Balance zwischen Altersvorsorge und Leben im Jetzt – wie handhabt ihr das?

  • wer sich seinen Wohlstand selbst erarbeitet, von unten nach oben steigt, braucht nichts zu beachten, der kann es einfach. Der Weg ist das Ziel.

    wer erbt oder reich heiratet funktioniert nur solange das Geld reicht. Das Ziel ist der Weg, mit dem Nachteil das der ein oder andere nie den Weg findet.

  • ..., wie strukturiert und konsequent viele von euch das Thema angehen.

    Ich frage mich aber, wie ihr persönlich die Balance zwischen langfristiger Vorsorge und dem „Leben im Hier und Jetzt“ seht.

    Gerade weil Lebenswege ja nicht immer planbar sind, finde ich es nicht ganz einfach, hier die richtige Gewichtung zu finden.

    Nee, ist auch nicht einfach und kann sich mehrfach ändern. Deshalb: von wegen strukturiert und konsequent ... ich bin phasenweise sehr strukturiert und konsequent vorgegangen - und hab mir dann plötzlich was Neues ausgedacht und das dann eine Zeitlang "strukturiert und konsequent" durchgezogen, bis mir wieder was Neues einfiel oder sich die Umstände änderten.

    Finanziell gesehen am dümmsten war die Phase, in der ich beruflich so belastet war, dass ich mich kaum um Finanzkram gekümmert habe. Glücklicherweise ist mir dann aber irgendwann aufgefallen, dass es keine gute Idee ist, wenn das Haus erst abbezahlt ist, wenn ich 72 bin! Nicht dass das eine doofe Planung war - ich hatte damals überhaupt keine Planung und das war echt doof.

    Also: bisschen Planung sollte schon da sein, aber die Gewichtung von Vorsorge einerseits und "hier und jetzt" andererseits kann sich im Laufe der Zeit ändern. Die Tendenz geht vermutlich dahin, dass man immer mehr merkt, was einem wirklich wichtig ist.

  • Auch bei meinen Eltern galt der Satz: man kann Geld nur einmal ausgeben. Und da Geld nicht im Überfluss vorhanden war, musste es bewusst ausgegeben werden. Also kein absoluter Verzicht, kein übermäßiger Konsum.

    Es gab Spielzeug, elektronische Geräte, Urlaub etc. Aber nicht immer alles, das neueste, das teuerste... man hätte weder den Konsum noch den Verzicht "instagram-tauglich" posten können. Durchschnitt/Mittelmaß eben, passend zum Einkommen, was auch Mittelmaß war.

    Die Einstellung habe ich übernommen, es ist durchschnittlich im Monat Geld über, ohne dass ich das Gefühl habe, auf etwas verzichten zu müssen. Früher habe ich dieses Geld einfach gespart, heute wird es bewusst investiert und als Altersvorsorge deklariert. Ich orientiere mich weder an prozentualen Quoten noch an genau ausgerechneten Rentenlücken. Kommt trotzdem relativ gut hin.

    GeldVerstand Wie definierst du "Leben im hier und jetzt"? Hängt deine Lebensqualität vom Konsum ab? Oder könntest du auf manche Ausgaben verzichten/ reduzieren ohne das du die Einschränkungen spürst? Welche Luxusausgaben sind dir wichtig, welche eher nicht?

    Bist du jemand, der bewusst nur kauft, was er braucht? Oder jemand, der alles verfügbare Geld ausgibt? Dann sind natürlich Budgets und ein bewusst gewählter Sparplan für die Altersvorsorge wichtig.

  • Ich komme aus einem Elternhaus, das grundsätzlich eher sehr sparsam war. Meine Eltern haben eigentlich gefühlt jede Mark/Euro gespart und sich nie etwas gegönnt. Urlaube waren damals immer Camping, Essengehen ein seltener Luxus, der gefühlt alle Jubeljahre mal stattfand und Kleidung wurde von Geschwistern getragen.

    Ich selber agiere beim Sparen relativ unstrukturiert, ich habe zwar meine festen Sparpläne etc., aber packe sonst auch mal alles was übrig ist noch als Sondertilgung in unsere ETW oder halt einen ETF.

    Ich versuche an Ausgaben wie Kleidung etc. stark zu sparen, dafür geben meine Frau und ich ziemlich viel Geld für Urlaube aus.

    Dafür arbeiten wir auch sehr viel und jeder Euro den ich heute spare, spare ich eigentlich mit dem Ziel, früher in Rente gehen zu können.

  • Auch bei meinen Eltern galt der Satz: man kann Geld nur einmal ausgeben. Und da Geld nicht im Überfluss vorhanden war, musste es bewusst ausgegeben werden. Also kein absoluter Verzicht, kein übermäßiger Konsum.

    Genau so, meine Eltern haben mir früh klar gemacht, dass ich mein Taschengeld für ein tägliches Wassereis am Schulbüdchen ausgeben kann, aber dann bleibt die Spardose leer. Alternativ konnte ich auch ein paar Minuten warten und mir zuhause ein Eis gönnen. Das haben meine Eltern in Großpackungen günstig im Discounter gekauft und uns Kindern kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich habe nie auf ein Eis verzichtet, aber es eben i. d. R. zuhause genossen und mein Geld gespart.

    Wenn ich 10 Mark gespart hatte, hat mein Vater das gleiche noch mal draufgelegt, also eine Rendite gezahlt.

    Für eine heißersehnte Jeans musste ich also durchaus sparen, aber sie war nicht unerreichbar für mich.

    Und so ist es auch heute noch, ich verzichte nicht auf Kaffe, aber trinke ihn zuhause oder im Büro preisgünstig, aber nicht im to go Becher für 4,80.

    Dieser bewusste Konsum ist es, der dafür sorgt, dass man zufrieden ist und sich etwas leisten kann und trotzdem ganz automatisch Geld übrig bleibt.

  • Yosemite
    Hört sich nach dem Marshmallow-Experiment an. ;)
    https://hub.hslu.ch/business-psych…w-experiment-1/

    Keine Ahnung wie ich da als Kind abgeschnitten hätte.:/

    Und so ist es auch heute noch, ich verzichte nicht auf Kaffe, aber trinke ihn zuhause oder im Büro preisgünstig, aber nicht im to go Becher für 4,80.

    Kommt darauf an. Wenn ich wirklich Lust auf einen Kaffee habe, zahl ich den gern und genieße Ihn. To go und genießen schließt sich m.E. ohnehin irgendwie aus. ;)

  • Danke euch, echt spannend zu lesen, wie unterschiedlich die Sichtweisen sind.

    Was ich besonders interessant finde: Dass einige von euch schreiben, dass Sparen irgendwann gar nicht mehr nur „Vorsorge“ ist, sondern fast zu einer Denkweise oder Gewohnheit wird. Darüber hatte ich ehrlich gesagt vorher nie wirklich nachgedacht.

    Man merkt im Thread generell ganz gut, dass es am Ende offenbar weniger um die reine Sparquote geht, sondern eher darum, welche Rolle Geld im eigenen Leben überhaupt spielen soll. Für die einen ist es vor allem Sicherheit, für andere Freiheit oder die Möglichkeit später kürzerzutreten.

    Und gleichzeitig schreiben mehrere, dass man sich irgendwann auch fragen muss, ob man später überhaupt noch das Bedürfnis oder die Gesundheit hat, vieles nachzuholen. Genau dieser Punkt wirkt auf mich irgendwie sehr nachvollziehbar.

  • Man merkt im Thread generell ganz gut, dass es am Ende offenbar weniger um die reine Sparquote geht, sondern eher darum, welche Rolle Geld im eigenen Leben überhaupt spielen soll. Für die einen ist es vor allem Sicherheit, für andere Freiheit oder die Möglichkeit später kürzerzutreten.

    Ich denke auch, es geht um das allg. "Finanz-Mindset" und nicht um die letzte Nachkommastelle, weder im Depot noch im Einkaufswagen...

  • Man merkt im Thread generell ganz gut, dass es am Ende offenbar weniger um die reine Sparquote geht, sondern eher darum, welche Rolle Geld im eigenen Leben überhaupt spielen soll

    Das sollte m.M.n. bei jedem so sein. Egal, ob die Sparquote gerade so dafür ausreichen könnte, die erwartete Rentenlücke zu schließen oder ob sie höher liegt.

    Ich war erst mit Ende 40 ansatzweise in der Lage, meine benötigten/gewsünschten Ausgaben und Einnahme zum Ende meines aktiven Erwerbslebens (als Angestellter) zu bestimmen.

    Und gleichzeitig schreiben mehrere, dass man sich irgendwann auch fragen muss, ob man später überhaupt noch das Bedürfnis oder die Gesundheit hat, vieles nachzuholen.

    Ich habe trotz Sparquote niemals das Gefühl gehabt, etwas verpasst oder als Spar-/Geldgründen nicht getan zu haben.

    Das einzige, was ich mich im Nachhinein frage ist, ob ich noch viel früher hätte Geld gegen Zeit tauschen sollen. Aber ohne (auch im Nachhinein) zu wissen, was ich dann mit der Zeit getan hätte, ergibt der Gedanke dazu noch nicht einmal in der Theorie Sinn.

    Wie viel Fokus legt ihr bewusst auf die Zukunft und wo zieht ihr für euch die Grenze, um sich auch aktuell Dinge zu leisten oder Freiräume zu schaffen?

    Ich hatte diesen Fokus nie, wenn ich mal von ein paar Versicherungsprodukten absehe, die ich mit Berufseinstieg abgeschlossen habe. Beide aber mit einer eher geratenen Höhe und ohne mir dabei Gedanken zu machen, ob die Zahlungen für den jeweiligen Zweck ausreichend gewesen wären.

    Ansononsten hatte ich schon immer das Mindset, nie mehr auszugeben wie ich Einnehme und bis zu einem gewissen Punkt dafür zu sorgen, dass sich meine Einnahmen mehr erhöhen wie mein Lebensstandard.

  • Ich war erst mit Ende 40 ansatzweise in der Lage, meine benötigten/gewsünschten Ausgaben und Einnahme zum Ende meines aktiven Erwerbslebens (als Angestellter) zu bestimmen.

    Ist nicht schlimm. Früher würde ich niemand abnehmen und persönlich bezweifle ich, dass ich auch in 10 Jahren schon vorhersagen kann, was zum Rentenbeginn in 30 Jahren der Fall sein wird. Der Mensch tendiert dazu, seine aktuelle Version als endgültig anzunehmen.

    Man kann trotzdem eine vernünftige Planung auf einem Platzhalter aufziehen, z.B. 1000€ Entnahme pro Monat, nach Steuern und inflationsbereinigt. Daraus ergibt sich ein Depotziel im heutigen Wert von 350k

  • Ich bin schon Ü60 und kann nicht sagen, wieviel Geld ich später benötige.

    Versuche, das zu berechnen, scheitern m. E. an den vielen Unbekannten und wenn es dann anders kommt, kann man es auch nicht mehr ändern.

    Ich würde heute nicht auf Reisen verzichten, weil ich mir sicher bin, dass das im Alter nicht mehr geht. Hunde und Cabrio hatte ich auch, war mir alles wichtig.

    Aber das waren alles geplante, punktuelle Ausgaben, die ich nie bereuen werde.

    Aber jahrzehntelang ein Vermögen für Zigaretten auszugeben, würde mich im Altenheim reuen, wenn dann das Geld nicht für einen Fernseher reicht oder für die Zuzahlung für Schmerzmedikamente…..

    Ich denke, dass Geld im Alter viel wichtiger sein wird, als in jungen Jahren, weil man dann für Dinge zahlen muss, die ein junger Mensch selbst machen kann.

    Also alles im hier und jetzt auf den Kopf hauen, Weil man nicht weiß, ob man morgen noch lebt, würde ich mich nicht trauen,

  • Guten Morgen GeldVerstand,

    mich treibt Deine Frage tatsächlich regelmäßig um und meine Antwort darauf ist nicht in Stein gemeißelt, habe ich festgestellt.

    Ich bin 36 und mit zwei kleinen Kindern liegt unser Fokus jetzt vor allem auf Sicherheit für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre. Mir sind gut gefüllte Rücklagen gerade wichtiger als die optimierte ETF-Sparquote, aber auch wichtiger als ein Urlaub, der eine Kategorie zu teuer ist. Wir leisten uns eine Haushaltshilfe, was mit Sicherheit das am besten investierte Geld ist und auch für Babysitter würden wir noch Geld in die Hand nehmen. Alles, was das Familiensystem entlastet und uns ein gutes Zusammenleben ermöglicht, ist mir jetzt wichtig. Das kann ich später nicht nachholen. Ansonsten bemühe ich mich aber, dass wir unsern Kindern keinen Lebenswandel angewöhnen, der sich radikal ändern müsste, wenn ich meinen Job verliere oder eine deutlich schlechter bezahlte Stelle annehmen müsste. Nach Verzicht fühlt sich das aber dennoch nicht an, denn wir reisen dennoch viel, gönnen und Ausflüge und Kultur, aber eben preisbewusst (oder geizig, wie meine Frau vielleicht manchmal sagen würde).

    Ich bin mir nicht sicher, ob wir unseren Lebenswandel groß ändern würden, wenn Sicherheit nicht mehr so im Fokus stünde. Meine Erfahrungen in der Altenhilfe haben mir ganz deutlich gezeigt, dass es wirklich, wirklich hilfreich ist, viel Geld zu haben, wenn man pflegebedürftig wird. Dann ist Geld der Hebel, um Selbstbestimmung kaufen zu können. Sei es durch zusätzliche Betreuungskräfte, ein gutes Hörgerät, einen vernünftigen elektrischen Rollstuhl oder eben auch der Umbau der Wohnung. Eher mehr Geld im Alter zu haben, als weniger, kann also nicht Schaden. Sich dafür dann vor der Pflegebedürftigkeit - wenn sie denn überhaupt kommt - nichts zu gönnen, halte ich aber auch nicht für richtig. Aber das ist dann ja eben auch eine Frage der Gewöhnung. Bei meinen Eltern sehe ich, dass sie immer genügsamer wurden, je mehr Geld Ihnen zur Verfügung stand. Die größte Freude ist jetzt der einfachste Campingurlaub im Bulli, obwohl es auch schon Mal eine Phase mit teuren Fernreisen gab. Mal sehen, ob sich das bei meiner Frau und mir auch so entwickelt:D

    Falls meine Frau und ich kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand plötzlich versterben sollten, dann erben unsere Kinder eben. Das soll jetzt nicht das Problem für mich sein.

  • Pfeffersack, du hast genau das geschrieben, was ich empfinde und du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht.

    Ja, es ist wichtig, heute Geld auszugeben, dass einem ein gutes, gesundes Leben ermöglicht, aber Geld im Alter ist auch wichtig.

    Das entspricht genau meinem Mindset, dem ich quasi seit meiner Jugend treu bin. Ist es heute wichtig, dass 9. Paar hochmoderner und wahnsinnig schicker Schuhe zu kaufen oder sind die 200 Euro im Sparplan besser aufgehoben, damit man sich im Alter ein paar Bequemschuhe leisten kann, damit man überhaupt noch laufen kann.

    Diese praktischen Überlegungen sind es, die mich immer bei der Stange halten.

    Als Kind habe ich auf das Wassereis verzichtet, damit ich mir den Flummi leisten konnte. Heute verzichte ich aufs Nagelstudio, damit ich auch gepflegte Hände habe, wenn ich mich selber mit der Pfeile verletzten würde.

    Jeder muss diese Prioritäten selbst für sich setzen. Die wenigsten haben so viel, dass es ohne Kompromisse geht oder so wenig, dass Sparen ein Leben lang nie möglich war.

  • In dem Thread "Was verdient ihr & seid ihr zufrieden?" ist das Thema auch schon mit angeklungen (bevor es dann im Beamten-Bashing endete...). Obwohl ich unsere finanziellen Verhältnisse privilegiert finde, könnten wir als Familie mehr Geld immer gut unter das Volk bringen. Ich weiß auch nicht, ob es da eine realistisch erreichbare Einkommensgrenze gäbe, ab der das anders wäre. Die hohe Kunst ist vermutlich - wie so oft - nicht nur seine Einnahmen und Ausgaben gut zu managen, sondern auch die eigenen Erwartungen.

  • Für uns war und ist es immer wichtig, Geld bewusst auszugeben und sich zu fragen: Wie dringend möchte/brauche ich das jetzt? Und mindert es unsere Lebensqualität, wenn wir das jetzt nicht kaufen?

    Kaffee to go gibt es bei uns nur in Ausnahmefällen, z.B. auf langen Reisen, wenn der mitgebrachte Thermobecher ausgetrunken ist. Ich brauche auch nicht die 12. Hose oder das 20. Shirt etc.. Teuren Schmuck brauche ich auch nicht.

    Viel Geld geben wir aus für Reisen. Das wird tendenziell mehr, denn ich bin mir aufgrund meiner leider in den letzten Jahren stark abbauenden Gesundheit dessen bewusst, dass die Jahre, in denen ich noch anstrengende Fernreisen unternehmen kann, sehr begrenzt sind. Allerdings auch hier handeln wir kostenbewusst: Ich buche in der Regel alles ohne Reisebüro oder mit einem Reisebüro im Ziellland. Wir brauchen keine 5 Sterne-Hotels, gute Mittelklasse reicht. Für Hotels, die eine besondere Lage oder besondere Erlebnisse (z.B. Tierbeobachtungen) bieten, sind wir wiederum bereit, mehr zu bezahlen. So haben wir ein gutes Polster für die Rente aufgebaut und trotzdem nicht das Gefühl, etwas entbehren zu müssen.

    Einmal editiert, zuletzt von No worries (7. Mai 2026 um 13:28)

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