Steuerreform 2027

  • Wie kommt man eigentlich dazu, das als Steuerreform zu bezeichnen?

    Diese sog. "Steuerreform" (bei Licht betrachtet ein "minimales Steuerreförmchen mit bestenfalls homöopathischer Wirkung") wird jedenfalls den seit Jahren zu konstatierenden "Investitionsboykott von privater Seite" - der Staatskonsum dagegen wächst weiterhin ... - nicht umkehren. Damit wird die Wirtschaft auch schwerlich wieder auf zwei Beine kommen sprich wieder anspringen.

    In der Gesamtschau der Rahmenbedingungen lohnen sich private Investitionen hierzulande nicht mehr bzw. rentieren weniger als in anderen Ländern (Bürokratie, EU-Regulatorik, Energiekosten, steuerliche Belastungen, Arbeitskosten usw.).

    Erschwerend kommt hinzu, daß ein weiteres Drehen an der Steuerschraube bei der Einkommensteuer am oberen Ende (Reichensteuer) kontraproduktive Wirkungen entfalten dürfte. Nach meiner Erinnerung (bin nicht ansatzweise Steuerexperte) ist für die große Mehrzahl (rund 85% ... ?) aller deutschen Unternehmen die Einkommenssteuer die maßgebliche Ertragssteuer (Einzelunternehmen, Personengesellschaften (OHG, KG usw.), Freiberufler) ... ?!

    In steuerlichen Betrachtungen Kundige mögen das gerne korrigieren.

    Unabhängig davon kann auch die Unternehmensbesteuerung (Körperschaftssteuerpflichtig wie Kapitalgesellschaften; z. B. AGs) hierzulande schon seit Jahren nicht mehr als international wettbewerbsfähig bezeichnet werden. Die letzte diesbezügliche Unternehmenssteuerreform dürfte - nach meiner Erinnerung - die aus dem Jahr 2008 sein. Und damit fast 20 Jahre zurückliegen ...

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  • Ich sehe das ganz pragmatisch:

    Der Grundfreibetrag muss sowieso erhöht werden, der Kinderfreibetrag muss sowieso erhöht werden, das Kindergeld muss sowieso erhöht werden.

    Das kann nicht als Steuerreform verkauft werden.

  • Aber ist trotzdem Käse. Angenommen man hat Magen-Darm, das ist meistens nach einem Tag durch, eventuell noch ein zweiter zur Erholung. Da sitzt man dann kotzend im Wartezimmer...

    Der Plan kann auch nach hinten losgehen. Was bisher nach 2 Tagen einigermaßen OK war, kann jetzt auch leicht eine ganze Woche Krankschreibung werden. Ich tippe darauf, dass das so nicht kommt

    Dann geht man in die Videosprechstunde. Die ist nämlich im Gegensatz zur telefonischen Krankschreibung weiterhin gültig.

    Funktioniert in anderen Ländern seit Jahren problemlos.

  • Ja, vollkommen übergriffig. Der AG hat ja jetzt schon das Recht einem AN vorzuschreiben, das er ab dem ersten Tag eine AU vorzulegen hat. Man kennt doch seine Pappenheimer. Was die dann aber nicht davon abhält eben eine AU vorzulegen. Die haben auch immer einen Arzt, der sofort krank schreibt.

    Bisher war der Betriebsrat mitbestimmungspflichtig, wenn man als AG eine pauschale Regelung für die gesamte Belegschaft einführen wollte.

    Und irgendwie wollte dieser, soweit meine Erfahrungen, bei solchen Anliegen nie mitziehen.

  • Hab noch nicht den ganzen Thread gelesen, aber heute schon mal die Nachrichten überflogen. Was ist wenn der Tarifvertrag erst eine Krankmeldung am 3. oder 4. Tag vorschreibt?

    Wurde gerade im DLF gesagt - dann gilt die Regelung laut Arbeits- oder Tarifvertrag.

    Dann stellt sich aber grundsätzlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser "Reform". Schon heute können Arbeitgeber ab dem ersten Tag eine Krankmeldung fordern, wenn sie das wollen würden. Wollen offenbar viele nicht...

  • Können wir uns halt leider nicht erlauben ...

    Ich glaube, diese Statistik ist ein Ergebnis dessen, dass früher viele Krankmeldungen nicht an die Krankenkassen gemeldet wurden und in den letzten Jahren seit Einführung der elektronischen Krankschreibung aber schon.

    EDIT: Ich empfehle dazu auch die Lektüre dieses Artikels (leider hinter einer Paywall): Merz kritisiert Arbeitnehmer: Melden sich die Deutschen zu oft krank? Experteneinschätzung - SZ.de

    Auszugsweise:

  • Ich arbeite mein ganzes Berufsleben in Arbeitsverhältnissen, bei denen ab dem 1. Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangt wurde. Und nie, wirklich niemals habe ich Probleme gehabt, am ersten Tag eine AU zu bekommen. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich - wenn ich denn mal eine AU brauchte - auch noch nie nur 1 Tag krank war. Und wenn es dann doch mal so war (ich hatte früher selten mal Migräneanfälle), dann hab ich kurz mit dem Chef telefoniert, konnte bezahlt zu Hause bleiben (ohne AU) und fertig. Und ansonsten ruft man seinen Arzt an, schildert die Sache und geht im Zweifel am nächsten Tag dahin um sich seine AU abzuholen.

    Meiner Erfahrung nach sind die, die sich ob dieser Regelung am meisten aufregen, genau jene, die die bisherige Regelung zu ihrem Vorteil ausgenutzt haben. Auch wenn sich jetzt viele aufregen, aber nach über 25 Jahren Berufserfahrung im Personalbereich sind mir da sämtliche Illusionen genommen worden. Mein liebstes Zitat: "ich hab 42 Tage frei im Jahr: 30 Tage Urlaub und alle 2 Monate bleib ich 2 Tage krank zu Hause".

    Ich finds jetzt auch bezeichnend, dass sich die Mehrheit ausgerechnet an dieser Kleinigkeit abarbeitet, anstatt an den anderen Punkten dieses Beschlusses....

    Eigentlich ist mir das völlig egal. Wie gesagt ich nutze die AU eher selten und wenn nutze ich meist die Videosprechstunde für max. 3 Tage. Das sollte ja auch weiterhin gehen.

    Wir hatten in der Firma lange die Regelung, dass man leichte Arbeit im HO machen könnte ohne AU. Das würde dann abgeschafft weil angeblich zu sehr ausgenutzt. Gut, dann arbeite ich eben nicht.

    Klar es gibt immer die zwei Sorten Menschen. Die einen nutzen sowas aus, die anderen nicht. Aber ich glaube auch nicht, dass wir da eine kritische Masse erreicht haben. Letztendlich werden die Arbeitgeber von dieser Regelung m.M.n nicht profitieren.

    Die Steueränderung. Wenn Familien tatsächlich entlastet werden finde ich sie gut. Ich fürchte jedoch, dass es in der Gesamtrechnung letztendlich keinen großen Unterschied macht.

  • Es ist leider doch nachteilig für viele. Es gilt aber nur(?) bis 2030.

    Das hat der Kaiser mit der Einführung der Sektsteuer einst auch versprochen... nur so lange bis der Aufbau der kaiserlichen Kriegsflotte (mit F125 Fregatten??) und den Nord-Ostsee-Kanal abgeschlossen sind.


    Der Regierungschef im O-Ton:

    „Wir machen uns stark, damit wir in der neuen Zeit gut leben können.“

    „Wir wollen Deutschland flottkriegen. Es ist klar: Die Zukunft beginnt jetzt.“

    Es ist immer lustig Politiker danach zu fragen, was mit "wir" gemeint ist.

  • Ich glaube, diese Statistik ist ein Ergebnis dessen, dass früher viele Krankmeldungen nicht an die Krankenkassen gemeldet wurden und in den letzten Jahren seit Einführung der elektronischen Krankschreibung aber schon.

    EDIT: Ich empfehle dazu auch die Lektüre dieses Artikels (leider hinter einer Paywall): Merz kritisiert Arbeitnehmer: Melden sich die Deutschen zu oft krank? Experteneinschätzung - SZ.de

    Auszugsweise:

    Spielt sicherlich auch eine Rolle. Gleichzeitig steigt aber auch die Hemmschwelle, wenn man morgens tatsächlich zum Arzt muss, um sich krankschreiben zu lassen, statt einfach nur anzurufen. Ich finde die neue Regelung daher grundsätzlich sinnvoll. Zudem können Arbeitgeber mit langjährigen und vertrauenswürdigen Mitarbeitenden ja weiterhin individuelle Lösungen vereinbaren. Die „schwarzen Schafe“ dürften damit allerdings erst einmal ganz gut „verarztet“ werden. ;)

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Ärzte sind da anderer Meinung. Aber was wissen die schon...

    Wenn es um die Mehrbelastung geht, glaube ich nicht, dass es spürbare Auswirkungen geben wird, da viele sich einfach den Weg zum Arzt sparen werden und sich überlegen, ob die „Kopfschmerzen“ am morgen wirklich so dramatisch sind, zu Hause bleiben zu müssen. Und wie gesagt, der AG kann mit seinen vertrauenswürdigen MA individuelle Regelungen treffen.

    Wir schauen mal, wie sich die Zahlen im kommenden Jahr entwickeln, ich bin da positiv gestimmt.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

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