Rentenlücke, Geldanlage, Sparplan

  • Hallo liebe Leute!

    Ich beschäftige mich derzeit mit den Themen Altersvorsorge und Geldanlage. Ich habe schon einige Berechnungen angestellt, komme aber trotzdem nicht weiter in der Frage, wie viel ich jetzt anlegen müsste bzw. wie hoch mein Sparplan aussehen müsste.

    Ein paar kurze Eckdaten zu mir: w, 39, unverheiratet, keine Kinder, wohne günstig mit meinem Partner zur Miete.

    In den nächsten 2-3 Jahren wird sich vermutlich klären, ob wir noch Kinder bekommen und ob wir ein Haus kaufen werden.

    Meine finanzielle Situation sieht derzeit so aus: Einkommen ca. 3K, Ausgaben reell im letzten Jahr ca. 1,8K (monatlich), demnach ca. 1,2K monatlich gespart (40%).

    Erspartes und Anlagen:

    Provinzial Fondsrente Vario41Kseit 2024, 70% MSCI World, 30 % MSCI EM
    Riester Generali 7Kseit 2017, aktuell beitragsfrei
    Depot5Kseit 04/26, 70% MSCI World, 30 % MSCI EM
    Festgeld25Kwird frei 01/27
    Barvermögen125K

    Laut meinen Berechnungen habe ich eine Rentenlücke von ca. 1.100 €. Darin habe ich Provinzial und Riester nicht mit einbezogen, weil ich nicht weiß, ob ich diese beiden Verträge beibehalten, kündigen oder den Riester ins neue AV-Depot umlegen werde.

    Ich möchte nun noch mehr in mein Depot einzahlen, aber ich komme einfach nicht weiter damit, wie viel es sein sollte, da das Thema Hauskauf noch ungeklärt ist. Daher sollte ich wahrscheinlich erstmal nur den Betrag einzahlen, den ich für meine Rentenlücke auf jeden Fall brauchen werde und den Rest in Tagesgeld, Festgeld oder Geldmarkt-ETF stecken.

    Wie viel sollte ich schlauerweise als Einmalanlage investieren? Wie hoch sollte mein Sparplan sein? Ich komme damit irgendwie nicht weiter...

  • Hallo, da das Thema Hauskauf ungeklärt ist, würde ich das so belassen und das "Barvermögen" (auf dem Giro??) irgendwo in ein Tagesgeld oder kurzlaufendes Festgeld stecken (z.B. auch über Plattformen wie Raisin/ehemals Weltsparen).

    Man könnte sich überlegen das Geld aus dem Versicherungsmantel der Provinzial Fondsrente Vario in ein ETF-Depot zu legen und ggf. die Riester später in das AV-Depot zu überführen (wenn das für die besser wäre).

    Aus meiner Sicht hast Du eine super Sparrate und würde diese weiterhin in das ETF-Depot stecken, bis zu dem Zeitpunkt, zu welchem Du weißt ob Immobilie oder nicht. Der Vermögens-Betrag der deine Rentenlücke schließen soll, ist ja leider auch nicht fix und hängt davon ab, ob Kinder noch in Spiel kommen und wer in welchem Umfang dann seine Arbeitszeit reduziert.

    Fazit, würde ich deine Sparrate so lassen.

    Oder was macht Dir da Sorge?

  • Du meinst also, einfach einen Sparplan mit den 1,2 K anlegen und keine Einmalanlage in ETFs tätigen? Mein Gedanke war, evtl. jetzt mehr als Einmalanlage in ETFs zu investieren, da der erste Euro ja am meisten Zinsen bringt.

  • Mein Gedanke war, evtl. jetzt mehr als Einmalanlage in ETFs zu investieren, da der erste Euro ja am meisten Zinsen bringt.

    Das funktioniert bei einem geplanten Hauskauf nicht. Zinsen bringt deine Anlage schon mal gar nicht in einem Aktien ETF. Und wenn du richtig Pech hast, sitzt du plötzlich mit -40 % in der Gegend rum.

    Das Thema Hauskauf muss einfach seriös besprochen und geplant werden.

    Ich nenne das jetzt mal einfach Kauf einer Immobilie zu Wohnzwecken.

    Kann ja auch eine sehr gute Eigentumswohnung sein, die dann auch im Alter noch super bewohnen kann.

    Solange das nicht wirklich entschieden ist, würde ich keine Einmalzahlungen machen.

  • Mein Gedanke war, evtl. jetzt mehr als Einmalanlage in ETFs zu investieren, da der erste Euro ja am meisten Zinsen bringt.

    Und mit Pech kosten sie dich in 2-3 Jahren noch mehr, weil der ETF temporär im Keller ist, die Bauzinsen aber höher stehen wie heute und Du das Geld besser in das Eigenkapital gesteckt hättest. 125k€ Eigenanteil sind heute, je nach Gegend und Immobilie, recht viel oder gerade mal gut die Kaufnebenkosten.

    Aber gut, wenn Du auf mind. 28 Jahre hin Deine Rentenlücke berechnen kannst (mit oder ohne Immobilie, auch die kostet, aber ggf. weniger wie die Mietsteigerung bis in 28 Jahren), dann kannst Du vermutlich auch abschätzern, wie hoch die Rendite in Deinem ETF wäre.

    Du möchtet 1100€ (heutige Kaufkraft) in mind. 28 Jahren über wie lange (nehme ich mal 30 Jahre, also bis zum Alter von 97) entnehmen mit einer sehr geringen Pleitewahrscheinlichkeit.

    Das wären dann nach dem Rechner
    https://www.zinsen-berechnen.de/entnahmerechner.php
    (1100€ Entnahme im 1. Jahr, 2% Dynamik zum Inflationsausgleich, 3% Rendite auf das Restkapital, 30 Jahre Laufzeit) ca. 341k€ Vermögen (ohne jede Steuer berechnet).

    Das gibt dann nach dem Rechner
    https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php
    (341k€ Endkapital, 3% Rendite, alle Erträge mit 26,4% versteuert) 735€/Monat Sparrate über 28 Jahre. Lustiger Weise landest Du dann bei der allseits bekannten 3,5-4% Regel für die Entnahme.

    Die Rendite beim Sparen ist hier mir Absicht so niedrig angestzt. Es sind ca. 5-6% inkl. Infaltion, mit viel mehr rechnet Finanztip derzeit nicht.

    Jetzt kannst Du Dir noch einen besseren Rechner suchen, der die Steuern genauer berechnet, da Du mit rentenbeginn nicht alles umschichtest und es eine Teilfreistellung für Aktien-ETFs gibt. Das ist für mich genauso Erbsenzählerei wie heute meine Rente oder die Steuerpolitik in 28 Jahre zu erraten, um da auf 10% genau zu rechnen.

    Und es sollte klar sein, dass diese Werte mit Absicht ohne Inflation und ohne Steigerung der Sparrate angegeben sind (außer bei der Entnahme).

    Ich würde, wie schon genannt wurde, bis zur Endscheidung für oder gegen eine Immobilie, alles auf dem Tagesgeld/Geldmakrt parken und die Entscheidung dann aber auch fix in max. 2-3 Jahren treffen. Was Du mit der Sparrate die kommenden Jahre planst, würde für mich auch von der gewünschten Immobilie abhängen. Kostet die (in 3 Jaren) ohne Sanierungsbedarf "nur" 300k, würde ich den Sparplan in den ETF laufen lassen, kostet sie eher 500k€ oder mehr (jeweils inkl. Kaufnebenkosten, Umzug, Renovierung usw....) würde ich auch das Geld im Geldmarkt parken.

  • Du meinst also, einfach einen Sparplan mit den 1,2 K anlegen und keine Einmalanlage in ETFs tätigen? Mein Gedanke war, evtl. jetzt mehr als Einmalanlage in ETFs zu investieren, da der erste Euro ja am meisten Zinsen bringt.

    Eigentlich wurde es ja schon gesagt, mal ausführlich mal weniger ausführlich :) Aber wenn die Immobilie die nächsten Jahre kommt, ist eine Einmalanlage aus deinem "Cash" von 125.000 € kaum sinnig, da Verluste drohen.

    Ist die Immobilie vom Tisch für die nächsten 15 Jahre, kannst du theoretisch mit den 125.000 € als Einmalanlage in ETFs gehen .... typischerweise auf einmal, nicht in Tranchen über Monate hinweg verteilt. Dann brauchst du ja das Cash nicht mehr als Eigenkapitel.

  • Provinzial Fondsrente Vario41Kseit 2024, 70% MSCI World, 30 % MSCI EM
    Riester Generali7Kseit 2017, aktuell beitragsfrei
    Depot5Kseit 04/26, 70% MSCI World, 30 % MSCI EM
    Festgeld25Kwird frei 01/27
    Barvermögen125K

    Laut meinen Berechnungen habe ich eine Rentenlücke von ca. 1.100 €.


    um eine Rentenlücke von €1.100 netto je Monat aus Kapitalvermögen zu erwirtschaften, bräuchtest du ein Depotvermögen von ca €500.00.

    Dann kannst du theoretisch jährlich 3,5% entnehmen = €17.500
    ich nehm jetzt einfach mal an 25% gehen für Steuern o.ä. weg (wer weiss schon, was in 25 Jahren sein wird, aber mit Steuerfreiheit würde ich nicht kalkulieren), so bleiben €13.125 fürs Jahr = €1.094 je Monat
    Dein Depot beträgt aktuel €5.000, du müsstest es also verhundertfachen.

    Dein aktuelles Vermögen beträgt ca 200k, eine Kapitalrendite erwirtschaftest du derzeit nur mit einem winzigen Anteil von 2,5% (die 5k im Depot), der Rest rentiert vermutlich noch unterhalb der Inflationsrate?

    Wenn du in ca 25-30 Jahren zu Rentenbeginn ein Depot in ausreichender Grösse haben möchtest, musst du bald mit dem Aufbau beginnen. Und ja, ich würde gleich mal 100k reinstecken, denn in meinen Augen solltest du den Plan mit der Immobilie gleich heute beerdigen. Eine Immobilie ist ein Lifestyle Model und ersetzt keine Altersvorsorge, und für beides gleichzeitig hast du leider nicht genügend freies Einkommen.

  • Wie sieht es mit dem potentiellen Eigenkapital des Partners aus? Und welche Aufteilung beim Immobilienbesitz ist geplant? 50-50 oder 100-0?

    Wenn ihr zu 50-50 tendiert und der Partner nur 70k hat, könntet ihr jeweils 70k als Eigenkapita nutzen. Dann wäre der Rest frei für den ETF.

    Aber das hängt natürlich auch davon ab, wie teuer eine Imnobilie bei euch wäre, wie sich euer Einkommen die nächsten Jahre entwickelt(Kinder, Teilzeit...)

  • Ein paar kurze Eckdaten zu mir: w, 39, unverheiratet, keine Kinder, wohne günstig mit meinem Partner zur Miete.

    In den nächsten 2-3 Jahren wird sich vermutlich klären, ob wir noch Kinder bekommen und ob wir ein Haus kaufen werden.

    So diese beiden grundsätzlichen Fragen nicht geklärt sind, ist es schwierig eine Empfehlung zu geben. Steht und fällt der Hauswunsch mit dem Kinderwunsch oder ist das unabhängig davon?

    Irgendwann muss man(n)/Frau sich einfach im Leben entscheiden.
    Wie sieht es Dein Partner?
    Die Biologie arbeitet als Frau auch gegen Dich. Selbst wenn man sich jetzt als Paar in Sachen Kinderwunsch einig ist und Vollgas gibt, kann es auch jahrelang nicht funktionieren. Habe das seinerzeit in meinem Jugendfreundeskreis mitbekommen. Das Paar hat sich jahrelang bemüht und letztlich viel Mühe, Nerven und Geld investiert um sich den gemeinsamen Kinderwunsch zu erfüllen. Geklappt hat es nicht und das selbst gebaute Haus blieb dann kinderlos.
    Das Ganze hat Sie aber als Paar stark zusammen geschweißt.

    Gut, ich bin schon ein 'alter Sack' und heute gibt es sicherlich auch moderne Möglichkeiten als vor 15, 20 Jahren einer Schwangerschaft 'nachzuhelfen'.
    Aber der Themenkomplex sollte schon geklärt sein, bevor man mit großen Anteilen des Vermögens den Kapitalmarkt geht.
    Dazu sollte dann auch das Thema gegenseitige Versorgung des Partners gehören! Sprich, wenn Kind(er) da sind, wird einer der Partner i.d.R. finanziell zurück stecken müssen. Auch das Thema Heirat sollte dann eine Rolle spielen.
    Also genug Baustelle(n) abseits des eigentlichen Themas 'Rentenlücke'!

    um eine Rentenlücke von €1.100 netto je Monat aus Kapitalvermögen zu erwirtschaften, bräuchtest du ein Depotvermögen von ca €500.00.

    Dann kannst du theoretisch jährlich 3,5% entnehmen = €17.500
    ich nehm jetzt einfach mal an 25% gehen für Steuern o.ä. weg (wer weiss schon, was in 25 Jahren sein wird, aber mit Steuerfreiheit würde ich nicht kalkulieren), so bleiben €13.125 fürs Jahr = €1.094 je Monat

    Funkenflug
    So sieht es im groben aus. Und immer an die Inflation denken! Eine nach heutiger Sicht bestehende Rentenlücke wird in 25-30 Jahren durch die Inflation ganz anders aussehen!
    Du hast aber eigentlich sehr gute Voraussetzungen (vorhandenes Vermögen) um langfristig eine ausreichende zusätzliche Altersvorsorge aufbauen zu können.
    Aber zunächst solltet Ihr für Euch die eigentlichen Lebensfragen klären.

  • Ich möchte nun noch mehr in mein Depot einzahlen, aber ich komme einfach nicht weiter damit, wie viel es sein sollte, da das Thema Hauskauf noch ungeklärt ist

    Ich finde

    - du machst dir profunde Gedanken

    - deine finanzielle Aufstellung ist klasse

    Aber:

    - mehr ins Depot einzahlen und Hauskauf, das passt nicht gut zusammen. Sagt auch FT. Wie siehst du das? Kommst du zu einem anderen Schluss?

    - wie sieht denn die Gesamtvermögenssituation aus, also mit deinem Partner? Wurschtelt da jeder für sich (so lesen ich das und das ist auch völlig ok). Wie ist dann der Plan mit dem Hauskauf, da geht es ja vermutlich nicht um die in paar tausend Euro, sondern „all in die Hütte“.

    - wenn es mit der Familie/Kindern klappt, kannst oder möchtest du dann so weiterarbeiten?

  • Gibt’s eigentlich Daten dazu wieviele Menschen Geld auf dem Tageskonto versauern haben lassen, weil sie vielleicht eine Immobilie kaufen wollen es aber nie getan haben?

    Und wieviele Menschen Geld in den Kapitalmarkt investiert haben weil sie sicher waren keine Immobilie zu kaufen, das dann doch getan haben und wieviele davon das Geld mit Verlust und wieviele es mit Gewinn wieder rausgeholt haben?

    Man darf m.E. nicht zu viel Angst vor falschen Entscheidungen haben und darf sich nicht nur auf eine Möglichkeit versteifen, sondern sollte flexibel bleiben und nach Wahrscheinlichkeiten und nicht nach theoretischen Möglichkeiten entscheiden.

    Wenn Hauskauf und Kinder eher wegen gegebener äußerer Umstände wie etwa dem Vorhandenseins einer Beziehung und dem Ticken der biologischen Uhr eine theoretisch vorhandene Möglichkeit, aber eigentlich kein intrinsischer Wunsch und somit kein wirkliches Ziel sind, muss man sein Geld dafür m.E. nicht „bereit“ halten sondern kann in ETFs investieren und riskiert somit keine „Opportunitätskosten“

    Wenn der Wunsch aber stark ist und man bloß noch nicht weiß, ob die äußeren Umstände dann wirklich so passen wie man sich das wünscht (stabile Partnerschaft, körperliche Gegebenheiten), es somit eher ein intrinsisches Ziel als eine theoretische Option ist, dann stellt man die Weichen wohl eher in diese Richtung und hält Geld auf Nummer Sicher um keinen Verkauf mit Verlusten zu riskieren.

    Wenn’s dann doch anders kommt macht man dann in dem Moment das dann Beste draus und verfolgt Plan B und wohnt halt noch länger zur Miete, oder investiert dann im anderen Fall als Plan B doch endlich in den Kapitalmarkt.

    Das Geld einfach zu verkonsumieren steht ja eh nicht zur Diskussion und das ist das Wichtigste.

    Das ist nur meine persönliche Herangehensweise zu Entscheidungsfindungen, ganz klar, dass man auch anders an Entscheidungen herangehen kann.

  • Gibt’s eigentlich Daten dazu wieviele Menschen Geld auf dem Tageskonto versauern haben lassen, weil sie vielleicht eine Immobilie kaufen wollen es aber nie getan haben?

    Und wieviele Menschen Geld in den Kapitalmarkt investiert haben weil sie sicher waren keine Immobilie zu kaufen, das dann doch getan haben und wieviele davon das Geld mit Verlust und wieviele es mit Gewinn wieder rausgeholt haben?

    Nicht dass ich wüsste, aber gefühlt (ich weiß, anekdotische Evidenz und so) gibt es mehr von der ersten Sorte als von der zweiten.

    Das könnte aber auch daran liegen, dass generell nur ein recht kleiner Anteil der Leute überhaupt Geld in ETFs anlegt, und dass die "Unentschlossenen" häufig nicht nur in Sachen Immobilie ja/nein sondern auch in Sachen Geldanlage eher unentschlossen sind.

    Das ist gar nicht böse gemeint, das war bei mir ähnlich. Funkenflug Ich hatte auch mit Mitte 30 einen sechsstelligen Betrag auf dem Tagesgeld angesammelt (allerdings keine sonstigen Finanzprodukte wie Riester, Fondsrente etc., weil ich von derartigen Verkäufern immer Abstand gehalten habe). Weniger aus einer bewussten Entscheidung heraus, sondern eher, weil ich mich mit Geldanlage nicht so richtig beschäftigt habe und eben auch noch unklar war, ob und wann es ein Kind geben würde, wo wir langfristig leben möchten (jahrelange Fernbeziehung jobbedingt) und ob wir überhaupt eine Immobilie kaufen wollten.

    Ich gebe da monstermania da absolut recht - irgendwann muss man sich entscheiden und Nägel mit Köpfen machen! In unserem Fall fiel die Entscheidung für ein Kind, und damit einhergehend auch die Entscheidung für einen langfristigen Wohnort. Als dann klar war, dass wir ohnehin etwas Neues zum Wohnen suchen müssten (die Mietwohnung wäre mit Kind auf Dauer zu klein gewesen), fiel dann die Entscheidung für eine Immobilie.

    Klar, hätte ich die 10-15 Jahre davor einen ETF bespart, wäre mein Eigenkapital zu dem Zeitpunkt deutlich höher gewesen. Aber in ETF investieren und kurz danach kaufen hätte auch ins Auge gehen können. Wir haben Anfang 2020 eine Immobilie gekauft; wäre es nur etwas später gewesen und ich hätte das Eigenkapital in ETF gehabt, hätte es sein können, dass ich mitten im Corona-Crash hätte verkaufen müssen und plötzlich das Geld nicht mehr gereicht hätte für die geplante Finanzierung.

    Insofern würde ich sagen, legt euch die Karten und besprecht offen und ehrlich das Thema Kind(er) ja / nein und Immobilie ja / nein. Und besprecht auch, ob (für euch) eines vom anderen abhängt. Ist die eigene Immobilie nur wichtig, wenn es auch Kind(er) gibt? Oder unabhängig davon? Wir haben damals z.B. auch Immobilien in einem (teilweise noch nicht fertigen) Neubaugebiet angeschaut - das war total auf Familien ausgelegt, überall Spielplätze, Fußwege, auch in den schon fertigen Wohnungen und Häusern standen vor jedem Haus Bobby Cars und Kinderfahrräder. Mit unerfülltem Kinderwunsch wäre es möglicherweise hart gewesen, dort zu wohnen.

    Ein Kind wirkt sich ja möglicherweise auch auf die weitere finanzielle Planung aus. Wenn z.B. während der Elternzeit oder auch in späterer Teilzeit ein Einkommen (teilweise) wegfällt, ist ggf. weniger Rate und damit weniger Immobilie drin als ohne Kind. Auch das sollte man mit einplanen.

    Erst wenn ihr euch bei diesen Themen klar seid, würde ich über die weitere Geldanlage und Aufteilung nachdenken!

  • Ein paar kurze Eckdaten zu mir: w, 39, unverheiratet, keine Kinder, wohne günstig mit meinem Partner zur Miete.

    In den nächsten 2-3 Jahren wird sich vermutlich klären, ob wir noch Kinder bekommen und ob wir ein Haus kaufen werden.

    Meine finanzielle Situation sieht derzeit so aus: Einkommen ca. 3K, Ausgaben reell im letzten Jahr ca. 1,8K (monatlich), demnach ca. 1,2K monatlich gespart (40%).

    [...]

    Wie viel sollte ich schlauerweise als Einmalanlage investieren? Wie hoch sollte mein Sparplan sein?

    Ergänzend noch dazu: Es dürfte auch sinnvoll sein, wenn ihr auch einmal grundsätzlich über das Thema gemeinsame Finanzplanung (und übers Heiraten!) sprecht!

    Mein Partner und ich hatten viele Jahre komplett getrennte Finanzen, und das war damals auch sinnvoll so. Wir hatten eine Fernbeziehung, keine Kinder, waren nicht verheiratet, jeder hatte sein eigenes Gehalt und seine eigene Wohnung. Wenn wir z.B. gemeinsam in den Urlaub gefahren sind, haben wir bei den Kosten 50/50 gemacht, ansonsten haben wir es meist so gehandhabt, dass in der Fernbeziehung der, der jeweils gefahren ist, die Fahrkosten getragen hat und der andere dann jeweils alle Kosten vor Ort (also z.B. Essengehen etc.). Wir sind meist abwechselnd gefahren und das war für uns eine faire und gut funktionierende Lösung.

    Als klar war, dass wir ein Kind und auch eine gemeinsame Immobilie wollen, war für uns auch klar, dass wir heiraten und bei unserem Vermögen und unseren Lebenshaltungskosten "alles in einen Topf" werfen, und auch bei der Immobilie im Grundbuch jeweils zu 50% stehen, unabhängig vom eingebrachten Eigenkapital. Geheiratet haben wir nicht nur, aber auch aus steuerlichen Gründen. Man kann mit einem Testament vieles regeln, aber der Erbschaftsteuerfreibetrag liegt zwischen unverheirateten Paaren eben nunmal nur bei 20.000 EUR, das heißt, wenn einer verstirbt, muss der überlebende Partner ggf. richtig viel Erbschaftsteuer zahlen für die Immobilie. Das sollte man auf dem Schirm haben, wenn man beabsichtigt, unverheiratet gemeinsam eine Immobilie zu kaufen.

    Man kann das natürlich alles auch anders lösen, auch da sollte man aber vorher darüber sprechen und das planen. Vor allem dann, wenn z.B. das vorhandene Eigenkapital und / oder das Gehalt sehr unterschiedlich sind, oder wenn einer mit Kind perspektivisch mehr Elternzeit nimmt / Teilzeit arbeitet als der andere und damit auf laufendes Gehalt, Karrierechancen und Rentenpunkte verzichtet, sollte man sich überlegen, wie eine faire Lösung für beide aussehen kann.

    Bei uns funktioniert "alles in einen Topf" sehr gut. Wir haben aber z.B. auch ähnliche Vorstellungen bei der Geldanlage, eine ähnliche Risikoneigung, ein ähnliche Konsumverhalten und ähnliche Prioritäten in Sachen Geldausgeben. Wären wir da unterschiedlicher, hätten wir uns vermutlich eine andere Lösung überlegt.

    Wichtig ist, dass man vorher darüber redet und gemeinsam plant und entscheidet!

  • Nicht dass ich wüsste, aber gefühlt (ich weiß, anekdotische Evidenz und so) gibt es mehr von der ersten Sorte als von der zweiten.

    Meine anekdotische Evidenz entspricht deiner.

    …fiel dann die Entscheidung für eine Immobilie.

    Klar, hätte ich die 10-15 Jahre davor einen ETF bespart, wäre mein Eigenkapital zu dem Zeitpunkt deutlich höher gewesen.

    Deine persönliche anekdotische Erfahrung lautet: meine Herangehensweise nicht zu investieren war finanziell nachteilig weil mir Gewinne entgangen sind.

    Aber in ETF investieren und kurz danach kaufen hätte auch ins Auge gehen können. Wir haben Anfang 2020 eine Immobilie gekauft; wäre es nur etwas später gewesen und ich hätte das Eigenkapital in ETF gehabt, hätte es sein können, dass ich mitten im Corona-Crash hätte verkaufen müssen und plötzlich das Geld nicht mehr gereicht hätte für die geplante Finanzierung.

    Sie lautet weiters: ich habe tatsächlich gekauft. Ich bereue meine Opportunitätskosten nicht.

    Vermutlich trägt der realisierte Kaufwunsch viel dazu bei, dass du die Opportunitätskosten nicht bereust.

    Wie schätzt du das ein: Hättest du nicht gekauft, wärest du mit den Opportunitätskosten genauso im Reinen?

    Erst wenn ihr euch bei diesen Themen klar seid, würde ich über die weitere Geldanlage und Aufteilung nachdenken!

    Man sollte sich dabei aber auf alle Fälle darüber im Klaren sein, dass alles so zu belassen wie es derzeit ist, jedenfalls auch eine Entscheidung für etwas ist.

  • Deine persönliche anekdotische Erfahrung lautet: meine Herangehensweise nicht zu investieren war finanziell nachteilig weil mir Gewinne entgangen sind.

    Das stimmt.

    Sie lautet weiters: ich habe tatsächlich gekauft. Ich bereue meine Opportunitätskosten nicht.

    Vermutlich trägt der realisierte Kaufwunsch viel dazu bei, dass du die Opportunitätskosten nicht bereust.

    Doch, ich bereue die Opportunitätskosten durchaus.

    Aber der Grund, dass ich nicht in ETF angelegt habe, war nicht etwa, dass ich vorgehabt hätte, eine Immobilie zu kaufen. Ich habe mich schlichtweg nicht um Geldanlage gekümmert, sondern zugeschaut, wie das Geld auf dem Giro / Tagesgeld jeden Monat mehr wurde.

    Das war überhaupt keine bewusste Entscheidung, zu sagen "ich plane einen Immobilienkauf, deshalb lasse ich das Geld liquide auf dem Tagesgeld liegen". Im Gegenteil, ich ging lange eher davon aus, dass ich keine Immobilie kaufen werde (und habe das Geld trotzdem liegen gelassen). Dass es ETFs gibt und wie man da Geld anlegen kann, damit habe ich mich überhaupt erst NACH dem Immobilienkauf beschäftigt (als sich wieder einiges an Geld angesammelt hatte).

    Meine Opportunitätskosten waren also eher meinem persönlichen Desinteresse geschuldet und weniger dem Immobilienkauf.

    Mein Hinweis bezüglich Corona war eher so gemeint, dass WENN man ernsthaft beabsichtigt, in den nächsten 2-3 Jahren eine Immobilie zu erwerben, man sich gut überlegen sollte, ob ein ETF das richtige Anlagevehikel ist und was passiert, wenn es kurz vor dem Immobilienkauf einen größeren Crash gibt. Ist das dann nur etwas ärgerlich, man verkauft mit Verlust (oder lässt den ETF liegen), hat weniger Eigenkapital und nimmt einen höheren Kredit auf oder leistet sich nur eine kleinere / günstigere / weniger neue / schlechter gelegene Immobilie? Oder bedeutet das, dass man den Immobilienwunsch begraben muss, weil es ohnehin so knapp war, dass mit nach einem Crash halbierten Eigenkapital keine Immobilie mehr drin ist?

    Mit meinem Finanzwissen von heute hätte ich vermutlich mit Mitte 20 mit dem ersten Job angefangen, in ETFs zu investieren (denn damals war eine Immobilie nicht wirklich geplant), und dann aber vermutlich den ETF verkauft, sobald die Entscheidung, doch eine Immobilie zu kaufen, gefallen war.

    Und ich würde auch heute jedem, der was vom "Traum vom eigenen Haus" schreibt, empfehlen, in sich zu gehen und zu überlegen, ist das nur ein Traum im Sinne von "irgendwann mal, vielleicht, mal sehen, wäre schon schön, wenn es sich ergibt...", oder ist das wirklich ein fester Plan bzw. absoluter Lebenstraum im Sinne von "ein Leben ohne eigene Wohnung / Einfamilienhaus kann ich mir nicht vorstellen, ich will unbedingt in den nächsten 2-3 Jahren was kaufen".

    In ersterem Fall würde ich sagen, lieber frühzeitig in ETFs investieren. Wenn sich irgendwann Jahre die Einstellung ändert und doch eine Immobilie her soll, muss man dann eben schauen, wo man steht, ob / wieviel man vom ETF zugunsten von Eigenkapital verkaufen will und was das für die Auswahl der Immobilie bzw. Finanzierung heißt.

    In zweiterem Fall, wenn es wirklich schon klar absehbar ist, dass eine Immobilie gekauft werden soll und das ein absoluter Lebenswunsch ist, würde ich nach wie vor sagen, ETFs sind nicht das Richtige (zumindest wenn ein Crash dazu führen würde, dass das Eigenkapital nicht mehr reicht und doch keine Immobilie möglich ist).

  • Und ich würde auch heute jedem, der was vom "Traum vom eigenen Haus" schreibt, empfehlen, in sich zu gehen und zu überlegen, ist das nur ein Traum im Sinne von "irgendwann mal, vielleicht, mal sehen, wäre schon schön, wenn es sich ergibt...", oder ist das wirklich ein fester Plan bzw. absoluter Lebenstraum im Sinne von "ein Leben ohne eigene Wohnung / Einfamilienhaus kann ich mir nicht vorstellen, ich will unbedingt in den nächsten 2-3 Jahren was kaufen".

    In ersterem Fall würde ich sagen, lieber frühzeitig in ETFs investieren. Wenn sich irgendwann Jahre die Einstellung ändert und doch eine Immobilie her soll, muss man dann eben schauen, wo man steht, ob / wieviel man vom ETF zugunsten von Eigenkapital verkaufen will und was das für die Auswahl der Immobilie bzw. Finanzierung heißt.

    In zweiterem Fall, wenn es wirklich schon klar absehbar ist, dass eine Immobilie gekauft werden soll und das ein absoluter Lebenswunsch ist, würde ich nach wie vor sagen, ETFs sind nicht das Richtige (zumindest wenn ein Crash dazu führen würde, dass das Eigenkapital nicht mehr reicht und doch keine Immobilie möglich ist).

    Ich sehe das ganz genauso.

    Auf „vielleicht irgendwann…“ würde ich heute keine Entscheidungen (mehr) aufbauen.

  • Danke euch allen für die Meinungen! Das hilft mir auf jeden Fall!

    Die Situation ist in der Tat ein wenig kompliziert. Mein Partner und ich haben aktuell komplett getrennte Finanzen. Er hat bereits Kinder, weshalb er ziemlich viel Kindesunterhalt zahlen muss. Bei ihm sieht es also finanziell nicht so gut aus, wie bei mir. Viel mehr als Notgroschen ist da gerade nicht vorhanden (ca. 30K). Daher ist es auch mit Heirat, gemeinsamem Haus etc. nicht so einfach, auch was Erbe etc. betrifft. Da sind einfach wirklich noch viele offene Fragen. Aber ich denke, die nächsten zwei, drei Jahre wird sich das klären. Das Kinderthema auf jeden Fall ;)

    Wahrscheinlich ist es also wirklich gut, diese Zeit noch mit sicheren Bausteinen zu überbrücken. Es ist einfach noch so vieles unklar, dass das was 12345 schreibt mit "vielleicht irgendwann" auf jeden Fall eher zutrifft, als "ich muss das unbedingt machen". Dass ich leider spät dran bin, weiß ich.

    Wir werden aber beide auch noch erben, ich ein halbes Haus plus wahrscheinlich Bares. Überschlägig könnten das schon noch so 200K oder auch mehr werden (weiß man natürllich nicht). Bei ihm weiß man es nicht so genau. Die Eltern sind da nicht so offen. Eigentum haben sie aber auf jeden Fall auch.

    Warte mal ca. 10 Tage, dann bekommst du ein Tool dafür.

    Was für ein Tool kommt denn dann?

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