Sind Kinder zu teuer?

  • Ich muss immer wieder an die Nachkriegsgeneration denken, der wir das Wirtschaftswunder zu verdanken haben. Jene Generation, die dieses Land aus einem Trümmerfeld zu einer der reichsten Nationen der Welt aufgebaut hat. Zahlreiche Patente, Weltmarktführer, das „Land der Dichter und Denker“, die besten Maschinen und Autos,...

    Und das alles größtenteils unter Bedingungen, die heute kaum vorstellbar sind: Schulklassen mit Altersstufen von sieben bis fünfzehn Jahren, fehlende Bücher, nach der Schule Mithilfe auf dem Hof, knappe Nahrung, kein Geld für irgendetwas. Viele waren vom Krieg traumatisiert, verwundet oder verstümmelt. Ein ganzes Land am Abgrund.

    Und heute scheitern gesunde Menschen trotz Unterstützung daran, sich etwas aufzubauen. Manchmal frage ich mich, ob es uns zu gut geht und ob echte Not nicht doch der stärkste Motor für Erfindergeist und Leistungsbereitschaft ist.

    Der Mythos vom sogenannten "Wirtschaftswunder" ist - ebenso wie das der immer wieder bemühten "Trümmerfrauen" - inzwischen bereits deutlich dekonstruiert worden, hält sich aber leider nach wie vor hartnäckig, weil es zu schön in die erfolgreiche Nachkriegsgeschichte passt. Deutschland hat seinen wirtschaftlichen Erfolg in der Nachkriegszeit zuallererst der globalpolitischen Lage zu verdanken gehabt.

  • Menschen mit und ohne Kinder gegeneinander auszuspielen ist auch schön, sicher ist dar jeweils andere schuld ;) Teile und herrsche at its best. Mann gegen Frau, Land gegen Stadt, alt gegen jung, Flüchtling gegen Einheimische uvm. Hauptsache keiner guckt mal nach wohin denn all das fehlende Geld hinfließt und ob es zur Entstehung der Probleme beiträgt oder auch zur Lösumg beitraten könnte ^^

  • Spannende Diskussion! Vielen Dank

    Ich für meinen Teil hätte sehr gerne Kinder und würde mein Depot sofort gegen Kinder eintauschen. Geht aber leider nicht. Und erzwingen kann ich es auch nicht.

    Von daher muss ich das beste draus machen und versuche möglichst viel Zeit mit meinen Neffen und Nichten zu verbringen.

  • das erzähl mal den Frauen die Samstags in den 60iger Jahren bis spät in den Abend an der Mischmaschine gestanden haben damit der Estrich in die Bude kam.....

    Glaube nicht das man die Leistung hier schmälern will, die Alte, Kinder, Kriesgversehrte und vor allem Frauen geleistet haben.

    Dennoch der größte Teil des Wirtschaftswunders nicht darauf zurückzuführen. Komischerweise fallen in dem Kontext die Kohorten von Gastarbeitern immer unter den Tisch. Wie schon gesagt ist der globale Zusammenhang schon entscheidend. Gibt da gute Einordnungen zu.

  • Ich finde es völlig okay, keine Kinder haben zu wollen. Gibt's halt später weniger dafür, fertig.

    Wer nicht kann ... das gleiche. Hat ja auch Geld gespart. Jeder muss nutzen, was er hat.

    Geht ja nicht um alles oder nichts. Aber wer kann muss selbst vorsorgen, Druck hin oder her. Mündiger Bürger und so...?

    Oh, nein, Druck, oh wie furchtbar, geht ja gar nicht, muss die Gesellschaft einspringen, weil der arme Kevin oder die arme Chantal sonst ihr Leben selbst in die Hand nehmen müssten. Boah, ich kann es echt nicht mehr hören. Waschlappen...

  • Also, das mag betragsmäßig schon so hinkommen. Nur das hat sehr viele Menschen das 'ersparte' Geld durch Kinderlosigkeit eben nicht für später zurück legen dürften.

    Schon klar. Aber findest du es fair das zum Problem der Leute mit Kindern und den Kindern der nächsten Generation zu machen?

    Rein finanziell spricht alles gegen Kinder. Man hat 2 Vollzeiteinkommen, viel niedrigere Kosten und dazu kommt die viel höhere Flexibilität im Alltag. Karriere macht sich viel leichter, wenn man jede Nacht durchschläft und keine Auszeiten aus dem Beruf nimmt. Gleichzeitig hat man keinen finanziellen Nachteil in der Rente.

    Als Gesellschaft haben wir das ein paar Jahrzehnte so betrieben und wundern uns jetzt, dass das System angesichts massenhafter Trittbrettfahrer nicht mehr funktioniert. Rauskommen wird schwierig, da stimme ich dir zu. Aber wir sollten zumindest aufhören das Problem zu leugnen und Nebelkerzen wie die Erbschaftssteuer werfen. Für große Vermögen ist die faktisch nicht durchsetzbar, weil die Firmen einfach verschwinden oder das anderweitig professionell optimieren lassen. Siehe die schwäbische Traditionsfirma Liebherr mit Firmensitz in der Schweiz. Einfacher ist es wie immer bei der Mittelschicht, die dem nicht einfach entfliehen kann und auch keine Steuerkanzlei damit beauftragt, mit einem Millionenbudget Omas Häuschen vor der Steuer zu retten. Aber da ist dann halt auch nicht viel zu holen.

  • Ich leg´ noch mal einen drauf (grob in die Richtung von Post #5:(

    Die Ansprüche sind zu hoch. Kinder sollen in 1000€-Kinderwagen herumgefahren werden; Kinderzimmer werden komplett eingerichtet, ein 2.-Kinderwagen fürs Auto wird angeschafft; das Auto ist ein Kombi oder ein SUV, vor der Geburt soll es ein Haus sein, in der Elternzeit muss eine Weltreise mit dem Baby veranstaltet werden, 2x im Jahr geht es in den Urlaub, für Kindergeburtstage braucht es 4stellige Summen und und.
    So wird es finanziell für viele Menschen eng oder gar unbezahlbar.
    Andere Bevölkerungsgruppen gehen da mit anderen Maßstäben vor und Schwupps ist die Großfamilie finanziell kein Problem.

    Du gehst da sehr schwarz-weiß ran.

    Kinder sind einfach verdammt teuer, auch ohne Luxus. Klar kann man in den kleinen Größen Kleidung gut auf Flohmärkten oder Vinted kaufen, das wird aber schwieriger je älter sie werden. Und die Schuhe! Man kommt im Jahr locker auf 20 Paar mit einem Kind, das zwei bis drei Schuhgrößen wächst. Ich bin selbst erschrocken, als ich mal nachgezählt habe (Hausschuhe zu Hause und Kita, Gummistiefel zu Hause und Kita, Sneaker/Halbschuhe für Frühling/Sommer, Sandalen, wärmere Schuhe für Herbst, Winterstiefel, Badelatschen, Hallenturnschuhe…).

    Ein Musikinstrument lernen kostet. Einen Sport ausüben auch. Und klar kann man einem Kind sagen, sorry, Du machst gefälligst Blockflöte und Handball, das kostet am wenigsten. Aber ist das wirklich schon verrückter Luxus, wenn das Kind lieber Cello oder Gitarre spielen möchte und lieber Tennis, Ballett oder Hockey mag?

    Gerade in der Großstadt leben selbst Gutverdiener-Familien in kleinen Wohnungen mit geteilten Kinderzimmern, weil es schlicht keinen größeren Wohnraum gibt oder man für ein Zimmer mehr das Dreifache an Miete zahlen müsste (von einem Einfamilienhaus ganz zu schweigen).

    Je nach Bundesland und Gemeinde zahlt man für zwei Kinder auch gerne mal einen vierstelligen Betrag im Monat für Kinderbetreuung.

    Ist das alles schon Luxus?

    Kinder sind einfach teuer. Es läppert sich auch im Alltag. Lebensmittel sind teuer, Essengehen ist teuer (selbst wenn es nur Döner oder Pizza vom Imbiss ist), Eisessen ist teuer, Eintritt ins Museum oder den Wildpark ist teuer…

    Man muss wirklich keine extravaganten Dinge tun, damit Kinder ins Geld gehen.

  • Habe lang überlegt, ob ich was dazu schreiben soll, weil eigentlich möchte ich mich nicht dafür rechtfertigen kinderlos zu sein.

    Für mich gibt es noch ein paar weitere Voraussetzungen um Eltern zu werden, das ist doch kein Selbstzweck. Wenn ich mir so anschaue, was es im Umfeld an Kindern gibt, wäre es in vielen Fällen gut gewesen, sich vorher die Gedanken darum zu machen, ob das wirklich eine gute Umgebung für die Kinder ist. Damit meine ich ausdrücklich nicht das Finanzielle. In vielen Fällen, ist das auch einfach so passiert und man hat sich dann als die Kinder da waren irgendwie arrangiert. Das sind aber Aspekte, die nur sehr bedingt in einem Finanz-Forum aufgehoben sind. In der Zeit, als dies hätte für mich relevant sein können, hatte ich keine stabile Partnerschaft in der ich mir Kinder hätte vorstellen können, lebte allein in wechselnden Beziehungen. Ich kenne einige, die haben sich davon nicht abhalten lassen, den emotionalen Preis zahlen ihre Kinder. Heute gibt es diese Partnerschaft, habe tatsächlich recht spät noch geheiratet, jetzt ist das Thema jedoch biologisch erledigt. Blödes Timing, aber nicht mehr zu ändern.

  • Also in meiner Welt und zu der Zeit als Freibad, Freizeitparks usw. bei uns noch regelmäßig auf der Tagesordnung standen, wars schon eng finanziell.🙈😅 Aber es ist müßig über so etwas zu diskutieren da jeder anders aufgestellt ist, an andere Situationen denkt etc., etc….

  • uha Vielleicht gibt es ja für euch die Möglichkeit eines Pflegekindes? Viele warten auf liebevolle Pflegeeltern...

    Hätte ich auch nie dran gedacht, aber diese Idee ist einerseits einleuchtend wie übergriffig.

    Ich stand mit meiner Frau auch ungewollt sehr lange kinderlos dar. Meine Frau hat sich nochmal viel intensiver als ich damit beschäftigt, da es seit sie denken kann ihr Wunsch war ein (eigenes) Kind zu bekommen und aufwachsen zu sehen. Dieses Thema ist wenn man in der Situation steckt ungewollt kinderlos zu sein dermaßen emotional, daß man bei einem solchen Vorschlag gerne mal in Tränen ausbricht. Auch wenn es nett gemeint ist bitte ich dich das niemals jemandem vorzuschlagen der kinderlos ist, vor allem wenn es ungewollt ist.

    Rational betrachtet ist es absolut gerechtfertigt so zu denken. Aber auf emotionaler Ebene ist das Übel. Sieht man aber wirklich nur wenn man selbst betroffen ist. Wäre auch damals der Rat meines jüngeren Ichs an mich selbst gewesen. Denke dafür hätte ich mir eine gefangen zum falschen Zeitpunkt.

    Geht hier auch viel zu weit und ist OT, aber als (glücklicherweise temporär) betroffene Familie nur der Hinweis.<3

  • Die Antwort ist eigentlich klar - ja, Kinder sind teuer !

    Wer sich für Kinder bewusst entscheidet, der weiß das i.d.R. vorher.

    Meine Partnerin hat ein Kind mit in die Beziehung gebracht und bekomme das ganz gut mit welche Unkosten so entstehen, was auch Kindergeld bei weitem nicht deckeln kann. Wir stehen derzeit auch vor der Entscheidung vielleicht doch noch ein Kind zusammen zu planen.

    Für mich ist aber weniger der finanzielle Aspekt entscheidend - sondern mehr die Lebensplanung. Mit bald 40 fällt es mir schon schwer vorzustellen, die nächsten 15-20 Jahre mein Leben wegen einem Kind "einzuschränken" oder anders planen zu müssen, das eigene Leben wird dann ja schon erstmal untergeordnet zum Wohle des Kindes.

    Und verlassen darauf kann man sich auch nicht ob das Kind wirklich später mal für einen da ist, wenn man alt und vielleicht pflegebedürftig ist. Danach sollte man auch nicht seine Familienplanung ausrichten.