Menschen, die niemals eine Altersvorsorge betrieben haben

  • Hier wird es ja wieder wild mit den ganzen Deregulierungsforderungen. Ich finde es immer lustig, wenn auf einmal der kleine Handwerker vom Staat so übel ausgenommen wird. Steuern runter, Berichtspflichten weg, Verfahren beschleunigen, Arbeitszeit hoch, Kündigungsschutz lockern. Läuft genau in die Richtung in die es soll. Damit sind wir bei der nächsten Wahl dann auf jeden Fall bei ner absolute Mehrheit der AFD.

    Kein potentieller AFD Wähler würde sich denke ich daran stören und deswegen die AFD wählen (die ja identisches fordert). Nein der kleine Handwerker wird vom Staat nicht übel ausgenommen, die Kapitalgesellschaften im internationalen Vergleich schon eher. Die Berichtspflichten sind wirr, die Bürokratie erstickt leider sehr vieles. Und ja 35-38h die Woche sind ein Witz. Und ja, der Kündigungsschutz richtet jeden Tag riesige Schäden an, allerdings auch nicht beim Handwerker (da gilt es meist gar nicht) sondern ebenfalls in den großen Unternehmen.

  • Norwegen und die Schweiz. In Norwegen ist diese völlig irrelevant (1% des Steueraufkommens) und in der Schweiz moderat (5% des Steueraufkommens). Der Rest der Welt nennt die Grundsteuer eine Vermögensssteuer.

    Zur Schweiz noch folgendes. Es gibt zwar eine (kleine) Vermögenssteuer, aber Aktiengewinnen (und Verluste) sind dort steuerlich nicht relevant. Sieht man das gesamte System ist Deutschland eher ein Höchststeuer. Handlungsbedarf bestand allenfalls bei der Erbschaftssteuer, hier kommt bald ein Urteil. Endlich mal sparen und die frühe Steuerprogression vermindern!

  • Kein potentieller AFD Wähler würde sich denke ich daran stören und deswegen die AFD wählen (die ja identisches fordert). Nein der kleine Handwerker wird vom Staat nicht übel ausgenommen, die Kapitalgesellschaften im internationalen Vergleich schon eher. Die Berichtspflichten sind wirr, die Bürokratie erstickt leider sehr vieles. Und ja 35-38h die Woche sind ein Witz. Und ja, der Kündigungsschutz richtet jeden Tag riesige Schäden an, allerdings auch nicht beim Handwerker (da gilt es meist gar nicht) sondern ebenfalls in den großen Unternehmen.

    Gut wenn die Kapitalgesellschaft leiden kann man das ja wie in den USA regeln. Da werden die nicht so gegängelt und der Staatshaushalt ist dadurch auch viel solider aufgestellt als irgendwo anders.

    36-38 stundenwochen sind wirklich ein Witz. Mit den Produktivitätssteigerungen der letzten 100 Jahre, arbeiten wir damit ja im Vergleich viel länger als damals mit 40-50 Stunden. Wo ist denn die Produktivität hingegangen und warum sollten wir jetzt wieder mehr arbeiten?

  • Okay, jetzt sind wir mal wieder beim Stammtisch angekommen!

    Hier im Thread ging es eigentlich (die Älteren werden sich erinnern) um die Fähigkeit bzw. den Willen von Individuen, Altersvorsorge zu betreiben.

    Andererseits lädt der vage Thread-Titel auch zum Stammtisch ein. Ich wüsste immer noch nicht, was mich erwartet, wenn ich mir den zum ersten Mal zu Gemüte führen würde.

  • Der Threadtitel ist vielleicht etwas unglücklich gewählt, besser wäre "Menschen die noch nie eine zusätzliche Altervorsorge betrieben haben". Wer normal als Angestellter arbeitet betreibt eh zwangsweise eine Altersvorsorge. Nur ob die auskömmlich ist steht dann auf einem anderen Blatt, darum geht es ja hier.

  • Wer normal als Angestellter arbeitet betreibt eh zwangsweise eine Altersvorsorge. Nur ob die auskömmlich ist steht dann auf einem anderen Blatt, darum geht es ja hier.

    ...und genau die Antwort darauf, dass sie es eben nicht sein wird, bekommt der Angestellte seit ca. 20 Jahren jährlich schriftlich mitgeteilt. Wenn man dann darüber diskutiert, wieso dieser Umstand trotzdem noch so viele Leute heute überrascht, bis in politische Ämter hinauf, kommt man kaum an Aussagen vorbei, die man hier und da auch an Stammtischen finden könnte.

  • ...und genau die Antwort darauf, dass sie es eben nicht sein wird, bekommt der Angestellte seit ca. 20 Jahren jährlich schriftlich mitgeteilt.

    Was aber begrenzt verständlich ist. Wenn z.B. 2500€ Rente in 2050 dort stehen, klingt das erstmal gar nicht so schlecht. Dass diese zu versteuern ist und noch Krankenversicherung abgeht, ist den meisten nicht bewusst. Und wie die Rente sich im Vergleich zur Inflation entwickeln wird, ist eh schwer vorherzusagen. Damit sind wir dann auch beim zweiten Punkt...wie die Politik damit umgeht. Zu Schröder-Zeiten hat man mal kurz verkündet, dass die GRV nicht reichen wird. Das hat man aufgrund mangelnder Beliebtheit schnell wieder in der Versenkung verschwinden lassen und wenn ein Kanzler Merz das wiederholt, gibt es den großen Shitstorm. Viel lieber redet man von Haltelinien und führt den Blüm fort.

    Ja, die Zahlen bekommt jeder jedes Jahr nach Hause. Aber sie sind begrenzt klar und die Politik untergräbt die Wirkung dieser Zahlen im Tagesgeschäft.

  • Also ich finde die jährliche Renteninformation ist kurz und eigentlich verständlich. Vielleicht zukünftig noch um ein paar Zeilen ergänzen, relativ einfach wie folgt z.B.:

    -wenn Sie 2040 mit 67 in Rente gehen, bekommen Sie abschlagsfrei Betrag XXX

    -wenn Sie 2038 mit 65 in Rente gehen, bekommen Sie abschlagsfrei Betrag XXX

    -wenn Sie 2036 mit 63 in Rente gehen, bekommen Sie mit 14,4% dauerhaften Abzügen Betrag XXX

    Ein früherer Rentenbeginn als vor 2036 ist nicht möglich. Bitte beachten das ein Rentenbezugsbetrag ab Betrag XXXX ca. 20% Abzüge (Steuer, KK, PK) bedeutet.

    So in etwa würde ich die jährliche Renteninfo ergänzen, ist ein einmaliger Programmieraufwand für die DRV und die zukünftigen Rentner hätten mehr brauchbare Info und würden sich vielleicht eher Gedanken um ein private Vorsorge machen.

  • Ich würde mir noch wünschen "Eine Inflation von 2% zugrundegelegt, beträgt die Kaufkraft dieser Rente den Wert von heute xxx €."

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Wofür sollten wir nochmal mehr arbeiten? Für weniger netto? Ja ne, is klar.

    Dafür müsste man Steuersätze bzw. eine Progression von über 100% haben. Die Einkommensteuertabelle gibt das nicht her.
    Das bedeutet also: Wenn sich das Bruttoeinkommen erhöht, steigt auch immer das Nettoankommen. Ab gewissen Schwellen passiert das langsamer, d.h. das Netto erhöht sich nicht mehr so stark.

  • Der Threadtitel ist vielleicht etwas unglücklich gewählt, besser wäre "Menschen die noch nie eine zusätzliche Altervorsorge betrieben haben". Wer normal als Angestellter arbeitet betreibt eh zwangsweise eine Altersvorsorge. Nur ob die auskömmlich ist steht dann auf einem anderen Blatt, darum geht es ja hier.

    Völlig richtig. Die gesetzliche Rente ist nicht auskömmlich und es muss etwas hinzukommen. Eine Tragödie ist, dass Riester so gefloppt ist. Das neue Altersvorsorgedepot kommt für viele zu spät. Notwendig ist auch eine bessere betriebliche Vorsorge. Früher gab es mal das Konzept der Direktversicherung. Dieses wurde leider rückwirkend besteuert und dieses ausgerechnet mit der Einführung der Riesterente.

  • Also ich finde die jährliche Renteninformation ist kurz und eigentlich verständlich.

    Für uns vielleicht. Aber selbst da habe ich meine Zweifel. Nimm doch mal die von mir genannten 2500€ in 2050 und rechne aus, welche Netto-Rente da übrig bleibt. Ohne Rechner aus dem Internet kann ich das nicht vernünftig abschätzen und das selbst, wenn wir alle Unsicherheiten wie Gesetzesänderungen oder Inflation ausklammern.

    Einfach mal eine Schätzung machen und dann den Spoiler aufklappen

    Spoiler anzeigen

    Es sind 1954€ netto.

    Finde ich persönlich recht viel Verlust angesichts der Tatsache, dass 2500€ Rente zwar überdurchschnittlich aber an sich schon nicht wirklich üppig sind

  • Ich schrieb ja weiter oben ab Betrag XXX€ ca. 20%, das kommt aktuell ganz gut hin. Was 2050 ist weiss eh keiner, daher sind die Renteninfos die in weiter Zukunft liegen eh nur noch grobe Schätzung, allerdings ist das bei ETS genauso, oder weisst du wo der MSCI World 2050 steht ?

    Die Infos passen immer besser je näher der Renteneintritt bevor steht, daher gibt es das Ding ja auch jedes Jahr.

  • Dafür müsste man Steuersätze bzw. eine Progression von über 100% haben. Die Einkommensteuertabelle gibt das nicht her.
    Das bedeutet also: Wenn sich das Bruttoeinkommen erhöht, steigt auch immer das Nettoankommen.

    Falsch!

    Steuern sind nicht die einzige Stellschraube für's Netto (nach SV). Dir ist wohl die beabichtigte Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze entgangen? Da kommt bei gleichem brutto weniger netto raus.

  • Was 2050 ist weiss eh keiner, daher sind die Renteninfos die in weiter Zukunft liegen eh nur noch grobe Schätzung, allerdings ist das bei ETS genauso, oder weisst du wo der MSCI World 2050 steht ?

    Definitiv anders als heute. ;)
    Ich würde auch davon ausgehen, dass er höher stehen wird als heute. Allein schon wegen der Inflation.
    Wenn er das nicht tun würde, hätten wir alle ein größeres Problem. Schlichtweg weil dann die Weltwirtschaft die nächsten 25 Jahre nicht gewachsen wäre. Und wie es in einem solchen Fall dann um die Auszahlung der gesetzlichen Rente bestellt wäre, möchte ich mir gar nicht vorstellen.:/

  • Steuern sind nicht die einzige Stellschraube für's Netto (nach SV). Dir ist wohl die beabichtigte Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze entgangen? Da kommt bei gleichem brutto weniger netto raus.

    Dann solltest du das auch so schreiben. Das betrifft nur Personen, die jetzt über der BBG verdienen und dann von einer Anpassung betroffen wären.

    Und nicht, wie von mir interpretiert, für Personen, die einfach eine normale Lohnsteigerung haben.

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