Menschen, die niemals eine Altersvorsorge betrieben haben

  • Die Infos passen immer besser je näher der Renteneintritt bevor steht, daher gibt es das Ding ja auch jedes Jahr.

    Aber mit 55 läuft einem dann für private Vorsorge langsam auch die Zeit davon. Nehmen wir unseren hypothethischen Renter und sagen, der hätte gerne 3000€ netto im Monat. Da ist der Unruhestand sicherlich nicht ausufernd. Dazu braucht er gute 1000€ Entnahme oder ein Depot von rund 350k.

    Will man das bei 5% real in 15 Jahren ansparen, sind 1316€ pro Monat fällig. Steuern auf Inflationsausgleich ignoriere ich an der Stelle mal, praktisch wäre noch ein gutes bisschen mehr für die gleiche Entnahme fällig. Es geht mir um die Größenordnung, denn wenn der gleiche mit Mitte 30 auf die Idee kommt und das Geld in 30 Jahren anspart, sind bei sonst gleichen Parametern nur 427€ pro Monat nötig. Natürlich garantiert einem keiner, dass der MSCI World genau 5% real macht, aber die Größenordnung wird etwa die Gleiche bleiben. Die Renteninformation bringt einem dann am wenigsten, wenn sich mit dem geringsten Aufwand Altersvorsorge betreiben lässt. Und umgekehrt ist sie am hilfreichsten, wenn die Zeit eigentlich schon davongelaufen ist.

  • Wieviel % des gesamten Steueraufkommens generieren diese 10% heute schon?

    Auf jeden Fall nicht die 90 %, die eigentlich von denen zu erbringen wären. Die Bandbreite der Einkommensmöglichkeiten des Staates (Vermögensabgabe, vernünftige Steuerrate auf Erbschaften) werden leider nach wie vor nicht ausgeschöpft.

    Die Befreiung der GRV von Leistungen, die imho von der Allgemeinheit und nicht von den Beitragszahlern der GRV zu erbringen sind, wären ja mal ein Anfang um diese auf bessere Beine zu stellen.

    Übrigens: Man sollte das Altersvorsorgedepot als Chance für die heutigen Berufsanfänger bis zu den ca. 35-Jährigen sehen. Es ist definitiv nicht die Lösung der heute über 50-Jährigen und älter. Von daher verstehe ich manche Diskussionsbeiträge dahingehend nicht.

  • Man sollte das Altersvorsorgedepot als Chance für die heutigen Berufsanfänger bis zu den ca. 35-Jährigen sehen. Es ist definitiv nicht die Lösung der heute über 50-Jährigen und älter. Von daher verstehe ich manche Diskussionsbeiträge dahingehend nicht.

    Nur, was zu was man der über 50 jährigen raten sollte… ich wüste es nicht.

  • Nur, was zu was man der über 50 jährigen raten sollte… ich wüste es nicht.

    Zu jung fürs AV Depot aber zu "alt", um sich auf die gesetzliche Rente zu verlassen.

    Ich bin weder Finanzprofi noch gebe ich Anlageberatungen.
    Meine Beiträge sind als Impulse zu verstehen, um sich selbst zu informieren.

  • Die jetzt über 50jährigen müssen sich auf das jetztige System verlassen können, da kann ich kurz vor Schluss nicht einfach die Spielregeln ändern ohne Chance das der Beitragszahler noch was ändern könnte. Neue Regeln kann man nur den Berufsanfängern zumuten oder besser gesagt andere Wege gehen lassen.

  • Das sollte vielleicht so sein, aber was unserer Regierung die nächsten Jahre noch so in den Sinn kommt steht absolut in den Sternen. Leider.

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  • Nur, was zu was man der über 50 jährigen raten sollte… ich wüste es nicht.

    Nachdem ein heute 50jähriger vermutlich bis 70 wird arbeiten müssen, sollte auch der oder die das Altersvorsorgedepot nutzen. Das alleine wird freilich nicht reichen, sondern wäre am Ende mehr etwas wie ein Taschengeld. Aber offen gestanden ist seit mindestens 20 Jahren in der Breite bekannt, dass man mit der GRV alleine keine Bäume wird ausreißen können. Wer da also nichts zusätzlich angespart hat, ist in der Regel selbst schuld. Ausnahmen im Niedrigsektor oder mit gebrochener Erwerbsbiografie mal ausgeklammert bei dieser Aussage.

  • Die jetzt über 50jährigen müssen sich auf das jetztige System verlassen können, da kann ich kurz vor Schluss nicht einfach die Spielregeln ändern

    Die Spielregeln wurden vor 20 Jahren unter Schröder mit dem Nachhaltigkeitsfaktor und der Rente mit 67 geändert. Da waren die heutigen Mittfünfziger in ihren Dreißigern. Nur mal als Erinnerung. Bloß hat man seither den Nachhaltigkeitsfaktor konsequent ausgesetzt, um es sich mit den größten Wählergruppen nicht zu verscherzen

  • Übrigens: Man sollte das Altersvorsorgedepot als Chance für die heutigen Berufsanfänger bis zu den ca. 35-Jährigen sehen. Es ist definitiv nicht die Lösung der heute über 50-Jährigen und älter. Von daher verstehe ich manche Diskussionsbeiträge dahingehend nicht.

    Nein, die Lösung ist es nicht. Aber warum nicht die letzten 10 bis 15 Jahre gefördert in Aktien investieren?

  • Nein, die Lösung ist es nicht. Aber warum nicht die letzten 10 bis 15 Jahre gefördert in Aktien investieren?

    Mit der Förderung sollte das Risiko eigentlich sinken, dass man mit seinen Beiträgen Verlust macht.

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  • Die jetzt über 50jährigen müssen sich auf das jetztige System verlassen können

    Die waren also über 30, als der Staat begann ihnen einmal im Jahr eine Renteninformation zu schicken. Lesen dürften die meisten da schon gelernt haben. Ein alleiniges Verlassen auf die GRV ist damit eigentlich schon erledigt.


    Auf jeden Fall nicht die 90 %, die eigentlich von denen zu erbringen wären.

    Heißt im Umkehrschluss auch, 90% der Steuerzahler müssten nur 10% des Steueraufkommens erbringen? Auf das Steuerkonzept bin ich ebenso gespannt wie auf die Maßnahmen, um die 10% der Leute, die 90% der Steuern einbringen sollen, im Land und in Leistung zu halten.

  • Die waren also über 30, als der Staat begann ihnen einmal im Jahr eine Renteninformation zu schicken. Lesen dürften die meisten da schon gelernt haben. Ein alleiniges Verlassen auf die GRV ist damit eigentlich schon erledigt.

    Ja, und Max Mustermann hat dann auch umgehend einen Termin mit seinem Bankberater gemacht. Der hat Ihm dann auch sofort einen Riester-Vertrag verkauft. Genau so wie es die Politik auch hat verlauten lassen.
    Leider hat sich der Riester nicht so entwickelt wie der Bankberater seinerzeit prognostiziert hat.
    Und nun?:/
    Wer trägt denn nun die Hauptschuld daran, dass es mit Rente und Riester trotzdem nicht gerade rosig aussieht für die Rentenzeit von Max Mustermann?

  • Ich würde dir ja zustimmen, die Verlässlichkeit der Politik ansprechen, darin (und in Finanzbildung allgemein, auch politisch beeinflussbar) eine Hauptschuld sehen und Verständnis für daraus erwachsende Unzufriedenheit auch in dem Thema ansprechen, aber dann wären wir wahrscheinlich wieder zu rechts und machen für die falsche Partei Werbung, ohne Werbung für irgendeine Partei zu machen.

    Deshalb nehme ich das als rhetorische Frage hin und gebe nur ein <3

  • Wer trägt denn nun die Hauptschuld daran, dass es mit Rente und Riester trotzdem nicht gerade rosig aussieht für die Rentenzeit von Max Mustermann?

    Ich sehe da folgende Hauptfaktoren..welcher jetzt der wichtigste ist, soll jeder selbst entscheiden:

    - die Politik, die mit Riester ein System geschaffen hat, was auf der Annahme dauerhaft hoher Zinsen beruht. Soweit noch halbwegs verständlich und aus dem Kontext einer platzenden Dotcom-Blase nachvollziehbar

    - die Politik, die hohe Kosten für ein gefördertes Produkt zugelassen hat

    - die Versicherungslobby, die für genau dieses Konstrukt viel Arbeit investiert hat

    - die Politik, die nicht reagiert hat, als die Realität bei niedrigen Zinsen nicht mehr mit dem Plan übereinstimmte und die Reform fast 15 Jahre verschleppt hat während man gleichzeitig fleißig den Eindruck erweckt hat, die Rente sei sicher

    - Max Mustermann, der offensichtlich zwischendrin nicht reagiert hat. Auch ohne Förderung lässt sich fürs Alter vorsorgen

    - Und nochmal die Politik, die bei den Betriebsrenten Fehler nach dem gleichen Drehbuch macht. Hohe Kosten, geringe Flexibilität, bloß keine Eigenverantwortung.

  • Aber ständig einem Großteil der Bevölkerung zu sagen das sie dämlich ist (auch wenn sie es ist), bringt uns ja auch nicht weiter. Außerdem ist es kein guter Stil, wenn man darauf herumreitet das man in einem Teilbereich des Lebens einen höheren Wissensstand hat.

    Ist in etwa so wenn man zum Arzt geht und der dir dein gebrochenes Schienbein mit Schmerzsalbe behandelt. Ist jetzt ne offensichtliche Fehldiagnose, aber bei unbekannteren Krankheiten muss man sich darauf verlassen können. Auf der anderen Seite ist ja Homöopathie zugelassen. Wundern sollte einen eigentlich nichts mehr.:D;(

  • ..., aber dann wären wir wahrscheinlich wieder zu rechts und machen für die falsche Partei Werbung, ...

    Ehrlicherweise wüsste ich abgesehen von der FDP gar nicht welche Partei sich in Sachen Altersvorsorge in den letzten Jahren besonders engagiert gezeigt hätte. ;)
    Ob man nun alle Menschen 50+ oder erst alle Menschen nimmt, die aktuell bereits eine Rente beziehen. Die nächsten 40 Jahre werden eine immense Herausforderung für die Altersvorsorge jedes Einzelnen werden.
    Zum einen, weil man den bestehenden und in Kürze dazu kommenden Rentnern/Pensionären natürlich eine auskömmliche Rente /Pension zahlen muss. Zum Anderen weil man den aktuellen Arbeitnehmern natürlich auch die finanzielle Möglichkeit geben muss überhaupt für die eigene AV Geld zurück legen zu können. Und das bei stetig weiter steigenden Kosten für KV und PV.

    Ach ja. Inzwischen liegt der Renteranteil bei den Wohngeldkosten in Deutschland bei > 40% bei weiter steigender Tendenz. Ein Bekannter von uns hat sich jetzt schon mal ausgerechnet, ob es für Ihn nicht günstiger wäre mit 63 und Abschlägen in Rente zu gehen und dann Wohngeld zu beantragen, statt jetzt noch bis 66,x weiter zu arbeiten.
    Der finanzielle Unterschied wäre für Ihn wohl minimal. Dafür wäre man aber 3,x Jahre früher zu Hause. :rolleyes:
    Irgendwie passt es einfach Alles nicht mehr zusammen und man kommt sich fast schon blöd vor, dass man sich überhaupt Gedanken um die eigene AV macht. :/

  • Aber ständig einem Großteil der Bevölkerung zu sagen das sie dämlich ist (auch wenn sie es ist), bringt uns ja auch nicht weiter.

    Doch, leider schon. Denn es gibt auch einen nennenswerten Teil der Bevölkerung, dem noch einige Jahre zur Verfügung stehen um entweder die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, oder eben auch einfach etwas dämlich zu sein. Denn ich denke schon, und sehe das auch teilweise in politischen Äußerungen und Ideen, dass die kommenden Rentnergenerationen heute schon eher zu dieser Denkweise tendieren:

    Irgendwie passt es einfach Alles nicht mehr zusammen und man kommt sich fast schon blöd vor, dass man sich überhaupt Gedanken um die eigene AV macht.

    Oder dies auch ganz bewußt einfach nicht tun. Staat regelt schon.

    Und denen sagt man m.M.n. lieber heute als in 20, 30, 40 Jahren, wie dämlich das wäre.

  • - die Politik, die mit Riester ein System geschaffen hat, was auf der Annahme dauerhaft hoher Zinsen beruht. Soweit noch halbwegs verständlich und aus dem Kontext einer platzenden Dotcom-Blase nachvollziehbar

    Es bleibt unverständlich, warum das Altersvorsorgeprodukt letztlich nur von Versicherungen angeboten werden konnte und warum die Provisionen nicht gedeckelt wurden. Walter Riester erkennt übrigens bis heute keinen Fehler (Interview mit einem Nachrichtenmagazin).

  • Es bleibt unverständlich, warum das Altersvorsorgeprodukt letztlich nur von Versicherungen angeboten werden konnte und warum die Provisionen nicht gedeckelt wurden.

    Es gab / gibt auch kostenfreie Banksparpläne. Doch auch hier brauchte/braucht man/frau* dann in der Auszahlphase eine Versicherung.

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