Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung

So bekommst Du ein höheres Nettogehalt am Monatsende

Udo Reuß
Experte für Steuern
27. Januar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit Freibeträgen bei der Lohnsteuer sicherst Du Dir ein höheres Nettoeinkommen schon ab dem nächsten Monat: durch einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung.
  • Steuerpflichtige können individuelle Freibeträge beantragen, die zwei Jahre gültig sind.
  • Hast Du einen Freibetrag eintragen lassen, dann musst Du im Folgejahr fast immer eine Steu­er­er­klä­rung abgeben.
So gehst Du vor
  • Den „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ stellst Du bis spätestens Ende November beim Finanzamt auf einem amtlichen Vordruck. Dann profitierst Du beim Dezembergehalt vom gesamten Jahresfreibetrag. Wenn Du den Antrag früher stellst, wird der Freibetrag auf die verbleibenden Monate im Jahr verteilt.
  • Bei einem neuen Antrag musst Du für die meisten Aufwendungen einen Betrag von mindestens 600 Euro nachweisen. Handwerkerkosten und haushaltsnahe Dienstleistungen zählen hingegen ab dem ersten Euro.
  • Im Hauptvordruck ist der vereinfachte Antrag integriert. Dieser genügt, wenn sich nur der steuerfreie Jahresbetrag ändert oder die Zahl der Kinderfreibeträge. Du musst dem Hauptvordruck noch die entsprechende Anlage beifügen, zum Beispiel die Anlage Werbungskosten.
  • Hast Du einen Freibetrag, der nach einer Zeit nicht mehr gerechtfertigt ist, musst Du das dem Finanzamt mitteilen.

Mit einem Freibetrag sinkt Dein zu versteuerndes Einkommen und Dein Arbeitgeber muss weniger Lohnsteuer einbehalten. Dadurch erhöht sich Dein monatliches Nettoeinkommen. Um die Vorteile des Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahrens zu nutzen, beantragst Du beim Finanzamt einen Freibetrag. Ausgaben, die Deine Steuerlast mindern, werden sofort berücksichtigt und nicht erst, nachdem Du im Folgejahr Deine Steu­er­er­klä­rung abgegeben haben.

Den Antrag kannst Du noch bis Ende November des laufenden Jahres stellen – Du profitierst dann ab dem kommenden Monat von den geringeren Abzügen. Besonders interessant ist das, wenn Du Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld erhältst. Mit Deinem individuellen Freibetrag kannst Du Deine Liquidität schnell verbessern, sparst aber nach der zwingend notwendigen Steu­er­er­klä­rung keine Einkommensteuer.

Für welche Ausgaben gibt es einen Freibetrag?

Du kannst Dir einen Freibetrag für die Werbungskosten aus Deiner Arbeitnehmertätigkeit, für Sonderausgaben oder für außergewöhnliche Belastungen eintragen lassen.

Beispiele für Werbungskosten:

Beispiele für Sonderausgaben:

Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Ren­ten­ver­si­che­rung berücksichtigt der Arbeitgeber beim Lohnsteuerabzug bereits mit der Vorsorgepauschale. Deshalb zählen sie beim Antrag auf Lohnsteuerermäßigung nicht.

Beispiele für außergewöhnliche Belastungen:

Generell gelten individuelle Freibeträge maximal zwei Steuerjahre. Ausnahmen hiervon sind ein Behinderten- oder Hinterbliebenenpauschbetrag. Sobald der Pauschbetrag als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal (Elstam) gespeichert ist, muss er nicht neu beantragt werden. Diese beiden Freibeträge führen nicht automatisch dazu, dass Du eine Steu­er­er­klä­rung erstellen musst.

Daneben ist die Eintragung eines Freibetrags auch möglich für:

Die Arbeitskosten für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen in Privathaushalten zählen bei der Berechnung eines Freibetrags ab dem ersten Euro. Sie können in Höhe des vierfachen Betrags der sich daraus ergebenden Steuerermäßigung als Freibetrag berücksichtigt werden. Das gilt, soweit sie nicht von dritter Seite (wie einer Versicherung) erstattet werden.

Bei Handwerkerleistungen beträgt die maximale Steuerermäßigung 20 Prozent der tatsächlichen Ausgaben, begrenzt auf 1.200 Euro; als Freibetrag werden dann höchstens 4.800 Euro (= 4 x 1.200 Euro) festgesetzt. Diesen Höchstbetrag erreichst Du, wenn die Arbeitskosten für die Handwerkerleistungen mindestens 6.000 Euro betragen. Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen ist die Steuerermäßigung auf 510 Euro begrenzt und der Freibetrag somit auf 2.040 Euro (= 4 x 510 Euro).

Welche Fristen gelten?

Deinen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2021 kannst Du noch bis zum 30. November 2021 stellen. Dieser gilt grundsätzlich bis zum Jahresende. Das kann sich insbesondere dann lohnen, wenn Du zum Jahresende Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld erwartest.

Das kommt meist mit dem Novembergehalt. Diejenigen Arbeitnehmer sollten bis spätestens Ende Oktober den Freibetrag beantragen, damit sie bereits mit der Novemberauszahlung davon profitieren können. Gesetzlich geregelt ist das Verfahren in Paragraf 39a Einkommensteuergesetz.

Der Freibetrag wird ab dem 1. des Folgemonats zu einem Deiner Merkmale auf der elektronischen Variante der Steuerkarte, genannt Elstam (kurz für Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale). Generell beginnt das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren im Oktober des Vorjahres, für den der Freibetrag gelten soll. Ab Oktober 2021 kannst Du einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2022 stellen, der bis Ende 2023 gültig sein kann.

Du kannst einen Freibetrag für zwei Jahre statt nur für ein Jahr beantragen. Dies spart etwas Arbeit. Der Freibetrag ist ein Jahresbetrag und wird auf die der Antragstellung folgenden Monate verteilt.

Beispiel: Freibetrag 1.200 Euro, beantragt am

  • 30. September 2021 für 2021 und 2022 = Oktober bis Dezember 2021 jeweils 400 Euro und Januar bis Dezember 2022 jeweils 100 Euro,
  • 30. Oktober 2021 für 2021 = für November und Dezember 2021 jeweils 600 Euro,
  • 30. November 2021 für 2021 = für Dezember 2021 die gesamten 1.200 Euro,
  • 30. November 2021 für 2021 und 2022 = im Dezember 2021 1.200 Euro und für Januar 2022 bis Dezember 2022 jeweils 100 Euro..

Eine Besonderheit gilt für den Fall, dass Du den Antrag im Januar 2021 stellst: Dann wird der Freibetrag rückwirkend zum 1. Januar 2021 gebildet.

Falls sich bei Dir im Dezember 2021 etwas ändert und Du deshalb erst nach dem 30. November 2021 Deinen Antrag stellst, werden diese Änderungen nicht mehr im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren des laufenden Jahres berücksichtigt. Eine Steuerermäßigung kannst Du dann nur noch im Rahmen Deiner Steu­er­er­klä­rung für 2021 geltend machen.

Du kannst Dir Deine Elstam auf Antrag vom Finanzamt für Deine Unterlagen ausdrucken lassen. Deinem Arbeitgeber brauchst Du den Ausdruck aber nicht vorzulegen, weil er die Freibeträge und alle weiteren Änderungen Deiner Besteuerungsmerkmale in einem elektronischen Abrufverfahren erfährt.

Wenn Du Deinen Freibetrag beispielsweise erst Ende November für das laufende Jahr beantragst, kannst Du auf Nummer sicher gehen und der Lohnbuchhaltung Deines Arbeitgebers mitteilen, dass diese in der Lohnabrechnung für Dezember den Freibetrag anwenden soll.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

Wie überwindest Du die Antragsgrenze?

Damit Dir das Finanzamt einen Freibetrag einträgt, müssen grundsätzlich Deine Aufwendungen 600 Euro übersteigen. Um diese Grenze zu ermitteln, zieht die Behörde bei den Werbungskosten den Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag von 1.000 Euro (beziehungsweise 102 Euro bei Versorgungsbezügen) ab. Wenn Du also allein Werbungskosten geltend machst, dann müssten diese insgesamt mindestens 1.600 Euro betragen.

Bestimmte Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art sowie Unterhaltszahlungen an Ehegatten und andere Angehörige sind Aufwendungen, die für die Berechnung der Antragsgrenze herangezogen werden. Bei den Sonderausgaben berücksichtigt das Finanzamt mindestens den Pauschbetrag von 36 Euro bei Singles und 72 Euro bei zusammenveranlagten Ehepaaren sowie Lebenspartnerschaften. Bevor Du den Antrag stellst, solltest Du überschlägig berechnen, ob Du über die 600-Euro-Grenze kommst. 

Diese Antragsgrenze gilt nicht für haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerkosten, Haushaltshilfen, Verlustvorträge, einen Verlust (beispielsweise aus Vermietung), den Behindertenpauschbetrag und den Hinterbliebenenpauschbetrag. Hier zählt jeder Euro für einen Freibetrag. 

Fiktives Beispiel – Variante 1 (mit Lohnsteuerwerten für 2020)

Ein Angestellter aus Berlin stellt im Oktober 2020 bei seinem Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung. Er ist kirchensteuerpflichtig, ledig, hat Steuerklasse I und erhält monatlich ein Bruttogehalt von 3.500 Euro. Mit dem Novembergehalt wird ihm ein Weihnachtsgeld in gleicher Höhe ausbezahlt. Weil er mehr als 1.600 Euro Werbungskosten nachweisen kann, beantragt er einen Freibetrag.

Allein für die Fahrt zur Arbeit kann er als Entfernungspauschale geltend machen: 220 Tage mal 20 Kilometer (einfache Entfernung Weg Wohnung zum Arbeitsplatz) mal 0,30 Euro gleich 1.320 Euro. Und er hat noch weitere Werbungskosten, weil er folgende berufsbezogenen Kosten selbst getragen hat und nicht vom Arbeitgeber erstattet bekommen hat. Beispielsweise Arbeitsmittel wie Computer, Handy oder Werkzeuge, die beruflich genutzt werden.

Übersicht: Freibetrag im Oktober beantragt

Entfernungspauschale 1.320 €
Fortbildungskosten 1.500 €
Fachliteratur 200 €
Arbeitsmittel 300 €
= Werbungskosten 2020 3.320 €
- Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag -1.000 €
= Freibetrag 2020 2.320 €
Freibetrag für November und Dezember jeweils 1.160 €
  
Gehaltsabrechnung November 2020: 7.000 € 
mit Freibetragohne Freibetrag
Lohnsteuer: 1.270,33 €1.757,50 €
Solidaritätszuschlag (5,5 %): 69,86 €96,66 €
Kirchensteuer (9 %): 114,32 €158,17 €
Gesamtsteuerabzug: 1.454,51 €2.012,33 €
Differenz (mehr netto): 557,82 € 
  
Gehaltsabrechnung Dezember 2020: 3.500 € 
mit Freibetragohne Freibetrag
Lohnsteuer: 195,58 €534,75 €
Solidaritätszuschlag (5,5 %): 10,75 €29,41 €
Kirchensteuer (9 %): 17,60 €48,12 €
Gesamtsteuerabzug: 223,93 €612,28 €
Differenz (mehr netto): 388,35 € 
Ergebnis für November und Dezember:557,82 € + 388,35 € = 946,17 €

Quelle: Finanztip-Berechnung mit dem Rechner des Bundesfinanzministeriums (Stand: 14. Oktober 2020)

 

Fiktives Beispiel – Variante 2

Unser Angesteller beantragt seinen Freibetrag erst im November 2020, so dass der Jahresfreibetrag von 2.320 Euro bei seinem Dezembergehalt von 3.500 Euro berücksichtigt wird.

Übersicht: Freibetrag erst im November beantragt

Gehaltsabrechnung Dezember 2020:mit Freibetragohne Freibetrag
Lohnsteuer:0 €534,75 €
Solidaritätszuschlag (5,5 %):0 €29,41 €
Kirchensteuer (9 %):0 €48,12 €
Gesamtsteuerabzug Dezember:0 €612,28 €
Ergebnis für Dezember:612,28 € 

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 14. Oktober 2020)

Ergebnis: Der Angestellte hat immerhin ein um 612,28 Euro höheres Nettogehalt, weil er den Freibetrag im Dezember nutzt. Da er diesen aber nicht schon Ende Oktober beantragt hat (siehe Variante 1), gibt er dem Finanzamt de facto einen unverzinsten Kredit in Höhe von 162,02 Euro. Dieses Geld kann er sich erst mit der nächsten Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung zurückholen

Ab 2021 ergeben sich wegen des veränderten Steuertarifverlaufs geringfügig andere Zahlen. Auf die Berechnung der So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge wirkt sich ein Freibetrag nicht aus.

Welche Unterlagen brauchst Du?

Den Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung musst Du auf einem Papierformular bei dem Finanzamt stellen, in dessen Bezirk Du zum Zeitpunkt der Antragstellung wohnst. Hast Du mehrere Wohnungen, ist das Finanzamt jenes Wohnsitzes zuständig, an dem Du Dich vorwiegend aufhältst. Bei Ehegatten oder Lebenspartnern mit mehreren Wohnsitzen ist das Finanzamt zuständig, an dem sich die Familie vorwiegend aufhält.

Je nachdem, ob Du erstmals einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung stellst oder ob Du Deinen bestehenden Antrag ändern willst, musst Du unterschiedliche Formulare ausfüllen. Du kannst das benötigte Formular im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung herunterladen.

  • Wenn Du erstmals einen Freibetrag für das Kalenderjahr 2021 beantragst oder sich Dein für das vergangene Kalenderjahr gültiger Freibetrag erhöht, verwendest Du den amtlichen Vordruck „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“. Den Antrag für die Jahre 2021/2022 kannst Du noch bis Ende November 2021 stellen.
  • Die Formulare sind jetzt ähnlich gestaltet wie die für die Steu­er­er­klä­rung. Du musst den Hauptvordruck und nur die Anlagen ausfüllen, die Du für den Antrag benötigst. Es gibt die Anlage Kinder, Anlage Werbungskosten und die Anlage Sonderausgaben/außergewöhnliche Belastungen. Machen sowohl Du wie auch Dein Ehegatte  Werbungskosten für den Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung geltend, dann benötigt Ihr zwei Anlagen Werbungskosten.
  • Den Antrag musst Du auf der ersten Seite des Hauptvordrucks unterschreiben.
  • Willst Du 2021 höchstens den Freibetrag beantragen, der für das Kalenderjahr 2020 ermittelt wurde? Dann brauchst Du nur den Hauptvordruck auszufüllen. Deine Angaben machst Du unter „Lohnsteuer-Ermäßigung im vereinfachten Verfahren“.
  • Wenn Ihr als Ehepaar die Steuerklassen ändern möchtet, könnt Ihr das jetzt auch öfter im Jahr beantragen. Dafür müsst Ihr den „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“ ausfüllen und gemeinsam unterschreiben. Seit 2018 kann jedoch ein Partner mit der Steuerklasse III oder V auch alleine einen Wechsel in die Klasse IV beantragen. Das gilt dann für beide Partner. Falls Ihr als Ehepaar die Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktor wünscht, beantragt Ihr ebenfalls einen Steuerklassenwechsel.

Alleinerziehende

Alleinerziehende können einen Entlastungsbetrag von 4.008 Euro bekommen. Berücksichtigt wird dieser in der Steuerklasse II. Ab dem zweiten Kind steht Alleinerziehenden ein Zuschlag zum Entlastungsbetrag von 240 Euro je Kind zu. Du kannst den Entlastungsbetrag und den Erhöhungsbetrag als Freibetrag in der Anlage Kinder zum Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag beantragen. Alternativ holst Du Dir den kompletten Entlastungsbetrag, indem Du in Deiner Steu­er­er­klä­rung die entsprechenden Felder in der Anlage Kind ausfüllst.

Zieht ein Partner in die Wohnung ein, führt dies dazu, dass die Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag wegfallen. Dies musst Du dem Finanzamt mitteilen.

Formulare beim Finanzamt abgeben 

Die Formulare kannst Du direkt am Bildschirm ausfüllen oder Dir als leere PDF-Datei herunterladen. Beachte bitte, dass Du das Formular unterschreiben musst. Daher kannst Du es nicht einfach per E-Mail schicken.

Das Finanzamt akzeptiert folgende drei Möglichkeiten, damit das ausgefüllte, ausgedruckte und unterschriebene Formular korrekt ankommt:

  1. Entweder Du versendest es per Post oder Du gehst beim Finanzamt vorbei und erledigst die Sache persönlich.
  2. Alternativ kannst Du einen Bevollmächtigten schicken, der sich ausweisen muss und dem Du vorher schriftlich eine formlose Vollmacht erteilt hast.
  3. Bei Ehepaaren und Verpartnerten muss bei einer persönlichen Antragstellung nur einer von beiden Partnern anwesend sein, wenn beide den Antrag unterschrieben haben.

Wer den Antrag zum ersten Mal stellt, muss seine Angaben glaubhaft machen und – soweit vorhanden – entsprechende Nachweise (zum Beispiel den Ausbildungsnachweis eines Kindes und Kostenvoranschläge der Handwerker, die die Arbeitskosten ausweisen) vorlegen. Beim vereinfachten Antrag verlangt das Finanzamt nicht erneut Nachweise über Deine Aufwendungen, wenn Du versicherst, dass sich nichts Wesentliches geändert hat.

Musst Du mit einen Freibetrag eine Steu­er­er­klä­rung abgeben?

Wenn das Finanzamt Dir aufgrund Deines Antrags einen Steuerfreibetrag gewährt, musst Du für das abgelaufene Jahr unaufgefordert eine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung abgeben. Von dieser Verpflichtung gibt es drei Ausnahmen:

  1. Du hast den Behinderten- oder Hinterbliebenenpauschbetrag beantragt.
  2. Nur die Zahl Deiner Kinderfreibeträge hat sich geändert.
  3. Dein im Kalenderjahr 2020 insgesamt erzielter Arbeitslohn übersteigt nicht 11.900 Euro (bei zusammenveranlagten Ehepaaren/Lebenspartnern 22.600 Euro; 2021: 12.250 Euro für Ledige und 23.250 Euro für Verheiratete). Das gilt entsprechend auch für Pensionäre.

Mitteilungspflicht bei Änderungen 

Wenn die genehmigte Lohnsteuer-Ermäßigung nicht mehr der Realität entspricht, dann bist Du verpflichtet, dies dem Finanzamt mitzuteilen. Das gilt beispielsweise, falls Du wegen Homeoffice oder nach einem Jobwechsel eine geringere Entfernungspauschale hast, Du die doppelte Haushaltsführung aufgibst oder Du keinen Unterhalt mehr zahlen musst. Auch wenn der Freibetrag für auswärts wohnende Kinder in der Ausbildung oder der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende Dir nicht mehr zusteht, musst Du das dem Finanzamt unverzüglich mitteilen.

Freibeträge für Menschen mit Behinderungen und Hinterbliebene

Beeinträchtigte Menschen können wegen der mit ihrer Behinderung zusammenhängenden erhöhten Aufwendungen einen nach dem Grad der Behinderung gestaffelten Pauschbetrag als Freibetrag im Lohnsteuerabzugsverfahren geltend machen (§ 33b Absatz 3 EStG). Alternativ können sie die Pauschbeträge im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer ansetzen. Auch die Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene fließen in die Elstam ein.

Den Freibetrag für behinderte Menschen musst Du deshalb nur dann neu beantragen, wenn der Gültigkeitszeitraum abgelaufen ist oder sich der Grad der Behinderung geändert hat. Falls ein solcher Pauschbetrag Deinem Kind zusteht und auf Dich übertragen werden soll, setzt auch das einen neuen Antrag voraus.

Eine gute Nachricht: Ab 2021 steigen die Pauschalen deutlich – nach 45 Jahren. Außerdem gibt es jetzt ab einem Grad der Behinderung von 20 eine Pauschale, die in Zehnerschritten erhöht wird. Das regelt das Behinderten-Pauschbetragsgesetz. Die Details stehen im Ratgeber Außergewöhnliche Belastungen.

Diese Papiere reichst Du ein 

Als Nachweise akzeptiert das Finanzamt:

  • bei einem Grad der Behinderung von 50 oder mehr: Schwerbehindertenausweis oder Bescheid des Versorgungsamts.
  • bei einem niedrigeren Grad der Behinderung: Bescheinigung des Versorgungsamts oder Rentenbescheid.

Ab 2021 entfallen die zusätzlichen Voraussetzungen für Minderbehinderte.

Besonderheiten für blinde und hilflose Menschen

Blinde (BI) und dauernd hilflose behinderte Menschen (H) erhalten ab 2021 – unabhängig vom Grad ihrer Behinderung – einen Pauschbetrag von 7.400 Euro jährlich. Als Nachweise erkennt die Finanzverwaltung entweder einen Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen Bl oder H an. Beim Merkmal H reicht seit 2017 auch ein Bescheid über die Einstufung in die Pflegegrade 4 und 5.

Außergewöhnliche Belastungen 

Der Pauschbetrag für behinderte Menschen soll nur die laufenden und typischen Aufwendungen für die Hilfe bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens, für die Pflege sowie für einen erhöhten Wäschebedarf abgelten. Das sind Aufwendungen, die behinderten Menschen erfahrungsgemäß durch ihre Krankheit beziehungsweise Behinderung entstehen und deren alleinige behinderungsbedingte Veranlassung nur schwer nachzuweisen ist.

Alle übrigen behinderungsbedingten Aufwendungen (etwa Operationskosten sowie Heilbehandlungen, Kuren, Arznei- und Arztkosten, Fahrtkosten) kann der Steuerpflichtige daneben als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigen lassen – auch wenn er einen Pauschbetrag als Freibetrag im Lohnsteuerabzugsverfahren geltend macht (R 33b Einkommensteuer-Richtlinien).

Der Pauschbetrag für Hinterbliebene beträgt 370 Euro jährlich. Davon profitieren Menschen, denen laufende Hinterbliebenenbezüge bewilligt worden sind, zum Beispiel nach dem Bundesversorgungsgesetz oder aus der gesetzlichen Unfallversicherung.

Wirkt sich ein höheres Nettogehalt auf Lohnersatzleistungen aus?

Falls bei Dir im Lohnsteuerabzugsverfahren eine günstigere Steuerklasse berücksichtigt wird, kann sich das aufgrund Deines höheren Nettogehalts auch positiv auf staatliche Leistungen wie das Ar­beits­lo­sen­geld auswirken. Für ein höheres Elterngeld musst Du jedoch den Steuerklassenwechsel spätestens sieben Monate vor dem Monat, in dem der Mutterschutz beginnt, beantragen. 

Wer absehen kann, dass er arbeitslos werden wird, sollte rechtzeitig eine günstigere Steuerklasse eintragen lassen. Wenn die Änderung spätestens mit Wirkung ab dem 1. Januar eingetragen ist, bekommst Du dadurch ein höheres Ar­beits­lo­sen­geld.

Auch für andere soziale Leistungen wie den Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld, Kurzarbeitergeld und Krankengeld musst Du die jeweiligen Fristen einhalten.

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