Strategie hinterfragen: Reicht der FTSE All-World wirklich oder lasse ich Potenzial liegen?

  • Hi zusammen,

    bin aktuell bei ca. 110k im Depot (siehe Screenshot), fast komplett FTSE All-World, dazu noch ein kleiner Bitcoin Anteil (aktuell bei -3%). Hab über die Jahre einfach stumpf nach Finanzfluss/Finanztipp angespart und es hat soweit gut funktioniert.

    Bin 34, m, Single, wohne zur Miete, keine Schulden, Versicherungen alle geprüft.

    Jetzt beschleicht mich aber so ein Gefühl: Das ist halt der Standard-Tipp für die breite Masse – und der läuft auch. Aber was machen eigentlich die Leute, die sich nicht zu 30%, sondern zu 150% mit dem Thema beschäftigen? Macht es Sinn, noch Europa bzw. Ex-USA reinzunehmen, EM stärker reinzunehmen, 5–10% Gold, bisschen Bitcoin als Beimischung?

    Mein Gedanke dahinter: Wer eine Million hat, diversifiziert ja auch in andere Sachen. Geht's da nur um Risikoabsicherung oder steckt da auch echtes Renditepotenzial drin, das man als 1-ETF-Anleger einfach liegen lässt?

    Würde mich freuen, wenn ein paar von euch mit mehr Tiefe in der Materie was dazu schreiben – gern auch begründet, warum ihr was macht und was nicht.

    Danke für Input!

    Grüße, Marcus

  • Kater.Ka 5. Mai 2026 um 19:30

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Moin Marcus und willkommen,

    Ähnliche Gedanken hatte ich auch schon. Aber: Erstens kommt es anders und zweitens als geplant.

    Du bist doch anhand deiner Ausführungen mit dem Thema Finanzen „durch“.

    Klar: Diversifikation als einziger Free-Lunch (wie sieht es mit Anleihen und Sicherheitsbaustein / Notgroschen aus ?)

    Ich meine, die Frage für dich sollte lauten:

    A) Shaka 🤙 , Finanzthema abgehakt, läuft ich konzentriere mich mit meiner gewonnenen LEBENSZEIT auf andere Projekte.

    Oder:

    B) das ist ja soooo langweilig, ich brauche da mehr Action beim Thema Finanzen. Dann kannst du dich doch noch austoben. Ob du damit wirklich die Marktrendite schlägst, weißt du erst viel später, aber wenn das die Erfüllung ist - Go for it.

    Ein Gedanke: evtl. mit Familienplanung, Karrieresprüngen, Umzug, Krankheit der Eltern etc. wird das Leben ohnehin schon bunt genug. Freu dich doch über die gewonnene Zeit und Ressource…

    Meiner Meinung nach mache solche Gedanken weg von der 1-ETF Strategie vermutlich erst ab höheren Vermögenswerten Sinn.

    Mglw. nicht ganz das was du dir erhofft und gewünscht hast 😌

  • Die Leute die sich 150% damit befassen, sind Investmentbanker die zu 95% über 15 Jahre gesehen es nicht schaffen den Markt zu schlagen;)

    Du fährst gut, definitiv. Es gibt Optimierungsversuche in alle Richtungen. Bis auf eine eventuell Sicherheitskomponente wie Gold, Geldmarkt, Festgeldtreppe ist dein Ansatz aber vollkommen ok.

    Mit 34 kannste dich ja noch in Betongold diversifizieren, aber denke es ist nicht nötig weitere endlose Ansätze mit dazuzunehmen. Em, ex USA, asia Pazifik, small caps, krypto, pokemonkarten, edle Teppiche, Uhren. Kann man alles machen. Es gibt da zu nahezu 100% Kombinationen mit denen du besser fahren wirst. Eventuell auch viel besser. Aber genau so gibt es da Kombinationen mit denen du zu 100% schlechter performst. Bleib irgendwo bei der Rendite des Gesamtmarktes. 30% zu 150%, werden dir keine massive überrendite bringen.

  • Sinnvoll ist allein eine hohe Sparquote sowie Aktienquote, damit holst du dann alles raus was geht. Dein ETF passt. Bisschen BTC hast ja eh, vielleicht bringt das irgendwann viel, vielleicht wird er auch wertlos, 3% Wette ist ok.

    Also satt an deinem ETF zweifeln schau mal ob du gut 50% Sparquote und 100% Aktienquote (wie ich) schaffst 😁

  • 90% FTSE AW und 10% Bitcoin und du bist super aufgestellt. Je nach Risikotragfähigkeit kann man den Bitcoinanteil auch noch erhöhen. Mehr als 20-25% würde ich dem durchschnittlichen Anleger aber nicht raten.

    Wild mischen mit anderen ETFs würde ich nicht. Ob du einen übersteigenden Bitcoinanteil zeitweise in den ETF umschichten solltest, hängt viel davon ab, wie die Besteuerung von Bitcoin in der Zukunft aussieht.

  • Wenn kann man einfach so auf die Idee kommen, 10 Prozent Bitcoin-Anteil zu empfehlen ?


    Was soll das ?

    Ich könnte mit demselben Recht schreiben, dass man 5 % Gold auf jeden Fall haben sollte. Besser 8 %. Und das dann jährlich rebalancen.

  • Wenn kann man einfach so auf die Idee kommen, 10 Prozent Bitcoin-Anteil zu empfehlen ?


    Was soll das ?

    Ich könnte mit demselben Recht schreiben, dass man 5 % Gold auf jeden Fall haben sollte. Besser 8 %. Und das dann jährlich rebalancen.

    Weil ich davon überzeugt bin und der Fragesteller bereits Bitcoin hat?

  • Ich wäre so froh wenn ich sowas mit 34 gehabt hätte….aber fast 20 Jahre später hab ich es auch kapiert das es nix bringt mit Einzelwerten und dem ganzen anderen Gedöns.

    Ja ist Sau langweilig, wenn du Lust hast kannst du Dir ein kleines Spieldepot aufmachen oder was anderes schönes machen.
    Wandern ist auch ein schönes Hobby.

  • Hallo Marcus.91. , willkommen im Forum!

    Ich bin nun seit über 30 Jahren an den Finanzmärkten als Privatanleger aktiv. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Anleger sich zu viele Gedanken darüber machen, in welche Assets sie im Detail investieren sollen. Auf der ständigen Suche nach dem "Free Lunch", den es aber nunmal nicht gibt. Natürlich unentwegt bombardiert von der Finanzindustrie und den Finanzmedien. Und gleichzeitig machen sie sich zu wenige Gedanken über ihre Risikotragfähigkeit und -toleranz. Im Ergebnis resultiert dies fast immer in einer Vielzahl unsinniger Anlageprodukte bei einer gleichzeitig zu niedrigen Aktienquote.

    Du scheinst da bis jetzt eine Ausnahme zu sein ;)

    Ich selbst investiere mittlerweile nach folgenden Grundprinzipien und empfehle diese auch, und zwar unabhängig von der Größe des Portfolios:

    1. wähle auf Asset Allocation Level 1 (insbesondere die Anlageklassen Aktien und Anleihen) so viel (unsystematisches) Risiko wie irgend möglich. Also den Aktienanteil so hoch wie anhand der persönlichen Risikotragfähigkeit und in der jeweiligen Lebensphase und -situation vertretbar
    2. wähle auf Asset Allocation Level 2, also innerhalb der Aktien- und Anleiheteile jeweils nur so viel Risiko wie nötig. Decke also bei Aktien einfach breit gestreut und passiv den Weltmarkt ab. Und bleibe bei Anleihen so nah wie möglich am „risikofreien Zins“.
    3. Wenn du mehrere Möglichkeiten hast, wie du das Portfolio aufbauen kannst, wähle im Zweifelsfall die einfachste

    Im Ergebnis bedeutet dies bspw. einen Welt-Aktien ETF wie deinen FTSE All-World (oder ähnliche) sowie einen möglichst sicheren Sicherheitsbaustein, bspw. einen ETF auf kurzlaufende Bundesanleihen. Auch für ein 7-stelliges Portfolio ist diese simple Kombination völlig ausreichend.

    Eine zusätzliche Reduzierung von Klumpenrisiken innerhalb des Aktienteils oder die Hinzunahme bspw. von Gold kann man machen, muss man aber nicht. Siehe dazu oben Nr. 3 ;)

  • Evtl. hilft Dir das folgende Video bei der Entscheidungsfindung:

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    Habe mit Ende 2024 dazu entschlossen 70/30 aufzugeben und bespare seither auch nur noch den einen Welt-ETF.
    Und was soll sich sagen: Keine Überlegung mehr, wie ich die Sparraten aufteile und auch zukünftig keinen Stress beim Thema Rebalancing. Ich bin froh das gemacht zu haben.

  • Jetzt beschleicht mich aber so ein Gefühl: Das ist halt der Standard-Tipp für die breite Masse – und der läuft auch. Aber was machen eigentlich die Leute, die sich nicht zu 30%, sondern zu 150% mit dem Thema beschäftigen?

    Auf lange Sicht performen die in der Regel schlechter.

    Weil sie meinen, schlauer zu sein als Markt und einen Wissensvorteil gegenüber denjenigen zu haben, die einfach in einen 08/15-Welt-ETF investieren.

    Spoiler: Sind sie nicht und haben sie nicht. Ein kleiner Einzelanleger ist nicht schlauer als der Markt. Auch dann nicht, wenn er sich "zu 150% mit dem Thema beschäftigt". Je kleinteiliger ein Portfolio wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man sich verzettelt und zusätzliche Kosten und Steuern durch Rebalancing bzw. "Optimierungen" und "Umschichtungen" generiert, und dass man sich von der durchschnittlichen Marktrendite entfernt.

    Natürlich kann man Glück haben und eine Rendite erreichen, die (auch nach höheren Steuern und Kosten) höher ist als die durchschnittliche Marktrendite, die man mit einem 08/15-Welt-ETF erreicht hätte. Das ist dann aber genau das: Glück. Und nicht das Ergebnis einer "Beschäftigung zu 150%" mit dem Thema.

    Nicht umsonst schaffen es auch die allermeisten hochbezahlten Fondsmanager (die auch technisch ganz andere Möglichkeiten haben als ein kleiner Privatanleger) nicht, einen 08/15-Welt-ETF zu schlagen.

  • Alles wichtige Hinweise.
    Ich würde den EM-Anteil nicht erhöhen sondern so weitermachen wie bisher.

    Marcus.91. hat nicht gesagt, was für einen ETF hat.

    Man kann sich überlegen, ob nun der ETF auf den FTSE All-World für die Sparraten gewechselt wird. Ich gehe mal davon aus, dass ein Sparplan läuft.


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    Hierzu würde ich gerne Reaction Videos von qualifizierter Stelle sehen.

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    Was erwartest Du da für Argumente?
    Das man sich besser fühlt, wenn man mehr Europa oder mehr EM beimischt und damit den US-Anteil oder den Big-Tech-Anteil im Depot senkt?:/

    Kürzlich hat sich Herr Kommer, der ja im allgemeinen als der Verfechter des 'passiven' Investierens gilt bzw. galt, in einem längeren Beitrag zum 'passiven' Investieren geäußert. Mehrfach kam er darauf zu sprechen, dass er kein 'gutes Gefühl' mehr habe, weil der Länderanteil der USA oder der Big-Tech-Unternehmen rein nach MCAP zu groß sei.
    Ich finde in meiner Ausgabe der 'Kommer-Bibel' kein Kapitel zum Thema 'gutes Gefühl' bei der Geldanlage. :/
    Ich versuche meine Gefühle bei der Geldanlage mit meiner Aufteilung zwischen Risikoteil (Aktien-ETF) und sicherem Vermögensteil im Griff zu behalten. Das ist schon schwer genug.

  • Kürzlich hat sich Herr Kommer, der ja im allgemeinen als der Verfechter des 'passiven' Investierens gilt bzw. galt, in einem längeren Beitrag zum 'passiven' Investieren geäußert. Mehrfach kam er darauf zu sprechen, dass er kein 'gutes Gefühl' mehr habe, weil der Länderanteil der USA oder der Big-Tech-Unternehmen rein nach MCAP zu groß sei.
    Ich finde in meiner Ausgabe

    Kurioserweise hat er in diesem Video auch gesagt, dass es eigentlich gar kein passives investieren gibt.

    Oder war es vielleicht ein anderes Video mit ihm aus neuerer Zeit?

    Ehrlich gesagt, kann ich im Moment mit Aussagen dieses Mannes nicht mehr so viel anfangen.

    Mit „Gefühl“ geht da gar nichts.
    Wenn einem dieser Hype um diese Handvoll Firmen aus portfoliotechnischer Sicht nicht zusagt, muss man sachlich gegensteuern. Oder es bleibt eben passiv alles so.

    Kommer macht auf jeden Fall einen sehr sonderlichen, nicht sattelfesten Eindruck. Seine China-Kenntnisse sind zudem eher „bescheiden“.

  • Danke für eure ganzen Beiträge - es ist ein gewisser Aufwand auf jeden einzelnen einzugehen, aber bedanken möchte ich mich mindestens.

    Auf der ständigen Suche nach dem "Free Lunch", den es aber nunmal nicht gibt. Natürlich unentwegt bombardiert von der Finanzindustrie und den Finanzmedien.

    Hier kann ich mich wiederfinden ?( ... vermutlich muss ich jetzt an mein mindset ran. Das bisschen Bitcoin werde ich übrigens bald abstoßen, das war nur ein Experiment. Sollte bald auch ein leichtes Plus haben. LG

  • Tomarcy
    Deswegen habe ich 'passiv' ja auch in ' ' gesetzt.
    Klar, wir alle müssen eine Entscheidung treffen. Auch ein Kommer-ETF ist für mich 'passives' investieren. Genau so wie auch ein 3- oder 5 ETF-Portfolio 'passiv' sein kann.
    Aktiv wird es immer dann, wenn ich wohlmöglich nach aktueller Nachrichtenlage anfange an meinem Portfolio herumzuschrauben.
    JustMy2Cent

  • Tomarcy
    Deswegen habe ich 'passiv' ja auch in ' ' gesetzt.
    Klar, wir alle müssen eine Entscheidung treffen. Auch ein Kommer-ETF ist für mich 'passives' investieren. Genau so wie auch ein 3- oder 5 ETF-Portfolio 'passiv' sein kann.
    Aktiv wird es immer dann, wenn ich wohlmöglich nach aktueller Nachrichtenlage anfange an meinem Portfolio herumzuschrauben.
    JustMy2Cent

    Deshalb ist für alle „Normalos“ eine 1-ETF-Lösung ideal.

    Sobald es zwei sind, sitzt dann bei vielen ein Teufelchen auf der Schulter und flüstert ins Ohr: „Deine EM laufen so mies…Zuviel China, Zuviel Taiwan…gehe auf 80/20 runter“.

    Oder bei der nun (dank DWS) hervorragend möglichen Lösung mit spottbilligen USA-ETF und FTSE All-World Ex USA IE000YKHGYN2

    schraubt man dann dauernd am USA/Anteil rum…

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