bAV verpflichtend

  • Kann er nicht, oder will er nicht? Mal losgelöst von der Frage, wieviele Zwischenschritte einem zwischen Schwarz und Weiß dabei noch einfallen könnten.

    Welchen Unterschied macht das? Will man den einen im Ruhestand unter der Brücke verhungern lassen und dem anderen helfen?

    Wäre eines zivilisierten Landes unwürdig.

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  • Für mich ist eine GRV in erster Linie ein Rahmen, in den jeder einzahlt und aus dem jeder eine Leistung bekommt.

    Wie man das ausgestaltet, ist eine ganz andere Frage. Dass das Umlagesystem nicht funktioniert und angesichts immer weniger Einzahler nicht funktionieren kann, ist weitgehend unstrittig.

    Und du glaubst, dass die IG Metall für eine stärkere Kapitaldeckung der GRV ist? Ganz sicher nicht und auch nicht die anderen Gewerkschaften, wo doch der Kapitalist das traditionelle Feindbild ist. Ohne Kapitaldeckung bleibt nur noch die Finanzierung aus allgemeinen Steuern und da ist der Bundeshaushalt heute schon auf dem besten Weg, dass er nur noch aus Zuschüssen an die theoretisch unabhängigen Sozialsysteme besteht.

  • Ich sehe das Hauptproblem darin, dass es keine Tarifpflicht gibt. Die Gewerkschaft kann viele gute Ideen haben, viele Unternehmen werden auch bereit sein Leistungen zu erbringen, allerdings gibt es dann auch etliche, die sich da wie immer raushalten werden. Am Verhandlungstisch sitzen eben nur die Tarifler, einige übernehmen das dann, aber der größere Teil wird es nicht tun. Also muss eine gesetzliche Regelung geschaffen werden, sonst bleiben die Unterschiede bestehen, egal wie die Lösungen aussehen.

  • Und du glaubst, dass die IG Metall für eine stärkere Kapitaldeckung der GRV ist? Ganz sicher nicht und auch nicht die anderen Gewerkschaften, wo doch der Kapitalist das traditionelle Feindbild ist. Ohne Kapitaldeckung bleibt nur noch die Finanzierung aus allgemeinen Steuern und da ist der Bundeshaushalt heute schon auf dem besten Weg, dass er nur noch aus Zuschüssen an die theoretisch unabhängigen Sozialsysteme besteht.

    Ich kenne deren Konzept nicht.

    Allerdings sehe ich nicht den substantiellen Unterschied, wenn man die GRV komplett aus Steuern finanziert (die man natürlich anpassen müsste).

  • Das fände ich eine effektive Vorgehensweise. Dann zahlen alle entsprechend Ihrer Steuerhöhe / finanziellen Leistungsfähigkeit ein, auch Beamte, Selbstständige etc. Und für alle wäre die Basisabsicherung im Alter gegeben.

    Alle, die mehr möchten (und können), können privat anlegen und das erwirtschaftete genießen.

    Das wäre am übersichtlichsten.

  • Aber ich glaube man muss es einfach als Prämisse für die Diskussion anerkennen, dass der Sozialstaat nicht zwischen "Wollte nicht" und "konnte Nicht" unterscheiden kann.

    Es gibt auch heute schon viele Fördermöglchkeiten, die vom individuellen Einkommen abhängen. Warum nicht die Rente für alle auch davon abhängig machen?

    Wer "nicht konnte" hat sein Leben lang entsprechend wenig Steuern gezahlt (warum auch immer), wer nicht wollte, hat diese bezahlt und sein Geld anders ausgegeben.

    Wenn ein Rentner in einer Großstadt eine Rente von 1200€ netto hat, die Miete aber bei 900€ liegt, kannst Du gern die Frage stellen, ob dieser Rentner 45 Jahre nicht konnte oder nicht wollte?

    Warum sollte ich das fragen? Aber Erlerntes aus der Vergangenheit nicht zu vergessen kann man wohl von niemandem mehr erwarten.

    Irgendwie habe ich u.A. den heute völlig weltfremden Satz gelert: So lange es mir geistig und körperlich möglich ist (ich also nicht von Kindheit an entsprechend eingeschränkt bin) muss ich mein Leben selber finanzieren können. Wenn das am Traumwohnort nicht möglich ist, gibt es nahezu immer mehr Alternativen wie nur zu resignieren und sich auch die Hilfe anderer zu verlassen.

    Aber ja, die gesetzliche Lage ist nunmal so, dass man zu sowas nicht mehr animiert oder gar gezwungen wird. Da wird eher das Wohngeld erhöht anstatt dass die teuren Städte dieses Geld in andere Wohnprojekte stecken.

    Dann zahlen alle entsprechend Ihrer Steuerhöhe / finanziellen Leistungsfähigkeit ein, auch Beamte, Selbstständige etc. Und für alle wäre die Basisabsicherung im Alter gegeben.

    Wenn dann das BGE im Alter endlich nur noch anhand der real geleisteten Einzahlung (und nicht von dutzenden, beitragsfreien Zuschüssen, wie heute) abhängt, mag sowas eine Lösung sein.

    Aber das klappt halt genauso wenig, oder wie möchtest Du das etwas genauer regeln? Ab X Jahren (eher XX Jahren) Einzahlung ein Renten-BGE in einheitlicher Höhe. Oder doch wieder eine Auszahlung, die von der Einzahlungshöhe abhängt?

    Das wäre am übersichtlichsten.

    Was wäre da übersichtlich, ohne gleich alle Sozialsysteme neu zu regeln? Und zwar so, dass jeder individuell am Ansparbeginnn die grundgesetzliche Zusage hat, dass sich der aktuelle Status für die Altersvorsorge bis zu seinem Ableben nicht mehr verschlechtern kann.

    Ich kann heute weder damit planen, wie hoch die Zahlung meiner BAV oder einer PRV in 7-20 Jahren sein wird. Wer weiss, welche Abgaben die Politik sich noch ausdenkt. Selbiges gilt für Kapitalerträge oder Haltezeiten für den Steuerfreien Verkauf von anderen Assets.

  • Irgendwie habe ich u.A. den heute völlig weltfremden Satz gelert: So lange es mir geistig und körperlich möglich ist (ich also nicht von Kindheit an entsprechend eingeschränkt bin) muss ich mein Leben selber finanzieren können. Wenn das am Traumwohnort nicht möglich ist, gibt es nahezu immer mehr Alternativen wie nur zu resignieren und sich auch die Hilfe anderer zu verlassen.

    Ironie on:
    Aber Du kannst doch nicht erwarten, dass jemand der 50 Jahre in der Münchner Innenstadt gelebt hat, nun als Rentner umziehen muss weil die Rente nicht ausreicht.
    Natürlich hat dieser Rentner dann ein Recht darauf in seinem gewohnten Umfeld wohnen bleiben zu können. Alles andere wäre ja total unsozial.

  • Ironie on:
    Aber Du kannst doch nicht erwarten, dass jemand der 50 Jahre in der Münchner Innenstadt gelebt hat, nun als Rentner umziehen muss weil die Rente nicht ausreicht.
    Natürlich hat dieser Rentner dann ein Recht darauf in seinem gewohnten Umfeld wohnen bleiben zu können. Alles andere wäre ja total unsozial.

    Naja, leider betrifft es nicht nur Rentner die sich den Wohnraum in ihrem Kiez nicht mehr leisten können, sogenannte Luxus-Sanierung haben schon viele Menschen die Heimat gekostet.

  • Einzelfälle, Einzelschicksale.

    Und wenn es abertausende sind, gibt es keinen Grund, deswegen die gesamte Bevölkerung zu entmündigen bzw. zu enteignen.

    Einige tanzen aus der Reihe? Lass uns deshalb alle - oder noch bsser: nur die, die noch einen Arbeitsplatz haben - unter ein Joch zwingen. Geht's noch?

    Ich bin wohl für ein Basis-Gesundheitssystem und ein Basis-Rentensystem für alle: Arbeiter, Angestellte, Beamte, Selbständige. Plus soziale Absicherung für Notfälle: Bürgergeld ohne Schonvermögen, nix mit Erbe absichern.

    Darüber hinaus jeder für sich, Ende Vollkasko Mentalität. Wer es verkackt, muss mit den Konsequenzen rechnen.

    Einmal editiert, zuletzt von Hmpf (10. Juni 2026 um 19:48)

  • Wenn ich hier so manche Meinungen lese, wäre ich ganz klar dafür tausende zu entmündigen.

    Hier wird oft so getan als würde ein Großteil permanent seine Kohle verpassen und dann mit dem Schampus und Kavier beim Staat die Tasche aufhält. Als würden da Millionen an jeden einzelnen mit vollen Händen in den Allerwertesten gesteckt. Ich gehe davon aus das keiner mal real in so einer Situation war, da man sonst einfach nicht so wirres Zeugs schreiben würde. Das Bürgergeld sichert das Existenzminimum und darüber hinaus in viele Fällen nicht mal das. Das ist der einzige Fakt der zählt. Wem das nicht passt, darf sich soch jederzeit einer leistungsorientierte Gesellschaft anschließen und zeigen was er kann. Die Tür steht jedem offen, aber stattdessen werden lieber andauernd unbescholtene Bürger gegängelt und bevormundet.

  • Komme nicht hinterher, den Thread komplett zu lesen, aber aus meiner Sicht ist, neben den meist zu hohen Verwaltungskosten, das Hauptproblem, dass jeder Arbeitgeber seine eigene Lösung hat und aus Gründen der Verwaltungsoptimierung nicht daran interessiert ist, einen bestehenden Vertrag eines neuen Arbeitnehmers fortzuführen. Da gleichzeitig eine Erwerbsbiografie mit nur einem Arbeitgeber die Ausnahme sein dürfte, führt dies aus meiner Sicht zu einer systematischen Reduzierung des Nutzens der BAV. Eine Standardisierung und Zusammenführung der BAV mit der privaten Altersvorsorge wäre deshalb aus meiner Sicht überfällig.

  • Alle brauchen eine Rente, aber niemand eine bAV.

    Eine Steuer- und SV-Begunstigung allein dem AN/AG Verhältnis anzuhängen ist ein Kuriosum, im besten Fall Klientelpolitik. Der Regierung geht's hier in Wahrheit um die Hoffnung, den AG die Kosten aufbürden zu können.

    Dabei würden die oben genannten Vorteile allen zukünftigen Rentenbeziehern nützen, nicht nur den Angestellten in krisenfesten Branchen.

    Lasst den Sparern einfach mehr übrig, dann braucht's den ganzen bAV Overhead nicht, und damit auch keine Subventionierung der Finanzstrukturvertriebe. Und es würden ALLE Berufe ungeachtet des Arbeitsverhältnisses davon profitieren.

    Die bAV ist ein Instrument zur AN Bindung, ein Goodie, ein Benefit. Damit das Rentenproblem lösen zu wollen ist wie zum Mond fliegen, um Steine für den Straßenbau abzuholen.

  • Eine bAV könnte auch sein, dass der AG zusätzliche Beträge in die GRV einzahlt.

    Tja, auf den ersten Blick ganz gut und einfach, ABER :
    da hat man doch erst letztens von so Wirtschafts/Regierungsberatern gehört, dass alle höheren Renten gekappt werden sollen, damit die ärmeren Rentner durch diese "ehemaligen Leistungsträger" kräftig unterstützt werden.

    Also sicher, dass das entsprechende Rentenequivalent auch wirklich beim AN ankommt, ist politisch NICHT gesichert.

  • Eine bAV könnte auch sein, dass der AG zusätzliche Beträge in die GRV einzahlt.

    Das würde bedeuten, dass die zusätzlichen Beiträge an die heutigen Rentner ausgezahlt werden und wenn dadurch ein individueller Anspruch entsteht, weiterhin darauf gesetzt wird, dass die immer weiter steigenden Ansprüche auch in Zukunft irgendwie finanziert werden können.

    Wesentlicher Kern einer bAV ist in meinen Augen, dass tatsächlich Kapital angespart wird, welches dem jeweiligen Versicherten zugeordnet ist. Das heißt, der spätere Anspruch ist im Prinzip ist schon mit Kapital gedeckt und man kommt endlich ein bisschen weg von diesem System, das einfach nicht mehr tragbar ist, weil in einem entwickelten Land keine Frau mehr 2,1 Kinder bekommen will und muss.

  • Das würde bedeuten, dass die zusätzlichen Beiträge an die heutigen Rentner ausgezahlt werden und wenn dadurch ein individueller Anspruch entsteht, weiterhin darauf gesetzt wird, dass die immer weiter steigenden Ansprüche auch in Zukunft irgendwie finanziert werden können.

    Wesentlicher Kern einer bAV ist in meinen Augen, dass tatsächlich Kapital angespart wird, welches dem jeweiligen Versicherten zugeordnet ist. Das heißt, der spätere Anspruch ist im Prinzip ist schon mit Kapital gedeckt und man kommt endlich ein bisschen weg von diesem System, das einfach nicht mehr tragbar ist, weil in einem entwickelten Land keine Frau mehr 2,1 Kinder bekommen will und muss.

    Und da sind wir wieder bei den Fragen

    • ob auch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge ein Umlagesystem ist
    • und ob es eventuell auch nur Probeleme in die Zukunft schiebt
    • ob dauerhaft wirklich alle an Aktien verdienen können oder ob es nur funktioniert, an Aktien zu verdienen, wenn es einem eingeschränkten Kreis vorbehalten ist
    • Welche Wirkung hat es, wenn Konsum eingeschränkt werden muss, um zusätzlich eine kapitalgedeckte Altersvorsorge aufzubauen
    • wer macht was mit all dem Kapital, das in kapitalgedeckte Altersvorsorge gesteckt wird
    • Was passiert mit diesen Anlageformen, die eine regelmäßige automatische Einzahlung in Aktien durchführen, wenn deren Anteil an der Gesamt-Marktkapitalisierung immer weiter zunimmt?
  • Und da sind wir wieder bei den Fragen

    • ob auch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge ein Umlagesystem ist

    Warum sollte das wieder eine Frage sein? Wenn individuell für einen VN Kapital angespart wird und auch nur dieses verwendet wird, um spätere Ansprüche an Kapitalauszahlung oder Verrentung zu erfüllen, dann kann das doch kein Umlageverfahren sein. Oder anders gesagt: Bei einer Kapitaldeckung entspricht der (spätere) Anspruch exakt dem, was angespart wurde.
    Das ist einfach und transparent.

    Zitat
    • und ob es eventuell auch nur Probeleme in die Zukunft schiebt

    Probleme kann es auch hier geben, aber sicher nicht im gleichen Ausmaß. In den Details hängt es von der politischen Ausgestaltung ab. Das größte Risiko in meinen Augen ist, dass bei Verrentung, die Lebenserwartung stärker steigt, als dies berechnet und in den Verrentungsfaktoren berücksichtigt wurde. D.h., das Kapital ist eigentlich aufgezehrt, aber der Rentenanspruch besteht noch.

    Zitat
    • ob dauerhaft wirklich alle an Aktien verdienen können oder ob es nur funktioniert, an Aktien zu verdienen, wenn es einem eingeschränkten Kreis vorbehalten ist

    Sehr spannende, wirtschaftlich-philosopische Frage. In der Praxis sieht es aber so aus, dass Altersvorsorgeversicherungen eh gar nicht alles in Aktien investieren dürfen.

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