Hinzuverdienstgrenze Rente

So viel darfst Du zur Rente dazuverdienen

Nicolas Heronymus
& Co-Autor
Stand: 07. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Hast Du die Regelaltersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung erreicht, kannst Du ohne Kürzungen beliebig dazuverdienen.
  • Gehst Du dagegen vorzeitig in Rente, musst Du die Grenze von 6.300 Euro Hinzuverdienst im Jahr einhalten. Sonst wird Deine Rente gekürzt.
  • Für das Jahr 2020 gilt wegen der Corona-Pandemie eine deutlich höhere Grenze.
So gehst Du vor
  • Als Frührentner musst Du der Rentenversicherung Deinen Nebenjob melden.
  • Verdienst Du voraussichtlich mehr als 6.300 Euro pro Jahr, solltest Du Dir von der Rentenversicherung ausrechnen lassen, in welcher Höhe Deine Rente gekürzt wird.

Vielleicht bist Du ja auch in den Ruhestand gegangen, ohne dass Du Dich wirklich zur Ruhe gesetzt hast. Die einen sagen sich: Wer rastet, der rostet. Anderen ist ein Leben ohne Arbeit zu langweilig. Womöglich bist Du aber auch darauf angewiesen, Deine Rente mit einem zusätzlichen Einkommen aufzustocken.

Wer im Alter arbeitet, muss einige Spielregeln beachten, um nicht zu riskieren, dass seine gesetzliche Rente gekürzt wird.

Wer darf unbegrenzt dazuverdienen?

Nur wer die sogenannte Regelaltersgrenze erreicht hat, darf zur gesetzlichen Rente unbegrenzt dazuverdienen. Die Regelaltersgrenze ist im Sozialgesetzbuch VI definiert (§ 35 Satz 2 SGB VI) und wird mit Vollendung des 67. Lebensjahres erreicht. Bis zum Jahr 2031 wird die Regelaltersgrenze schrittweise auf dieses Alter angehoben. Die neue Altersgrenze gilt erst für den Jahrgang 1964. Ihre Rente beantragen dürfen zwischen Oktober 2020 und September 2021 Menschen, die 1955 geboren wurden sowie mindestens 65 Jahre und neun Monate alt sind.

Etwas komplizierter wird es, wenn Du schon vor der Regelaltersgrenze in Rente gegangen bist. Dann gilt für Dich eine Hinzuverdienstgrenze und Du musst der Rentenversicherung Deinen Nebenjob melden.

Für wen gilt die Hinzuverdienstgrenze?

Wer vorzeitig in Altersrente geht und eine Rente erhält, muss die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro pro Jahr beachten. Das trifft beispielsweise auf diejenigen zu, die nach 35 oder 45 Jahren in Rente gehen, die Regelaltersgrenze aber noch nicht erreicht haben.

Ein Verdienst bis zu dieser Höhe wird nicht auf die Rente angerechnet, führt also nicht zu einer Kürzung. Somit würdest Du weiterhin Deine volle Rente bekommen. Die Grenze gilt einheitlich in allen Bundesländern (§ 34 Abs. 3 Nr. 1 SGB VI) unabhängig davon, ob der Zusatzjob eine abhängige Beschäftigung oder eine selbstständige ist.

Als Hinzuverdienst gilt das monatliche Bruttoarbeitsentgelt, wenn Du angestellt bist. Arbeitest Du dagegen selbstständig, ist Dein Hinzuverdienst der monatliche steuerrechtliche Gewinn. In der Sprache Deines Steuerberaters geht es dann um Einkünfte aus Gewerbebetrieb, aus selbstständiger Arbeit und aus Land- und Forstwirtschaft. Auch vergleichbares Einkommen, etwa Vorruhestandsgeld, ist ein Hinzuverdienst.

Welche Sonderregelungen gelten wegen der Corona-Pandemie?

Im März 2020 hat die Bundesregierung das erste Sozialschutz-Paket verabschiedet, um die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Damit wollte die Regierung unter anderem verhindern, dass etwa im Gesundheitsbereich Personalengpässe entstehen.

Bis Ende 2020 kannst Du deshalb deutlich mehr hinzuverdienen. Die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner wurde von 6.300 Euro auf 44.590 Euro angehoben. In welcher Branche Du Deinen Nebenjob machst, spielt dabei keine Rolle. Die Erhöhung gilt für alle mit vorgezogener Altersrente. Ab dem Jahr 2021 gilt wieder die normale Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro.

Wie stark wird die Rente gekürzt bei höherem Einkommen?

Wenn Du mehr verdienst als es die Grenzen erlauben, bekommst Du nur noch eine Teilrente ausbezahlt. Ab einem gewissen Verdienst kann die gesetzliche Rente sogar ganz gestrichen werden: Alles, was die Grenze von 6.300 Euro überschreitet, wird pauschal zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Die monatliche Rente verringert sich dadurch um diesen Betrag.

Ein Beispiel: Eine Rentnerin bezieht monatlich 950 Euro Rente, zusätzlich verdient sie 1.510 Euro. Von den jährlich 18.120 Euro kann sie 6.300 Euro ohne Kürzung verdienen, es bleiben 11.820 Euro pro Jahr, 985 Euro im Monat. Davon werden 40 Prozent, also 394 Euro pro Monat von der gesetzlichen Rente abgezogen, die Rentnerin erhält also wegen ihres Zusatzverdienstes nur noch 556 Euro Rente.

Beispielrechnung für eine monatliche Rente von 950 Euro

zusätzlicher Verdienst18.120 Euro jährlich (1.510 Euro pro Monat)
möglicher Verdienst ohne Kürzung6.300 Euro pro Jahr
Verdienst über Hinzuverdienstgrenze(18.120 - 6.300) = 11.820 Euro pro Jahr, entspricht 985 Euro pro Monat
Verdienst über Grenze wird mit 40 Prozent angerechnet …(985 x 0,4) = 394 Euro
… und von der Rente abgezogen(950 - 394) = 556 Euro pro Monat
Rente nach Abzug durch Verdienst über Hinzuverdienstgrenze556 Euro pro Monat

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: 1. September 2020)

Übersteigt Dein Einkommen aus dem Nebenjob zusammen mit der gekürzten Rente das höchste Einkommen, das Du in den vergangenen 15 Jahren hattest, dann greift ein Hinzuverdienstdeckel. Der Verdienst, der über dem früheren Einkommen liegt, wird komplett auf die Rente angerechnet.

Die Rentenversicherung zahlt bei einem Hinzuverdienst die Rente immer nach einer Prognose für das Jahr aus. Liegen dann alle Einkommensnachweise vor, zahlt die Rentenversicherung entweder Rente nach, falls sie zu vorsichtig geschätzt hat. Hat der Rentner dagegen mehr verdient als geschätzt und daher zu viel Rente erhalten, muss er den Überschuss zurückzahlen.

Alternativ können Rentner auch selbst festlegen, wie hoch ihre Teilrente ausfallen soll – dementsprechend viel dürfen sie dann hinzuverdienen.

Die Rentenversicherung hilft Dir bei Fragen um ein mögliches Zusatzeinkommen. Nutze dafür am besten die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.

Die Hinzuverdienstgrenzen gelten auch für die volle Erwerbsminderungsrente. Wer nur teilweise erwerbsgemindert ist, muss seine Hinzuverdienstgrenze individuell errechnen lassen. Die Rentenversicherung hilft auch dabei.

Wie erhöht ein Nebenjob Deine spätere Rente?

Wenn Du vorzeitig in Altersrente gehst und nebenbei noch Geld verdienst, zahlst Du auf das zusätzliche Einkommen Beiträge für die Rentenversicherung. Dadurch erhöht sich auch Dein Rentenanspruch. Allerdings können sich Minijobber von der Versicherungspflicht befreien lassen. Verzichtest Du auf diese Befreiung, musst Du bei einem Monatslohn von 450 Euro pro Monat mit 16,20 Euro an Rentenbeiträgen rechnen. Hältst Du das ein Jahr lang durch, erhöht sich Deine monatliche Rente später um 4,40 Euro (Stand: September 2020).

Rentner, die mit der Regelaltersgrenze in Rente gegangen sind und nebenbei arbeiten, können mit einer freiwilligen Versicherung weiterhin in die Rentenversicherung einzahlen und noch mehr Rentenpunkte sammeln.

Autor
Nicolas Heronymus
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 07. September 2020


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