Renteneintritt

  • In meiner Blase waren die, die mit 60+ aussortiert wurden nicht eben tieftraurig, wenn sich die Möglichkeit gab etwas früher aus dem Arbeitsleben zu scheiden. Oft genug wird so etwas ja auch noch mit einer Abfindung garniert, die den Gehaltsverlust ausgleicht.

    Das Aussortieren findet schon viel früher statt, teilweise schon ab 50. Wenn man dann nicht über gut sechsstellige Rücklagen verfügt, wie z.B. das durchschnittliche Finanztip-Forum-Mitglied, dann ist man in einer schwierigen Situation. Einen neuen Job zu vergleichbaren Konditionen findet man nicht, denn es hat ja seinen Grund, warum man aussortiert wurde. ALG1 gibt es maximal 2 Jahre. Eine Abfindung, falls denn eine gezahlt wird, reicht vielleicht für 1, max. 2 Jahre. Danach Grundsicherung, damit man wenigstens krankenversichert ist.

    Und wie geschrieben. Die Arbeitsagenturen machen das Spiel ja auch mit.

    Was sollen die denn anderes machen? Hast du schon mal mit dieser Behörde zu tun gehabt? Die Jobs, die denen gemeldet werden, sind welche, für die man garantiert niemanden findet, der diese Arbeit für die gebotene Bezahlung macht. Und wenn man tatsächlich aufgefordert wird, sich auf eine solche Stelle zu bewerben, ist es ein Leichtes, dort abgelehnt zu werden. Das wissen auch die Mitarbeiter der Arbeitsagentur.

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  • Hast du schon mal mit dieser Behörde zu tun gehabt? Die Jobs, die denen gemeldet werden, sind welche, für die man garantiert niemanden findet, der diese Arbeit für die gebotene Bezahlung macht.

    Zum Glück nicht! Immerhin schon fast 40 Jahre im Arbeitsleben.

    ALG1 gibt es maximal 2 Jahre. Eine Abfindung, falls denn eine gezahlt wird, reicht vielleicht für 1, max. 2 Jahre. Danach Grundsicherung, damit man wenigstens krankenversichert ist.

    Ich kenne durchaus Menschen denen eine deutlich 6-stellige Abfindung gezahlt wurde. Wenn das Geld dann nur für 1-2 Jahre reicht, frage ich mich schon, wie es denn später im Ruhestand mit der Rente reichen soll? :/
    Und bevor ich in Grundsicherung falle und damit meiner Partnerin zu Last fallen würde, würde ich schon irgendeinen Job annehmen. Wäre ja schließlich nicht für ewig. Und irgendwo im Lager würde sich mit Sicherheit was finden lassen.

  • Ich kenne durchaus Menschen denen eine deutlich 6-stellige Abfindung gezahlt wurde. Wenn das Geld dann nur für 1-2 Jahre reicht, frage ich mich schon, wie es denn später im Ruhestand mit der Rente reichen soll? :/

    Was heißt "deutlich 6-stellig"? Vielleicht 150.000 EUR? Das sind 2 Jahresgehälter, die auch noch versteuert werden müssen. Wenn man damit 5-6 Jahre überbrücken muss, kann es schon mal eng werden. Insbesondere wenn man noch einen Immobilienkredit bedienen muss und vielleicht auch noch privat krankenversichert ist.

    Als ich vor gut 10 Jahren aufgehört habe zu arbeiten, bewegten sich die Abfindungen bei einem internationalen Konzern zwischen 1 und 2 Jahresgehältern. Ich weiß, dass die bei weitem höchste Abfindungssumme seinerzeit dem damaligen Betriebsratsvorsitzenden mit über 30 Jahren Betriebszugehörigkeit gezahlt wurde: ca. 210.000 EUR. Andere Abfindungen lagen weit darunter und waren meist nur 5-stellig.

    Es mag sein, dass heute insbesondere deutsche Konzerne (Metall, Chemie, Pharma, Finanz) deutlich mehr zahlen. Für Mittelständler mit einigen hundert Mitarbeitern oder gar Kleinunternehmen dürften solche Abfindungen jedoch jenseits des Leistbaren sein.

  • Was heißt "deutlich 6-stellig"? Vielleicht 150.000 EUR? Das sind 2 Jahresgehälter, die auch noch versteuert werden müssen. Wenn man damit 5-6 Jahre überbrücken muss, kann es schon mal eng werden. Insbesondere wenn man noch einen Immobilienkredit bedienen muss und vielleicht auch noch privat krankenversichert ist.

    So gehen dann die Ansichten auseinander.
    Ich sehe die Abfindung eher als Ausgleich dafür, dass man ggf. auch noch ein paar Jahre in einer 'minderqualifizierten Tätigkeit' arbeiten muss um die Zeit bis zum Rentenbeginn zu überbrücken. Und wenn man statt zuvor 75K dann 'nur' noch 40K verdient, reicht die Abfindung dann schon um 4-5 Jahre zu 'überbrücken' ohne unter einer Brücke zu landen.
    Wenn Du natürlich eine Abfindung mit 55-60 als Freilos bis zum Rentenbeginn betrachtest...

  • Ich habe mit 48 eine Abfindung erhalten, war damals tatsächlich 6-stellig vor Steuern. Ich brauchte allerdings fast zwei Jahre um beruflich wieder auf die Füße zu kommen, das war ziemlich hart. Das war vor zehn Jahren, an Rente war noch lange nicht zu denken und dafür hätte es auch nicht gereicht. Heute könnte es wieder passieren, nur mit viel weniger Abfindung, weniger als die Hälfte davon, trotz heute höherem Gehalt. Die Rente ist jetzt zwar näher, das würde aber auch jetzt noch nicht reichen.

  • Kannst auch während des Krankengeldes das schmerzende Knie wechseln. Von links nach rechts. Neue Erkrankung mit neuem Krankengeld.

    5 Jahre gehen locker.

    Auch im Bekanntenkreis erlebt.

    Hallo,


    Sorry das ist komplett falsch - nach 17 Monaten Krankengeld gibts ne Blockfrist von 3 Jahren. Gerade Gelenkerkrankungen werden alle zusammen gesehen, von HWS über LWS Knie Hüfte etc. Wenn dann musst z.b. auf balla balla machen Psychose...mir wäre es zu blöd sowas käme mir nicht in den Sinn

  • Fakt ist, dass von einer saftigen Abfindung nach Steuern und Krankenversicherung weit weniger übrig bleibt, als sich manch einer vorstellt.

    Es ist auch keineswegs einfach mit 50+ noch einen anderen Job zu bekommen. Für einen der passenden Qualifikation/Bezahlung werden sich potentielle Arbeitgeber lieber jüngere Mitarbeiter aussuchen und Positionen mit überqualifizierten Mitarbeitern zu besetzen machen auch nur wenige, weil das andere echte oder vermeintliche Probleme mit sich bringt. Oft wird auch unterstellt man sei dann nicht motiviert oder schlecht zu führen.

  • Hier kommt es ganz sicher auf den Arbeitsbereich an. Bei einer körperlich herausfordernden Tätigkeit mag das so sein, viele Fachkräfte fehlen aber, da mag es für einen Mitte 50 jährigen noch durchaus Verwendungsmöglichkeiten geben. Nicht alles durch die eigene Brille sehen.... :)

  • ..., viele Fachkräfte fehlen aber, da mag es für einen Mitte 50 jährigen noch durchaus Verwendungsmöglichkeiten geben.

    Das Problem ist aber, dass viele der Fachkräfte dann aber nur Fachkräfte für genau Ihren Bereich sind.:/
    Ich habe Bekannte die im VW Konzern arbeiten bzw. gearbeitet haben (inzwischen in Altersteilzeit). Die mögen genau in Ihrem Tätigkeitsbereich als Fachkraft durchgehen, aber wenn man vor 35 Jahren mal eine Ausbildung zum Werkzeugmacher oder Schlosser gemacht hat, die letzten 35 Jahre aber beim Konzern am Fließband gewerkelt hat, ist es mit dem Fachwissen nicht mehr allzu weit her.
    Jedenfalls nicht so, dass man mal eben ohne längere Einarbeitungsphase wieder in einem anderen Unternehmen als Schlosser oder Werkzeugmacher arbeiten könnte. Und das betrifft mehr oder weniger alle Berufe in denen Berufserfahrung einen elementaren Anteil am Wort Fachkraft ausmacht.

  • Fakt ist, dass von einer saftigen Abfindung nach Steuern und Krankenversicherung weit weniger übrig bleibt, als sich manch einer vorstellt.

    Abfindungen werden AFAIK nicht verbeitragt, nur versteuert. Und bei den Steuern gibt es noch die Fünftel-Regelung.

  • Die eigene Brille kann man schwer ausblenden. Meine Erfahrungen aus dem MINT Bereich sagen klar, dass ältere Arbeitnehmer ungern für Neueinstellungen genommen werden. Man unterstellt, dass die unbeweglich und wenig innovativ sind und nicht am Puls der Zeit mit ihrem Wissen. Heutzutage sind ALGOL oder COBOL Kenntnisse kaum noch gefragt. Die versuchen dann über allerlei Selbständigkeit und andere phantasievollen Beschäftigungen noch ein wenig Geld reinzubringen vom angekratzten Selbstbewusstsein ganz zu schweigen.

    Mein Nachbar (ehemaliger Siemensianer) wurde zum Energieberater

    Der Schwiegersohn meiner besten Freundin ist derzeit unfreiwillig Hausmann

    Ein ehemaliger Arbeitskollege hat es als Finanzberater versucht

  • Ich bezog mich nun nicht unbedingt auf MINT als Arbeitsbereich. Auch hier wird es durch KI zu enormen Verwerfungen am Arbeitsmarkt kommen. Ein guter Handwerker wird auch mit 50+ mit Kusshand genommen. Und ob ein Bandarbeiter bei VW oder anderswo im Autouniversum als jetzige Fachkraft durchgeht, lasse ich jetzt mal dahingestellt.
    Im Übrigen schrieb ich nicht ohne Grund:

    Hier kommt es ganz sicher auf den Arbeitsbereich an. ......Nicht alles durch die eigene Brille sehen.... :)

  • Ein guter Handwerker wird auch mit 50+ mit Kusshand genommen.

    Genau. Ein guter Handwerker wird eben gar nicht erst arbeitslos. Egal wie alt er/sie ist. ;)
    Ich kenne jedenfalls keinen Handwerksbetrieb der nicht händeringend gutes Personal sucht.

    Und ob ein Bandarbeiter bei VW oder anderswo im Autouniversum als jetzige Fachkraft durchgeht, lasse ich jetzt mal dahingestellt.

    Aber genau aus diesem Bereich drängen aktuell sehr viele 'Fachkräfte' auf den Arbeitsmarkt.
    Und da tut man sich schwer, plötzlich mir der Realität konfrontiert zu werden, dass man jahrelang in einem Elfenbeinturm gearbeitet hat.

  • Aber genau aus diesem Bereich drängen aktuell sehr viele 'Fachkräfte' auf den Arbeitsmarkt.
    Und da tut man sich schwer, plötzlich mir der Realität konfrontiert zu werden, dass man jahrelang in einem Elfenbeinturm gearbeitet hat.

    Meine Rede! Interessant ist es übrigens, das diese das völlig anders sehen!
    Ich wohne in Braunschweig und hier wird derzeit seitens der Chefetage am Komponentenwerk heftig gerüttelt. ?(

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