Sind Kinder zu teuer?

  • Guten Morgen zusammen,

    ich habe grade einen interessanten Artikel zur aktuellen Geburtenrate gelesen. 2025 sank die Rate auf einen historischen Tiefstand von 1,35 Kinder pro Frau.

    Die Folgen sind fatal (so der Artikel). Rentensystem, Pflegeplätze, Fachkräftemangel..

    Die niedrige Geburtenrate ist insbesondere auf die hohen Kosten von Kindern zurückzuführen. Laut Artikel ist es auch für Familien mit mittleren und hohen Einkünften schwieriger geworden, mehr als ein zwei Kinder finanziell zu stemmen.

    Ich selbst bin kinderlos, aber in meinem Freundeskreis haben alle Kinder. Trotz Studium und überdurchschnittlicher Gehältern bleibt bei denen am Monatsende wenig übrig.

    Hier im Forum sind tendenziell finanzstärkere Personen unterwegs & und ich würde gerne eure Meinung dazu wissen. Ist es bei euch ähnlich? Was hat sich in eurem Leben (finanziell) verändert nachdem ihr Kinder bekommen habt?

    VG

  • Was hat sich in eurem Leben (finanziell) verändert nachdem ihr Kinder bekommen habt?

    Ich musste mich - um einen gewissen persönlichen Gestaltungsspielraum zu erhalten - entscheiden: Gegen Wohneigentum, gegen ein modernes Auto. Jetzt, wo mein Kind keine finanzielle Unterstützung mehr braucht, ist es quasi zu spät für mich für Wohneigentum. Immerhin ist ein Auto drin.

    Gut, nach so langer Zeit des Verzichts zugunsten des Unterhalts brauche ich jetzt auch nicht (mehr) viel ... Lesson learned.

  • es ist nicht unbedingt eine Finanzielle Frage.

    mit rein spielen auch:

    Soziale, Politische und Wirtschaftliche Unsicherheiten.

    Es gibt auch zunehmend bestrebunen der Selbstfürsorge, im Altag vieler Paare, mit doppelverdiener, aufteileung der Care-Arbeit "selbst bestimmte frau" (finde ich wichtig)

    Dann noch die Wohnungssituation, größere Wohnungen gibt es kaum am Markt...

    Das ganze Endet in etlichen fällen damit dass die Mütter zurückstecken müssen, Kariere, Job, Urlaubswünsche, Sorgen, Schlaf, Freundschaften, selbst Romantik & beim Essen kann man sich nicht mehr frei entscheiden.

    Die Politik macht da auch wenig gegen, Auf dem Papier macht sich ein Kindergartenplatz Anspruch ganz gut, Es fehlt aber nach wie vor an Familienfreundlichen Arbeitsplätzen, mehr Finanzielle rückendeckung (kita gebühren, schulessen, nachhilfe, hort) auch für normal Verdienende, und auch im Haushhalt der betroffenen selber, müsste es mehr Gleichstellung der Partner geben...


    Ich selber habe aufgrund der Weltlage mich gegen Kinder entschieden, mal davon ab dass es dafür erstmal einen Partner braucht der eine selbstbestimmte, eigenständige Frau so akzeptiert wie diese ist, was seltenst der Fall ist, so zumindest meine Erfharung, ich komme auch gut ohne Männer klar, und daran ändern möchte ich auch nix mehr.


  • Kürzlich fiel hier der Begriff Lifestyleinflation. Einerseits. (Schreibstilanleihe bei Sovereign)

    Andererseits: Es kommt nicht nur aufs eigene Einkommen sondern auch darauf an, was man sich damit von 0 (-100) weg aufbauen muss und was von der Familie als Startkapital, laufende Unterstützung und nicht zu vergessen Karriererutsche kommt.

    Wer weniger (laufende) Mitgift erhält , tut sich schwerer den Lifestyle der Mittelschicht zu halten (oder gar erst zu erlangen). Das spießt sich einerseits enorm mit den gleichzeitig bestehenden Vorstellungen an Quality-Kinderersziehung der gut Gebildeten und dem Wunsch nach gleichberechtigter Eltern-und Partnerschaft mit einem der eigenen (guten) Ausbildung entsprechendem Berufsweg.

    Dort wo weniger einander widerstrebende Ziele vorliegen und diese nicht nur aus eigener Kraft aufzulösen sind ist es weniger schwer (mit diesem Lifestyle).

  • Hallo Merabo,

    um die Ausgangsfrage zu beantworten; Kinder sind unbezahlbar.

    Will sagen, es gibt sehr viele nichtmaterielle Gründe für oder gegen Kinder, die ich nicht diskutieren will, eine Geldfrage ist es zumindest in Deutschland nie. Fast möchte ich sagen, der relative Wohlstand der Eltern und Großeltern ist schädlich für die Kinder. Die kleinen Prinzessinnen und Prinzen wachsen im Glauben auf, jeglicher materieller Wunsch ist erfüllbar. Keine gute Vorbereitung auf das Leben.

    So und jetzt Feuer frei.

    Gruß Pumphut

  • Soziale, Politische und Wirtschaftliche Unsicherheiten.

    Gab es die nicht schon immer? Vom 2. WK mal abgesehen... die Welt stand am Rande eines Atomkriegs während der Kuba Krise, Kalter Krieg, mit dem Drogen in den 70ern, dann Atomkraft nein Danke in den 80ern, saurer Regen und Ozonloch, etc.

    Irgendwas war doch immer.

    Es ist fast wie im richtigen Leben, deswegen heißt das hier auch Erde und nicht Paradies.

  • Krieg vor der Haustür

    Politiker die hanldungsunfähig erscheinen

    Wirtschaftlicher abschwung von schlüsselbranchen

    job garantien.


    dass ist nix im vergleich zu abstrackten themen wie ozon, klima, einem krieg am arsch der welt, oder eine bewegeung gegen atomkraft.

  • Hallo.

    Wahrscheinlich hättest Du besser

    Die niedrige Geburtenrate sei insbesondere auf die hohen Kosten von Kindern zurückzuführen.

    geschrieben.

    Die finanzielle Komponente ist kein valides Argument, wenn man sieht, dass Haushalte, die komplett auf Transferleistungen angewiesen sind, ebenfalls Kinder beherbergen können.

    Kinder zu haben verschiebt regelmäßig die Prioritäten (nicht nur die finanziellen) deutlich, dazu ist nicht jeder bereit.

  • Kinder sind teuer, ja.

    Neben den „normalen Kosten“ für Leben, Essen, Urlaub, Ausbildung etc. kommt noch ein dicker Batzen Opportunitätskosten dazu weil aufgrund der Zeit die man investiert auch meist die Karriere nicht so verlaufen kann wie bei Paaren ohne Kinder.

    Ich kenne aber niemanden mit Kindern, der sagt, dass Kinder zu teuer sind. Weil sie diese Menschen nämlich niemals für irgendein Geld der Welt abgeben würden.

    Das Leben besteht eben nicht nur daraus möglichst effizient so viel Geld wie möglich anzuhäufen, sondern aus viel mehr.

    Und aus Erfahrung im Freundes und Familienkreis kann ich sagen, dass sich am Ende wenn es auf die letzten Tage oder Stunden zugeht noch nie jemand darüber beschwert hat, das er oder sie irgendwo zu viel Geld ausgegeben hat. Da ging es um schöne Erinnerungen mit Menschen, Freunden, Familie und Kindern.

  • Ich kenne aber niemanden mit Kindern, der sagt, dass Kinder zu teuer sind.

    Ich schon, mein Vater hat früher mehr als einmal gesagt, wie teuer wir Kinder doch seien, quasi vergleichbar mit der Finanzierung eines Hauses. Mit „teuer“ war hier also nicht die Liebe des Vaters zu seinen Kindern gemeint.

    Man kann immer Gründe für etwas finden. Frankreich hat eine höhere Geburtenrate als Deutschland. Was läuft dort anders bzw. besser?

  • Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Kinder „zu teuer“ sind. Vielmehr haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen massiv verändert.

    Vor 30 oder 40 Jahren war es für viele Familien realistisch, mit einem Gehalt zwei Kinder zu versorgen, ein Haus zu finanzieren und trotzdem einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren. Das war kein Luxusmodell, sondern für breite Teile der Mittelschicht normal. Heute ist das – selbst mit zwei guten Einkommen – in vielen Regionen kaum noch darstellbar. Immobilienpreise, Mieten, Energie, Abgaben, Betreuungskosten – alles ist deutlich stärker gestiegen als die reale Kaufkraft.

    Natürlich ist unser Lebensstandard heute höher als 1970 oder 1990. Wir haben mehr Komfort, mehr Technik, mehr Auswahl. Allerdings hat sich gleichzeitig auch der technologische Fortschritt und die Effizienz in vielen Lebensbereichen erhöht. Der gestiegene Lebensstandard kann also alleine nicht der Grund für das Gefühl sein, ständig unter finanziellem Druck zu stehen – gerade bei Familien.

    Ein zentraler Faktor ist aus meiner Sicht das Geldsystem seit Anfang der 70er Jahre, als die Bindung des Dollars an Gold aufgehoben wurde. Seitdem leben wir in einem reinen Fiat-System – also Geld, das nicht mehr durch einen physischen Wert gedeckt ist und beliebig ausgeweitet werden kann. Diese permanente Ausweitung führt langfristig zu Inflation. Und Inflation wirkt wie eine schleichende Steuer: Sie entzieht Kaufkraft, ohne dass es direkt auf dem Steuerbescheid steht.

    Die Folgen sieht man heute deutlicher denn je. Löhne steigen, aber Vermögenswerte steigen schneller. Wer keine Assets besitzt, sondern nur von Arbeitseinkommen lebt, spürt diesen Effekt besonders stark. Und genau das trifft viele junge Familien. Insofern würde ich sagen: Kinder sind nicht das Problem. Die ökonomischen Rahmenbedingungen sind es.

    Wer sich für das Thema interessiert, kann mal nach "Was 1971 passierte + Goldstandard + Folgen" googeln.

    Alternativ:

    https://wtfhappenedin1971.com/

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Gab es die nicht schon immer? Vom 2. WK mal abgesehen... die Welt stand am Rande eines Atomkriegs während der Kuba Krise, Kalter Krieg, mit dem Drogen in den 70ern, dann Atomkraft nein Danke in den 80ern, saurer Regen und Ozonloch, etc.

    Irgendwas war doch immer.

    Und z.B. "Saurer Regen" und "Ozonloch" sind Beispiele, dass damals verantwortungsvoll gehandelt wurde, beides wurde erfolgreich mit wirksamen Maßnahmen mitigiert. Das passiert aktuell nicht.

  • Vor 30 oder 40 Jahren war es für viele Familien realistisch, mit einem Gehalt zwei Kinder zu versorgen, ein Haus zu finanzieren und trotzdem einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren. Das war kein Luxusmodell, sondern für breite Teile der Mittelschicht normal. Heute ist das – selbst mit zwei guten Einkommen – in vielen Regionen kaum noch darstellbar. Immobilienpreise, Mieten, Energie, Abgaben, Betreuungskosten – alles ist deutlich stärker gestiegen als die reale Kaufkraft.

    Die perfekte Ausrede der jüngeren Generation. Oft wiederholt. Trotzdem falsch.

    https://www.finanzfluss.de/ratgeber/alleinverdiener-gehalt/

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