Steuerklasse 4 mit Faktor

So teilen Partner die Lohnsteuer fair auf

Das Wichtigste in Kürze

  • Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können anstelle der Steuerklassenkombinationen III/V oder IV/IV auch die Kombination IV/IV mit Faktor wählen.
  • Diese Kombination bietet sich Paaren an, die unterschiedlich verdienen und die den Splittingvorteil schon beim monatlichen Lohnsteuerabzug gerecht untereinander aufteilen möchten.
  • Durch das Faktorverfahren entspricht der Lohnsteuerabzug im laufenden Jahr in etwa der Jahreseinkommensteuer – so müssen Sie weniger nachzahlen.

So gehen Sie vor

  • Das Faktorverfahren können Sie beim Finanzamt formlos beantragen oder schriftlich mit dem „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“.
  • Die Steuerklasse wechseln können Sie grundsätzlich nur einmal im Jahr.
  • Ob sich das Faktorverfahren für Sie lohnt, können Sie anhand eines Steuerrechners leicht ermitteln.
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Anders als Singles können Verheiratete und eingetragene Lebenspartner beeinflussen, wie viel Lohnsteuer sie monatlich zahlen: Je nachdem, welche Steuerklassen Sie und Ihr Partner wählen, können Sie von einem günstigen Lohnsteuerabzug profitieren.

Ehepaare und eingetragene Lebenspartner haben drei Möglichkeiten bei der Wahl ihrer Steuerklasse: Viele nutzen die Variante III/V. Sie können sich aber auch beide für die Steuerklasse IV entscheiden oder die Kombination IV/IV mit Faktor wählen. Welche Kombination für wen am günstigsten ist, richtet sich danach, wieviel beide Partner verdienen. Für Paare, deren Gehaltsunterschied nicht besonders groß ist, kann das Faktorverfahren eine echte Alternative sein.

Faire Lastenverteilung zwischen den Partnern

Verdienen beide Partner ungefähr gleich viel, ist die Steuerklassen-Kombination IV/IV am günstigsten. Liegen die Gehälter hingegen weit auseinander, lohnt sich eher die Kombination III/V. Dabei wählt der höherverdienende Partner die Klasse III, um von beiden Grundfreibeträgen (2017: zweimal 8.820 Euro, 2018: zweimal 9.000 Euro) profitieren zu können. Mehr dazu finden Sie unter Wahl der Steuerklassen.

Zudem gibt es die Möglichkeit, die Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktor zu wählen. Das Faktorverfahren soll dafür sorgen, dass die Lohnsteuerlasten innerhalb einer Ehe oder eingetragenen Lebenspartnerschaft gerechter verteilt sind.

Die Steuerklassenkombination III/V ist trotzdem immer noch sehr beliebt. Sie bietet sich aus steuerlicher Sicht an, wenn die Gehaltsunterschiede mindestens 60 zu 40 betragen oder sogar noch größer sind. Der Ehe- oder Lebenspartner mit Steuerklasse V muss dabei allerdings besonders hohe Lohnsteuerabzüge in Kauf nehmen und wird sich fragen, ob sich seine Arbeit überhaupt rechnet. Mit dem Faktorverfahren will der Gesetzgeber diese Hemmschwelle für die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit zu senken.

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So wirkt der Faktor

Durch das Faktorverfahren können sich für jeden Ehegatten oder Lebenspartner die steuerentlastenden Vorschriften direkt beim laufenden Lohnsteuerabzug auswirken. Jeder Partner profitiert also beispielsweise vom eigenen Grundfreibetrag oder gegebenenfalls einem Kinderfreibetrag. Mit dem Faktor wird außerdem die steuermindernde Wirkung des Splittingverfahrens beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. In welcher Höhe das sogenannte Ehegattensplitting eine steuermindernde Wirkung entfaltet, hängt davon ab, wie unterschiedlich hoch die Gehälter beider Partner sind.

Antrag stellen: Den Faktor müssen Sie jährlich neu beim Finanzamt beantragen – entweder formlos oder mit einem „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“. Die Angaben zum Faktorverfahren müssen Sie auf der zweiten Seite oben eintragen.

Im laufenden Jahr können Sie das Faktorverfahren gemeinsam mit Ihrem Ehegatten oder Lebenspartner einmal ohne Begründung beantragen, spätestens bis zum 30. November. Für das Folgejahr, für das Ihre elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale gelten sollen, können Sie einen solchen Antrag stellen oder Ihre Steuerklassenkombination wieder ändern lassen.

Faktorberechnung: Anhand Ihrer voraussichtlichen Arbeitslöhne berechnet das Finanzamt einen Faktor mit drei Nachkommastellen. Diesen Faktor wendet es auf die nach der Steuerklasse IV ermittelten Lohnsteuerabzugsbeträge als Multiplikator an.

Vor- und Nachteile: Mit dem Faktorverfahren entspricht der Lohnsteuerabzug der voraussichtlichen Jahressteuerschuld schon ziemlich genau. Damit lassen sich höhere Nachzahlungen – und möglichweise auch Einkommensteuer-Vorauszahlungen – vermeiden, die bei der Steuerklassenkombination III/V auftreten können. Allerdings ist die Lohnsteuer für beide Partner insgesamt im Faktorverfahren regelmäßig höher als bei der Steuerklassenkombination III/V. Die Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktor ergibt eine völlig andere Verteilung der Lohnsteuer zwischen den Ehegatten oder Lebenspartnern als die Steuerklassenkombination III/V.

Lohnsteuer vorab errechnen: Um Ihre Lohnsteuer im Faktorverfahren zu ermitteln, können Sie den interaktiven Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums nutzen.

Ein Rechenbeispiel dazu, wie der Faktor ermittelt und angewendet wird, finden Sie im Merkblatt des Bundesfinanzministeriums zur Steuerklassenwahl für das Jahr 2017. Das Merkblatt enthält außerdem Tabellen zur Steuerklassenwahl.

Steuererklärung ist Pflicht: Wenn Sie sich für das Faktorverfahren entschieden haben, müssen Sie eine Einkommensteuererklärung abgeben.

Lohnersatzleistungen: Denken Sie daran, dass die Wahl der Steuerklassenkombination oder der Anwendung des Faktorverfahrens auch die Höhe von Lohnersatzleistungen beeinflusst. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung, Krankengeld, Versorgungskrankengeld, Verletztengeld, Übergangsgeld, Mutterschaftsgeld und Elterngeld oder die Höhe des Lohnanspruchs bei der Altersteilzeit. Eine vor Jahresbeginn getroffene Steuerklassenwahl erkennt die Agentur für Arbeit bei der Gewährung von Lohnersatzleistungen grundsätzlich an.

Sollten Sie im Laufe des Jahres die Steuerklassen wechseln oder das Faktorverfahren wählen, kann sich das auch auf Ihre Lohnersatzleistungen auswirken. Rechnen Sie damit, demnächst Elterngeld zu erhalten oder beziehen Sie vielleicht schon Arbeitslosengeld oder Mutterschaftsgeld? Oder planen Sie, in Altersteilzeit zu gehen? Bevor Sie sich für eine neue Steuerklassenkombination entscheiden, sollten Sie prüfen, wie sich das auf die Höhe der Lohnersatzleistungen auswirkt. Fragen Sie im Zweifel beim Arbeitsamt oder bei Ihrem Arbeitgeber nach.

Nur wenige Paare nutzen das Faktorverfahren

Die Kombination IV/IV mit Faktor gibt es seit 2010. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner nehmen diese relativ neue Variante bisher allerdings nur zögerlich an. Die gesetzliche Regelung zum Faktorverfahren können Sie in Paragraf 39f des Einkommensteuergesetzes nachlesen.

Beispielrechnung
Wie das Faktorverfahren wirkt, lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen: Ehepaar Mustermann lebt in Nordrhein-Westfalen, sowohl Herr Mustermann als auch seine Frau sind voll sozialversicherungspflichtig. Der Mann verdient im Jahr 2017 brutto 36.000 Euro, seine Frau 20.400 Euro brutto. Die beiden entscheiden sich für eine Zusammenveranlagung in der Steuererklärung.

So errechnet sich der Faktor für die Mustermanns

voraussichtliche Einkommensteuer beider Ehegatten 6.532 €
Summe der errechneten Lohnsteuer beider Ehegatten (bei Steuerklasse IV/IV, ohne Faktor) 6.725 €
aus diesen Angaben wird der folgende Faktor errechnet 0,971

Quelle: Merkblatt zu Steuerklassenwahl des Bundesfinanzministeriums (Stand: 17.10.2017)

Lohnsteuer bei verschiedener Steuerklassenkombination

Lohnsteuer nach Steuerklassenkombination Ehemann Ehefrau Summe Differenz¹
III/V 2.304 € 3.916 € 6.220 € -312 €
IV/IV (ohne Faktor) 5.202 € 1.523 € 6.725 € 193 €
IV/IV (mit Faktor) 5.051 € 1.478 € 6.529 € -3 €

¹: zur voraussichtlichen Einkommensteuer des Ehepaars

Die Modellrechnung zeigt außerdem, dass das Ziel des Faktorverfahrens erreicht ist: ein möglichst zutreffender Lohnsteuerabzug, der in etwa der Jahreseinkommensteuer entspricht.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Mitarbeiterin (bis 2015)

Als freie Mitarbeiterin hat Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern geschrieben. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.