Deutschland in 15 Jahren

  • Ich habe heute im Radio einen Bericht über Japan gehört: die Menschen dort können sich momentan viele Dinge des Alltags nicht mehr leisten, weil sie durch die Inflation sehr viel teurer geworden sind.

    Das hört sich irgendwie nach der selben Aussage an wie man sie fast täglich auf diversen deutschen Newsportalen liest und in diversen Verbrauchermagazinen im TV für Deutschland hört.

    Wenn es Dir persönlich nicht so geht wie Beschäftigten mit Teilzeit- oder Mindestlohnjob oder Rentnern, die sich (entgegen dem Aussagen der Politik der letzten >25 Jahren) nur blind auf die gesetzliche Rente verlassen haben, zur Not noch gepaart mit einem schlchten Riester-Vertrag, dann hast Du m.M.n. schon sehr viels richtig gemacht.

    Das hat mir zu denken gegeben. Wenn ich in 15 Jahren in Rente gehe, was mache ich dann, wenn der Euro nicht viel wert ist und die Inflation hoch ist?

    Schau nach Argentinien oder die Türkei, um nur mal zwei ansatzweise aktuelle "Beispiele" zu nennen.

    Ich habe mich gefragt, wie ist es eigentlich mit meinem ETF. Schützt, der mich vor der Inflation?

    Wie sagt Finanztip immer so schön: erst verstehen, dann investieren.

    Wie hoch Deine Rendite ist (bzw. wie hoch Du sie vermutest) und wie hoch Deine befürchtete Inflaiton ist, weisst nur Du.

    Vor der Infaltion in der Höhe, die ich im Schnitt in den kommenden 15 Jahren für D annehme, schützt mich mein weltweiter Aktien-ETF. Steigt die Inflation aber auf den Stand in der Türkei (ca. 33%), dann müsste man tiefer in die Struktur der ETFs und die Währungsumrechnungen einsteigen um abzuschätzen, wieviel davon beim ETF-Wert in Euro ankommt.

    Mir ikst sowas viel zu kompliziert und aufwändig, aber ich halte auch von Währungsspekulationen nichts.

  • Ich verstehe den Bericht nicht so ganz, die durchschnittliche Inflation in Japan lag in den letzten 15 Jahren bei knapp über 1%, also im normalen Bereich, die letzten Jahre logischerweise etwas höher, also wie auch bei den restlichen Industrieländern.

  • Mag sein, dann nehmen wir doch das Beispiel Türkei. Da werden sich ja alle einig sein, dass die Inflation galoppiert ist. Die Türkische Rente dürfte momentan nicht viel Wert sein. Wäre man abgesichert, wenn man an als Türkin jetzt einen weltweiten ETF als Altersabsicherung hätte?

  • Mag sein, dann nehmen wir doch das Beispiel Türkei. Da werden sich ja alle einig sein, dass die Inflation galoppiert ist. Die Türkische Rente dürfte momentan nicht viel Wert sein. Wäre man abgesichert, wenn man an als Türkin jetzt einen weltweiten ETF als Altersabsicherung hätte?

    Ja, natürlich! Was hat der weltweite ETF mit der türkischen Inflation zu tun?

    Und warum ist die türkische Rente nicht viel wert? Das hängt davon ab, ob sie der Inflation angepasst wurde.

  • […]

    Und ganz allgemein formuliert: was muss ich machen, damit mir nicht das gleiche passiert, wie momentan den Japanern?

    Da hier niemand eine Glaskugel hat kann Dir auch niemand einen seriösen Tip geben. Aber wenn es Dich beruhigt, kann ich mal kurz multiple Krisen aus meiner Vergangenheit aufzählen:

    - 1977 gibt es die erste Million Arbeitslose in Westdeutschland; freie Berufswahl existiert faktisch nicht mehr, man muss den Job machen, der sich anbietet, wenn man sich nicht in das wachsende Heer der Arbeitslosen einreihen will. Die Zahl stieg sukzessive an bis im Jahr 2005 die Höchstzahl von knapp 5 Mio. in Gesamtdeutschland erreicht wurde.

    Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirt…lrarb003ga.html

    - am 28.03.1979 ereignete sich ein GAU im US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraft…ree_Mile_Island

    - schon Mitte der 70er Jahre warnten Wissenschaftler davor, dass FCKW die Ozonschicht schädigen; sie beobachteten ein wachsendes Ozonloch über dem Südpol

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ozonloch

    - in den 80er Jahren beginnt im Harz durch sauren Regen ein grossflächiges Waldsterben

    Quelle: https://wasserundeis.com/2022/06/10/wal…alypse-im-harz/

    - am 26. April 1986 ereignete sich ein GAU im (damals sowjetischen) Kernkraftwerk Tschernobyl mit verheerenden Folgen, exakt einen Tag vor dem ersten Geburtstag meiner ältesten Tochter. Deutsche Politiker wiegelten ab und wir wussten nicht, wie wir unser Kind sicher ernähren konnten.

    Quelle: https://www.tagesschau.de/wissen/technol…rgrund-100.html

    Ich könnte diese Liste weiter fortschreiben. Sie soll nur illustrieren, dass Du selbst auf die wenigsten Dinge Einfluss hast und Dich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kaum auf irgendetwas vorbereiten kannst. Dir bleibt nur, auf Ereignisse zu reagieren.

    In England sagt man: „Keep calm and carry on!“ 🤷🏼‍♂️

  • Mag sein, dann nehmen wir doch das Beispiel Türkei.

    Schlechtes Beispiel, falls Du Dich im türkischen Recht nicht sehr gut auskennst. Eine sehr kurze Suche liefert mir, dass es in der Türkei exakt eine Börse in Istanbul gibt und dass dort nur inländische Aktien und ETFs auf inländische Indizes gehandelt werden können.

    Wäre man abgesichert, wenn man an als Türkin jetzt einen weltweiten ETF als Altersabsicherung hätte?

    Mal angenommen, dass es keine Gesetze gegen den Handel an ausländischen Börsen in der Türkei gibt, würde der ETF dort auch in ausländischer Währung geführt. Damit bleibt zwar das Wechselkursrisiko, in dem Fall (ohne Steuern, Umtauschkurse und sonstige denkbare Einschränkungen zu betrachten) vermutlich längerfristig eher zum Vorteil des ETF-Besitzenden.

    Ob diese so einfach handelbar sind, dass man sie als Altersabsichdrung nutzen möchte, musst Du jemanden fragen, der in der Türkei lebt oder mind. die dortigen (Finanz-)Gesetze sehr gut kennt.

    Außerdem bleibt natürlich das allgemeine Kursrisiko des ETFs, womit auch dieser "mal eben" 30-50% Kursverlust (in Euro, USD oder was einem noch einfallen mag) bestehen bleibt.

  • Beispiel:
    Du kaufst ETF für 100.000 €
    10 Jahre später: Depot = 130.000 €
    Angenommen Deutschland hatte 30 % Inflation.
    Real hast du praktisch keinen echten Gewinn, weil ie Kaufkraft gleich blieb.
    Aber steuerlich: Gewinn = 30.000 €.

    Und jetzt kommt das Problem:

    Zu versteuern: 30.000 × 70 % = 21.000 €
    Steuer grob: 21.000 × 26,375 % ≈ 5.539 € (ohne Kirchensteuer)
    Obwohl dein realer Gewinn = 0 ist!!!!

    Der Fiskus besteuert Scheingewinne.

    je höher Inflation, desto größer dieser Effekt!!!

    Und ich befürchte, dass man sich dagegen nicht schützen kann.

  • Du kaufst ETF für 100.000 €
    10 Jahre später: Depot = 130.000 €

    Das wäre eine Rendite von rund 2,66% pro Jahr. Dass wäre eine sehr unterdurchschnittliche Entwicklung.
    um die Inflation inklusive Steuern zu schlagen ist eine durchschnittliche Rendite von um 4% notwendig

    In den letzten Jahrzehnten haben weltweite Aktien Indexe eine Rendite von 5-6% geliefert.

  • Das hat mir zu denken gegeben. Wenn ich in 15 Jahren in Rente gehe, was mache ich dann, wenn der Euro nicht viel wert ist und die Inflation hoch ist?

    ...

    Und ganz allgemein formuliert: was muss ich machen, damit mir nicht das gleiche passiert, wie momentan den Japanern?

    Das Land verlassen bevor Rente mit 95 Jahre eingeführt wird und neue Steuern, Abgaben und Vorgaben erfunden werden.

Passende Ratgeber für Dich

Von Finanztip-Experten fundiert recherchiert

Was Finanztip ausmacht
Finanztip Bewertungen