Elterngeld berechnen

So machst Du mehr aus Deinem Elterngeld

Dr. Britta Beate Schön 28. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Mutter oder Vater bekommst Du monatlich mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro Elterngeld. Und zwar für zwölf Monate nach der Geburt Deines Kindes.
  • Das kannst Du auf 14 Monate verlängern, wenn Du Dein Kind allein erziehst oder auch der andere Elternteil mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt (Partnerschaftsmonate).
  • Wenn Du schnell wieder Teilzeit arbeiten möchtest, kannst Du vom Elterngeld Plus profitieren. In der Summe bekommst Du zwar nicht mehr Geld, aber über einen längeren Zeitraum von bis zu 36 Monaten verteilt.
So gehst Du vor
  • Nutze den Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums, um Deine Elternzeit zu planen und Dein persönliches Elterngeld zu berechnen.
  • Hole Dir vor der Geburt den Elterngeldantrag. In unserer Checkliste findest Du alle Unterlagen, die Du einreichen musst.
  • Denke daran, rechtzeitig die Steuerklasse zu wechseln, wenn Du verheiratet bist. Du kannst dadurch vielleicht mehr Elterngeld bekommen.

Mit einem Kind verändert sich Dein Leben. In den ersten Monaten nach der Geburt gibt es vom Staat Elterngeld. Das hilft Dir, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Wie viel Elterngeld Du bekommst, kannst Du mit ein paar einfachen Kniffen optimieren.

Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Du hast als Mutter oder Vater Anrecht auf Elterngeld, wenn Du Dein Kind nach der Geburt selbst betreust und mit ihm in einem Haushalt in Deutschland lebst. Das gilt auch, falls Du Dein Kind adoptiert hast.

Für das Elterngeld ist es unwichtig, ob Du vor der Geburt angestellt oder selbstständig gearbeitet hast, arbeitslos warst oder gerade mitten im Studium bist. Voraussetzung ist aber, dass Du nach der Geburt gar nicht oder höchstens 30 Stunden in der Woche arbeitest. Ab Januar 2021 sollen Eltern sogar 32 Stunden arbeiten können, ohne den Elterngeldanspruch zu verlieren, damit eine Vier-Tage-Woche möglich wird.

Kein Elterngeld bekommst Du, wenn Du Dein Kind während eines bezahlten Urlaubs betreust, ohne richtige Elternzeit zu nehmen (BSG, Urteil vom 15. Dezember 2015, Az. B 10 EG 3/14 R).

Verdienst Du zusammen mit Deinem Partner oder Partnerin mehr als 500.000 Euro oder als Alleinerziehender mehr als 250.000 Euro im Jahr, gibt es kein Elterngeld (§ 1 Abs. 8 BEEG). Ab 2021 soll eine niedrigere Grenze von 300.000 Euro für Paare gelten

Auch ausländische Eltern können Elterngeld bekommen, wenn sie in Deutschland ihren Wohnsitz haben und berechtigt sind, hier zu arbeiten. Das gilt für alle, die aus EU-Ländern oder der Schweiz stammen. Andere Ausländer bekommen dann Elterngeld, wenn sie einen Aufenthaltstitel haben, mit dem sie dauerhaft in Deutschland arbeiten dürfen. Wer also nur ein Studentenvisum, eine befristete Arbeitserlaubnis hat oder Asyl genießt, bekommt kein Elterngeld.

Wie beantragst Du Elterngeld?

Du brauchst zunächst einmal das richtige Formular, denn jedes Bundesland hat ein eigenes. Den für Dich passenden Antrag findest Du online auf der Website des Familienministeriums. Bis zu sechs Wochen vor dem geplanten Geburtstermin kannst Du zum Beispiel in Bayern den Antrag online einreichen. Alle weiteren Unterlagen kannst Du nachreichen.

Die für Dich zuständige Stelle für Elterngeld ist meist beim Versorgungsamt, beim Amt für Soziales oder beim Jugendamt in Deiner Stadt oder dem Landkreis angesiedelt. Eine genaue Übersicht findest Du auf hier.

Checkliste: Diese Unterlagen brauchst Du zum Elterngeldantrag

  1. Vollständig ausgefülltes Elterngeldformular
  2. Geburtsbescheinigung des Kindes
  3. Kopie Deines Personalausweises
  4. Einkommensnachweis: Gehaltsabrechnung für Angestellte, Steuerbescheid des Jahres vor der Geburt oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung für Selbstständige
  5. Bescheinigung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld
  6. Bescheinigung über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld
  7. Arbeitgeberbescheinigung zur gewährten Elternzeit

Du solltest Dir nicht viel Zeit lassen, um die Unterlagen auszufüllen. Denn Elterngeld wird höchstens drei Monate rückwirkend gezahlt. Beide Elternteile müssen den Antrag unterschreiben, es sei denn ein Elternteil ist allein sorgeberechtigt. Du musst im Formular angeben, welcher Elternteil für welche Zeiträume Elterngeld beantragt. Die Aufteilung kannst Du im Nachhinein einmal problemlos ändern, in Härtefällen auch ein zweites Mal.

Vorsicht: Der richtige Antragszeitraum ist wichtig

Um finanzielle Nachteile zu vermeiden, solltest Du Elterngeld nicht nach Kalendermonaten, sondern nach den Lebensmonaten Deines Kindes beantragen.

Ein Beispiel: Dein Kind ist am 17. Oktober 2019 auf die Welt gekommen. Wenn Du das Elterngeld ab November 2019 beantragst, dann wird Dir das Einkommen vom 17. Oktober bis Ende Oktober voll auf das Elterngeld angerechnet. Deshalb ist es besser, Elterngeld ab dem 17. Oktober 2019 zu beantragen.

Ergeben sich nach der Antragstellung Änderungen, die für die Berechnung des Elterngelds wichtig sind, musst Du diese der Elterngeldstelle sofort mitteilen. Dazu gehört jedes Einkommen, das Du verdienst, während Du Elterngeld erhältst.

In der Coronakrise: Falls Du in einem sogenannten systemrelevanten Beruf arbeitest und zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020 Deine Elternzeit nicht nehmen konntest, kannst Du Deine Elterngeldmonate aufschieben. Das kann auf Dich zutreffen, wenn Du zum Beispiel bei der Polizei, dem öffentlichen Nahverkehr, in einer Bäckerei, in der Pflege, in der Kindernotfallbetreuung oder mit behinderten Menschen arbeitest. Falls Du unsicher bist, ob Deine Tätigkeit als systemrelevant gilt, erkundige Dich bei Deiner Elterngeldstelle. Du kannst Dir mit der Elternzeit dann bis zum 30. Juni 2021 Zeit lassen (§ 27 Abs. 1 BEEG).

Elternzeit gleich Elterngeld?

Um einen Anspruch auf Elterngeld zu haben, musst Du keine Elternzeit nehmen. Auch wenn Du studierst, nicht arbeitest oder selbstständig bist, kannst Du Elterngeld bekommen.

Hast Du vor der Geburt Deines Kindes als Arbeitnehmer gearbeitet, musst Du oft zugleich auch Elternzeit beantragen. So kannst Du Deine Arbeitszeit verringern – eine Voraussetzung, um Elterngeld bekommen zu können. Die Elternzeit musst Du spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Beginn anmelden.

Wie viel Elterngeld steht Dir zu?

Du bekommst mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro Elterngeld pro Monat. Warst Du vor der Geburt nicht berufstätig, bekommt Du den Mindestsatz von 300 Euro, den sogenannten Sockelbetrag (§ 2 Abs. 4 BEEG).

Hast Du vor der Geburt gearbeitet, berechnet die Elterngeldstelle Deinen Anspruch. Sie geht dabei nicht von Deinem Nettogehalt aus, das Du in Deiner Lohnabrechnung findest. Die Behörde zieht von Deinem durchschnittlichen Bruttoeinkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt Pauschalen für Steuern und Sozialabgaben ab. Zusätzlich wird der jährliche Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro angesetzt. Was dann von Deinem Bruttoeinkommen übrig bleibt, dient als Berechnungsgrundlage für das Elterngeld.

Davon werden höchstens 2.770 Euro berücksichtigt. Was Du darüber hinaus an Einkommen hattest, wird nicht durch das Elterngeld ersetzt. Von Deinem so berechneten Netto stehen Dir in aller Regel 65 Prozent als Elterngeld zu, aber nicht mehr als 1.800 Euro.

Hattest Du vor der Geburt Deines Kindes weniger als 1.240 Euro Netto-Einkommen, bekommst Du mehr als 65 Prozent davon als Elterngeld. Je geringer Dein Einkommen war, desto höher ist der Prozentsatz, den Du von Deinem Netto bekommst. Stand Dir durchschnittlich 340 Euro vor der Geburt als Nettogehalt zur Verfügung, bekommst Du 100 Prozent davon als Elterngeld.

Mit dem Elterngeldrechner des Familienministeriums kannst Du vorab ermitteln, wieviel Elterngeld Du bekommen wirst. Du kannst einen Schnellrechner nutzen oder einen Rechner mit Planer, der Dir hilft, verschiedene Varianten zur Aufteilung der Elterngeldmonate auszuprobieren.

Verdienst Du wegen der Corona-Pandemie zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 weniger, weil Du zum Beispiel in Kurzarbeit bist, hast Du dadurch keinen Nachteil bei der Berechnung des Elterngelds. Kurzarbeitergeld oder auch Arbeitslosengeld I reduzieren Dein Elterngeld nicht und fließen auch bei der späteren Berechnung für ein weiteres Kind nicht mit ein. Diese Monate werden übersprungen. Stattdessen zählt das höhere Einkommen aus den Monaten davor (§ 27 Abs. 4 BEEG).

Diese Einnahmen wirken sich auf das Elterngeld aus

Provisionen - Hat Dein Arbeitgeber im Bemessungszeitraum vor der Geburt Deines Kindes Provisionen gezahlt, können diese Dein Elterngeld erhöhen, falls das Unternehmen sie als laufenden Arbeitslohn gezahlt hat. Quartalsprovisionen erhöhen das Elterngeld nicht, da der Arbeitgeber sie gerade nicht laufend, sondern quartalsweise als sonstige Bezüge zahlt (§ 2c Abs. 1 Satz 2 BEEG). Provisionen, die Dein Arbeitgeber als sonstige Bezüge gezahlt hat, erhöhen das Elterngeld ebenfalls nicht (BSG, Urteil vom 14. Dezember 2017, Az. B 10 EG 7/17 R u.a.).

Einmalzahlungen - Jährlich einmal gezahltes Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erhöht Dein Elterngeld nicht. Diese Gelder bleiben bei der Berechnung als sonstige Bezüge außen vor (Az. B 10 EG 5/16 R). Ebenso wenig erhöhen bestimmte andere Leistungen das Elterngeld: Lohnersatzleistungen wie Streikgeld, Krankengeld oder Arbeitslosengeld I. Auch Kapitalerträge oder Mieteinnahmen bleiben außen vor.

Sonderfall Selbstständige - Bist Du selbstständig, ist die Berechnungsgrundlage für Dein Elterngeld das Jahreseinkommen aus dem Jahr vor der Geburt. In den letzten Monaten der Schwangerschaft noch mal besonders viel zu arbeiten, lohnt sich also nur dann, wenn das Kind Anfang des Jahres geboren wird.

Geschwisterbonus - Hast Du schon andere Kinder, hast Du meist vor der Geburt des jüngsten Kindes schon weniger gearbeitet. Deshalb gibt es einen Geschwisterbonus, sofern neben dem neuen Kind mindestens ein Geschwisterkind unter drei Jahren oder zwei Geschwisterkinder unter sechs Jahren da sind. Dieser Bonus beträgt 10 Prozent des Elterngelds, mindestens aber 75 Euro (§ 2a Abs. 1 BEEG).

Eltern von Zwillingen oder Drillingen erhalten monatlich pauschal 300 Euro zusätzliches Elterngeld für das zweite und jedes weitere Kind (§ 2a Abs. 4 BEEG). Das heißt Mehrlingszuschlag.

Bei der Einkommensermittlung werden Monate nicht mitgezählt, in denen Du für ein älteres Kind Elterngeld bezogen und deshalb nichts oder weniger verdient hast. Bekommst Du also innerhalb eines Jahres ein zweites Kind, wird zur Berechnung des Elterngelds für das Jüngste das Einkommen zugrunde gelegt, das Du vor der Geburt des ersten Kindes verdient hast.

Elterngeld und andere Sozialleistungen

Bekommst Du Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, Krankengeld oder eine Erwerbsminderungsrente, so wird das nur auf einen Teil des Elterngelds angerechnet. Du bekommst in diesen Fällen im Ergebnis zusätzlich mindestens den Sockelbetrag von 300 Euro.

Als Arbeitslosengeld II-Empfänger erhältst Du zwar Elterngeld, doch wird es vollständig als Einkommen angerechnet (§ 10 Abs. 5 BEEG). Monatlich hast Du damit genauso viel Geld zur Verfügung wie ohne Elterngeld.

Wie kannst Du Dein Elterngeld optimieren?

Je höher Dein Nettogehalt vor der Geburt Deines Kindes ist, desto höher ist Dein Anspruch auf Elterngeld. Deshalb ist es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass möglichst viel Gehalt auf Dein Konto fließt. Dafür gibt es ein paar Tipps:

Rechtzeitig die Steuerklasse wechseln

Erwartest Du ein Kind und bist Du verheiratet, sollte der Elternteil, der das Kind nach der Geburt überwiegend betreut, so früh wie möglich die Steuerklasse III wählen. Dadurch erhöht sich das Nettoeinkommen. Für Dich lohnt sich der Wechsel nicht, falls Du mehr als rund 2.770 Euro netto verdienst und damit ohnehin den Höchstsatz Elterngeld bekommst.

Bei der Berechnung des Elterngeldes legt die Elterngeldstelle zwar grundsätzlich die Steuerklasse zugrunde, die Du im letzten Monat des Bemessungszeitraums mit Einkommen genutzt hast (§ 2c Abs. 3 Satz 1 BEEG). Hast Du aber häufiger die Steuerklasse gewechselt in den letzten zwölf Monaten vor der Geburt, ist nicht die Steuerklasse im letzten Monat entscheidend, sondern diejenige, die in den meisten Monaten des Bemessungszeitraums gegolten hat (§ 2c Abs. 3 Satz 2 BEEG).

Beispiel: Vor der Geburt Deines Kindes hattest Du von Dezember 2018 bis Mai 2019 für sechs Monate die Steuerklasse I gewählt. Im Juni und Juli wähltest Du für zwei Monate Steuerklasse IV und im August bis November 2019 für vier Monate bis zur Mutterschutzfrist die Steuerklasse III. Das Elterngeld wird in diesem Fall nach der finanziell ungünstigen Steuerklasse I berechnet, die im Bemessungszeitraum relativ gesehen am längsten gegolten hat – nämlich für sechs Monate (BSG, Urteil vom 28. März 2019, Az. B 10 EG 8/17 R).

Mütter sollten in den zwölf Monaten vor dem Mutterschutz, Väter in den zwölf Monaten vor der Geburt überwiegend in Steuerklasse III gewesen sein, wenn sie hauptsächlich das Kind betreuen wollen. Du zahlst dann zwar in den letzten Monaten vor der Geburt mehr Steuern, das höhere Elterngeld gleicht das aber mehr als aus.

Außerdem kannst Du einen guten Teil der Steuern über Deine Einkommensteuererklärung zurückholen. Eine Änderung der Steuerklasse ist problemlos auch mitten im Jahr möglich – spätestens jedoch bis zum 30. November. Dazu wendest Du Dich einfach an Dein zuständiges Finanzamt.

Selbstständige sollten Gewinn optimieren

Als Selbstständiger hast Du noch eine weitere Möglichkeit, Dein Nettoeinkommen vor der Geburt zu steigern: Als Einkommen gilt bei Dir der Gewinn, also das, was nach Abzug der Ausgaben vom Umsatz übrig bleibt. Wenn Du weniger Ausgaben geltend machst, erzielst Du automatisch ein höheres Einkommen und erhältst damit mehr Elterngeld.

Wie lange bekommst Du Elterngeld und Elterngeld Plus?

Wie lange Du Elterngeld bekommst, hängt davon ab, ob Du Dich für das Basis-Elterngeld entscheidest oder aber Elterngeld Plus beantragst. Das kann sich lohnen, wenn Du schnell wieder Teilzeit arbeiten möchtest.

Zwölf Monate Basis-Elterngeld

Das klassische Elterngeld, auch Basis-Elterngeld genannt, wird grundsätzlich zwölf Monate lang gezahlt. Als Mutter bekommst Du in der Praxis nur zehn Monate lang Elterngeld, denn Dein Mutterschaftsgeld wird voll angerechnet. Es nützt auch nichts, wenn der Vater die ersten zwei Monate übernimmt und die Mutter später für die Betreuung zuständig ist – mit dem Mutterschaftsgeld werden zwei der maximal zwölf Monate bezahlter Erziehungszeit abgegolten.

Zwei Partnermonate

Es gibt zwei zusätzliche Partnermonate Elterngeld, wenn sich beide Elternteile für die Kinderbetreuung eine Auszeit nehmen. Ein Elternteil kann dabei mindestens zwei und höchstens zwölf Monate beantragen.

Wer sich wann um das Kind kümmert und Elterngeld beantragt, kannst Du mit Deinem Partner frei aufteilen: entweder der eine zwölf Monate am Stück und dann der Partner zwei Monate. Oder Du willst Dich gemeinsam mit Deinem Partner um das Kind kümmern und Ihr bezieht gleichzeitig Elterngeld. Es bleibt aber trotzdem bei höchstens 14 Monaten Basis-Elterngeld. Wenn Ihr die Elterngeldmonate also hälftig aufteilen und gleichzeitig nehmt, dann bekommt Ihr so höchstens sieben Monate lang Geld.

Alleinerziehende können allein bis zu 14 Monate lang Basis-Elterngeld beziehen. Bedingung ist, dass das Kind ausschließlich bei dem Elternteil in der Wohnung lebt, der auch das Sorgerecht hat.

Elterngeld Plus

Elterngeld Plus kannst Du doppelt solange beziehen wie das herkömmliche Elterngeld, also höchstens 28 Monate lang. Es ist allerdings auch nur halb so hoch wie das Basis-Elterngeld, wenn Du nicht arbeitest. Welche Elterngeld-Variante für Dich am günstigsten ist, hängt von Deiner beruflichen Situation ab und wann Du wieder Teilzeit arbeiten willst. Du kannst auch beides miteinander kombinieren. Insgesamt kannst Du 14 Monate Basis-Elterngeld oder 28 Monate Elterngeld Plus bekommen.

Ein Beispiel: Du pausierst für sechs Monate komplett und bekommst das volle Basis-Elterngeld. Danach arbeitest Du für zwölf Monate in Teilzeit und bekommst währenddessen zu Deinem Teilzeitgehalt Elterngeld Plus mit halbem Bezug. Der andere Elternteil kann zwei Monate Basis-Elterngeld oder vier Monate Elterngeld Plus erhalten.

Partnerschaftsbonus

Wenn Du und Dein Partner jeweils zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche arbeiten, kann jeder von Euch jeweils vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus bekommen. Alleinerziehende können ebenfalls vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus erhalten.

Falls Du aufgrund der Corona-Pandemie aktuell mehr oder weniger arbeitest als geplant, dann behältst Du den Partnerschaftsbonus trotzdem. Für die Höhe Deines Einkommens und Deine Arbeitszeit kommt es zwischen dem 1. März bis zum 31. Dezember 2020 allein auf die Angaben an, die Du in Deinem Antrag gemacht hast. Du erhältst den Bonus damit wie bewilligt – auch wenn Du mehr gearbeitet hast. Das gilt auch, falls Dein Job nicht als systemrelevant gilt (§ 27 Abs. 4 BEEG).

Frühchenmonat

Ab Januar 2021 sollen Eltern für Kinder, die sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin oder noch früher auf die Welt kommen, einen zusätzlichen Monat Elterngeld bekommen.

Wie wirkt sich zusätzliches Einkommen aus?

Wenn Du Geld hinzuverdienst, wird Dir das klassische Elterngeld entsprechend gekürzt. Denn es soll den Verdienstausfall wegen der Betreuung des Kindes ersetzen und nicht zusätzlich zum Einkommen gezahlt werden. Es gibt keinen Freibetrag, der anrechnungsfrei wäre.

Du arbeitest in Teilzeit und bekommst Elterngeld

Während Du Basis-Elterngeld beziehst, darfst Du bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten – ab Januar 2021 sogar 32 Stunden. Finanziell lohnt sich das allerdings kaum, denn der Verdienst wird voll angerechnet.

Beispiel Basis-Elterngeld: Vor der Geburt verdienst Du 2.000 Euro netto im Monat. Dein voller Anspruch auf Basis-Elterngeld liegt bei 65 Prozent dieses Verdienstes, also bei monatlich 1.300 Euro oder 15.600 Euro, wenn Du zwölf Monate zuhause bliebest.

Beispiel Basis-Elterngeld mit Teilzeit: Arbeitest Du nach sechs Monaten wieder in Teilzeit, bekommst Du für die ersten sechs Monate insgesamt 7.800 Euro Elterngeld. Verdienst Du mit dem Teilzeitjob 1.000 Euro, bekommst Du als Ersatz für die weniger verdienten 1.000 Euro 65 Prozent von diesen als Elterngeld, also 650 Euro. Unterm Strich hast Du mit der Teilzeitarbeit also 1.650 Euro in der Tasche. Auf das Jahr gerechnet bekommst Du also 7.800 Euro an Elterngeld für das erste Halbjahr und 3.900 Euro für das zweite Halbjahr (6 x 650 Euro), insgesamt also 11.700 Euro. Das bedeutet: Wärst Du zuhause geblieben, hättest Du fast 4.000 Euro mehr staatliche Unterstützung erhalten.

Anders sieht es aus, wenn Du Teilzeit arbeitest und Elterngeld Plus beantragst.

Beispiel Elterngeld Plus mit Teilzeit: Wählst Du stattdessen für Deine Teilzeittätigkeit Elterngeld Plus, erhältst Du für das erste halbe Jahr zuhause wie gehabt 1.300 Euro Elterngeld im Monat, insgesamt 7.800 Euro. Mit dem Elterngeld Plus ab Beginn Deiner Teilzeittätigkeit bekommst Du aber nunmehr für zwölf Monate die Hälfte des vollen Elterngeldanspruchs, also monatlich 650 Euro, insgesamt nochmal 7.800 Euro. Das Geld gibt es aber auf zwölf Monate verteilt. Für 18 Monate erhältst Du insgesamt in der Höhe den vollen Elterngeldanspruch und verschenkst durch die Teilzeit nichts von der staatlichen Unterstützung. Die Elterngeld-Plus-Variante ist deshalb günstiger.

Lass Dich beraten, wie Du Deine Elternzeit am besten organisierst. Dazu kannst Du Dich an die zuständige Elterngeldstelle an Deinem Wohnort wenden. Einen ersten Überblick kannst Du Dir mit dem Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums verschaffen. Mehr zum Elterngeld Plus findest Du in der Broschüre des Familienministeriums zum Elterngeld Plus.

Du bist selbstständig und bekommst Elterngeld

Bist Du selbstständig, kommt es beim Zuverdienst darauf an, was Du an Gewinn erwirtschaftest, während Du Elterngeld bekommst. Wenn Du weiterhin Dein Büro unterhältst und dafür Miete zahlst, kannst Du diesen Betrag von Deinem Umsatz abziehen.

Bleibt nach Abzug aller Kosten ein Gewinn übrig, wird dieser mit dem Elterngeld verrechnet. Als Selbstständiger hast Du ein Problem, wenn Deine Kunden Rechnungen spät bezahlen – womöglich erst dann, wenn das Kind schon einige Monate auf der Welt ist und Du Elterngeld beziehst. Auch solche verspäteten Zahlungen werden voll auf das Elterngeld angerechnet. Denn entscheidend ist nicht das Datum auf der Rechnung, sondern der Zeitpunkt, zu dem das Geld auf Deinem Konto eingeht. Bitte also Deine Kunden darum, pünktlich zu zahlen oder die Zahlung auf einen Zeitpunkt zu verschieben, in dem Du kein Elterngeld mehr bekommst.

Wird Elterngeld besteuert?

Elterngeld ist steuerfrei. Allerdings wird es eingerechnet, wenn es um Deinen individuellen Steuersatz geht. Es unterliegt also dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Dabei wird Dein Elterngeld zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet, und auf der so erhöhten Einkommensbasis wird der Steuersatz für Deine Einkommensteuer ermittelt.

Die Daten über das in einem Kalenderjahr gezahlte Elterngeld übermittelt die Elterngeldstelle bis zum 28. Februar des Folgejahres an die Finanzverwaltung. Du bekommst über die erhaltenen Leistungen keine Bescheinigung.

Elterngeld und Kranken- und Rentenversicherung

Du musst aus dem Elterngeld keine Abgaben für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Während der Elternzeit bleibst Du dennoch vollständig gesetzlich krankenversichert.

Bist Du dagegen freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert, musst Du grundsätzlich weiterhin Beiträge zahlen. Ausnahme: Liegen ohne die freiwillige Versicherung die Voraussetzung für eine Familienversicherung vor, dann bist Du beitragsfrei über Deinen Partner versichert (§ 8 Abs. 6 Satz 1 Beitragsverfahrensgrundsätze Selbstzahler). Bist Du privat krankenversichert, musst Du weiterhin Beiträge zahlen.

Vom Elterngeld musst Du keine Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung abführen. Die Zeit, in der Du Elterngeld beziehst, wird als Kindererziehungszeit angerechnet. Bleibst Du also wegen Deines Kindes in den ersten drei Jahren zu Hause, brauchst Du deshalb grundsätzlich keine Lücke bei der Rentenversicherung befürchten.

Das gilt aber immer nur für, falls Du das Kind überwiegend erziehst. Erziehst Du mit Deinem Partner gemeinsam das Kind, hat grundsätzlich die Mutter Anspruch auf die Kindererziehungszeit in der Rentenversicherung. Soll der Vater die Rentenpunkte erhalten, benötigt die Rentenversicherung eine gemeinsame, übereinstimmende Erklärung. Wichtig: Das gilt immer nur für die Zukunft und für maximal zwei Monate rückwirkend. Weitere Informationen zum Thema Kindererziehung und Rente findest Du auf der Website der Deutschen Rentenversicherung.

Wer hat Anspruch auf Landeserziehungsgeld?

Das Landeserziehungsgeld ist eine freiwillige Anschlussleistung an das Elterngeld. Das gibt es nur in Bayern und Sachsen. Frühestens ab dem 13. Lebensmonat des Kindes gewähren diese Länder Erziehungsgeld, jedoch nicht vor Ablauf des letzten Auszahlungsmonats des Elterngeldes.

Maßgeblich ist die letzte Zahlung, unabhängig davon, welcher Elternteil diese erhält oder erhalten hat. Dies gilt auch bei der Zahlung von Elterngeld Plus. Landeserziehungsgeld wird längstens bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes gezahlt.

Eine wesentliche Voraussetzung für das bayerische Landeserziehungsgeld ist etwa, dass die Eltern an den ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen U 6 oder U 7 teilgenommen haben. In Sachsen gibt es kein Landeserziehungsgeld, falls das Kind einen Platz in einer mit staatlichen Mitteln geförderten Kindertageseinrichtung bekommt oder staatliche Förderung für Tagespflege. Es richtet sich also vornehmlich an Eltern, die ihr Kind zuhause selbst betreuen.

Autor
Dr. Britta Beate Schön

28. September 2020


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