Menschen, die niemals eine Altersvorsorge betrieben haben

  • Ist es Aufgabe von Altersvorsorge, Finanzen diesbezüglich zu lenken, oder ist es Aufgabe von Altersvorsorge, möglichst ertragreich/sicher Altersvorsorge zu betreiben?

    Ja sehr spannend Frage, hier mal der Text aus dem Antrag als Diskussionsgrundlage. Die generelle Frage ob wir Verantwortung für die Wirkung unseres Handelns (Investmententscheidung) übernehmen können/müssen/wollen ergänze ich noch. Interessant ist auch was mit angemessener Übergewichtung gemeint ist. Da die Grünen wissen das ihr Vorschlag ohnehin nicht umgesetzt wird können sie ja eazy noch was unterbringen was ein Teil ihrer Wähler gerne hört:

    der breit diversifiziert und größtenteils passiv anlegt, dabei renditeori-
    entiert ist und im Sinne der Generationengerechtigkeit und Risikodiver-
    sifizierung Nachhaltigkeitskriterien anwendet, Investitionen in fossile
    Geschäftsmodelle ausschließt und eine angemessene Übergewichtung
    des europäischen und deutschen Marktes vorsieht, um mit dem langfris-
    tig orientierten Kapital Investitionsvorhaben mit langem Zeithorizont zu
    finanzieren und deutschen und europäischen Unternehmen, wie dem
    Mittelstand, langfristiges Eigenkapital zur Verfügung zu stellen und so-
    mit einen Beitrag zur Stärkung der europäischen Wirtschaft zu leisten;

  • Wir hatten damals die Strukkis von Tecis im Unternehmen weil der AG dachte uns etwas Gutes zu tun.

    [...]

    Von ETFs haben die damals nichts erzählt.

    ETFs sind der Erzfeind der Strukkis. Deshalb werden die auch mit allen Mitteln bekämpft.

    Ich bin weder Finanzprofi noch gebe ich Anlageberatungen.
    Meine Beiträge sind als Impulse zu verstehen, um sich selbst zu informieren.

  • Als ich 1985 meine Lehre anfing hatte ich auch absolut keinen Sinn dafür etwas fürs Alter zu tun, damals dachte ich (wurde auch immer so erzählt) die Rente wird langen. Dann kam nach kurzer Zeit die Erkenntnis durch Gespräche das eine kleine Lebensversicherung zusätzlich im Alter noch etwas Luxus verschaffen könnte. Das war mein damaliges Denken und ich war damit nicht alleine. Uns jetzt alle darzustellen wir waren/sind Deppen ist auch etwas daneben, nicht jeder ist finanzaffin oder hat den Sinn dafür. Gottseidank kam in meinen Vierzigern die Erkenntnis (auch beruflich, da ich trotz Handwerk immer mehr mit Zahlen zu tun habe) das das alles nicht langen kann, das war sozusagen eine Selbsterkenntnis und kein Thema was man breit (was ich mir wünschen würde) öffentlich diskutiert wurde. Leider stehen solche Foren wie dieses nicht sehr im Fokus, wünschenswert wäre das.

    Jedenfalls sehe ich in meinem Umfeld das Rente im Alter durchaus langen kann wenn die Erwerbsbiografie recht lückenlos ist und evtl. noch eine Kleinigkeit beiseite liegt. Leute in meinem Alter die kurz vor der Rente stehen fangen so langsam mal an zurechnen und stellen fest das es recht eng wird, da ist dann leider der Zug schon abgefahren um dagegen zu steuern, die jüngeren sehen zum Glück die Probleme im Alter und werden da zukünftig wohl anders mit Umgehen als meine Generation.

  • Das Geld, das Bürger heute sparen, fehlt immer der aktuellen Regierung im Wirtschaftskreislauf. Es ist also eine Semi-Entscheidung, wieviel und ob subventioniert wird, dass "der Bürger" selbst Altersovorsorge betreibt. Es ist ja nichts Neues, dass Entscheidungen gern für die aktuelle Legislaturperiode getroffen werden. Oder auch ans Ende dieser gelegt werden, so dass die nächste die Dinge wieder in den Keller legen kann.

  • Jedenfalls sehe ich in meinem Umfeld das Rente im Alter durchaus langen kann wenn die Erwerbsbiografie recht lückenlos ist und evtl. noch eine Kleinigkeit beiseite liegt.

    Und es gibt eine Menge Leute, die das rechtzeitig bemerkten, aber keine lückenlose Erwerbsbiografie hatten (Alleinerziehende z. B.) und faktisch auch erst spät Geld "übrig" hatten zum Sparen. Dann muss man auch noch Ahnung davon haben und nicht an Füchse geraten oder nur aufs Sparkonto legen - also im besten Fall einen entsprechenden Freundes- oder Familenkreis haben, der brauchbaren Input leisten kann.

    Ich erinnere mich an einen Schulfreund, der bereits vor dem Abi Rentenfonds kaufte. Für mich bömische Dörfer damals. Habe dann einfach mit dem Geld aus dem Ferienjob auch einige gekauft. Und die sind tatsächlich etwas geworden. Mussten aber für eine Anschaffung nach ein paar Jahren verkauft werden. Egal, was ich damit sagen will: Frau allein in den 80igern hatte wenig Berührung mit Finanzanlage. Auch erst mit Ende 40 angefangen.

  • Mit geeigneter politischer Willensbildung wäre es möglich, die GRV zukunftsfest zu gestalten.

    Solange das nicht absehbar ist, sollte selbstverständlich zusätzlich Eigenvorsorge betrieben werden.

    Ich glaube man geht nicht ehrlich mit dem Thema in der Politik um, gerade erst wieder das Gejammer der Sozialverbände gehört das wenn die Rente an die Beitragsjahre gekoppelt wird, Mütter, Arbeitslose, Menschen die Angehörige und Akademiker benachteiligt werden, da diese ja keine lückenlose Erwerbsbiografie haben. Und zu guter letzt wurden die Menschen mit lückenloser Erwerbsbiografie noch als männliche Sesselpupser betituliert. So braucht man keine Diskussion zu führen. Man will also Leute die das System tragen (also die mit lückenloser Erwerbsbiografie) noch stärker zur Kasse bitten um die Beitragslosen zu entlasten. Verstehe wer will. Ich bin auch dafür das Mütter oder Leute die Ihre Angehörigen pflegen im Alter nicht unter der Brücke leben müssen, dann muss aber der Staat aus Steuermittel diese Beiträge zahlen, kann ja nicht sein das das ständig durch die Beitragszahler erledigt wird, für die am Ende dann nix mehr da ist. Rente kann funktionieren wenn auch nur "echt" erworbene Rentenpunkte zählen, Zusatzpunkte die der Staat gerne als Werbegeschenk für Wahlen vergibt muss dann halt dieser auch zahlen.

  • Rente kann funktionieren wenn auch nur "echt" erworbene Rentenpunkte zählen, Zusatzpunkte die der Staat gerne als Werbegeschenk für Wahlen vergibt muss dann halt dieser auch zahlen.

    Nach Deiner Logik dürfte ja an Rente nur das ausgezahlt werden, was auch tatsächlich an Beiträgen reinkommt. Eine Rente per Umlagesystem funktioniert schlichtweg nur wenn das Verhältnis von Einzahlern zu Leistungsbeziehern stimmt. Und bei einem aktuellen Verhältnis von 2,1 Einzahlern zu einem Rentner dürfte es mit dem 'Funktionieren der Rente' aus sich selbst heraus nicht mehr allzu weit her sein :/.
    Bis 2030 wird sich dieses Verhältnis dann bei 1,5 liegen. Wie Franz Müntefering schon in den 2000'ern sagte. Um zu erkennen, dass so etwas nicht mehr funktionieren kann, dazu reichen auch 8 Jahre Volksschule Sauerland.

    Dazu kommt dann auch, dass aktuell die Zahl der gut bezahlten Jobs in der Industrie steig sinkt. Man bekommt es nicht so mit, weil Branchen wie Gesundheitssystem, Pflege und Dienstleistungen weiter eine hohe Nachfrage haben. Nur will der über 45 Jahre lang gut bezahlte Industriearbeiter dann demnächst über mind. 25 Jahre eine gute Rente beziehen, die dann möglicherweise von zunehmend schlechter bezahlten Menschen aus solchen Branchen erwirtschaftet werden muss. :/


  • Warum wird das immer am gut bezahlten Industriearbeiter festgemacht, aber der Akademiker wird immer in Schutz genommen wenn der deutlich weniger Beitragsjahre hat (machen gerade gerne die Sozialverbände, da ist der gut bezahlte Industriearbeiter mit 45 Beitragsjahren auch der Böse) wird immer damit Begründet das der Akademiker später auch mehr einzahlt, und das obwohl wir eine Beitragsbemessungsgrenze haben. Komische Logik. Beitragsjahre zu werten finde ich ist schon mal ein guter Anfang, man kann ja auch darüber reden ob es später 46 oder 47 Beitragsjahre sein sollen, aber rein am Absolutalter die Rente festmachen ist deutlich schlechter als die Beitragszeitenvariante.

    Finde es immer erstaunlich das Menschen die ohne eigene Leistung von solchen Systemen profitieren immer am lautesten schreien wenn Menschen die dieses System zu 100% tragen auch mal in dessen Genuss kommen wollen.

  • Nach Deiner Logik dürfte ja an Rente nur das ausgezahlt werden, was auch tatsächlich an Beiträgen reinkommt.

    Das wurde aber so nicht gefordert sondern nach meiner Lesart lediglich, dass einem Leistungsanspruch ein vorheriger Beitrag zu Grunde liegen soll und beitragslose Renten eben staatlich zu kompensieren seien.

    Allerdings kennt die GRV meinen bescheidenen Kenntnissen zu Folge keine "Akademikerrente" sondern dieser liegen ja auch Beiträge zu Grunde.

  • Solche Menschen regen mich tierisch auf. Vor allem, wenn man dann ganz empört feststellt, dass man ja von seiner Rente gar nicht leben kann.

    Man weiß seit Blüm, dass die Rente nicht reichen wird. Trotzdem bildet man keine Rücklagen, der Staat gibt ja im Alter dazu.

    Wenns nach mir ginge, würde bei der Grundsicherung fiktives Vermögen angerechnet, das man sich hätte aufbauen können.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Allerdings kennt die GRV meinen bescheidenen Kenntnissen zu Folge keine "Akademikerrente" sondern dieser liegen ja auch Beiträge zu Grunde.

    https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/A…etailseite.html

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Ganz ehrlich gesagt: wer weniger Jahre einbezahlt hat, hat doch automatisch weniger Rentenpunkte, also wäre das Thema schon erledigt, wenn man einfach auf Basis der im Arbeitsleben erworbenen Rentenpunkte auszahlt. Aber das ist bereits nach unten hin verwässert.


    Die Abschläge sollten auf Basis der Restlebensdauer berechnet werden, das ist auch der Fall (was da momentan nicht drin ist: eine "Penality" dafür, dass man quasi auch als Einzahler nicht mehr zur Verfügung steht - inzwischen aber sinnfrei, weil man ja zumindest theoretisch weiterarbeiten kann, auch wenn man in Rente ist.)

    Was jetzt neuerdings angebracht wird ist die Argumentation, dass der "reiche Rentner" länger leben wird. Nun ist die Lebenserwartung aber ein Thema der allgemeinen Lebensweise und der Gene. Will man also gesundes Leben betrafen?

    Im Prinzip ist die aktuelle Diskussion ein Umverteilungsversuch, da man gerne Ausgaben kürzen will, aber bei geringen Renten da auf Limits stößt. Die angestrebte Umverteilung findet aber aktuell bereits über das Steuersystem statt, auf geringe Renten zahlt man keine Steuern, auf höhere schon.

    Die einzige saubere Lösung wäre, das Verentungsalter langsam an die allgemeine Lebenserwartung anzupassen. Das geben die Fakten aber aktuell nicht her, die Lebenserwartung stagniert anscheinend zur Zeit.

    Übrigens habe ich lange Zeiten meines Erwerbslebens mehr als die jetzigen 2x 9,3% ins System einbezahlt, das hat man uns zugemutet und wir mussten zahlen.

    Was hat sich jetzt geändert?

    LG

    ohne_Peil

  • Solche Menschen regen mich tierisch auf. Vor allem, wenn man dann ganz empört feststellt, dass man ja von seiner Rente gar nicht leben kann.

    Man weiß seit Blüm, dass die Rente nicht reichen wird. Trotzdem bildet man keine Rücklagen, der Staat gibt ja im Alter dazu.

    Wenns nach mir ginge, würde bei der Grundsicherung fiktives Vermögen angerechnet, das man sich hätte aufbauen können.

    Aus dem Seelenleben eines Pensionsberechtigten....:)

    Auf fremdem A... ist gut durch Feuer reiten!

  • Ich kenne aus der Sozialberatung aus vielen Jahren wirklich viele Menschen, die niemals irgendeine Altersvorsorge betrieben haben beziehungsweise auch in der Gegenwart keinerlei Altersvorsorge betreiben.
    Ich habe oftmals den Eindruck, dass dies sogar für ein überwiegenden Großteil der „Normalos“ gilt.

    Ob das für die überwiegende Anzahl gilt, sei mal dahingestellt und ebenso die Frage, wie repräsentativ die Sozialberatung für Normalos ist. Man hat es hierzulande den Leuten jedenfalls sehr einfach gemacht, das Thema Altersvorsorge zu ignorieren. Noch immer wird in großen Teilen der Politik (zumindest nach außen) der Anspruch vertreten, dass man von der GRV ordentlich leben können sollte. Natürlich bleibt das nicht ohne Folgen für die Bevölkerung.

    Und als unter Schröder mit der privaten Vorsorge und Riester-Rente begonnen wurde, hat man zwar für eine kurze Zeit herausgestellt, wie unverzichtbar die private Vorsorge in der Zukunft sein soll. Aber das Thema dann doch recht schnell wieder aus dem Rampenlicht verschwinden lassen...mit Rentenkürzungen ist kein Beliebtheitswettbewerb zu gewinnen.

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