Ich muss immer wieder an die Nachkriegsgeneration denken, der wir das Wirtschaftswunder zu verdanken haben. Jene Generation, die dieses Land aus einem Trümmerfeld zu einer der reichsten Nationen der Welt aufgebaut hat. Zahlreiche Patente, Weltmarktführer, das „Land der Dichter und Denker“, die besten Maschinen und Autos,...
Und das alles größtenteils unter Bedingungen, die heute kaum vorstellbar sind: Schulklassen mit Altersstufen von sieben bis fünfzehn Jahren, fehlende Bücher, nach der Schule Mithilfe auf dem Hof, knappe Nahrung, kein Geld für irgendetwas. Viele waren vom Krieg traumatisiert, verwundet oder verstümmelt. Ein ganzes Land am Abgrund.
Und heute scheitern gesunde Menschen trotz Unterstützung daran, sich etwas aufzubauen. Manchmal frage ich mich, ob es uns zu gut geht und ob echte Not nicht doch der stärkste Motor für Erfindergeist und Leistungsbereitschaft ist.
Der Mythos vom sogenannten "Wirtschaftswunder" ist - ebenso wie das der immer wieder bemühten "Trümmerfrauen" - inzwischen bereits deutlich dekonstruiert worden, hält sich aber leider nach wie vor hartnäckig, weil es zu schön in die erfolgreiche Nachkriegsgeschichte passt. Deutschland hat seinen wirtschaftlichen Erfolg in der Nachkriegszeit zuallererst der globalpolitischen Lage zu verdanken gehabt.