Top Gehalt und dafür leiden?

  • Moin!

    Hab da mal ne bescheidene Frage, vielleicht weil ich mir erhoffe, dass mich jemand in meinem Denken bestätigt.

    Ich bin 28, Freundin und Kind 1,5 Jahre.
    Anfang 23 habe ich in einem Autohaus angefangen als Verkäufer. Grundsicherung gibt es, rein faktisch ist es aber reines Provisionsmodell.

    Ich bin ein sehr guter Verkäufer und habe dadurch die letzten 3 Jahre im Jahr durchschnittlich 54000€ netto verdient.
    Die ersten 2 Jahre haben wir zur Miete gewohnt, ohne Kind, Partnerin in der Pflege, ergo auch Überstunden ohne Ende weil gierig nach noch mehr Geld.
    Tatsächlich habe ich auch immer Spaß an meinem Job gehabt, außer wenn ich es übertrieben habe, dann hat sich das gerächt.
    Seit 1,5 Jahren ist mein größtes Glück, mein Sohn auf der Welt. Plötzlich stören einen dann Arbeitszeiten, Verkaufsdruck, etc. Letztes Jahr Haus gekauft, bis heute nicht bereut und auch finanziell vernünftig kalkuliert.
    Seit Monaten merke ich jetzt, dass mein Job mich ankotzt. Mein Chef ist inkompetent, es läuft nicht gerecht und jeden Monat muss ich aufs Neue Autos verkaufen um mein Gehalt für den nächsten Monat zu erwirtschaften. Da kommen dann trotzdem wieder zwischen 7500 und 10500 brutto raus und das löst natürlich ein Glücksgefühl aus.
    Derzeit habe ich 25k Rücklagen. 3 davon in etf und Aktien, das habe ich aber erst vor kurzem begonnen.

    Fakt ist in meiner Region bekomme ich mit Glück einen Job bei der Stadt oder beim Jobcenter in der Sachbearbeitung und würde mein Gehalt wahrscheinlich halbieren.

    Ich will aber endlich Ruhe im Schädel und planbarkeit.

    Der große Unterschied wäre: Vermögen aufbauen oder mal eben jeden Monat 2-2,5k auf Seite legen ist dann Geschichte.

    Ich bin zunehmend gereizter und würde mich am liebsten schon wieder krankschreiben lassen, das wird jedoch bei meinem Arbeitsverhältnis nicht bezahlt, da ich ja von meiner Provision lebe.

    Mein Kopf sagt, bleib da, so viel Geld verdienst du nirgendwo anders und mein Herz sagt, lass ich kündigen, mach 1 Jahr alg 1, bei mir wären das 2700 netto und such dir in diesem Jahr was neues und erhol dich.
    Glaube Vertrieb würde ich auch wieder machen aber derzeit ist die Luft raus. Kaum Zeit für Familie, kaum Zeit für sich selbst, alles zum kotzen.


    Danke fürs lesen und über jede Rückmeldung.

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  • Kater.Ka 23. Juni 2026 um 09:41

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Klär erstmal ab, wie realistisch die Idee mit dem "Job bei der Stadt" oder beim Jobcenter tatsächlich ist - und ob ggf. eine Stelle beim Jobcenter überhaupt für Dich geeignet wäre. Ich stell mir Arbeit im Jobcenter ziemlich frustrierend vor.

  • Dein Nick "Drecksjob" sagt eigentlich alles ! Ein Job der einen fertig macht ist kein guter Job, ich war auch lange im Vertrieb (Handwerk, 15 Jahre) hatte aber keine Lust auf nur Autobahn (80-90 tkm/Jahr) und viele Überstunden. Heute verdiene ich deutlich weniger und bin deutlich zufriedener. Allerding bin ich auch 30 Jahre älter wie du. Mein bescheidener Tipp, versuch die nächsten Jahre noch ordentlich Patte in deinem Job zu machen solange du noch die Energie aufbringen willst und such dir parallel deinen Traumjob. Auf Dauer wenn du älter wirst musst du einfach kürzer treten, jetzt noch ein wenig "ernten" kann da hilfreich sein.

  • Bei mir steht das Leben klar vor Job und Gehalt.

    Schau erst mal ob du nicht deinen Job deutlich lockerer angehen kannst und er dann auch wieder Spaß macht auch wenn dann weniger rum kommt. Geld ist nicht alles!

    Ansonsten kannst ja einfach mal Bewerbungen schreiben und schauen was passiert.

  • Wenn man älter wird, wird das Wohlbefinden im Job immer wichtiger. So zumindest meine Beobachtung über meine beruflichen Stationen. Und die Zeit außerhalb des Jobs, für Familie, Freunde, Reisen, wird wichtiger.

    Du bist 28, hast über 100 k€ brutto, ein Haus (mit Kredit) und ein paar Euro zurückgelegt. Das schaffen nicht viele!

    Am Ende wird es vermutlich darauf ankommen, dass du mit einem niedrigeren Gehalt den Kredit fürs Haus sicher bedienen kannst und es für die Familie gut reicht.

    Ich kenne deinen Bereich nicht, aber gäbe es die Möglichkeit, dass du jetzt etwas anderes machst, mehr Zeit für die Familie hast, und später wieder zurückkehrst, wenn die Kinder aus dem Haus sind?

  • Fakt ist in meiner Region bekomme ich mit Glück einen Job bei der Stadt oder beim Jobcenter in der Sachbearbeitung und würde mein Gehalt wahrscheinlich halbieren.

    Was für ein Studium / Ausbildung hast Du denn? Hast Du Dich schonmal für andere Jobs beworben, hast Du eine Vorstellung, wie Deine Chancen auf dem Jobmarkt abseits Autoverkauf sind? Wie kommst Du gerade auf Sachbearbeitung bei der Stadt oder im Jobcenter? Ein bisschen klingt das, als würdest Du gerade aus Prinzip das Gegenteil von dem suchen, was Du aktuell machst (Hauptsache ruhig, planbar, sicher!). Aber bist Du dafür überhaupt qualifiziert? Und passt das zu Dir?

    Wenn Du gut im Verkaufen bist (und das bist Du ja offenbar), vielleicht passt dann z.B. ein Job irgendwo in einem Unternehmen im Vertrieb besser zu Dir als Sachbearbeiter bei einer Behörde. Ja, Vertrieb ist fast immer geprägt von Gehältern mit erfolgsabhängiger Bonuskomponente, aber auch da gibt es Abstufungen (z.B. Gehalt, von dem man gut leben kann und Bonus als ordentliches Extra on top).

    Mein Kopf sagt, bleib da, so viel Geld verdienst du nirgendwo anders und mein Herz sagt, lass ich kündigen, mach 1 Jahr alg 1, bei mir wären das 2700 netto und such dir in diesem Jahr was neues und erhol dich.

    Es kann sehr gut sein, dass Du Dich nicht für 1 Jahr gemütlich bei ALG 1 ausruhen kannst. Erstens wirst Du, wenn Du selbst kündigst, erstmal drei Monate eine Sperre bekommen. Und zweitens wird Dir, je nachdem, wie Deine Sachbearbeiter beim Jobcenter drauf sind, ggf. auch ganz schön viel Druck gemacht, schnell etwas Neues zu finden, Bewerbungen zu schreiben etc...

    Ich kann gut verstehen, dass Du sagst, den Job kann und will ich nicht den Rest meines Lebens machen. Wenn Dir der Stress und der Druck und die Unsicherheit zu groß sind und Du jeden Tag mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehst, macht Dich das auf Dauer irgendwann kaputt.

    Aber einfach kündigen mit einem "ich überlege mir dann hinterher, was ich machen will" dürfte auch keine gute Entscheidung sein.

    Wie hoch ist die Rate für euer Haus und eure Lebenshaltungskosten? Könntet ihr die notfalls nur vom Gehalt Deiner Partnerin stemmen bzw. habt ihr entsprechende Reserven (Stichwort Sperre bei ALG 1)? Wäre es eine Option, dass Du Elternzeit nimmst? Was meint Deine Partnerin überhaupt zu Deinen Überlegungen, den aktuellen Job zu kündigen?

    Ich bin zunehmend gereizter und würde mich am liebsten schon wieder krankschreiben lassen, das wird jedoch bei meinem Arbeitsverhältnis nicht bezahlt, da ich ja von meiner Provision lebe.

    Mein Kopf sagt, bleib da, so viel Geld verdienst du nirgendwo anders und mein Herz sagt, lass ich kündigen, mach 1 Jahr alg 1, bei mir wären das 2700 netto und such dir in diesem Jahr was neues und erhol dich.

    Hast Du Dich da schonmal schlau gemacht, ob Du überhaupt wirklich soviel ALG 1 bekämst? Ich kenne mich damit nicht aus (hatte selbst immer nur 08/15-Angestelltenverhältnisse), aber wenn Du keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bekommst, bist Du dann sicher, dass Du ALG 1 (in dieser Höhe) bekommst?

  • Es ist ganz einfach: man kann nicht alles haben im Leben, zumindest nicht gleichzeitig.

    Die Wahl der Prioritäten liegt bei Dir.
    Sowohl bei der Wahl Deiner Partnerin, der Entscheidung Eigenheim oder Mietwohnung, als auch gutbezahlter Job mit schlechter Work Lifebalance vs schlechter bezahlter Job mit (vermuteter) besserer Work Lifebalance.

    Wähle Deine Prioritäten und stehe zu den Vor- und Nachteilen Deiner Entscheidungen .

    Das (heute allgemein übliche) ewige Gejammere wegen der Nachteile bringt nicht weiter sondern verstärkt diese in der subjektiven Wahrnehmung nur immer weiter was die Unzufriedenheit in einer Abwärtsspirale verstärkt.

    3 Mal editiert, zuletzt von Pepekeke (23. Juni 2026 um 10:53)

  • Erstmal vielen Dank für die vielen Antworten.
    Also zur aktuellen Situation:

    Meine Partnerin ist Fachkraft auf 30 Stunden wegen des Kindes und hat ca 2100 netto. Vorher war Sie in Vollzeit mit Schichten und lag bei 2800-3000.

    Hausrate 1300, Nebenkosten hatte ich selbst gezahlt. Wir haben viel modernisiert, daher dürfte im worst case das Haus den Wert der Finanzierung haben, aber an einen Verkauf denke ich vorerst gar nicht.
    Ansonsten hat meine Partnerin noch ein paar Altlasten, die hat sie aber nächstes Jahr abgestottert.

    Nebenkosten fürs Haus ca 500, mit 200€ Rücklagen für Reparaturen rechne ich immer 2k gehen fürs Haus drauf, da runde ich alles großzügig auf.

    Ein Stück weit glaube ich auch, dass die Unruhe daher rührt, dass ich morgens egal ob ich früh oder Spätdienst habe, das Kind zur Kita bringe, dadurch fehlt manchmal ausreichend Schlaf und wenn ich dann 20:30 zu Hause bin, wird gegessen und dann geht’s auch ins Bett.
    Es bleibt nicht viel Zeit zum runterkommen und da ich sehr neurotisch bin, habe ich auf der Arbeit häufig diese gedankenkarussels: kauft der Kunde oder nicht? Wird das Auto rechtzeitig fertig? Komm ich auf meine Quoten, etc. Und nach 3,5 Jahren Vollgas ist jetzt zusammen mit den Pflichten als Vater und Hausbesitzer, einfach die Luft raus.
    Hatte vor kurzem Urlaub und war danach 2 Wochen krank und in den 3 Wochen war ich so ausgeglichen wie lange nicht. Und phasenweise war das Ganze sehr psychosomatisch mit Angststörung und körperlichen Beschwerden wie Verdauung und generell platt zu sein.

    Ich bin Versicherungen nicht abgeneigt, da baut man zumindest mit den Jahren Bestand auf. Hier ist es so, jeder Monat ist neu, immer wieder neu maximale Leistung erbringen.
    Dadurch halt ungewollt dauerangespannt.

  • Ein Stück weit glaube ich auch, dass die Unruhe daher rührt, dass ich morgens egal ob ich früh oder Spätdienst habe, das Kind zur Kita bringe, dadurch fehlt manchmal ausreichend Schlaf und wenn ich dann 20:30 zu Hause bin, wird gegessen und dann geht’s auch ins Bett.
    Es bleibt nicht viel Zeit zum runterkommen

    Es ist die Rush Hour des Lebens. Mein Leben sieht ähnlich aus, du bist da nicht allein. Nur sechs Stunden Schlaf sind normal. Man ist erschöpft. Keine Zeit für sich oder Freunde. Sobald Kinder da sind, wird das Leben viel anstrengender und der Job ist nur noch ein Ärgernis und dient eigentlich nur noch dem Gelderwerb, denn eigentlich hat man nun Wichtigeres zu tun.

  • Wie ist die Meinung deiner Freundin zu deinem Hilferuf?

    Sie ist in der Pflege und würde sicher auch gern kürzer treten? Kannst du evtl. zumindest eine Viertagewoche machen? Wenn du ein guter Verkäufer bist, dann ist dein Chef sicher froh, dich halten zu können?



  • Ein Stück weit glaube ich auch, dass die Unruhe daher rührt, dass ich morgens egal ob ich früh oder Spätdienst habe, das Kind zur Kita bringe, dadurch fehlt manchmal ausreichend Schlaf und wenn ich dann 20:30 zu Hause bin, wird gegessen und dann geht’s auch ins Bett.

    Ja, wenn die Kinder klein sind, ist das so. Neben dem Schlaf fehlte mir auch Freizeit für mich.

    Es wird aber kontinuierlich besser und irgendwann kommt der Teenager gar nicht mehr aus dem Bett und man findet es auch nicht gut. 😉

  • Psychische Gesundheit ist durch nichts zu ersetzen. Und während mit 64 vielleicht noch bis zur Rente durchmogeln eine Option ist, würde ich mich mit 28 auf keinen Fall darauf einlassen. Bevor du irgendwas Unüberlegtes machst, würde ich aber auf jeden Fall die Alternativen prüfen und schauen, wo sich ein neuer Job findet. Der Plan mit dem ALG kann nach hinten losgehen...nicht nur aufgrund der Sperre oder Druck, sondern weil es auch gut sein kann, dass du nicht so einfach einen Job findest, der dir gefällt und passend zahlt. Im schlimmsten Fall fällst du nach einem Jahr ohne Job aus dem ALG1...

  • Ich würde auch an die Gesundheit denken. Wenn das Haus finanziert ist, kannst du auch mit einer kleineren Sparrate als 2,5k gut fürs Alter vorsorgen. Zumal das Gehalt bei der Stadt auch nicht so schlecht ist und es Familienzuschläge und soweit ich weiß oft auch eine gute betriebliche Altersvorsorge gibt.

  • Also ne Therapie mache ich eh seit 3 Jahren, Hilferuf im klassischen dürfte da nicht zutreffend sein. Dann hätte ich schon die Reißleine gezogen. Und den neurotiker in sicher kriegt man phasenweise weg, nur nicht wenn zu viel Stress herrscht und das bringt der Job mit sich.. wenn dann noch privater Stress und Schlafmangel kommt ist doof.
    Also im Vertrieb hätte ich selbst jetzt schon 2 Bekannte die Betriebe haben und an mir graben, aber da reizen mich die Bedingungen und die Themen derzeit nicht.
    Primär wären schon geregelte Arbeitszeiten so ne Sache. Eine Woche 07:30 bis 16:30 und die anderen Woche 10:30 bis 19:30 ist so ne Sache. Ich könnte auch sagen, ich fresse 6 Wochen Abstriche in Gehalt und nehme mir ne Pause, aber das wird mein Ansicht auf meinen Job nicht ändern denke ich. Ich werde mich mal mit dem Thema Bewerbungen auseinandersetzen, vom Jobcenter kenne ich den Chef, der wollte mir ne Stelle anbieten, mal sehen was da kommt.

    Glaube mein Grundproblem ist, dass ich mich so an das Gehalt gewöhnt habe, weil es mir auch Sicherheit gibt, dass ich Angst vor dem Schritt habe, mit deutlich weniger Puffer am Ende des Monats auszusteigen.

  • Was die Ursache des Problems ist, kann man nur spekulieren. Mit dem Haus hast Du Dir selbst zusätzlich Druck gemacht. Der Nachwuchs braucht viel Zeit.

    Intuitiv würde ich auch versuchen, beim Arbeitgeber eine Reduzierung der Arbeitszeit anzustreben. Da musst Du ja nicht argumentieren, dass Du psychische Probleme hast. Ich würde eher mit partnerschaftlicher Arbeitsaufteilung argumentieren, bei der sich Eltern die Care Arbeit teilen. Elternzeit für ein paar Monate könnte zusätzlich entlasten. Finanziell würdet ihr sicherlich mit 80 % Deines Gehalts hinkommen, wenn ich überschlägig rechne.

    Erst wenn danach der Leidensdruck nicht deutlich abnimmt, kannst Du über weitere Schritte in Richtung Jobwechsel nachdenken.

    Viel Glück!

  • Versuche doch mal eine Reha zu bekommen.

    Bitte keine Politikwissenschaftler und kein Marcel Fratzscher mehr im TV.

    Satt 300k+ Neubauwohnungen brauchen wir 300k+ Abschiebungen, um schnellere Arzttermine zu ermöglichen und Stadt- und Gemeindeabgaben zu senken.

  • Also verprassen finde ich etwas unangebracht. Das Haus ist auch im Blick aufs Alter ne Anschaffung, die ich auch mit weniger Einkommen getroffen hätte. Dazu kommt, dass ich den Großteil des überbleibenden Geldes auf die Seite gepackt habe.
    Reha wäre ne Idee, schiesst aber übers Ziel hinaus, da ich wie erwähnt selbst zu Hause nach 1-2 Wochen wieder zur Ruhe finde. Es liegt dann doch am Job an sich.

    Danke erstmal für allen Input hier. 👍🏽🙂

  • Wie ist die Meinung deiner Freundin zu deinem Hilferuf?

    Sie ist in der Pflege und würde sicher auch gern kürzer treten? Kannst du evtl. zumindest eine Viertagewoche machen? Wenn du ein guter Verkäufer bist, dann ist dein Chef sicher froh, dich halten zu können?

    Ich frage noch einmal

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