Steuerreform 2027

  • Auf Wikipedia (danke für den Link!) habe ich eher den Eindruck gewonnen, dass das Ganze in den Ländern zu kompliziert wurde, weil man gleich noch die Sozialversicherung und die Umsatzsteuer mit reingepackt hat - das würde ich nicht tun.

    Das Beispiel der Slowakei zeigt m.E. die (Gerechtigkeits)Probleme einer Flat-Tax besonders auf. Die Bezieher von mittleren Einkommen wurden am wenigsten entlastet und teilweise stieg die Belastung für Bezieher eines mittleren Einkommens sogar.
    Und der 'mittlere' Einkommensbezieher stellt nun mal die Mehrheit der Wähler. Und in einer Demokratie stimmt der Wähler indirekt auch über das Steuerrecht ab.

    Es ist eigentlich immer so, dass die große Masse zahlt. Die Menschen unten können nichts zahlen. Die Menschen oben wollen nichts zahlen und nutzen Ihren Einfluss auf die Politik entsprechend. Bleibt also nur die 'hart arbeitende Mitte' die man überproportional belastet.

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  • Das Beispiel der Slowakei zeigt m.E. die (Gerechtigkeits)Probleme einer Flat-Tax besonders auf. Die Bezieher von mittleren Einkommen wurden am wenigsten entlastet und teilweise stieg die Belastung für Bezieher eines mittleren Einkommens sogar.

    Aber das wäre ja bei einem 50.000 Euro Freibetrag nicht der Fall.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Aber das wäre ja bei einem 50.000 Euro Freibetrag nicht der Fall.

    Das Medianeinkommen in D liegt aktuell bei ca. 55.000€. Das bedeutet die Mehrheit aller in Vollzeit arbeitenden Bürger wären auch bei einem Freibetrag von 50K€ steuerpflichtig. Und möglicherweise findet es die Mehrheit ja gar nicht so schön, wenn eine große Minderheit im Land so gar keine Steuern mehr zahlen muss. :/

    Du wetterst ja auch alle Nase lang darüber, dass ein Empfänger von Grundsicherung die gleiche Leistung bekommt wie jemand der arbeitet.
    Gerecht und das empfinden darüber was Gerecht ist, sind verschiedene Dinge. ;)

  • Ich bin hochgradig skeptisch... Aber man müsste das mal mit konkreten Zahlen hinterlegen.

    Was ist denn das Ziel der Umstellung?

    A) Soll die Belastung für alle etwa gleich bleiben nur die Berechnungsmethode angepasst werden?

    B) Alle sollen entlastet werden?

    C) Besserverdiener entlastet und Geringerverdiener belastet?

    D) Geringverdiener entlastet und Besserverdiener belastet?

  • Das Medianeinkommen in D liegt aktuell bei ca. 55.000€. Das bedeutet die Mehrheit aller in Vollzeit arbeitenden Bürger wären auch bei einem Freibetrag von 50K€ steuerpflichtig. Und möglicherweise findet es die Mehrheit ja gar nicht so schön, wenn eine große Minderheit im Land so gar keine Steuern mehr zahlen muss. :/

    Naja, mit Durchschnittseinkommen zahlt man dann 375 Euro Steuern. Damit fährt man weit besser als jetzt. Belastet werden die hohen Einkommen.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Zumal die Steuern insbesondere für Geringverdiener das kleinste Problem sind. Dort wirken sich die Sozialabgaben wesentlich stärker aus.
    Aktuell kann sich der Staat ja geringere Steuereinnahmen eh überhaupt nicht leisten.

    Wobei es natürlich schon einen besonderen Charme hätte, wenn es gar keine Steuerberater oder Steuerkanzleien mehr bräuchte weil es keine Ausnahmen mehr geben würde.

    Lt. Wikipedia sind aktuell rund 105.000 Menschen in Deutschland im 'steuerlichen Bereich' tätig.
    Zitat: "Die Bundessteuerberaterkammer vertritt die Gesamtheit von fast 105.000 Steuerberatern, Steuerbevollmächtigten und steuerberatenden Berufsausübungsgesellschaften in Deutschland (Stand 5. Mai 2025)."
    Hier dürfte eher kein Interesse daran bestehen irgendetwas am Steuerrecht einfacher zu gestalten. ;)

  • D, außer in Schaltjahren, dann C. ;)

  • Dieses „was zahlt der AG und was der AN“ ist ein argumentativer Taschenspielertrick.


    Am Ende ist es Geld, das der Arbeitgeber aufbringen muss und für den Mitarbeiter aufgibt. Es ist für den AG doch kein Unterschied, wenn er 2 Mal 10% an die GRV zahlt oder 1 Mal 20%.

    Es macht trotzdem einen Unterschied. Wenn der AG das einmal umgebucht hat und er das Geld an den AN überweist, damit der die GKV Beiträge von da an komplett bezahlt, dann ist der AG bei weiteren Erhöhungen der GKV Beiträge raus und hat dann keine Probleme mehr damit.

  • Es sind mehrere Ziele: Vor allem eine Vereinfachung der Steuererklärung, damit einhergehend weniger benötigtes Personal, dass sich dann um Steuerhinterziehung kümmern kann. Dazu kommt ein Gerechtigkeitsaspekt, weil es nicht mehr möglich ist, sich als Milliardär arm zu rechnen.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Dazu kommt ein Gerechtigkeitsaspekt, weil es nicht mehr möglich ist, sich als Milliardär arm zu rechnen.

    Wie kommst du darauf? Bei Arbeitseinkommen ist es relativ einfach, sich auf einen Einkommensbegriff zu einigen. Wobei da schon ein größeres Sternchen ist...Stichworte KV-Beiträge, Kinderfreibeträge, getrennte oder gemeinsame Veranlagung.

    Viel schwieriger ist es, wenn das Einkommen vor allem aus Kapital kommt. Willst du die Buchgewinne deines ETF direkt als Einkommen besteuern? Wenn nein, was unterscheidet deinen ETF im Grundsatz davon, 50% aller börsennotierten Firma mit Milliardenwert zu besitzen? Wenn ja, bekommt man im Bärenmarkt jedes Jahr Geld vom Finanzamt zurück? Was machst du mit anderen Vermögen und den Wertgewinnen von Immobilien, etc. Wie gehst du damit um, wenn die Firma in Privatbesitz ist und ein erheblicher Gestaltungsspielraum darin besteht, ob die Firma überhaupt einen Gewinn ausweist?

  • Wie machen andere Länder das?

    Zitat

    Man wundert sich immer wieder, dass die Deutschen und ihre Politiker zwar sehr gern in dänischen Ferienhäusern das Hygge-Lebensgefühl übernehmen möchten, aber die sonstige gesellschaftliche Organisation dort eher ignorieren. Dabei unterscheiden sich nicht nur die dänischen Sozialsysteme von den deutschen erheblich (Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung sind grundlegend steuerfinanziert), sondern auch das Schulsystem. Und ein Blick darauf könnte sich lohnen.

    Quelle: https://www.gew-hb.de/aktuelles/deta…as-zum-abgucken

    ;)

  • Es macht trotzdem einen Unterschied. Wenn der AG das einmal umgebucht hat und er das Geld an den AN überweist, damit der die GKV Beiträge von da an komplett bezahlt, dann ist der AG bei weiteren Erhöhungen der GKV Beiträge raus und hat dann keine Probleme mehr damit.

    Kommt drauf an, wie man sowas ausgestalten würde.

    Selbst bei freiwillig Versicherten in der GKV überweist der AG heute beide Hälften.

  • Ist ein Blick aus der Helikopter Perspektive gestattet?

    Wer montagvormittags hier rege Beiträge schreiben kann, ist meiner bescheidenen Einschätzung zu Folge in Urlaub, in Rente oder arbeitsseitig nicht ausgelastet.

    Irre ich?

    Vermutlich.

    Er könnte auch Netzwerkadmin für ein Microsoft-Netzwerk sein. Da gibt es viel Wartezeit, die sinnvoll gefüllt werden kann. :/

  • So - also ohne tiefgreifende, strukturelle Reformen - wird das jedenfalls, nach meinem Dafürhalten, hierzulande nichts.

    Diese sog. "Steuerreform" (bei Licht betrachtet ein "minimales Steuerreförmchen mit bestenfalls homöopathischer Wirkung") wird jedenfalls den seit Jahren zu konstatierenden "Investitionsboykott von privater Seite" - der Staatskonsum dagegen wächst weiterhin ... - nicht umkehren.


    Eventuell könnte ein überzeugendes - sowohl politisches als auch personelles - Angebot an die Bevölkerung hier einen Ausweg eröffnen. Könnte mir beispielsweise ein Triumvirat bestehend aus der Heidi (Reichinnek; Die Linke), dem Kevin (Kühnert; SPD) und der Saskia (Esken; SPD) vorstellen unter der Führung und Leitung der medienerfahrenen Katrin (Göring-Eckhardt; Die Grünen), die auch die Kommunikation (Presse-und Öffentlichkeitsarbeit neudeutsch Public Relation) übernimmt.

    Geballter und fundierte ökonomischer Sachverstand, ein ebensolches tiefgreifendes Verständnis von Wirtschaft und reichlich - auch international - eigene Erfahrungen samt Erfolgen in der Praxis. So könnten die Internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland (endlich) wieder verbessert bzw. wiederhergestellt werden, die privaten Investitionen (endlich) wieder anspringen und auch der Standort (endlich) wieder für internationales Kapital attraktiver werden.

    Positive "Nebenwirkung" sprich ebensolcher Begleiteffekt: Der Standort gewinnt (endlich) auch mehr an Attraktivität für die weltweit begehrte "Qualifizierte Zuwanderung".

    Diese politische Star-Quartett müßte dann nur noch als Regierung gewählt werden, dann kann Deutschland (endlich) wieder durchstarten.

    In diesem Forum beispielsweise stünden - nach meiner Einschätzung - die Chancen dafür nicht schlecht.

  • Wie kommst du darauf? Bei Arbeitseinkommen ist es relativ einfach, sich auf einen Einkommensbegriff zu einigen. Wobei da schon ein größeres Sternchen ist...Stichworte KV-Beiträge, Kinderfreibeträge, getrennte oder gemeinsame Veranlagung.

    Viel schwieriger ist es, wenn das Einkommen vor allem aus Kapital kommt. Willst du die Buchgewinne deines ETF direkt als Einkommen besteuern? Wenn nein, was unterscheidet deinen ETF im Grundsatz davon, 50% aller börsennotierten Firma mit Milliardenwert zu besitzen? Wenn ja, bekommt man im Bärenmarkt jedes Jahr Geld vom Finanzamt zurück? Was machst du mit anderen Vermögen und den Wertgewinnen von Immobilien, etc. Wie gehst du damit um, wenn die Firma in Privatbesitz ist und ein erheblicher Gestaltungsspielraum darin besteht, ob die Firma überhaupt einen Gewinn ausweist?

    Das ist natürlich richtig, und dafür müsste man Lösungen finden. Dennoch würden schon einmal Konstellationen wie Steuerstundungsmodelle usw. verschwinden.

    Vermutlich.

    Er könnte auch Netzwerkadmin für ein Microsoft-Netzwerk sein. Da gibt es viel Wartezeit, die sinnvoll gefüllt werden kann. :/

    Davon scheint es hier ja einige zu geben.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Es sind mehrere Ziele: Vor allem eine Vereinfachung der Steuererklärung, damit einhergehend weniger benötigtes Personal, dass sich dann um Steuerhinterziehung kümmern kann. Dazu kommt ein Gerechtigkeitsaspekt, weil es nicht mehr möglich ist, sich als Milliardär arm zu rechnen.

    Aber vorneweg könnte ja schonmal die Frage geklärt sein, ob Du künftig Einkommen ähnlich wie jetzt belasten willst oder eine Verschiebung der Belastung geplant ist. Ich mag es ja, Systeme vom Ende her zu denken. :)

    Und das man nichts mehr absetzen kann, klingt ja im Falle von so Sachen wie homeoffice Pauschale vielleicht noch sinnvoll. Aber bei der Fahrt zur Arbeit bin ich schon skeptisch. Es erscheint mir schon fair, dass man Aufwendungen die zur Erzielung eines Einkommens aufgewendet werden steuerlindernd absetzen kann. Bei Unternehmen wird ja auch erstmal der Gewinn versteuert und nicht ausschließlich der Umsatz.

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