Wie würdet ihr die Krankenkassen entlasten?

  • In der Richtung gibt es durchaus positive Signale von den jungen Ärzten, die zunehmend das wirtschaftliche Risiko einer Niederlassung nicht mehr übernehmen wollen.

    Viele können auch nicht, weil sie nämlich den Kredit, in der Regel mehrere Hunderttausend Euro, von der Bank gar nicht bekommen. Grund hierfür sind die strengen Basel III-Richtlinien zur Kreditvergabe. Früher bekam ein Arzt den Kredit, weil der Bank die zu erwartenden KV-Einnahmen als Sicherheit ausreichten. Das hat sich geändert. Ohne einen entsprechenden, bereits vorhandenen finanziellen Background geht da nichts mehr.

  • Das Gesundheitssystem müsste man reformieren. Keinesfalls sollte man das Primärarztsystem einführen. Dann schießen die Kosten richtig nach oben, da dann immer zwei Arztbesuche notwendig sind. Aber man könnte das Gesundheitssystem effizienter machen: Versicherungsfremde Leistungen abschaffen. JAEG senken bzw. Wechsel zwischen den Systemen erleichtern. Abgeordnete dagegen sollten trotz ihres hohen Einkommens verpflichtet werden, in die GKV zu gehen. Für die GKV sollte ein Grundsatzkatalog erstellt werden: Nur das, was medizinisch notwendig ist, sollte erstattet werden. Im Grunde müsste man es jedem frei stellen, ob er sich privat oder gesetzlich versichern lässt. Aber man müsste die privaten Versicherungen auch mehr regulieren. Im Grunde müsste Deutschland ein System wie in Australien einführen. Grundversorgung über Steuern finanziert. Darüber hinaus kann sich jeder zusätzlich privat versichern. Die Steuerbelastung ist in Deutschland eher moderat, aber die Lohnnebenkosten sind im internationalen Vergleich extrem hoch. In Deutschland haben wir ein System, in dem der Zugang zur besten medizinischen Versorgung indirekt von der Zugehörigkeit der sozialen Klasse abhängt. Im Vergleich zu den meisten westlichen Ländern, stellt das eher die Ausnahme dar.

  • Und schon wird Widerstand organisiert

    https://www.welt.de/politik/deutsc…t_on_conversion

    Wie man in den USA sagt: "Das quietschende Rad bekommt das Öl"

    Zitat

    Gerade habe man erlebt, dass die Vergütung für Psychotherapeuten um 4,5 Prozent abgesenkt werde. „Das stelle man sich mal bei einer anderen Berufsgruppe in Deutschland vor.“

    Herr Gassen hat noch nicht mitbekommen, dass seit 01.11.25 Hebammen mit bis zu 30% weniger auskommen müssen - oder es ist ihm egal...

    Quelle: https://www1.wdr.de/nachrichten/he…studie-100.html

  • JAEG senken bzw. Wechsel zwischen den Systemen erleichtern. Abgeordnete dagegen sollten trotz ihres hohen Einkommens verpflichtet werden, in die GKV zu gehen. Für die GKV sollte ein Grundsatzkatalog erstellt werden: Nur das, was medizinisch notwendig ist, sollte erstattet werden. Im Grunde müsste man es jedem frei stellen, ob er sich privat oder gesetzlich versichern lässt. Aber man müsste die privaten Versicherungen auch mehr regulieren. Im Grunde müsste Deutschland ein System wie in Australien einführen. Grundversorgung über Steuern finanziert. Darüber hinaus kann sich jeder zusätzlich privat versichern.

    Aus deinem Beitrag wird nicht deutlich, wie deine Vorstellung ist. Einerseits willst du die substitutive PKV, wie es sie jetzt gibt, stärken, indem die JAEG gesenkt werden soll, so dass der Wechsel zwischen den Systemen erleichtert wird.

    Andererseits möchtest du (wie in Australien) eine steuerfinanzierte Grundversorgung und alles darüber hinaus als private Zusatzversicherung.

    Das sind zwei sehr unterschiedliche Modelle (bzw. Vorstellungen).

  • Wegen Symbolpolitik? Neid? Bedarf nach Contra-Argumenten, um überhaupt vernünftige Abgeordnete zu bekommen?

    +++++++++++++++++++++++++++

    Zitat von Querz

    Abgeordnete dagegen sollten trotz ihres hohen Einkommens verpflichtet werden, in die GKV zu gehen.


    Habe ich mich bei den Professoren etc. welche die Sparvorschläge eingereicht haben, auch gefragt, wie viele von denen in der GKV sind und in den Genuss der eigenen Sparvorschläge kommen würden... vermutlich keiner. Wäre nur Gerecht, wenn die Entscheider nicht besser gestellt werden als der 0815 GK-Versicherte.

  • Dann müsste man Selbstzahlerleistungen soweit verbieten, wie es sich der 0815-GK-Versicherte auch nicht leisten kann (oder will).

    Hatte ich in meinem Entwurfstext auch stehen bzw. das die gerne in der Privatversicherung verbleiben können, auf den Notlagentarif heruntergestuft werden aber trotzdem Höchstbeiträge zahlen müssen auf Grundlage fiktiver Einkommensschätzungen. Ich selbst war lange unter diesem Status und bin immer noch wütend.

  • Genau, allen soll es gleich schlecht gehen. Warum führen wir nicht den Kommunismus ein? Hat sich ja in der Vergangenheit enorm bewährt.

    Ohne Ironie und Sarkasmus:

    Für die jeweilige Nomenklatura gilt das auf jeden Fall.

    Diesbezüglich unterscheiden sich übrigens Kommunismus und Sozialismus nicht ...

  • Genau, allen soll es gleich schlecht gehen. Warum führen wir nicht den Kommunismus ein? Hat sich ja in der Vergangenheit enorm bewährt.

    Muss ja nicht gleich Kommunismus sein... sondern einfach etwas "So du mir, so auch dir". Wie würden die öffentlichen Schulen aussehen, wenn die Oberpolitiker ihre Zöglinge nicht auf die Privat-Schule schicken dürften, sondern schön verteilt auf die Brennpunkt-Schulen?

  • Folgendes Erlebnis als ich vor ein paar Tagen Schwiegermutter im Krankenhaus besuchte. Rings um das Krankenhaus standen Patienten und haben geraucht. Und wer kommt für den Schaden auf? Wir, die Versichertengemeinschaft.

    Wenn wir mal ehrlich sind, ist das die Besonderheit bei der Krankenversicherung. Wir dürfen vorsätzlich, oder zumindest grob fahrlässig, selbst den Schaden verursachen und bekommen diesen auch noch ersetzt. Übersetzt auf die Kfz-Versicherung heißt dies, ich zertrümmere mit dem Hammer mein Auto und sage das ganz offen meiner Kfz-Versicherung und bekomme sogar noch den Schaden ersetzt.

    Genau deswegen weigere ich mich in diesen Fällen von einer Versicherung zu sprechen.

    Und bitte nicht mit konstruierten Beispielen argumentieren, wie, beim gesundheitsförderlichen Sport können auch Unfälle passieren.

  • Folgendes Erlebnis als ich vor ein paar Tagen Schwiegermutter im Krankenhaus besuchte. Rings um das Krankenhaus standen Patienten und haben geraucht. Und wer kommt für den Schaden auf? Wir, die Versichertengemeinschaft.

    Wenn wir mal ehrlich sind, ist das die Besonderheit bei der Krankenversicherung. Wir dürfen vorsätzlich, oder zumindest grob fahrlässig, selbst den Schaden verursachen und bekommen diesen auch noch ersetzt. Übersetzt auf die Kfz-Versicherung heißt dies, ich zertrümmere mit dem Hammer mein Auto und sage das ganz offen meiner Kfz-Versicherung und bekomme sogar noch den Schaden ersetzt.

    Genau deswegen weigere ich mich in diesen Fällen von einer Versicherung zu sprechen.

    Und bitte nicht mit konstruierten Beispielen argumentieren, wie, beim gesundheitsförderlichen Sport können auch Unfälle passieren.

    Die GKV ist eben keine Versicherung im herkömmlichen Sinn. Sie ist eine Zwangsveranstaltung, bei der sich die zu zahlenden Beträge nach dem monatlichen Verdienst richten. Da zahlen manche sich dumm und dämlich, andere zahlen nichts. Alle bekommen die gleiche Leistung. Eine normale Versicherung bemisst die Beiträge in der Regel nach dem Risiko, auch variieren die Leistungen je nach abgeschlossenem Tarif.

    Der Vorteil herkömmlicher Versicherungen: sie können das Risiko, basierend auf statistischen Daten, für genau definierte Gruppen sehr genau bestimmen. Die Eingruppierung erfolgt auf Basis verifizierbarer Parameter, z.B. durch Gesundheitsprüfung durch einen Arzt im Falle einer PKV. Ist ein Risiko zu hoch, kommt der Vertrag nicht zustande. Sind moderate Risiken vorhanden, gibt es Leistungsausschlüsse oder einen Aufschlag auf den Versicherungstarif. Nur auf diese Weise können Versicherungen überhaupt wirtschaftlich arbeiten.

    Und nun nimm die GKV. Wie soll die das zuvor Beschriebene denn umsetzen? Soll man da eine Gesundheitsprüfung für 70 Mio. Versicherte durchführen und dann entsprechende Risikogruppen mit Zuschlägen belegen? Eine solche Aktion, egal wie sie im Detail umgesetzt würde, kostete jeden involvierten Politiker den Kopf. Warum? Wenn wir nur über durch ungesundes Verhalten selbst verschuldete Folgeerkrankungen reden, so stechen mindestens zwei Dinge hervor: Rauchen und Übergewicht. Sowohl qualitativ als auch quantitativ: 20% der Erwachsenen in D sind Raucher und mehr als 60% sind übergewichtig. Mehr als die Hälfte wäre also von Zuschlägen betroffen, vielleicht noch gestaffelt nach Grad der Adipositas. Welcher Politiker würde sich wohl trauen, so etwas vorzuschlagen? Ein Shit-Tsunami würde ihn hinwegspülen.

    So wird also auch in Zukunft der gesund lebende GKV-Versicherte Solo-Selbständige, der monatlich 1.000 EUR abdrückt, die gleiche Behandlung bekommen wie der stark adipöse Bürgergeldempfänger, der gar nichts zahlt. Das mag man gerecht oder ungerecht finden, ändern wird sich da in absehbarer Zeit nichts.

  • Wenn wir nur über durch ungesundes Verhalten selbst verschuldete Folgeerkrankungen reden, so stechen mindestens zwei Dinge hervor: Rauchen und Übergewicht. Sowohl qualitativ als auch quantitativ: 20% der Erwachsenen in D sind Raucher und mehr als 60% sind übergewichtig. Mehr als die Hälfte wäre also von Zuschlägen betroffen, vielleicht noch gestaffelt nach Grad der Adipositas. Welcher Politiker würde sich wohl trauen, so etwas vorzuschlagen? Ein Shit-Tsunami würde ihn hinwegspülen.

    Man kann es ja umdrehen. Versicherungsnehmer, die bspw. einen bestimmten BMI nicht überschreiten, bekommen Boni ... ;)

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Man kann es ja umdrehen. Versicherungsnehmer, die bspw. einen bestimmten BMI nicht überschreiten, bekommen Boni ... ;)

    Das nennt sich Bonusprogramm und ist bei sehr viele (allen?) Kassen mittlerweile Standard. Nichtraucher und ein BMI im durchschnittsvereich werden da normalerweise belohnt.

    Beispielsweise bei der DAK (finanztip Empfehlung) kann man die Punkte die man sammelt sich auszahlen lassen oder mit Gesundheitsartikel die man kauft doppelt verrechnen lassen.

    Ich hab allerdings nie ausgerechnet in welchem Verhältnis die Bonuszahlungen zum Beitrag stehen.

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