Mieterstrom

Wie Mieter von günstigem Solarstrom profitieren

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr Mieter in Wohnhäusern sollen direkt von günstigem Solarstrom profitieren.
  • Dazu hat der Gesetzgeber einen Zuschuss beschlossen. Das Extra-Geld bekommen Anlagenbetreiber, die Solarstrom an Mieter in direkter Nähe liefern, ohne das Stromnetz zu nutzen (Mieterstrom).
  • Wer Ihnen Mieterstrom anbietet, muss Sie vollständig versorgen, auch wenn kein Solarstrom verfügbar ist, zum Beispiel nachts. Die fehlende Energie muss Ihr Vertragspartner besorgen.
  • Der Strompreis, den Sie für Mieterstrom bezahlen, muss 10 Prozent günstiger sein als der Preis in der Grundversorgung.
  • Der Stromliefervertrag darf nicht an den Mietvertrag gebunden sein. Sie können ihn getrennt vom Mietvertrag kündigen.

So gehen Sie vor

  • Bietet Ihnen ein Versorger Mieterstrom an, lesen Sie sich das Angebot aufmerksam durch – es kann sich für Sie lohnen.
  • Ein Mieterstromtarif kann so niedrig wie die günstigsten Ökostromtarife sein. Prüfen Sie über den Finanztip-Stromrechner, wie der Mieterstromtarif gegenüber alternativen Angeboten abschneidet.
  • Achten Sie auf verbraucherfreundliche Vertragsbedingungen: Wir empfehlen eine Vertragsverlängerung von nur einem Monat (nach der ersten Laufzeit) und eine Kündigungsfrist von maximal sechs Wochen.
  • Gefällt Ihnen ein Angebot, kümmert sich der Versorger um den Vertragswechsel zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Ihre Stromversorgung bleibt jederzeit sicher.

Mieter in Wohnhäusern sind gegenüber Besitzern von Eigenheimen benachteiligt. Sie finanzieren zwar über den Strompreis die Förderung von Photovoltaik-Anlagen, indem sie die Umlage für erneuerbare Energien bezahlen. Aber nur in wenigen Fällen können Mieter selbst Solarstrom nutzen. Das soll sich durch ein neues Gesetz ändern.

Das Gesetz reizt den Bau von Photovoltaik-Anlagen auf Gebäuden an, um die Mieter im gleichen Haus mit Solarstrom zu versorgen. Diese direkte Lieferung von Solarstrom ohne Nutzung des Stromnetzes war bis Sommer 2017 nur in einigen Fällen wirtschaftlich. 

Wenn Ihnen ein Angebot für Mieterstrom in die Wohnung flattert, sehen Sie es sich an. Der Tarif kann sehr günstig sein. Und im Gegensatz zu anderen Tarifen für Ökostrom wissen Sie, woher ein großer Teil der Energie kommt - direkt vom Dach.

Bei Abschluss eines Vertrags gehen Sie kein Risiko ein: Sie werden nicht ohne Strom dastehen, wenn beispielsweise die Sonne nicht scheint. Und Sie können den Stromvertrag unabhängig von Ihrem Mietvertrag kündigen. Geregelt sind diese und weitere Punkte durch das Mieterstromgesetz.

Der Anbieter deckt Ihren gesamten Strombedarf

Jeder Betreiber einer Photovoltaik-Anlage kann seinen Solarstrom an Verbraucher liefern. Gehört dem Betreiber der Solaranlage das Wohnhaus nicht, kann er die Dachfläche vom Eigentümer pachten. Oder Betreiber und Eigentümer kooperieren. Wie auch immer die Konstellation aussieht: Wer den Strom liefert, ist rein rechtlich Energieversorger und Ihr Vertragspartner.

Der Lieferant von Mieterstrom ist verpflichtet, Sie vollständig mit elektrischer Energie zu versorgen. Reicht die Solarstromproduktion nicht aus, um Ihren Stromverbrauch zu decken, muss der Versorger zusätzlichen Strom besorgen und liefern. Ob es sich dabei um Ökostrom oder konventionellen Strom handelt, sollte im Liefervertrag festgelegt sein. Sie erhalten am Ende eine Abrechnung für Strom aus unterschiedlichen Quellen.

Stromliefervertrag ist unabhängig vom Mietvertrag

Der Liefervertrag für Mieterstrom darf nicht Bestandteil des Mietvertrags sein. Wenn Sie in eine Wohnung einziehen, deren Vormieter Solarstrom vom Dach nutzte, müssen Sie dies nicht auch tun. Sie können den Liefervertrag für Mieterstrom ausschlagen und sich einen alternativen Anbieter suchen. Oder Sie entscheiden sich für das Angebot – dann schließen Sie einen Vertrag über die Stromlieferung, der vom Mietvertrag unabhängig ist. Wenn Sie den Stromvertrag wieder kündigen, hat dies keine Auswirkung auf den Mietvertrag. Sobald Sie aber Ihren Mietvertrag kündigen oder er ausläuft, endet Ihr Stromliefervertrag automatisch zum gleichen Zeitpunkt.

Damit sich ein Mieterstromprojekt rechnet, sollte etwa ein Viertel der Mieter im Haus das Angebot annehmen. Je mehr Mieter den günstigen Solarstrom vom Dach direkt verbrauchen, desto kleiner ist die Menge, die der Versorger als Überschuss ins Stromnetz speist. Und desto kleiner ist die teuere Strommenge, die über das Stromnetz zu den Kunden fließt, wenn die Solaranlage nicht genügend Strom erzeugt. Bislang sind die Erfahrungen der Versorger, dass in Neubauten nahezu alle Mieter den Strom vom Dach beziehen. In Altbauten sind es weniger. 

Entscheiden Sie sich für Mieterstrom, darf der Stromliefervertrag maximal ein Jahr laufen und sich dann um jeweils ein weiteres Jahr verlängern. Die Kündigungsfrist beträgt maximal drei Monate. Mehr ist gesetzlich nicht erlaubt. Ein Anbieter kann natürlich auch kürzere Laufzeiten und Fristen wählen. Finanztip empfiehlt grundsätzlich, dass Stromlieferverträge zunächst maximal ein Jahr laufen und sich dann Monat um Monat verlängern. Die Kündigungsfrist sollte maximal sechs Wochen betragen.

Alle Regelungen zum Wechsel des Stromanbieters gelten auch bei Mieterstrom-Tarifen. Der Anbieter kümmert sich um den Wechsel und meldet Sie beim bisherigen Versorger ab. Sollten sich die Preise erhöhen, muss der Versorger das mitteilen. Dann steht es Ihnen frei, das Sonderkündigungsrecht zu nutzen und einen anderen, günstigeren Versorger zu wählen. Für die Suche empfehlen wir unseren Finanztip-Stromrechner.

Durch Zuschlag sollen sich Projekte bundesweit lohnen

Ob Sie sich für Mieterstrom entscheiden, sollten Sie vor allem anhand der Tarife entscheiden. Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen die Anbieter günstige Preise wählen. Das schafften Versorger vor Einführung des Zuschlags nur bei wenigen Projekten, vor allem in Städten mit niedrigen Netzentgelten. Das Mieterstromgesetz soll nun helfen, dass sich der direkte Verkauf von Solarstrom in vielen weiteren Städten und Projekten lohnt – für den Anbieter und den Mieter.

Dazu führt das Gesetz eine neue Förderung für Solarstrom ein: Wer die Energie an Mieter im gleichen oder benachbarten Haus liefert, erhält über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen Zuschlag. Dessen Höhe hängt von der Größe der Anlage und dem Monat ihrer Installation ab. Wie alle Fördertarife des EEG sinkt auch die Höhe des Mieterstromzuschlags regelmäßig. Bis Ende Januar 2018 gibt es zwischen 2,65 und 3,7 Cent pro Kilowattstunde Extra-Geld vom Staat. 18 Projekte haben bislang einen Zuschlag erhalten, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. 

Viele weitere Projekte befinden sich in der Umsetzung. In den kommenden Jahren erhofft sich die Politik den Bau von 12.500 Mieterstromanlagen. Die Wohnungsgenossenschaften und Energieversorger forcieren die Entwicklung ebenfalls: So setzt sich der Unternehmensverbund Solaroffensive Hamburg dafür ein, 5.000 Dächer in der Hansestadt mit Photovoltaik-Anlagen auszurüsten, deren Strom zu einem großen Teil Mieter versorgen soll. Die Stadtwerke Berlin planen bis 2023 rund 60 Millionen Euro in Mieterstrom-Projekte zu investieren - damit lassen sich etwa 500 Anlagen mit durchschnittlich 100 Kilowatt Leistung errichten.

Mieterstrom muss 10 Prozent unter Grundversorgungstarif liegen

Der Zuschlag soll dem Versorger helfen, günstige Tarife anzubieten und damit natürlich auch wettbewerbsfähig zu sein. Der Mieterstrom muss mindestens 10 Prozent günstiger sein als die Grundversorgung vor Ort.

Eine Kilowattstunde in der Grundversorgung kostet durchschnittlich 30,62 Cent bei einem Verbrauch von 2.500 bis 5.000 Einheiten im Jahr (Angaben der Bundesnetzagentur, Grundpreis ist eingerechnet). Geförderter Mieterstrom sollte damit bei dem erwähnten Verbrauch im Schnitt 27,56 Cent pro Kilowattstunde kosten. Bei 1.000 bis 2.500 Kilowattstunden Verbrauch liegt der Durchschnittspreis bei 32,91 Cent pro Kilowattstunde. Geförderter Mieterstrom darf damit im Schnitt nur 29,62 Cent pro Kilowattstunde kosten. Er kann aber noch 1 bis 2 Cent pro Kilowattstunde günstiger sein, wie bereits Projekte ohne Förderung zeigen.

Kosten für die Wartung oder Reparatur der Photovoltaik-Anlage sollten über den Strompreis gedeckt sein. Für den Betrieb der Anlage dürfen Ihnen als Mieter keine Kosten über die Miete oder die Nebenkosten in Rechnung gestellt werden.

Mieterstrom-Tarife

Tarif oder Projektname Stromversorger Grundpreis in Euro pro Monat Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde
Sonne+ 2017 Berliner Stadtwerke 6 24,95
Wagnis 4 Wagnis eG 2 26

Die Daten in der Tabelle stammen von den Versorgern und orientieren sich im Fall von Wagnis an einem Stromverbrauch von 1.500 Kilowattstunden im Jahr. Bislang erhält kein Projekt der beiden Versorger eine Förderung.

Während die Münchner Genossenschaft Wagnis mit unterschiedlichen Tarifen je Projekt arbeitet, bieten die Stadtwerke Berlin einen einheitlichen Mieterstromtarif in der Hauptstadt. Damit haben die Stadtwerke Berlin im Moment noch ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Anbietern wie Polarstern, Naturstrom oder Greenpeace Energy. Diese kalkulieren einen Tarif entsprechend der Bedingungen vor Ort. 

Keine Netzentgelte, keine Stromsteuer, keine Konzessionsabgabe

Dass Mieterstrom günstig sein kann, liegt an der Zusammensetzung des Preises. Viele Kostenbestandteile fallen beim Mieterstrom weg, da er nicht über das Stromnetz fließt, sondern direkt am Ort der Erzeugung verbraucht wird: keine Netzentgelte, keine Konzessionsabgabe, keine Stromsteuer. Weitere Umlagen entfallen ebenfalls. Zu berücksichtigen sind lediglich fünf Posten: die Kosten für Erzeugung, Vertrieb und Zähler mitsamt Messung sowie Abrechnung, EEG-Umlage und Mehrwertsteuer.

Mit einer Anlage mit mehr als zehn Kilowatt Leistung lässt sich Solarstrom für 8 bis 10 Cent pro Kilowattstunde produzieren. Das ist zwar mehr als das Doppelte des Preises an der Strombörse. Aber vor allem das Wegfallen der Netzentgelte und der Stromsteuer gleicht diesen Nachteil mehr als aus. Schlägt man die EEG-Umlage in Höhe von 6,88 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2017 und die Mehrwertsteuer auf, ergibt sich ein Preis von 18 bis 20 Cent pro Kilowattstunde. Der Aufwand des Lieferanten und das Messstellenentgelt sind dabei noch nicht berücksichtigt. Diese Kosten kann der Versorger locker über den Zuschlag wieder reinholen.

Zum Jahreswechsel sinkt die EEG-Umlage leicht auf 6,792 Cent pro Kilowattstunde. Mieterstromtarife können dann noch günstiger sein.

2 bis 3 Cent pro Kilowattstunde weniger als Haushaltsstrom

Trotzdem wird es keine Tarife für geförderten Mieterstrom geben, die sich lediglich auf 18 bis 20 pro Kilowattstunde belaufen. Denn wer den Zuschlag beanspruchen will, darf sich nicht auf die Lieferung von Solarstrom beschränken, sondern muss die gesamte Stromnachfrage eines Verbrauchers bedienen. Eine Photovoltaik-Anlage deckt gewöhnlich rund 30 Prozent des Bedarfs eines Haushalts. Dies bestätigt sich auch in vielen Mieterstrom-Projekten. In manchen Häusern liegt der Anteil der Solarstromversorgung sogar bei bis zu 68 Prozent.

Den Reststrom liefern die Anbieter über das Stromnetz. Und damit sind für diesen Teil wieder alle Entgelte, Umlagen und Abgaben einzurechnen, die auf den direkt genutzten Solarstrom nicht anfallen. In der Summe ergibt sich ein Tarif, der die gesamten Kosten mindestens decken sollte – sowohl des Sonnenstroms vom Dach als auch des Reststroms aus dem Netz. In Regionen mit hohen Netzentgelten wird daher geförderter Mieterstrom immer mehr kosten als in Regionen mit niedrigen Netzentgelten.

Trotzdem kann Mieterstrom überall in Deutschland allein dank des Zuschlags rund 1 Cent günstiger sein als ein Tarif, bei dem die gesamte Energie über ein Stromnetz fließt. In Summe ergeben sich mit den Vorteilen aus der direkten Nutzung von Solarstrom damit 2 bis 3 Cent pro Kilowattstunde, die Mieterstrom günstiger als gewöhnlicher Haushaltsstrom sein kann. Wollen Sie dies prüfen, so nutzen Sie unseren Finanztip-Stromrechner: Er zeigt Ihnen die günstigsten Tarife an Ihrem Wohnort, die zugleich unseren verbraucherfreundlichen Kriterien entsprechen.

Batteriespeicher lohnen sich für erste Mieterstrom-Projekte

Zusätzliche Einnahmen bekommt der Betreiber, wenn seine Photovoltaik-Anlage mehr Solarstrom erzeugt als direkt verbraucht wird. Nach bisherigen Erfahrungen sind das 20 bis 30 Prozent der produzierten Energie. Diesen Überschuss kann der Anlagenbetreiber ins Stromnetz leiten und bekommt dafür Geld. Möglich ist aber auch, die Überschussmenge zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt den Mietern zu liefern. Erste Mieterstrom-Projekte beinhalten denn auch schon einen Speicher.

Der Kauf eines Batteriespeicher lohnt sich seit Mitte 2017 für fast jeden Haushalt, der selbst Solarstrom erzeugt und verbraucht. Vorteil: Ein Eigenversorger zahlt keine EEG-Umlage oder nur 40 Prozent davon auf jede Kilowattstunde Solarstrom. Umsatzsteuer fällt nur an, wenn er die Anlage als Unternehmer betreibt und dabei nicht die Kleinunternehmerregel nutzt.

Alternative: Solarstrom vom Dach, Reststrom von anderem Versorger

Es ist auch möglich, dass Solarstrom vom Dach direkt die Mieter im Wohnhaus versorgt, ohne dass der Anlagenbetreiber den Mieterstromzuschlag nutzt. Dann ist er auch nicht verpflichtet, die Belieferung mit Reststrom zu übernehmen, wenn kein Solarstrom zur Verfügung steht. Der Mieter behält dann seinen Stromliefervertrag mit seinem bisherigen Versorger und nutzt Sonnenstrom vom Dach seines Wohnhauses, sofern dieser verfügbar ist. Er senkt damit seinen Strombezug aus dem Stromnetz und profitiert vom günstigeren Mieterstrom. Günstig ist der Mieterstrom auch in diesem Modell, weil keine Netzentgelte, keine Stromsteuer, die meisten Umlagen und Abgaben nicht anfallen. Unterliegt der Anlagenbetreiber der Kleinunternehmerregel, muss er noch nicht einmal Mehrwertsteuer berechnen.

In der Praxis findet sich dieses Modell selten und wenn, dann eher in Wohnhäusern, in denen neben dem Eigentümer auch Mieter leben. Produziert die Photovoltaik-Anlage des Hauseigentümers mehr Strom, als er selbst benötigt, kann er die Energie seinen Mietern verkaufen, anstatt sie ins Netz zu speisen.

Möglicherweise erfährt dieses Geschäftsmodell in Zukunft stärkeren Auftrieb, wenn die EEG-Förderung für die ersten Photovoltaik-Anlagen Ende 2020 ausläuft. Wollen die Eigentümer ihre Kraftwerke weiter betreiben, müssen sie auch entscheiden, was sie mit dem Strom tun.

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Artikel verfasst von

Ines Rutschmann

Finanztip-Expertin für Energie

Als Expertin für Energie widmet sich Ines Rutschmann allen Fragen, die sich Verbrauchern rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung, wo sie auch ihre journalistische Grundausbildung absolvierte. Danach war sie unter anderem für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines Rutschmann ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Abschluss als Master of Science in Energiemanagement.