Finanzkrise

  • Die internationale Verschuldung hat im Jahr 2026 neue Rekordmarken erreicht. Nach aktuellen Daten des Institute of International Finance (IIF) und der OECD nähert sich die weltweite Gesamtverschuldung (Staat, Unternehmen und private Haushalte zusammen) der Marke von 350 Billionen US-Dollar. Und natürlich müssen dafür Zins und Zinseszins gezahlt werden.

    Haupttreiber sind die USA und China. Aber auch die Schwellenländer erreichen Rekordschulden.

    Die Folge: Die Inflation bleibt tendenziell etwas höher als die Zinsen auf dem Sparkonto. Dadurch entwertet sich der Schuldenberg des Staates real – aber leider auch das Ersparte der Bürger. Während die USA oder die EU ihre Schulden meist in der eigenen Währung haben (und somit theoretisch "Geld drucken" könnten), haben viele ärmere Länder Schulden in Dollar.

    Die Folge: Steigt der Dollar oder steigen die Zinsen, können diese Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen. Es drohen Staatspleiten, die zu Massenflucht, Unruhen und dem Zusammenbruch der dortigen Märkte führen.

    Da das Finanzsystem eng vernetzt ist, kann der Ausfall eines großen Dominosteins (z.B. eine große Bank oder ein Staat wie Italien) eine Kettenreaktion auslösen.

    Die Folge: Ein Vertrauensverlust führt dazu, dass Banken sich untereinander kein Geld mehr leihen. Das System friert ein, wie in der Finanzkrise 2008. In der Krise 2008 verloren viele Aktienmärkte innerhalb eines Jahres rund 50 % an Wert. Rezession: Man erwartet, dass Firmen weniger verkaufen + Weniger Gewinn = niedrigerer Aktienkurs. + Systemangst: Man fürchtet, dass das gesamte Bankensystem kollabiert und Firmen pleitegehen. Aber: nach fünf Jahren waren die Kurse wieder im Plus.

    In einer hochverschuldeten Welt sind klassische Sparprodukte (Sparbuch, Tagesgeld, Lebensversicherungen) tückisch.

    Das Problem: Du bekommst zwar deine Zinsen, aber wenn die Inflation aufgrund der Staatsverschuldung höher ist als der Zins, verlierst du real Kaufkraft.

    Unternehmen haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber Sparern: Sie können Preise erhöhen.

    Warum das hilft: Wenn die Inflation steigt, steigen oft auch die Umsätze der Firmen. Starke Unternehmen (mit wenig eigenen Schulden!) sind ein Schutzschild gegen Geldentwertung. Gold und Edelmetalle dürften ebenfalls eine gute Absicherung darstellen.

    Meine Fragen an Euch:

    1. Wie schätzt ihr das ein?

    2. Wie reagiert ihr darauf?

    3. Habe ich irgendetwas übersehen?

    ich freue mich auf Eure Antworten.

  • Kater.Ka 19. April 2026 um 21:10

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Unternehmen haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber Sparern: Sie können Preise erhöhen.

    Das haben wir ja gerade so schön im Ostergeschäft gesehen. Aber klar, Lindt und Mondelez gehen daran nicht pleite, trotzdme macht der Kunde nicht alles mit.

    Wie reagiert ihr darauf?

    Wie reagierst Du darauf, und zwar abseits der BWL/VWL Einschätzung?

    Wie ich auf die von Dir genannten Folgen reagiere, werde ich sehen, wenn es soweit ist und (endlich?) der seit Jahren erwartet Dauereinbruch meines Depots um 50% (zu welchem Referenzwert auch immer) kommen wird.

    Wirklich reagieren werde ich erst, wenn ich (a) wieder zu Wehrdienst eingezogen würde, (b) mein Welt-ETF auf die 70-80% Einbrauch zum Stand von letzten Freitag tendiert oder (c) wenn mein AG pleite geht, oder falls der Einbruch doch noch 7 Jahre dauert, die staatliche Rente bis dan abgeschafft ist und alle deutschen Versicherer pleite sind (das wäre auch schon ab Mai 2026 ein Problem).

    Wie Du siehst, mein Vertraue in die Weltwirtschaft ist nahezu so hoch wie in die deutschen Versicherer. Geld, das ich in Kürze ausgeben wil bzw. muss, wird trotz der angeblichen Realverluste auf dem TG dort gelagert.

    In der Krise 2008 verloren viele Aktienmärkte innerhalb eines Jahres rund 50 % an Wert.

    Und 2000/2001 verloren sie genauso massiv an Wert. Meine Hochrechnung besagt, dass ich selbst in der Entnahmephase mit einem Beginn wie von 09/2000-09/2014 in der Rente nur dann pleite gehen könnte, wenn obiger Punkt (c) zutrifft. Wie es bei einer Hyperinflation aussieht, wird sich dann zeigen.

    Irgendwie liefen meine Sparpläne, genauso wie die Zahlung an die angeblich so verlustreiche private RV, seit 1999 einfach weiter, ich habe dafür gesorgt, dass ich weiterhin Einnahmen hatte und damit mein Leben bestreiten konnte.

    3. Habe ich irgendetwas übersehen?

    Was wolltest Du überhaupt aussagen? Auch Sachwerte sind nicht unfehlbar. Aktien oder Gold kann ich nicht essen, ob ich jemanden finde, der mir in der echten Krise regelmäßig für kleine mengen Gold lebenswichtige Güter verkauft?

  • 1. Wie schätzt ihr das ein?

    Ziemlich ähnlich. Und das schon lange.

    2. Wie reagiert ihr darauf?

    Mit einem über die Jahrzehnte sukzessiv erhöhten Anteil an Sachwerten am Gesamtvermögen im weitesten Sinne (Aktien, Immobilien, Gold, Silber, Tangible Assets) - bedingt zum einen durch den Umgang der Staaten und staatlichen Notenbanken mit dem Fiat-Money-System im Allgemeinen und insbesondere ab 1999 dem Umgang (samt Verträgen) mit dem Experiment einer europäischen Einheitswährung im Speziellen.

    Diese Vorgehensweise hat für mich bislang ganz ordentlich funktioniert. Und für eine möglichst solide, robuste und resiliente finanzielle Austellung gesorgt.

    3. Habe ich irgendetwas übersehen?

    Nach meinem Dafürhalten als Finanz-Laie, wenn auch einem an solchen Themen sehr Interessierten, einige Aspekte.

    Beispielsweise:

    Die sog. Finanzielle Repression (oder Finanzrepression) - sprich seitens der Staaten und staatlichen Notenbanken wird, wie der Blick in die Geld-, Währungs- und Finanzgeschichte zeigt, in derartigen Krisen gerne orchestriert der Realzins (möglichst) weit in den negativen Bereich verschoben bzw. gedrückt ("Weg des geringsten Widerstands", würde ich dazu sagen). Da sollte man also eher von einer gängigen Praxis oder Usancen sprechen - Kollateralschäden ("Nebenwirkungen") natürlich inklusive.

    Zuletzt hier in der Eurozone übrigens geschehen von 2009 bis 2022/23 (Grund: Weltfinanzkrise 2007/8 und die sich daran anschließende Eurokrise ab 2010 ff).

    Haupttreiber sind die USA und China. Aber auch die Schwellenländer erreichen Rekordschulden.

    In dem Kontext würden mir diverse weitere Länder einfallen (wie Frankreich und Italien in der Eurozone beispielsweise oder Japan im globalen Kontext beispielsweise).

    Während die USA oder die EU ihre Schulden meist in der eigenen Währung haben (und somit theoretisch "Geld drucken" könnten), haben viele ärmere Länder Schulden in Dollar.

    Der Euro ist diesbezüglich für alle Euroländer sozusagen eine Fremdwährung, da sie keine souveräne Geldpolitik passend zu den nationalen Gegebenheiten mehr betreiben können. Diese wurde mit der Einheitswährung von der nationalen Ebene auf auf die supranationale Ebene gehoben und bei der EZB zentralisiert. Die nationalen Notenbanken dürfen sich daher kein "Geld mehr drucken" (siehe auch das erst 2016 seitens der EZB veröffentlichte bis dato geheime ANFA-Abkommen und den ANFA-Vorfall) - und die EZB darf es zwecks Staatsfinanzierung offiziell ebenfalls nicht (siehe Art. 125 "Verbot der monetären Staatsfinanzierung durch die Notenbank" im AEUV ("Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union)). Praktiziert im Ergebnis wird es in praxi seitens der EZB nichtsdestotrotz (zwecks Schuldentragfähigkeit einzelner Euroländer). Mit dem noch vor der ersten Zinserhöhung im Juli 2022 seitens der EZB beschlossenen TPI-Programm ("Transmission Protection Instrument") hat sich die EZB selbst ermächtigt unbegrenzte Anleihekäufe (für einzelne Länder) durchführen zu können. Natürlich gibt es auch dabei Nebenwirkungen (Kollateralschäden Richtung Moral Hazard, Tragik der Allmende, Vertrags- und Rechtssicherheit).


    Dir gute Gedanken und ebensolche Finanzentscheidungen !

  • Ich mache mir ehrlich gesagt nicht so viel Sorgen.

    Absolute Schulden sind nicht das gleiche wie Schulden gemessen am BIP - Ja, auch hier gab es Steigerungen. Walz hat das in seinem Buch "Einfach genial entscheiden im Falle einer Finanzkrise" recht anschaulich beschrieben.

    Bzgl. Dominoeffekt und Situation wie in der Finanzkrise 2008: Krisen entstehen meist durch eine plötzlich eintretende bzw. eine bisher unbekannte Lage (Schwarzer Schwan). Das ist aber hier nicht unbedingt der Fall.

    Fazit: Sachwerte wie Aktien waren, sind und bleiben* langfristig Trumpf!

    *hoffentlich :)

  • Streng genommen keiner. Aber es ist halt der Wert, den Menschen dieser Sache vergeben. Wenn keiner mehr bereit ist, für einen Picasso dreistellige Millionenbeträge zu bezahlen, dann haben die Bilder auch einfach nicht mehr den Wert.

    Ich bin weder Finanzprofi noch gebe ich Anlageberatungen.
    Meine Beiträge sind als Impulse zu verstehen, um sich selbst zu informieren.

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