Beginn getätigte Einmalzahlung bereits bei 12.000 Euro steht. Das Ersparte, was am Ende des Monats übrig bleibt (also maximal 1.500 Euro im Monat), lege ich auf mein Tagesgeldkonto.

    An dieser Stelle möchte ich euch um Rat bitten, da mir mein Bachgefühl sagt, ich sollte nicht so viel Geld auf dem Tagesgeldkonto halten: Würdet ihr es aufgrund der geringen Rendite des Tagesgeldkontos riskieren für die kommenden vier Jahre mehr Geld in ETFs zu investieren oder es lieber weiterhin deutlich stärker gewichtet das Tagesgeldkonto besparen, sodass die in vier Jahren geforderte Restschuld auch garantiert zur Verfügung steht und beglichen werden kann?

    Mein ETF Sparplan soll später als Altersvorsorge dienen. Nach Begleichung meiner Restschuld würde ich den Sparplan um die wegfallende Kreditrate (500 Euro) von derzeit 400 auf 900 Euro monatlich anheben.


    Viele Grüße und Danke für eure Meinungen / Tipps,

    Karsten

  • Kater.Ka 18. April 2026 um 08:36

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Würdet ihr es aufgrund der geringen Rendite des Tagesgeldkontos riskieren für die kommenden vier Jahre mehr Geld in ETFs zu investieren oder es lieber weiterhin deutlich stärker gewichtet das Tagesgeldkonto besparen, sodass die in vier Jahren geforderte Restschuld auch garantiert zur Verfügung steht und beglichen werden kann?

    Alles in Tagesgeld oder Geldmarkt-Fonds, nichts in Aktien-ETFs

  • Alles in Tagesgeld oder Geldmarkt-Fonds, nichts in Aktien-ETFs

    Ja. Oder Festgeld, wobei ich nicht gleich für vier Jahre festlegen würde, sondern gestaffelt für 1/2/3 Jahre.

    Vielleicht die ETF-Sparrate, weil Du das ETF-Sparen vermutlich nicht ganz aufgeben möchtest, auf 100 Euro monatlich reduzieren?

  • Für das angedachte Ziel - mittlerer Zeithorizont, fester Zeitpunkt - ist eine Investition in Aktien-ETF nicht sinnvoll.

    (Anmerkung: bei den geringen Kreditzinsen lohnen sich Sondertilgungen nicht, besser parallel sparen, machst du ja auch so)

    Nimm deine Restschuld am Tag X, minus aktuell dafür vorhandenes Tagesgeld. Diese Differenz teilst du durch die Anzahl der verbleibenden Monate und erhältst die erforderliche Sparrate.

    Alles was darüber hinausgeht, kannst du in ETF investieren. Also feste Sparrate für die Wohnung, ggf. schwankende Rate für ETF.

  • Nimm deine Restschuld am Tag X, minus aktuell dafür vorhandenes Tagesgeld. Diese Differenz teilst du durch die Anzahl der verbleibenden Monate und erhältst die erforderliche Sparrate.

    Alles was darüber hinausgeht, kannst du in ETF investieren. Also feste Sparrate für die Wohnung, ggf. schwankende Rate für ETF.

    Oh ja, das klingt gut.

  • Würdet ihr es aufgrund der geringen Rendite des Tagesgeldkontos riskieren für die kommenden vier Jahre mehr Geld in ETFs zu investieren oder es lieber weiterhin deutlich stärker gewichtet das Tagesgeldkonto besparen

    Hier geht es um das Thema Glaskugel und Wette.

    Läuft die Börse weiter wie geschnitten in den nächsten 4 Jahren, klare Empfehlung Aktien ETF.
    Rücksetzer um 50% und aus deinen aktuellen 12k plus Sparplan ist nur noch die Hälfte da, gekniffen.

    Kennen wir die Zukunft, leider oder zum Glück nicht.

    Ich sehe drei Optionen:

    - Weitermachen wie bisher

    - Risiko erhöhen und Glück oder Pech haben, eine Prognose auf 3-4 Jahre ist mMn nicht möglich

    - wie praktische alle Vorredner:innen und auch FT sagen: Risiko rausnehmen und in RK1 oder RK2 gehen. Es gibt ja nicht nur Tagesgeld…

    Meine Meinung.

  • Da ich persönlich immer für riskanten Strategien empfänglich bin, würde ich einen höheren ETF-Anteil wählen. Die alle Vorredner schon erwähnt haben, ist das aber definitiv keine Empfehlung aus dem Lehrbuch. Aber in deinem Alter hast Du noch mehr als genug Zeit, das Darlehen auch ohne Sondertilgung weiter Abzugzahlen. Auch wenn ab 2030 ein anderer Zinssatz als aktuell gelten wird.

    Aber das musst Du definitiv mit deiner Risikotragfähigkeit abwägen. Geistige Gesundheit ist an der Stelle viel wichtiger als den letzten Cent Finanzoptimierung!

  • Ich werde aus den Zahlen nicht so ganz schlau. Der Kreditbetrag war 110.000 Euro. Beträgt Deine Kreditrate 500 Euro oder ist die Tilgung 500 Euro? Entscheidend für die Überlegung ist die Restschuld in vier Jahren. Wie hoch ist die? Ich vermute um die 60.000 Euro, aber wäre schon sinnvoll die konkrete Zahl zu wissen.

    Wichtig ist es das Geld rechtzeitig auf einem Konto zu haben, von dem aus Du die Zahlung veranlassen möchtest. Da würde ich gerade bei Neobrokern nicht zu knapp kalkulieren.

    Grundsätzlich sehe ich kein Problem bis zu 100.000 Euro bei einem Institut mit deutscher Einlagensicherung zu parken.

    Ziel sollte es sein, dass zum Zeitpunkt der Ablösung der notwendige Betrag liquide verfügbar ist. Bei einem Zeitraum von vier Jahren würde ich auch nicht groß auf Aktien spekulieren mit dem Sparanteil, der für die Tilgung nötig ist. Der Rest Deiner Sparrate kann ruhig renditeorientiert angelegt werden.

    Grundsätzlich scheinst Du ein ordentliches Tempo beim Sparen zu haben. Gibt es einen besonderen Grund, warum Du so stark sparst?

  • Würdet ihr es aufgrund der geringen Rendite des Tagesgeldkontos riskieren für die kommenden vier Jahre mehr Geld in ETFs zu investieren oder es lieber weiterhin deutlich stärker gewichtet das Tagesgeldkonto besparen, sodass die in vier Jahren geforderte Restschuld auch garantiert zur Verfügung steht und beglichen werden kann?

    Ganz klar NEIN. Ist doch eine super Situation. Lass das Geld auf dem Tagegeld oder einer Festgeldtreppe und freue Dich über die gute Ausgangslage.

  • Entscheidend für die Überlegung ist die Restschuld in vier Jahren. Wie hoch ist die? Ich vermute um die 60.000 Euro, aber wäre schon sinnvoll die konkrete Zahl zu wissen.

    Das wären dann, die Zinsen erst mal ignoriert, 1.250€ im Monat, das passt ja, wenn jetzt schon 1.500€ aufs Tagesgeld gehen, das wäre ja sogar mit Puffer. Demnach können weiterhin 400€ in den Vanguard gehen. Oder übersehe ich was?

  • Guten Abend und vielen Dank für die zahlreiche Beteiligung, freut mich sehr :)

    Grundsätzlich lese ich heraus, dass ihr es entweder so belassen würdet wie es ist oder einen Teil, sagen wir 20.000 oder 25.000 vom ersparten Tagesgeld in Geldmarkt-Fonds für einen gewissen Zeitraum anlegen würdet. Damit wäre ich fein, welches Produkt wäre denn empfehlenswert? Hier kenne ich mich nämlich leider nicht so gut aus.

    Beträgt Deine Kreditrate 500 Euro oder ist die Tilgung 500 Euro? Entscheidend für die Überlegung ist die Restschuld in vier Jahren. Wie hoch ist die? Ich vermute um die 60.000 Euro, aber wäre schon sinnvoll die konkrete Zahl zu wissen.

    Die Kreditrate beträgt 500 Euro, 60.000 Euro Restschuld in vier Jahren ist tatsächlich ziemlich korrekt geraten, hatte ich bei all den Zahlen vergessen zu erwähnen ^^

    Grundsätzlich scheinst Du ein ordentliches Tempo beim Sparen zu haben. Gibt es einen besonderen Grund, warum Du so stark sparst?

    Tatsächlich nein. Ich habe alles was ich zum Leben benötige (bald abbezahlte Eigentumswohnung, Auto, E-Bike, einen schönen Schrebergarten und ein paar Hobbies), bin aber auch recht minimalistisch veranlagt. Wenn ich etwas benötige oder mir leisten möchte, ist das aber für mich kein Problem auch Mal etwas Geld in die Hand zu nehmen :)


    Viele Grüße,

    Karsten

  • Sofern ich richtig rechne, müsstest Du monatlich rund 650 Euro in Tagesgeld oder Geldmarktfonds ansparen, um am Ende die gewünschten 60.000 Euro verfügbar zu haben. Den Rest kannst Du theoretisch auch komplett in Aktien stecken. Ob Du das willst, hängt auch an Deiner Risikobereitschaft. Hast Du Dir dazu schon Gedanken gemacht, wie Du Dein Depot zukünftig aufstellen willst?

    Solange du unter 100k bleibst mit dem Tagesgeld hätte ich jetzt keine großen Bauchschmerzen bei Trade Republic. Alternativ kannst Du hier mal stöbern. Neben sogenannten Geldmarktfonds kommen auch sehr kurzlaufende Staatsanleihen in Euro in Frage. Z.B.

    DBX0AN Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF 1C
    https://www.finanztip.de/investmentfonds/geldmarktfonds/

  • Hast Du Dir dazu schon Gedanken gemacht, wie Du Dein Depot zukünftig aufstellen willst?

    Bisher bin ich mit meinem einen Welt ETF zufrieden und genieße die Einfachheit. Gedenken wie weniger USA Anteil über klassischen 70/30 Split mit mehr Europa oder Schwellenländer und weitere Überlegungen habe ich schon hinter mir, am Ende ist es Spekulation und ich habe wegen dem Rebalancing unnötig Arbeit damit, weshalb ich solche Überlegungen immer wieder verworfen habe. Den Gerd Kommer ETF finde ich aus logischer Sicht interessant, jedoch zu teuer. Festgeld halte ich grundsätzlich für vernünftig, ist jedoch langfristig sehr unflexibel und käme für mich eigentlich nur jetzt bis für in vier Jahren in Frage, um meine Restschuld zu begleichen und ohne Risiko etwas mehr Rendite als auf meinem Tagesgeldkonto zu erhalten.

    Grundsätzlich möchte ich, nachdem meine Eigentumswohnung abbezahlt ist, immer genügend Geld auf dem Konto haben, um mir im Worst Case beispielsweise ein neues gebrauchtes Auto leisten zu können. Das dürfte aber keine allzu große finanzielle Herausforderung sein. Irgendwann Mal ein Haus mit meiner Partnerin zu besitzen wäre schön, schätze ich aktuell aber langfristig als nicht realistisch ein, da ich lieber das Leben mit meiner schon jetzigen finanziellen Freiheit genießen möchte statt eine so hohe monatliche Belastung über Jahrzehnte aufzunehmen. Kinder sind zudem nicht geplant.

    Ansonsten besteht mein Plan, wenn man ihn denn so nennen möchte, bisher darin meine Sparrate in vier Jahren für den Vanguard FTSE All-World auf 900 Euro oder mehr zu erhöhen, um in Zukunft meine Rentenlücke komplett zu schließen und oder, je nach Entwicklung der Rendite über die nächsten 10 bis 20 Jahre, etwas weniger Arbeiten zu gehen und dafür mehr Freizeit zu haben. Also eigentlich nichts allzu wildes :)


    Viele Grüße,

    Karsten

  • Du sparst viel. Das ist gut und richtig.

    Würde mir jetzt noch keine großen Gedanken machen, was in 4 Jahren ist. Glaskugeln sind gerade ausverkauft. ^^

    Würde ETF/Festgeld (30/70 bis 70/30) sparen und in zwei Jahren mir Gedanken zum "Exit" machen.

    Bitte keine Politikwissenschaftler und kein Marcel Fratzscher mehr im TV.

    Satt 300k+ Neubauwohnungen brauchen wir 300k+ Abschiebungen, um schnellere Arzttermine zu ermöglichen und Stadt- und Gemeindeabgaben zu senken.

  • Grundsätzlich möchte ich, nachdem meine Eigentumswohnung abbezahlt ist, immer genügend Geld auf dem Konto haben, um mir im Worst Case beispielsweise ein neues gebrauchtes Auto leisten zu können.

    Mal als ggf. dumme Frage, da ich davon ausgehe, dass die genannten Beträge Deine gesamte Rücklage sind.

    Was, wenn Du in den kommenden 4 Jahren ein neues Auto benötigst. Oder, aus meiner Sicht noch kritischer, da nicht schiebbar, wenn in den kommenden 4 Jahren eine Sonderumlage für die ETW zu leisten ist?

    Ist dafür bereits Geld eingeplant oder wirft dies die gesamte Planung durch einander?

    Konservativ gesehen würde ich Teile des bisherigen Tagesgeldes als Notgroschen (inkl. Rücklagen für die ETW) reservieren und die kommenden 4 Jahre das Geld für die Kredittilgung aus der neuen Sparrate ansparen.

    So lange Du TR traust, sehe ich keinen Grund, auch die 28k+60k dort auf dem Tagesgeld anzusparen anstatt Teile davon in einen Geldmarktfonds zu stecken.

  • Was, wenn Du in den kommenden 4 Jahren ein neues Auto benötigst. Oder, aus meiner Sicht noch kritischer, da nicht schiebbar, wenn in den kommenden 4 Jahren eine Sonderumlage für die ETW zu leisten ist?

    Dann hat er/sie immer noch das Geld für die Tilgung und kann anschließend die Sparrate komplett in Tagesgeld fließen lassen. Wenn das nicht reicht, kann man immer noch ein paar Anteile des ETF versilbern. Ich sehe da kein wirkliches Problem.

    Nach der Tilgung bleibt ohnehin jeden Monat ordentlich Geld übrig und der Notgroschen ist zügig aufgebaut. Ist ja nicht so, dass dann alles weg wäre im Depot.

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